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Gtntral-Anzeiger

AmlklhtS Grgsn für SUM- out Mkreis Samu,

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Mk. 12 Zyernsprechanschlich Nr. 230.

Montag den 15. Januar

Fernsprechanschlutz Nr. 230. 1912

Amtliches.

M Stadtkreis F)an au.

1 Bekanntmachung.

Unter dem Viehbestände des Landwirts Leonhard Bracker, Fèscherstraße Nr. 3, hier, ist die Maul- und Klauen­seuche amtlich festgestellt worden.

Zur Verhütung der Weiterverbreitung der Seuche wer­den hiermit folgende Schutzmaßregeln angeordnet: Der Stadtkreis Hanau bildet für den Stadtteil, der durch den Kanalplatz, die Römerstraße, die Glockenstraße bis zum Schnittpunkt der Steinheimer-, Hahnen- und Gärtnerstraße, die Steinheimerstraße bis zum Stadtgraben und durch letz­teren selbst bis zum Kanaltor begrenzt wird, einen Sperr­bezirk.

Innerhalb des Sperrbezirks gelten folgende Destim- i mungen:

4. Sämtliche Wiederkäuer und Schweine unterliegen der Stallsperre.

2. Das Geflügel in dem Seuchengehöft und in den Nach­bargehöften ist so einzusperren, daß es den Hof nicht verlassen kann. Für Tauben gilt dies insoweit, als die örtlichen Verhältnisse die Verwahrung ermöglichen.

3. Die Hunde sind festzulegen. Dem Festlegen ist das Füh­ren an der Leine gleichzuachten.

4. Das Betreten des verseuchten Stalles ist nur dem Be­sitzer, den mit der Wartung und Pflege beauftragten Personen und den Tierärzten gestattet.

5. Händlern, Schlächtern, Viehkastrierern und andern tn Ställen gewerbsmäßig verkehrenden Personen ist das Betreten des verseuchten Gehöftes strengstens untersag:.

6. Die Abgabe roher Milch und von Molkereirückständen aus dem verseuchten Gehöfte ist verboten. Dieses Ver­bot erstreckt sich nicht auf Butter und Käse.

7. Die Einfuhr von Klauenvieh in den Sperrbezirk ohne Erlaubnis ist verboten. Die Einfuhr von Klauen­vieh zur sofortigen Abschlachtung kann nur unter der Bedingung gestattet werden, daß die Einführung auf Wagen oder mit der Eisenbahn geschieht. Die Aus­fuhr von Klauenvieh aus dem Sperrbezirk und der Durchtrieb von Klauenvieh durch den Sperrbezirk sind verboten.

Die Ausfuhr von schlachtreifem Vieh zu Schlacht­zwecken kann ausnahmsweise und nur in dringenden Fällen mit Genehmigung des Herrn Regierungspräsi­denten, welche bei mir zu beantragen ist, erfolgen.

8. Das Verladen von Vieh auf der Bahnstation Hanau- West ist verboten.

Gleichzeitig wird der Durchgang über das Grundstück Fischerstraße 2 nach der Neuen Anlage und umgekehrt bis ) zur Aufhebung der Eehöftsperre verboten.

Orlitoricnvcrcin.

Indem wir auf das bereits veröffentlichte Programm des 2. Abonnementskonzertes am 18. Januar Hinweisen, sei es gestattet, in erster Linie auf die solistischen Kräfte aufmerksam zu machen, welche berufen sind, dem Konzert das Gepräge eines Lieder- und Kammermusikabends zu geben. Zunächst ist Fräulein Elsa Gregory aus Berlin zu nennen, die als treffliche Konzertsängerin bekannt ist, besonders aber ihren Ruf als Sängerin zur Laute begründet hat und deshalb sowohl Lieder am Klavier und zwar 4 reizvolle Kompositionen von Hugo Wolf, wie auch solche zur Laute vortragen wird. Unter den letzteren sei her­vorgehoben das ergreifend schöneIn stiller Nacht", welches Brahms für 4stimmigen Chor gesetzt hat. Die Dichtung des Friedrich v. Spee, die er in seiner SammlungTrutznachti­gall" herausgegeben hat, ist nichts anderes als einTrauer­gesang von der Not Christi am Oelberg in dem Garten", von dem hier aus den vorhandenen 15 Strophen nur 3 be­nutzt sind. »Die herrliche Melodie ist in keiner alten Samm­lung zu finden und es ist ungewiß, ob sie überhaupt ein überliefertes Volkslied ist. Sie gehört nach dem Urteil Friedländers, des bedeutenden Liederforschers, zu den schön­sten und ergreifendsten Stimmungsbildern der neueren Vokalmusik.

Der Jnstrumentalsolist, Herr Ary Schuyer, erster Solocellist der Frankfurter Oper, genießt als Kammermusik­spieler begründetes Ansehen, besonders seit seiner Mit­wirkung als Cellist des Frankfurter Trios im Verein mit Frau Prof. Bassermann und Konzertmeister H. Lange. Die schwungvolle Sonate von Ed. Grieg, wie auch die melodisch anziehenden Variationen des französischen Komponisten Boellmann wird er im Verein mit dem Dirigenten, Herrn Dr. F. Limbert, zum Vortrag bringen.

Der Verein hat es sich angelegen sein lassen, 3 Frauen­chöre, neuere Kompositionen seines allverehrten Präsidenten.

Die Vorschriften bezw. Maßnahmen in den Bekannt­machungen vom 2. November 1911 P. 11793 und vom 5. d. Mts. P. 120 veröffentlicht imHanauer An­zeiger" vom 5. d. Mts. bleiben unberührt.

Hanau den 13. Januar 1912. P. 232

Königliche Polizei-Direktion.

J. A.: K a r b e.

Gtfiiiidrne mit) verlorene Gcgciistmidc ic.

Gefunden: 2 Futterbeutel, 1 Portemonnaie mit 2,10 Mk., 1 emaillierte Milchkanne, 1 schwarzes Damen­portemonnaie mit 1,74 Mk. und einem goldenen Trau­ring, 1 alte gelbe Reisetasche (Inhalt: 1 Rohrzange, 1 Schraubenzieher, 1 Schlüssel (Dietrichs Seife, 1 Dose Schuhcreme und 1 Wichsbürste).

Verloren: 1 Damengürtel mit Silberverschluß, 1 goldener Herrenring mit blau-weiß-rotem Stein, 1 goldene Damenuhr, 1 Brosche (Stiel mit 2 Blüten, 2 goldene Blättchen und rotem Stein).

Zugelaufen: 1 junger schwarzer Hund w. Geschl. Hanau den 15. Januar 1912.

Das Resultat.

Gewinn und Verlust der Parteien.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht nachstehende Ueber­sicht über das Ergebnis der Hauptwahl.

Parteien

Bis­herige Partei- stärke

End­gültig er­wählt

dar­unter Ge­winn

Ver­lust

In Stich­wahl

Konservative ......

59

26

2

9

46

Reichspartei......

25

5

2

9

19

Deutsche Reformpartei . .

3

8

Wirtschaftliche Vereinigung,

und zwar:

Deutsch-'ozial ....

5

2

4

Christlich sozial . . .

2

1

1

3

Bund der Landwitte . .

4

2

2

Sonstige .....

7

5

3

Zentrum.......

103

81

1

7

29

Polen........

20

15

10

Nationalliberale.....

51

4

2

15

67

Fortschrittliche Volkspartei .

49

11

56

Demokratische Vereinigung .

1

Sozialdemokraten, ....

53

64

25

2

121

Elsäster.......

5

5

2

1

2

Liberale Elsäster ....

6

Lothringer......

3

1

2

Welfen .......

1

1

5

Dänen........

.1

1

Unbestimmt (Wili)

6

1

1

4

9

Summa

397

206

382

Herrn Prof. Henkel , vor die Oeffentlichkeit zu bringen. Obschon diese 4stimmig komponierten Chorlieder technisch nicht leicht sind, ist ihre ganze Haltung von edelster Volks­tümlichkeit und ihr melodischer Gehalt so gewinnend, daß sie ohne Zweifel viele Freunde finden werden.

Neben zwei geistlichen Chören von Rosenmund und Bruch bringt der Verein noch eine fast unbekannte Kompo­sition von Franz Liszt, dessen in fast allen deutschen und ausländischen Konzertsälen in seinem Jubiläumsjahr ge­dacht wurde. Es sind dies dieChöre der Engel" aus GoethesFaust", welche Liszt zu einer Eelegenheitskompo- sition für die Eoethefeier in Weimar im Juli 1849 zu­sammengestellt hat. Mit der Darbietung dieser Komposition will der Oratorienverein auch an seinem Teil des Meisters gedenken, der in seinem Leben durch sein selbstloses Wirken mehr Anderen als sich selbst gedient und dadurch die Werke seiner Kunstgenosien weit mehr als seine eigenen ge­fördert hat.

Kunst und Ceben.

11. Wissenschaftliche Sitzung der Senckenbergischen Natur­forschenden Gesellschaft.

Frankfurt a. M., 13. Januar 1912.

Vorsitzender: Prof. Dr. A. Knoblauch.

L. Müller-Mainz, München, spricht über:

Zoologische Beobachtungen am unteren Amazonas".

Das Tiefland des Amazonas ist verhältnismßig ein noch junges Gebiet; denn bis in das Quartär hinein befand sich an seiner Stelle ein Meere'sbusen. Er war jedoch sehr seicht und wurde im Laufe der Jahrtausende durch die Sedimente der sich in ihn ergießenden Ströme ausgefüllt. So tauchte Amazonien langsam wieder aus den Fluten auf, aber auch heute noch ragt es nur unbedeutend über den Meeresspiegel hervor. Infolge dieser seiner Tieflage ist Amazonien ein

Die Gruppierung der Stichwahlen.

Nach den jetzt vollständig vorliegenden Ergebnissen, die aber vermutlich noch in einigen Punkten korrigiert werden, gruppieren sich die Stichwahlen folgendermaßen:

Die Fortschrittliche Volkspartei steht in 56 Stichwahlen, davon: mit den Konservativen in folgenden 15: Labiau- Wehlau, Oldenburg-Ploen, Grsifswald-Erimmen, Stral­sund, Malchin-Waren, Königsberg-Land, Parchim-Ludwigs­lust, Löwenberg, Lüben-Bunzlau, Minden-Lübbecke, Ulm, Gumbinnen-Insterburg, Schweinitz-Wittenberg, Glogau, Emen; mit den Freikonservativen in 3: Tilsit, Zabern und Züllichau-Krosten; mit den Sozialdemokraten in folgenden 31: Dithmarschen, Herzogtum Lauenburg, Rostock, Zauch- Belzig, Weimar, Berlin I, Liegnitz, Danzig-Stadt, Karls­ruhe, Freudenstadt-Oberndorf, Gmünd-Göppingen, Calw- Nagold, Hirschberg, Tübingen, Lippe-Detmold, Frankfurt am Main, Görlitz, Hagen-Schwelm, Oldenburg I, Varel- Jever, Pinneberg, Balingen-Rottweil, Nordhausen, Merse­burg, Oberbarnim, Lennep-Mettmann, Flensburg, Altena- Iserlohn, Plauen i.V., Meiningen-Hildburghausen, Schaum­burg; mit den Nattonalliberalen in 3: Bingen-Alzey, Eckernförde, Tondern-Husum; mit dem Zentrum in 2: Frau- stadt-Lissi; mit der Wirtschaflichen Vereinigung in 2: Wald­eck, Backnang-Hall.

Die Nationalliberalen sind in 65 Stichwahlen, und zwar außer den schon erwähnten mit der Fortschrittlichen Volks­partei in: 5 mit Konservativen: Osterburg-Stendal, Kreuz­nach (Bund der Landwirte), Salzwedel-Gardelegen, Bern- burg, Diez-Limburg (Bund der Landw.); 1 mit den Frei- konservativen: Mecklenburg-Strelitz; 32 mit Sozialdemo­kraten: Sorau-Forst, Syke-Hoya (Held, wild), Halle-Her­ford, Torgau-Liebenwerda, Einbeck-Northeim, Wolmirstedt- Neuhaldensleben, Otterndorf.-Neuhaus (bisher Dr. Diedr. Hahn), Bayreuth, Stade, Schwerin-Wismar, Sonders­hausen, Guben, Castel, Löbau-Sachsen, Destau, Darmstadt, Hameln, Bochum, Sangerhausen-Halberstadt, Friedberg- Büdingen, Frankfurt a. O., Leipzig, Duisburg, München I, Breslau-Ost, Wiesbaden, Helmstedt-Wolfenbüttel, Heidel­berg, Eisenach, Landau, Koburg, Dresden-Altstadt; 12 mit dem Zentrum: Ottweiler-St. Wendel, Mörs-Rees, Jmmen- stadt, Saarbrücken, Lörrach, Böblingen, Konstanz, Germers­heim, Offenburg; 4 mit Welfen: Neustadt-Nienburg, Uel- zen-Lüchhow, Lüneburg, Melle-Diepholz; 2 mit Polen: Eraudenz und Strasburg; 3 mit der Wirtschaft!. Vereini­gung: Alsfeld-Lauterbach, Wetzlar, Dillenburg; 1 mit Li­tauer: Memel.

Die Konservativen sind in 42 Stichwahlen, und zwar außer den schon vorher erwähnten: mit den Sozialdemo­kraten: in Kalau-Luckau, Königsberg-Neumark-Ruppin- Templin, Vreslau-Neumarkt, Mühlhausen-Langensalza, Freiberg, Grünberg-Freystadt, Ansbach-Schwabach, Schweiü- Ueberschioemmungsgebiet, wie kaum ein zweites auf der Erde. Zur Regenzeit vermag der Amazonas die enormen Wastermasten nicht genügend rasch dem Meere zuzuführen, und nahezu Zweifünftel des gesamten Amazonastieflandes werden teils durch die über ihre Ufer tretenden Étröme, teils durch die Regenmengen selbst unter Wasser gesetzt. Nur die höchstgelegenen Stellen des Landes bleiben von der Ueberflutung verschont, und dieses hochgelegene Land be­zeichnet man als Terra firma, im Gegensatz zu dem Jnun- dationsgebiet der Regenzeit. Zu Beginn der Trockenzeit verläuft sich das Wasser, und das Jnundationsgebiet bleibt trocken, bis nach sechs Monaten die neue Regenzeit wieder beginnt.

Da die Flüste Amazoniens nur ein geringes Gefälle haben, können Ebbe und Flut bis weit stromaufwärts ihren Einfluß geltend machen. Es werden daher die den Flüssen zunächst gelegenen niederen Stellen des Ufergeländes bei jeder Flut unter Master gesetzt und überhaupt nie ganz trocken. Dies ist das Gebiet des Sumpfwaldes, des Jgapo.

Jedes dieser drei Gebiete bietet der Pflanzenwelt natur­gemäß verschiedene Existenzbedingungen und hat daher auch eine ganz verschiedenartig zusammengesetzte Flora. Ama­zonien ist daher kein ganz einförmiges Waldland, zumal der Wald des öfteren durch das Auftreten größerer oder klei­nerer Grassteppen, der Campos, unterbrochen wird.

Diese Verschiedenartigkeit der Vegetation ist ein Faktor, der auf die Verbreitung der Tierwelt zum mindesten einen ebenso entscheidenden Einfluß ausübt, wie die großen Flüsse, die für viele Tierarten unüberschreitbare Verbreitungs- Hinderniste bilden. Man findet also, daß in Amazonien jedes Gebiet, das eine differenzierte Flora besitzt, auch eine dieser Flora entsprechende Fauna aufweist.

Dies zeigt uns gleich eine Betrachtung des Trocken­waldes, der Terra firma. Er ist arm an Palmen und arm an Fruchtbäumen, zu denen ja auch verschiedene Palmen arten in hervorragendem Maße zu rechnen stnd. Wir oemerre«