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General-Anzeiger
Awllithts Orga« für §M> and Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Betlag«.
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Nr. 8
^ernsprechanschltttz Nr. 230.
Mittwoch den 10. Januar
Fernsprechanschlutz Nr. 230. 1912
Dit Genügt Hummtr gmfufit mßtt d.Mnliikm«M
14 Seiten.
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Amtliches.
Candkreis Ranau.
Behufs Ermittelung des Ergebnisses der am 12. d. M. stattfindenden Reichstagsroahl habe ich nach Vorschrift des § 26 des Wahlreglements vom 28. Mai 1870/28. April 1903 Termin auf
Dienstag den 16. Januar 1912, vormittags 10 Uhr, in den Sitzungssaal des Kreishauses Hierselbst, Hainstraße, anberaumt.
Hanau den 8. Januar 1912. V. 201
Der Wahlkommissar für den 8. Wahlkreis im Regierungsbezirk t<.
Frhr. Laur, Königlicher Landrat.
Stadtkreis Hanau. Bekonntmochnnn
Von den in den Gemarkungen Hanau, Kesselstadt und Großauheim gelegenen städtischen Grundstücken ist eine Anzahl Parzellen pachtfrei geworden.
Termin zur Verpachtung derselben findet am Montag den 15. Januar 1912, nachmittags 3 Uhr, im Geschäftszimmer der unterzeichneten Kasse (Neust. Rathaus, 1. Obergeschoß, Zimmer Nr. 4) statt.
Pachtliebhaber werden zu diesem Termin eingeladen.
Hanau den 8. Januar 1912. 1083
Stadthauptkaffe.
Bekanntmachung.
Am 1. Januar 1912 treten die Vorschriften des vierten I Buches der Reichsversicherungsordnung über die Jn- i validen- und Hinterbliebenenversicherung in Kraft. Wir
bringen dies zur öffentlichen Kenntnis mit dem Bemerken, daß gemäß einer ministeriellen Verfügung vom 17. November d. J. für alle Aufgaben, die nach der Reichsverficherungsordnung den noch zu errichtenden Oberversicherungsämtern und Versicherungsämtern zuge. wiesen sind, bis zur Bildung dieser Aemter an Stelle der Oberversicherungsämter die Schiedsgerichte und an Stelle der Versicherungsämter die unteren Verwaltungs- behörden treten. Demgemäß liegt in hiesiger Stadt dem Magistrat die Erfüllung der dem Verficherungsamt zugewiesenen Aufgaben ob. Auskunft über Fragen, die die Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung betreffen, wird auf dem Rathaus, Zimmer Nr. 12, erteilt.
Hanau den 21. Dezember 1911. 30665
Der Magistrat.
J. A.: Bartmuß.
Hafer
kauft noch immer das Proviantamt Hanan. 617
Zur Reichstagswahlbewegung.
Vor der Wahlschlacht.
Nur eine knappe Spanne Zeit trennt noch von der Wahl- schlacht. Aber noch Zeit genug, um den vaterländischen Wahlwillen zu wecken. Dieser befiehlt: Erst das Vaterland, dann die Partei! So oft in unserer deutschen Geschichte der vaterländische Wille der Einheit nicht geherrscht hat, lag unser Vaterland in Ohnmacht und Zerriffenheit danieder. Parteisucht, Zersplitterung und Uneinigkeit haben Deutschland von jeher die schwersten Demütigungen, die Zeiten der tiefsten Not und Schmach bereitet. Und wiederum heute, obwohl die steigende rote Hochflut den festen Zusammenschluß aller vaterländischen Kräfte dringend erheischt, bietet die Wahlbewegung vielfach ein Bild der Zerfahrenheit und Veruneinigung derer, die wegen der dem Vaterlande drohenden Gefahr aufeinander angewiesen, zur Einigkeit verpflichtet sein sollten. Die vaterländische Wahlpflicht fordert bte Eintracht zur Abwehr der inneren Feinde, zur Wahrung der nationalen Güter und Errungenschaften, die den Freunden des Vaterlandes gemeinsam sind, denen gegenüber alles, was die Freunde des Vaterlandes trennt, völlig wertlos ist.
Vaterlandspflicht ist das Wählen. Die Tragweite ihrer Erfüllung nicht zu unterschätzen, ist die letzte ernste Mahnung vor der Entscheidung. Die Zukunft des Deutschen Reiches ruht mit in den Händen derer, die durch die Wahl zu berufenen Vertretern des Volkes bestimmt werden sollen. Ob die Grundlagen unserer wirtschaftlichen, militärischen, politischen Machtstellung erhalten und noch gefestigt oder ob sie gefährdet und geändert werden, darüber hat der neue Reichstag ein wesentliches Mitverfügungsrecht. Hier die Größe und Ehre Deutschlands, das künftige Schicksal unseres Volkes, verbürgt durch eine starke Monarchie, sichergestellt durch die schlagfertige Wehrkraft zu Lande und zu Wasser, dort die inneren Feinde, die das Vaterland schwächen, des Reiches Herrlichkeit schmähen und zu schädigen trachten, die Bollwerke unseres nationalen Wohlstandes zertrümmern wollen. Hier die staatserhaltenden Parteien — dort die Sozialdemokraten. Wer könnte schwanken, wie er sich entscheiden, in welche Wagschale er am 12. Januar seine Stimme legen soll! Keinen Umstand, keinen Grund kann es geben, am Wahltage dem Kaiser und dem Reiche die Treue nicht zu betätigen, die staatsbürgerliche Wahlpflichr nicht zu erfüllen. Wenn an einem vaterländischen Tage, wie es der Wahltag ist, unsere Mutter Germania ruft, dann haben alle Stimmen des Zweifelns und des Zauderns, der Verstimmung und der Unzufriedenheit zu schweigen; dann müssen vergessen sein Streit und Hader, dann gilt nur bas eine Wort: „Ans Vaterland ans teure schließ dich an!"
Die Nichtwähler.
In unserem Wahlkreise Hanau-Gelnhausen- O r b haben im Jahre 1907 trotz sehr starker Wahlbeteiligung 5151 Wähler von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht. Unser Wahlkreis hat eine sichere bürgerliche Mehrheit, sie muß nur auf die Beine gebracht werden.
Wir erhalten nachstehende Zuschrift:
Eine Lebensfrage unserer Nation.
Wer keine Vogel-Strauß-Politik treibt und keine Scheuklappen vor den Augen hat, der kann sich der Einsicht nicht entziehen, daß während der verflossenen Monate eine ernste Kriegsgefahr über unserm Haupte geschwebt hat. England hat tm stillen daran gearbeitet, den friedlichen Gang der Marokko-Verhandlungen zwischen Deutschland vnd Frankreich zu stören, um alsdann vereint mit Frankreich über uns Herzufallen. Denn es haßt in uns seinen schärfsten Konkurrenten auf dem industriellen Gebiete und kennt kein heißeres Verlangen, als Deutschland wieder aus seiner Weltmacht- stellung zu verdrängen und uns unsern mühsam errungenen Platz an der Sonne zu rauben. Offen hat der englische Minister Lloyd George im Juli vergangenen Jahres dem Hasse gegen uns sowie dem Entschlusse, uns nicht aufkommen zu lassen, Ausdruck gegeben und dafür die jubelnde Zustimmung ganz Englands geerntet. Nur an der bessern Einsicht der Franzosen, die den rechten Augenblick für einen Rachekrieg noch nicht gekommen hielten, hat es gelegen, daß wir während des letzten Sommers noch von einem Kriege gegen mindestens zwei Großmächte verschont geblieben sind.
Aber ist deshalb die Kriegsgefahr dauernd für uns beseitigt ? Keineswegs; wir können ganz im Gegenteil in Zukunft jeden Augenblick wieder vor die gleiche Situation gestellt werden. Englands Haß dauert fort, solange die Ursachen, die wiederum eine Lebensnotwendigkeit für uns sind, nämlich unser industrieller Wettbewerb und unsere Weltmachtstellung, fortdauern. Englands Lockungen zu einem kriegerischen Bündnisse gegen uns aber können künftig bei Frankreich leicht einmal auf günstigeren Boden fallen, als dies zur Zeit der Fall gewesen ist. Denn darüber dürfen und wollen wir uns nicht täuschen: Frankreich ist und bleibt der Feind Deutschlands, und in den Herzen der Mehrheit des französischen Volkes lebt die Revancheidee ungeschwächt fort. Das lehrt zur Genüge ein Blick auf die Debatte über das Marokko- Abkommen, das Mitte Dezember in der französischen Depu- tiertrnkammer stattfand. Da erklärte der Deputierte Lefebure im Namen der Abgeordneten der östlichen Grenzbezirke, sie würden sich der Abstimmung enthalten um nicht den Anschein zu erwecken, daß ihre Wähler etwa mit einer Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich einverstanden seien. Das wäre ein großer Irrtum; denn für die Lothringer gebe es kein Vergessen und kein Versöhnen. Der Beifall, der dieser Rede folgte, aber schien nicht enden zu wollen.
Solche Zeichen mahnen uns dazu, allezeit kriegsbereit zu sein. Zur Kriegsbereitschaft gehört vor allem, daß wir keine Lücke in unserer Rüstung zu Lande und zu Wasser emtreten lassen. Dazu gehören ferner gute und geordnete Finanzen, wie wir sie ja gegenwärtig dank der Reichsfinanzreform haben. Dazu gehört aber endlich noch ein Drittes, und hierauf möchten wir die Aufmerksamkeit an dieser Stelle lenken.
Deutschland muß seine landwirtschaftliche Erzeugung auf einer Höhe erhalten, die ei für den Kriegsfall in her Versorgung mit den wichtigsten Lebensmitteln, insbesondere mit Brotkorn und Fleisch, vom Ausland« unabhängig macht. Daß die deutsche Landwirtschaft hierzu technisch sehr wohl imstande ist, unterliegt nach dem Urteile der sachverständigsten Autoritäten auf diesem Gebiete keinem Zweifel und auch die Tatsachen zeugen hierfür. Unsere landwirtschaftliche Produktion ist verhältnismäßig weitaus stärker gewachsen als die Devöl kerungsvermehrung, und wir decken unseren Fleischbedarf zu einigen 90 Prozent im Inland und haben in Roggen und Hafer während der letzten Jahre bereits einen Ausfuhrüberschuß gehabt. Dieser glänzende Stand unserer landwirtschaftlichen Erzeugung aber kann nur aufrechterhalten werden, wenn das System unserer bewâhrtenSchutz- Zollpolitik bestehen bleibt. Wir müssen unsere Landwirtschaft auch fernerhin durch ausreichende Zölle gegen den ruinösen Wettbewerb des Auslandes schützen, das ja mit viel geringeren Produktionskosten arbeitet und teilweise noch tief im Raubbausystem steckt.
Geschieht daS nicht, so ist der R u i n u n s e r e r Landwirtschaft besiegelt. Damit aber beschwören wir zugleich die schwersten Gefahren für unsere gesamte nationale Existenz herauf. Im Falle eines der oben erwähnten Zukunftskriege würde uns zweifellos die Lebensmittelzufuhr abgeschnitten werden, und die unausbleibliche Folge wäre alsdann Hungersnot und Verderben. Hieran vermöchten auch alle noch so glänzenden Waffenerfolge nichts ändern.
Wer daher sein Vaterland wahrhaft lieb hat und nicht wünscht, daß dasselbe im Falle eines Krieges durch Hungersnot zu Grunde gerichtet werde, der darf am 12. I a n u a r nur Männer wählen, die im Punkte der Aufrechter h altung unserer nationalen Wirtschaftspolitik durchaus zuverlässig sind. Keinem Freihändler, also keinem Sozialdemokraten, darf ein Vaterla nd s - freund seine Stimme geben. Denn die Aufrechterhaltung unserer Schutzzollpolitik ist keine Standes- und Jutereffenfrage, sie ist keine rein wirtschaftliche Frage, sondern sie ist eine nationale Frage ersten Ranges, sie ist eine Lebensfrage für unser Volk.
Wie die Sozialdemokratie den Handwerker- und Gewerbetreibendenstand einschätzt!
Das gestern von der Sozialdemokratie verbreitete Flugblatt, das sozusagen nur eine einzige Cchimpfepistel bildet und in welchem die Hexenmeister der Sozialdemokratie ei sich bezüglich der Steuerfrage so furchtbar leicht machen, indem sie bloß darüber schimpfen und nicht erwähnen, wie solche gedeckt werden sollen, kommt auch, nachdem es gegen alle bürgerlichen Kandidaten seine Schimpfkanonade loS- gelassen, auf den Handwerker- und Gewerbetreibendenstand zu sprechen. Aber wie hoch die 2000 Handwerker und Gewerbetreibenden in Hanau eingeschätzt werden, das zeigt dies Flugblatt deutlich. Sage und schreibe 8 halbe oder 4 aatut