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ffotaftonsbrntf und Verlas der Vuchdruckerei des erntn. ev Watsenhause« tu Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stöbt- and Landkreis Sanaa.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Conn- und Feiertage» mit belletristischer Beilage,

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Lerantrvortl. Red<cktè«: & Schreck«, in D«m^

Nr. 7

Fernfprechanschlutz Rr. 230.

Dienstag den 9. Januar

Fernsprechanschluß Nr. 23V.

1912

Amtliches.

Stadtkreis Ranau.

Der Dienstmann Jakob Heerdt, Nordstraße Nr. 28 hier, hat um Rückgabe seiner Kaution gebeten. Gemäß § 130 Absatz 3 der Polizeiverordnung betr. das Dienstmannsge­werbe im Stadtkreise Hanau vom 6. März 1905 wird an­heimgestellt, etwaige Ansprüche auf die Kaution binnen 14 Tagen auf Zimmer 1 der König!. Polizeidirektion hier anzumelden.

Hanau den 9. Januar 1912.

Königliche Polizeidirektion.

J. A.: Karbe.

Dieiistnachrichttn aus dem Kreise.

In der Gemarkung Mittelbuchen ist die Schweineseuche festgesteNt worden.

Hanau den 8. Januar 1912. V. 60

Die Maul- und Klauenseuche im Schlacht- und Viehhofe zu Frankfurt a. M. ist erloschen.

Hanau den 8. Januar 1912. V. 131

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Fixierportemonnaie mit 75 Pfg., 1 wasserdichte Pferdedecke.

Verloren: 1 schwarzes Herrenportemonnaie mit etwa 16 Mark, 1 kathol. Katechismus mit dem Namen Wen­delin Karg.

Zugelaufen: 1 junger buuMgrauer Dachshund, w. Geschl.

Hanau den 9. Januar 1912.

PolitiTcbe RundTd^a#.

Rücktritt Aehrenthals. Die WienerZeit" kündigt in einem Leitartikel auf Grund von Budapester Stimmen den demnächstigen Rücktritt Aehrenthals an. Graf Aehrenthal selbst habe im Gespräch mit ungarischen Delegierten kein Hehl daraus gemacht, daß er nicht mehr lange im Amte blei­ben werde. Er habe persönliche und sachliche Gründe für seinen Entschluß angegeben, von der Leitung der Geschäfte zurückzutreten. Der Minister sei mit seinem Gesundheits­zustand nicht zufrieden, und ferner finde Graf Aehrenthal, daß die notwendige Harmonie in der gemeinsamen Re­gierung fehle. Ueber seinen Nachfolger fehlen nach der Meldung derZeit" bisher bestimmte Informationen; zu­meist werde Graf Berchtold genannt, dessen jüngste Reisen nach Berlin und Petersburg, denen noch eine nach Rom folgen soll, mit der lotenden Krise im Ministerium in Ver­bindung gebracht werden. Auch hört man den Namen des Grafen Mensdorff, des österreichisch-ungarischen Botschafters in London, des Grafen Szefsen, nennen, wobei noch zu be­merken wäre, daß in parlamentarischen Kreisen auch davon gesprochen wird, daß möglicherweise ein Außerseiter das Rennen machen werde. Die Meldung derZeit" ist immer­hin mit Vorsicht aufzunehmen.

Aufruf der Beamten- und nationalen Arbeitervereine. In einer Vertreterversammlung einer größeren Zahl der bedeutendsten Beamten- und Staatsarbeiterverbände zu Berlin ist folgende Wahlkundgebung beschlossen worden. An die Beamten des Reiches und der Bundesstaaten, sowie an die Arbeiterschaft in den Reichs- und Staatsbetrieben! Der 12. Januar ruft auch die Beamten und Arbeiter des Reiches und der Bundesstaaten zur Wahlurne. Als freie Männer sollen sie das vornehmste Recht des Statsbürgers, das Wahlrecht, ausüben, gebunden nur durch Pflicht und Ge­wissen, geleitet durch gereiften politischen Sinn. Daraus er­gibt sich für den Beamten ohne weiteres seine Stellung. Sein Diensteid wehrt ihm schlechthin die Wahl eines Geg­ners der bestehenden Staatsordnung. Man lasse sich durch Spiegelfechtereien nicht irre führen. Eid bleibt Eid und Eidbruch bleibt Eidbruch. Wer den Diensteid geschworen hat, kann also, lo lange er im Amte ist, einen Sozialdemo­kraten nicht wählen. Aber auch aus Gründen politischer Klugheit und Erfahrung gehört der sozialdemokratische Stimmzettel nicht in die Hand des Staatsarbeiters. Denn was ihm auf religiösem, kulturellem und wirtschaftlichem Gebiete wert und teuer ist, die Sozialdemokratie will es zerstören. Was auch immer auf sozialem Gebiete für Ar­beiter und Beamte errungen wurde, die Sozialdemokratie hat es zu verhindern gesucht oder durch unfruchtbare Politik erschwert. Arbeitern und Beamten hat sie stets nur Steine statt Brot versprochen, und Vertröstungen statt sozialer Ta­ten, Verhetzung statt Befriedigung geboten. Blind und taub für die politischen Forderungen des Tages verweigert sie grundsätzlich dem rings von Feinden umgebenen Vaterlande den nötige« Schutz. Ja. es hat nickt an sozialdemokratilcken

Drohungen gefehlt, es landesverräterisch in der Stunde der Gefahr wehrlos zu machen. Ein Tor, der den Ast absägen hilft, auf dem er sitzt! Also: Nur ein politisch Verblendeter kann einen Sozialdemokraten wählen. Deutsche Beamte und deutsche Staatsarbeiter! Die rote Flut steigt höher und höher. Es gilt, ihr einen unerschütterlichen und unüber- steigbaren Damm entgegenzusetzen. Der ernste Kern dieses Dammes muß die unwandelbare Treue zu Kaiser und Reich, zu Fürst und Vaterland werden, die in den Herzen des deutschen Beamtentums und der deutschen Staatsarbeiter­schaft lebt. Bei den Wahlen von 1907 haben 15 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme nicht abgegeben. Am 12. Ja­nuar und den nachfolgenden Stichwahlen kommt es auf jede Stimme an. Darum auf zur Wahl! Jeder wähle! Aber kein Beamter oder Staatsarbeiter stimme für einen Sozial­demokraten!" Der Wahlaufruf ist unterschrieben von den bedeutendsten Beamten- und Staatsarbeiterverbänden, so u. a. dem ersten Vorsitzenden des deutschen Eisenbahnzug­führer-Verbandes, dem Verbände der Eisenbahntelegraphen, Werkführer und Mechaniker der preußisch-hessischen Staats­bahnen und der Reichseisenbahn, ferner von dem Ministe­rialdirektor a. D. Just, dem Vorsitzenden des Verbandes deutscher Beamtenvereine, und einer ganzen Anzahl von anderen Vereinen der verschiedensten deutschen Städte.

Ein Memorandum der britischen Admiralität kündigt die unmittelbare Bildung eines Marinekriegsstabes an, der sich aus drei Abteilungen zusammensetzen wird. Konter­admiral Troubridge wurde zum ersten Ehef des Marine­kriegsstabes ernannt.

In letzter Stunde.

Während ein Teil der englischen Presie die Erwartung ausspricht, daß ein dem Expansionsdrang des deutschen Vol, kes gerecht werdendes Einvernehmen mit Deutschland ange­bahnt werde, dauern in einem anderen Teil immer noch die Erörterungen darüber fort, wie im Kriegsfall am besten ein Landungskorps an die festländische Küste gebracht wer­den könnte. Dabei werden neue Einzelheiten über die Pläne des vergangenen Sommers zu einem Angriffskriege gegen Deutschland bekannt, und man gewinnt den Eindruck, daß wir nur der Uneinigkeit zwischen der Heeres- und der Marineverwaltung in England das Unterbleiben einer Friedensstörung zu verdanken haben. In Frankreich haben zwar die leitenden Kreise während der Marokkoverhand­lungen eine besonnene Haltung bewahrt, in der militäri­schen Presie aber konnte man die wildesten Tiraden gegen den deutschen Nachbar lesen. Das gegenwärtige Suchen nach dem Verräter, der zuerst das Wort Kongo ausgesprochen und der deutschen Regierung als Kompensation französisches Kolonialland angeboten hat, und mehr noch der kindische Freudentaumel über die Flucht des Spions Lux aus der Festung Glatz beweisen klar, von welchen Gefühlen die öffentliche Meinung in Paris beherrscht wird. Die natür­liche unabweisbare Folgerungen aus diesen Wahrnehmun­gen ist, daß es keine wichtigere und dringendere Sorge für uns gibt, als die Vervollkommnung unserer Schutzwehr nach außen, zu Wasier und zu Lande. Wahrscheinlich wird sich der neue Reichstag schon bald mit dieser Frage zu beschäf­tigen haben. Von allen Parteien ist nur eine, die inbezug auf die nationale Wehrkraft stets und ständig versagt har. Dieselbe sozialdemokratische Partei, deren Element im In­nern den Klassenkampf ist, huldigt nach außen der Illusion der Völkerharmonie und Völkerverbrüderung. Bei dem fortdauernden Hader unter den bürgerlichen Parteien hat sie Aussicht, an Mandaten wieder zu gewinnen, was sie 1907 verloren hat. Aber die Gegensätze unter den bürger­lichen Parteien dürfen keinen nationalgesinnten Wähler abhalten, noch in letzter Stunde zu prüfen, ob er nicht angesichts der Notwendigkeit, das Reich nach außen zu stärken, unbedingt seine Stimme gegen den sozialdemokra­tischen Kandidaten abgeben muß, mag er auch sonst zu den inneren Fragen stehen, wie er will. Die nächste Hauptauf­gabe des Reichstags ist keine Sache der Partei, sondern des Vaterlandes.

WahIkinnpfzahIcn

Der neue Gotha,sche Hofkalender für 1912 beschert uns dieses Jahr einige Zahlen, die allen denen, die in diesem Wahlkampf für ein starkes Deutschland eintreten wollen, eine willkommene Waffe sein werden. Bekanntlich sind die internationalen statistischen Angaben dieses Kalenders sozu- sagen offiziös. Die Mitteilungen desD^plomatuchen Jahr­buches" kommen durch mittelbare Unterstützung der Regie­rungen fast aller Siaaten der Erde zu Stande. Ferner achen dann aber alle die einzelnen Staaten behandelnden Aufsätze vor dem Druck an die Regierungen der betreffenden Staaten unb werden dort von den amtlichen Stellen durch- gesehen. Kein Wunder, wenn daher die Angaben des Gothaer" auch in streng wissenschaftlichen Werken als Quelle verwendet werden.

WaS besagen nun diese Zahlen, die im Kommenden diesem Jahrbuch entnommen werden sollen. 1. Daß Deutsch­land auch nach der Reichsfinanzreform noch immer weniger Verbrauchssteuern und Zollbelastung trägt, als irgendeine andere Kuliurgroßmacht der Erde. 2. Daß Deutschland von allen solchen Staaten, abgesehen von dem eben weit weniger gefährdeten Amerika, die leichteste Rüstung trägt.

Zur ersten Frage der Belastung mit Verbrauchssteuern möchte ich folgende nach demGothaer" errechnete oder ihm unmittelbar entnommene (alle absolute) Zahlen geben. Ich füge dabei das ganze einschlägige Material mit bei, so daß jedermann das Ergebnis selbst nachrechnen kann, wodurch

Druckfehler" vermieden werden.

Es betrugen (die Prokopfzahlen in M., die absoluten

Zahlen in Mill. M.):

Die Verbrauchs- Die Zölle und

In: Die Zölle steuern Verbrauchssteuern

Deutschland 1911*)

(65,4 Wid. Einw.)

a) Auf den Kopf 9,8 8,8 18,6

b) Absolut . . . (638) (572) (1210)

Großbritannien

1910/11

(45,4 Mill. Einw.)

a) Auf den Kopf . 16,4 18,4 33,8

b) Absolut . . . (700) (834) (1535)

Frankreich 1911

(39,3Mill.Einw.)

I. Ohne Monopole

a) Auf den Kopf . 11,4 14,5 25,9

b) Absolut . . . (447) (569) (1016)

II. Mit Monopolen

a) Auf den Kopf . 11,4 26,0 87,4

b) Absolut . . . (447) (1022) (1469)

Vereinigte Staaten

1910

(92,0 Mill. Einw.)

a) Auf den Kopf . 14,6 12,6 27,2

b) Absolut . . . (1335) (1160) (2495)

*) Hier nach demStatistischen Jahrbuch".

Ob die sämtlichen öffentlichen Abgaben in Reich, Staat, Gemeinde, Kommunalverband auch heute noch geringer find als in anderen Kulturgroßstaaten, ist zwar für 1911 nicht festzustellen, aber sehr wahrscheinlich. Für 1907 bezw. 1904/05 wurde nämlich eine solche Zusammenstellung vom Reichsschatzamt versucht. Nach ihr betrug die steuerliche Belastung auf den Kopf in sämtlichen öffentlichen Körper­schaften :

1907: in Deutschland.....48

1908: in Frankreich......83 Mk.

1904/5: in Großbritannien .... 96 Mk.

1906/7: in den Vereinigten Staaten . 81 Mk.

Man kann nun ohne weiteres zugeben, daß die Pro« kopfberechnungen ein nur mangelhafter Behelf find. So­viel geht doch aus alledem hervor: Wir haben in Deutsch­land trotz der denkbar feinst-ausgebildeten Staatsverwal­tung trotzdem sicher die geringste Steuerlast, insbesondere an Verbrauchssteuern. Die Ursache ist wohl vor allem in unserer streng geregelten, sparsamen, ehrlichen Verwaltung und dem großen Besitz an werbendem Staatsvermögen (Eisenbahnen u. dergl.) zu suchen, vielleicht aber auch in unseren geringen Rüstungsausgaben. In diesem zweiten Punkt, den Rüstungen, gebe ich folgendes Material:

Es betrugen die Ausgaben sämtlich für 1911 (die Kopf­zahlen in Mark, die absoluten Zahlen in Millionen Mk.) in

Deutschland*):

Heer und Flotte

für Heer

für Flotte

a) auf den Kopf 12,5

7,1

19,5

b) absolut . . (816)

(458)

(1274)

Frankreich:

a) auf den Kopf 19,1

8,5

27,6

b) absolut . . (750)

(333)

(1083)

Großbritannien:

a) auf den Kopf 12,1

17,8

29,9

b) absolut . . (549)

(808)

(1357)

Vereinigte Staaten:

a) auf den Kopf 6,9

5,4

12,3

b) absolut . . (633)

(496)

(1128)

*) Nach dem statistischen Jahrbuch.

Meines Erachtens spricht diese Tabelle geradezu Bände. Es wäre schade, auf einzelnes aufmerksam zu machen und dadurch den Blick vom Ganzen abzuhalten.

Aber der Gothaer sagt noch mehr. Und auch auf das muß hingewiesen werden. Es betrug der Sollfriedensstand der Armee jeweils 1911:

in Frankreich........ 582 000 Manu

in Rußland......... 1 384 000 Mann

im Zweibund Rußland-Frankreich . 1 966 000 Mann

in Oesterreich ........ ^6 000 Mann

in Deutschland ....... 627 000 Mann

in Deutschland-Oesterreich , . , , 1023 000 22äW1