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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stabt- and Lan-Kreis $anan

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, verantwort!. Revakteur: 8. Schrecke» in Pamud

Nr. 6

Aernsprechanschltttz Nr. 230.

Montag den 8. Januar

Nernspr«»a«fchlutz Nr. 830. 1912

Amtliches. Candhrds Ranau.

An die Herren Bürgermeister und Gutsoorsteher des Kreises.

Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche mit der Einsendung der Ermittelungskarte über Hochwasser- und Ueberschwemmungsschäden vom Jahre 1911 im Rückstände sind, werden an die Einsendung binnen längstens 5 Tagen erinnert.

Hanau den 3. Januar 1912. V. 1884

Der Königliche Landrat.

Frhr. L a u r.

An die Herren Wahlvorsteher für die Reichstagswahl.

Bei den Reichstagswahlen von 1907 haben wiederum an­scheinend in einzelnen Fällen Personen unter falschem Namen oder mehrfach in verschiedenen Wahlbezirken ge­wählt. Zur Verhinderung solcher mißbräuchlichen Stimm­abgabe weise ich die Wahlvorsteher darauf hin, daß sie be­rechtigt sind bei Zweifeln über die Identität der zur Wahl erschienenen Personen von diesen eine Legitimation zu ver­langen und gegebenenfalls z. B. neuzugezogene Wähler oder solche, bei denen die Möglichkeit besteht, daß sie auch ander­wärts in die Wählerliste eingetragen sind, in geeigneter Weise darauf aufmerksam zu machen, daß jedermann bei Vermeidung der gesetzlichen Strafe nur in einem Wahlbe­zirke und bei der Haupt- und Stichwahl je nur in dem gleichen Wahlbezirk wählen darf. Jede Zuwiderhandlung ist zur Bestrafung anzuzeigen.

Hanau den 2. Januar 1912. . V. 7801

Der Königliche Landrat.

Frhr. Laur.

Stadtkreis Ranau. Bekanntmachung.

Arbeitsuchende: 1 Dienstmädchen (mit guten Zeug- niffen), 1 Bureaudiener, 4 Hausburschen, 1 Lehrmädchen als Verkäuferin (erwünscht mit Kost und Logis), 8 Tag­löhner.

Offene Stellen: Gesucht werden: 1 Kernmacher, 1 jüngerer Polsterer und Tapezierer, 1 Silberformer, 1 landw. Taglöhner (dauernd) und 2 Dienstmädchen.

Im Monat Dezember 1911 erhielten Stellen zugewiesen: 4 Dienstmädchen, 1 Fahrbursche, 1 Eartenarbeiter, 2 Hausburschen, 2 Monatsfrauen, 1 Schlosser, 1 Schmied, 1 Schreiner, 1 landw. Taglöhner, 16 sonstige Taglöhner, 1 Diamantschleiferlehrling, 1 Formerlehrling, 2 Gold­arbeiterlehrlinge und 3 kaufmännische Lehrlinge.

Hanau den 6. Januar 1912. 943

Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.

Dem V.-H -C.-Zwtilivercine Hanin zum neuen Wanderjahre 1912.

Eine kurze Spanne Zeit, 1^ Jahre erst, ist es her, daß in unserer Vaterstadt ein Zweigverein des V. H. C. sich bildete, für einen dem Vereine Fernstehenden war es aber höchst interessant, den Werdegang desselben zur Erreichung der gesteckten Ziele zu verfolgen. Durch die in Hanau schon lange Jahre bestehenden Wandervereine hat sich der Spessart vorzugsweise eines regen Besuches zu erfreuen gehabt und steht was Zahl der Wanderungen und Zahl der ihn Durchwandernden anlangt, auch heute noch an der Spitze. Der Vogelsberg dagegen stand lange Jahre trotz des im Jahre 1881 in Schotten ins Leben gerufenen Vogels­berger Höhen-Clubs abseits und die Zahl seiner Besucher war im Verhältnis zu seinen Nachbargebirgen eine geringe zu nennen. Die früher so außerordentlich ungünstigen Bahn­verbindungen dürften daran wohl die größte Schuld tragen. Viel hat sich darin gebessert, aber es herrschen immer noch viele und große, den Fremdenverkehr hemmende Mängel, welche zu beheben, der V. H. C. mit seinen Zweigvereinen sich bestrebt. Für rauh und unwirtlich galt der Vogels­berg, nach allgemeiner Ansicht aber auch touristisch wurde er nicht gewürdigt. Dies ist anders geworden, und man wun­dert sich eigentlich selbst, daß man den Vogelsberg nicht irüher entdeckt hat, besonders ältere Wanderer, welche im Taunus, Spessart, Rhön ganz heimisch sind. Und in der Tat, er bietet vieles, viel Schönes, aber man hüte sich wohl, jetzr etwas noch nie Dagewesenes schauen oder eine Hyper-Ro­mantik finden zu wollen. Dazu reichen auch des Vogelsbergs Schönheiten nicht aus.

Unter Deutschlands Mittelgebirgen nimmt der Vogels­berg eine hervorragende Stellung ein, als das größte zu­sammenhängende Basaltmassiv nicht nur Deutschlands, son­dern Europas überhaupt. Sein vulkanisches Geblüt ver-

Gefundene und verlorene ©ettenstfinbc 2t.

Gefunden: 3 Schlüssel an einem Scharnier, 1 Por­temonnaie mit 2.03 Mark, 1 schwarze Sammettasche (Inhalt Portemonnaie mit 6.12 Mark, Taschenspiegel, 1 Stück bun­tes Seidenband und 1 Postkarte für Frl. Elisabeth Otto in Halsdorf bei Kirchheim II), 1 Herrenportemonnaie (Fixier­portemonnaie) mit 75 Pfg.

Verloren: 1 gelbes Portemonnaie mit 9 Mark, 1 goldener Kneifer, 1 Brillantbrosche mit 3 Brillanten, 1 Schülerzeitkarte zur Fahrt HainstadtHanau, 1 Porte­monnaie mit 19.04 Mark, 1 Portemonnaie mit 18 Mark, 1 schwarze Sammettasche mit etwy 45 Mark und 2 Taschen­tüchern (gez. A. D.)

Hanau den 8. Januar 1912.

Hus Ranau Stadt und Eand.

Ha-tiNt, 8. Januar.

Bibelstunde. Heute abend 8 Uhr findet in der Hospitalkirche Bibelstunde statt, zu der jedermann freundlichst eingeladen wird.

* Stadttheater. Die für heute abend in Aussicht ge­nommene 19. Aufführung der VaudevillepoffePolnische Wirtschaft" kann wegen der Vorbereitungen zu der morgigen Première von «Der fidele Bauer" erst am Donnerstag stattfinden, sodaß die bereits gelösten BilletS für diesen Tag ihre Gültigkeit behalten; am heutigen Montag fällt demnach die Vorstellung auS!Der stdele Bauer", die wundervolle Operette von Leo Fall, hat sich in Hanau als Schlager ersten Ranges erwiesen und wird morgen abend auf vielfachen Wunsch neu einstudiert und von Herrn Direktor S t e f f t e r in Szene gesetzt, bei kleinen Preisen gegeben. Die Titelpartie ereirt Herr Haase, denLindoberer-Bauer" zählt Herr d e G i o r g i ru seinen besten Leistungen, Herr F ü n f g e l d singt denStephan", Herr W a l l b r ü ck den Binzens" Frl. Adam dieFriderike", Frl. Brand die rote List", Frl. Harves dieAnnamirl", kl. Drescher dasHeinerle". In Anbetracht des grandiosen Erfolges, welchen am Samstag das MilitärdramaZapfenstreich" vor ansverkauftem Hause erzielte, findet am kommenden Sonn­tag nachmittag eine Wiederholung desselben bei kleinen Preisen statt. Die 6-Abonnenlen haben am Mittwoch das reizende LustspielDas kleine Chokoladen mädchen" wie­der mit Frl. Büttner in der Titelrolle, am Donnerstag wird, wie oben erwähntPolnische Wirtschaft" und am Freitag im Abonnement A das hochinteressante Lustspiel Der Pr « bepfeil" gegeben.Glaube und Hei­mat", die preisgekrönte Tragödie von Schonherr, kommt am Samstag zur voraussichtlich letzten Wiedergabe (kleine Preise); das ausgezeichnete Werk ist jedesmal von gewaltiger Wirkung. leugnet sich auch nicht in seiner Bewaldung und seiner Flora. Wer den Vogelsberg durchwandern will, der tue es nicht mit Siebenmeilenstiefeln, um an einem Tage eine möglichst hohe Kilometerzahl heruntergehastet zu haben, sondern er wandere offenen Auges dahin, und sehe sich um, er wird da vieles sehen, und seinen Wandererinnerungen als ein schönes Bild einverleiben, was dem andern, wenn überhaupt, nur verschwommen und unklar im Gedächtnis haften blieb. Besonders anziehend gestalten sich Wande­rungen im Vogelsberg, wenn man Verständnis für Baukunst und Sinn für Geschichte mitbringt. Der große Kulturhisto­riker Riehl hat allerdings dem Vogelsberg eine Geschichte abgesprochen, aber heute könnte ihn jeder, der die Wande­rungen unseres Hanauer V. H. C. mitgemacht hat, eines anderen belehren.

Vor mir liegen die Hanauer Wanderzettel in ihrer ori­ginellen Ausführung und sie beweisen, daß man auch die trockenen Zahlen der Ankunfts- und Abfahrtszeiten, die An­gaben der Rasten usw. in ein künstlerisches Gewand kleiden kann. Die mit angebrachten Zeichnungen, Sprüche, Vignetten , machen die Teilnehmer vornherein schon mit den Haupt- 1 punkten der Wanderung bekannt, und bilden somit gleich­sam eine geschichtliche Inhaltsangabe derselben. M. E. dürfte es allerdings nicht jedem Vereine beschieden sein, seinen Mitgliedern dies bieten zu können, im Vorstande des Hanauer V. H. C. herrscht aber viel Sinn für deutsche ' Geschichte und deutsches Volkstum, dies findet sich in der Ausführung der Wanderzettel zum Ausdruck gebracht, und die Mitglieder sind diese Beobachtung konnte ich machen diesen Anregungen auch außerordentlich zugänglich und dankbar dafür.

Doch nicht Pflege heimatlicher Geschichte und Volkskunde allein läßt sich der V. H. C. angelegen sein, auch die Forde­rungen der neuern Zeit finden in ihm eifrige Förderung und tatkräftige Unterstützung. Ein besonderer Verkehrsaus- schuß ist ins Leben aerufen worden. nicht nur um eine Besse-

* UnserOperetten-Gnsemble" auf Gastspielen. Nab dem großen Erfolg im größten Saal Deutschlands, dem Rosen­garten Mannheim (Nibelungensaal) hatte unser Operetten« Personal unter persönlicher Leitung des Herrn Direktor S teff ter vergangene Woche wieder einen starken Erfolg in Frankfurt a. M. DieFrankfurter Nachrichten" schreiben am 4. Januar l Bunter Abend im Zoo. Am Mittwoch gastierte imZoo" das so rasch beliebt gewordene Ensemble des Hanauer Stadtthraters. Auch diesmal hatten sich die Künstler ein ebenso originelles wie geschmackvolles Programm zusammengestellt, dem sich ebenso gute Leistungen beigesellten. Eingeleitet wurde der Abend durch di« temperamentvolle Operettensoubrette Mia Adam, die alle Vorzüge ihrer gut geschulten Stimme ins Treffen führen konnte. DaS anmutige Ringelreihenduett ausDollar- prinzessin" fand durch Frl. Lila HarveS und Herrn Joseph W a l l b r ü ck eine restlos gute Wiedergabe. In der köstlichen Operetten-Parodie ausBummelstudenten" zeigten Herr Alfred Haase und Frl. HarveS, daß fit über einen ebenso treffsicheren Humor, wir über gewandte und gutgeschulte mimische Talente verfügen. Eine in allen Lagen wundervoll ausgeglichene umfangreiche Tenorstimme besitzt Herr Gustav Fünfgeld, der in Solovorträgen und in dem DuettWenn zwei sich lieben" ausDie Rastelbinder" im Verein mit Frl. Adam einen mehrmaligen Hervorruf erzielte. Wahre Lachsalven rief das von Frl. Harve s, den Herren Haase und Carl de Giorgi mit drastischem Humor zur Darstellung gebrachte Bauernterzett hervor, sowie die Ballade vom armen Geigerchen auSDie Bummel- studenten", um die sich die Herren Alfred Haase und Joseph W a l l b r ü ck verdient machten. Von Emzelvor- trâgen nennen wir noch die von Herrn de Giorgi sehr f wirkungsvoll vorgetragenen HumoreskenWitwer und Tatzel- wurm" von Baumbach undDie unglaubliche Geschichte" von Moerbitz, nebst das von Frl. Rentrop allerliebst gesungene und vorgetragenePagenlied" aus demMusikanten­mädel". Von der Kurhausverwaltung in Wiesbaden wurde Herr Direktor Steffter eingeladen, einenOperetten« Abend" mit seinen ersten Kräften am 28. Januar d. JS. zu geben.

* Stadttheater. Rosa Poppe, die kürzlich von Sr. Majestät dem Kaiser in so hervorragender Weise aus­gezeichnete königliche preußische Hofschauspielerin vom Berliner königlichen Schauspielhaus, deren Erfolg alsSappho" bei allen Kunstfreunden noch in bester Erinnerung sein dürfte, wird auf ihrer Januar-Tournee ein erneutes Gastspiel in Hanau am Montag den 15. Januar absolvieren. Rosa Poppe spielt diesmal eine ihrer bekanntesten Glanzrollen, dieIphigenie" in dem herrlichen Drama ^Iphigenie auf Tauris" von Wolfgang von Goethe und bringt wieder ein eigenes Ensemble Berliner Künstler mit. rung der Verkehrsverhältnisse anzustreben, oder in Wort und Schrift zum Besuche des Vogelsbergs aufzufordern unv in den Tagesblättern lohnende Wanderungen bekannt zu machen, sondern auch Jugendwanderungen, Naturschutz­parks, Schülerherbergen, Ferienhauser, Pflege des Winter­sports in seinen verschiedenen Arten hat er in sein Pro­gramm ausgenommen. Hoffentlich finden diese Bestrebungen überall auch das richtige Verständnis und Entgegenkommen zu ihrer Verwirklichung.

Wenn ich mich nunmehr den bisherigen Leistungen zu­wende, kann ich nur sagen, daß der Hanauer Zweigverein, trotzdem er der jüngsten einer, hinter keinem zurückzustehen braucht. Das Burgenfestspiel auf der Ronneburg und die Erwerbung und Wiederherstellung des Weinberghäuschens sind Zeugen davon.

Der Wanderplan für 1912 ist mir noch nicht bekannt, doch läßt er hoffen, daß er sich seinen Vorgängern würdig anreiht, und den Vereinsmitgliedern Gelegenheit gibt, den Vogelsberg ihnen immer lieber und werter zu machen.

Kommenden Sonntag soll, wie aus der Anzeige ersicht­lich, die erste Wanderung, und zwar auf den Hoherodskopf stattfinden. Schade darum bei dem absolut mangelnden Winterwetter. Während ich dies niederschreibe, schlägt star­ker Regen klatschend an die Scheiben meines Arbeitszim­mers und für besseres Wetter scheint wenig Aussicht.

Alsnicht organisierter" Wanderer wünsche ich dem V. H.-C., Zweigverein Hanau ein fröhliches, Geist und Ge­müt stärkendes Wanderjahr, und hoffe, daß er auf der be­tretenen Bahn fortschreite zu Nutz und Frommen aller Natur- und Wanderfreunde, sie alle zur Teilnahme an seinen Wanderungen einladend.

Ihr, die den Winter ihr verbracht, Im Dunst und Qualm der Gaffen, Und oft die Nacht zum Tag gemacht, Bis euch die Kraft verlassen. ^-