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Im Verlaufe beä Uebels treten noch mehr krampfhafte Zufälle ein, Krämpfe der Brust, des Halses, Gesichts , kleiner zusammengezogener Puls, krampfhafte Bewegungen der Glieder mit abwechselnden Ohnmachten Urinbeschwerden, bald Bläffe, bald Rothe des Gesichts, schmerzhafteSZusammenziehen bei Bauchmuskeln, Zähneknirschen, höchst gesteigerte Reizbarkeit der Haut, Nacht- schweiße, Schaum vor dem Munde, Vorliegen der ro then trocknen Zunge, völliges Rasen oderein tiefsinnig ger Zustand Nicht selten ist mit der Krankheit gegen das Ende eine heftige Begierde zu schlagen, zu beißen, zu speien, zu schreien und zu heulen verbunden. In lichteren Zwischenzeiten sehen diese Unglücklichen öfter das Schreckliche ihrer Krankheit ein, erinnern sich dessen, was sie in den Anfällen begangen haben, bejammern ihre Leiden, warnen die Umgebungen. Endlich erfolgt der Tod unter Krämpfen, Beklemmung, Röcheln, Erstickungszufällen, Schlafsucht, Speichelfluß — zwei, drei bis vier Tage nach dem Eintritte der Wasserscheu. Kurz vor ihrem Ende kommen sie gewöhnlich zu sich. Behandlung der Wunde, welche durch ein wüthendes oder der Tollheit verdächtiges
Thier hervorgebracht worden.
Je früher nach dem Bisse die Borbeugungsvorkeh- ungcn getroffen wurden , um desto mehr Hoffnung ist - orhanden, daß die Wasserscheu nicht ausbrechen werde. Nur die schnelle Anwendung der passenden Mittel kann daher wahre Hülfe schaffen, und von einer zweck- > läßigen örtlichen Behandlung der Wunde hängt gewöhnlich die Rettung des Gebissenen ab.
Man hüte sich deshalb, die für die Kur des Kranken so höchst nöthige Zeit mit Anwendung von gepriesenen leheim- oder Familienmitteln, die meist unwirksam sind, zu verschwenden, und durch Unterlassung einer ' -gleich einzuleiiendcn, von der Erfahrung erprobten .icilart den Gebissenen in Gefahr zu bringen.
Die Hauptsache ist, eiligst den PhysikuS, oder einen ' idern Arzt, oder einen Wundarzt herdeizuholen, selbst i n Falle auch keine blutige Wunde, nur eine ganz l ichte Verletzung da ist, oder bloß ein Lecken von einem .ütkcnden Thiere bei einem Menschen Statt fand.
Man säume damit keinen Augenblick, weil nur so l nge das in der Wunde beigebrachte und darin haf- i.nde Wuthgift durch eine Kur weggeschafft, vernichtet i Nd seine üble Folge abgewendet werden kann, so lan- ne das Gift noch örtlich wirkt und nicht in die allgemeine Säflenmasse übergegangen ist. In Ermanglung eines Kunstverständigen sauge man die Wunde nicht
■it dem Munde aus, binde sic nicht zu und bedecke sie noch weniger mit Pflaster, sondern schlage bis zu seiner Ankunft folgendes Verfahren ein.
Alle (nachher zu zerstörende) Kleidungsstücke um die Bißwunde müssen vorsichtig und schnell abgelöst wer- L ?n. Das Bluten der letzteren wird, soviel es nur eschehen kann , befördert. Man wasche sie deshalb au« mblicklich und anhaltend erst mit lauem Wasser, spa- : r, wenn das Bluten nachläßt, mit starker warmer Aschenlauge, oder mit einer Auflösung des ätzenden Lau
gensalzes, oder mit warmem scharfen Salzwasscr, oder mit Urin aus. Das Wasser, welches bereits zum Auswaschen gebraucht worden, schulte man nicht wieder zum reinen, sondern sammle es, und gieße es in ein in die Erde gegrabenes, sorgsam mit Erde zu bedeckendes, Loch.
Dss Hände desjenigen, der sich mit der Wunde beschäftigt , müssen frei von Verletzungen, ausgekratzteg Stellen, Blätterchen ic. sein
Der Wundarzt macht hieraus unter der nöthigen Vorsicht Einschnitte in'die Wunde mit dem Messer, und setzt einen Schröpfkopf auf. Das Einschneiden und Aussaugen läßt man wiederholen, bis kein Blut mehr hervordringt. Nachdem wird die Wunde mit einem glühenden Eisen oder Schießpulver ausgebrannt, und durch Einstreuen von Spanisch-Fliegen-Pulver, wenigstens acht Wochen in Eiterung unterhalten.
Ist die Wunde bereits vernarbt, und man hat dann erst die Ueberzeugung erlangt, daß der Hund, welcher sie verursachte, toll gewesen, so muß sie wieder geöffnet, gebrannt und in Eiterung gesetzt werden.
War Der Biß so heftig, daß aus der Verletzung eine sehr starke Verblutung entsteht, so darf diese nur vorsichtig und mit Offenhalten der Wunde gestillt werden
Eine von einem tollen Hunde nicht verwundete, sondern bloß durch dessen Zähne gequetschte und begeiferte Stelle muß mit Äschenlauge abgewaschen, und mir Spanisch-Fliegen.Pflaster oder Salbe, wie die gebiffe- ne Wunde, behandelt und in Eiterung erhaltew werden
Ist eine Stelle von einem rollen Hunde nur beleckt, oder mit Geifer besudelt worden , so ist das sorgsame Abwaschen mit warmem Seisenwasser oder mit warmer Lauge hinreichend.
Außer dem oben angeführten gewöhnlichen Verfahren bei einer Bißwunde von einem tollen Hunde, ist ein vorzügliches und zuverlässiges, von einem geschickten Wundärzte zu unternehmendes, Vorbauun gsmittil gegen die Wasserscheu hier noch zu erwähnen. Es ist nämlich das, möglichst bald zu veranstaltende, gänzliche Ausschneiden der Bißwunde sowohl in die tretet als Tiefe. Nur kann man es nicht an allen Stellen anwenden.
Ist die Ausschneidung gleich nach dem Bisse geschehen, und ist sie vollständig verrichtet worden, so bedarf eS nach dem hinreichenden Ausbluten der Wunde nichts als das Einlegen von Ebarpie, und daS Verbinden mit Salben, um eine gehörige Entzündung und Eiterung hervorzubringen.
Sind mehrere Tage nach erlittener Verletzung verflossen , oder ist die, Bißwunde schon länger vernarbt, so kann doch die Ausschneidung gemacht, nur muß nachher noch die Blutung befördert, die Wunde, mit einer Auflösung des ätzenden LaugensalzeS oft ausgewaschen , und dann durch eine höchst gesättigte Auflösung dieses, Aetzmitlkls eine heftige Entzündung, bran. dige Zerstörung der Wundfläche und starke Eiterung erregt werden.