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Gemeinnützige Nachrichten

Zur Kulturgeschichte der Getreidearten

(Fortsetzung aus Nr. 17.)

Am Gebräuchlichsten ist es, den Reis in solchen Gegenden zu bauen, welche Ueberschwemmungen ausgesetzt sind. Man pflegt die Reiskörner anfäng­lich an höher liegenden Orten auszusäen, und nach­her, wenn sie etwa die Höhe eines Fußes erreicht haben, auszugraben und in Reihen auf einen gut gedüngten, oder wie man es in Indien macht, auf einen nur blos tief gegrabenen Boden zu verpflanzen, welcher der Ebbe und Fluth der See (wie einige Varietäten dies verlangen) ausgesetzt ist. Ländereien, welche weiter vom Meere entfernt sind oder eine höhere Lage haben, werden durch Kanäle, welche dieselben verschiedentlich durchschneiden, mit Wasser versehen, welches man durch aufgeworfene Dämme auf selbigen zu erhalten weiß, oder man leitet aus diesen Kanälen durch eigens dazu angelegte Schleusen oder Schöpfwerke das Wasser auf die Reisfelder. In Süd-Carolina, einem der Hauptsitze der Reis­kultur, wird der Reis in Reihen von Gräben, die 18 Zoll von einander entfernt sind, Mitte März von Negerinnen gesäet, welche die Körner sorgfältig in die Erde stecken; dann wird das bis dahin zurück­gehaltene Wasser bis zur Höhe von einigen Zollen darüber gelassen und bleibt etwa eine Woche stehen. Nach dem Ablassen des Wassers, um das in dem­selben aufgeschossene Unkraut zu beseitigen, wächst der Reis in etwa vier Tagen 3 -4 Zoll hoch; dann wird er wieder sechszehn Tage unter Wasser gesetzt, wodurch das im Trocknen aufgeschossene Gras und sonstiges Unkraut vertilgt wird. Dann bleibt der Boden bis Mitte Juli ohne Bewässerung, während welcher Zeit er mehrfach gehackt wird. Von nun an bleibt das Wasser bis zur Reife bei Pflanzen stehen. Die Ernte beginnt gewöhnlich gegen Ende August und dauert den ganzen Septeniber hindurch und noch später. Neger schneiden die Pflanzen mit Sicheln, während ihnen folgende Negerinnen erstere aufnehmen. Diese in so heißer Gegend äußerst ungesunde Ernte kostet zahlreichen Schwarzen das Leben.

Wenn der Grund und Boden, auf welchem man den Reis kultiviren will, durch Unkraut oder den von selbst sich aussäenden Reis unrein geworden ist, so unterwirft man ihn ein Jahr lang trockener Be­handlung. Ohne weitere vorhergehende Bearbeitung säet man Anfangs Januar Hafer und die reiche Saat nebst dem freiwilligen Reis erntet man Ende Mai. Darauf steckt man in fünf Fuß von einander entfernten Furchen Bataten-Stecklinge, welche im März [ober April auf gedüngtem Sandboten gesäet smd, von denen ein Morgen für zwanzig Morgen Reisland ausreicht und behandelt dann die Zwischen­räume mit Hacke und Pflug. Die Kraft des Bodens

wird danach so erneuert, daß die nächste Reisernte sich beinahe verdoppelt. Bei Savanah rechnet man im Durchschnitt auf 11 Morgen eine Ernte von 3036 Scheffeln Reis. Daselbst kostet der Acre Reisgrund (1,54 preußische Morgen) 210250 Thaler, was mehr ist als der doppelte Preis des besten Zuckerlandes am Mississippi. Auf den flachen Gründen der Lombardei, welche durch den Po be> wässert werden können, wird bekanntermaßen viel Reis gebaut, aber wegen der Übeln Folgen für das Klima und die menschliche Gesundheit nur in einem festgesetzten Maße. Man säet dort auf 1) preuß. Morgen 10) Metzen und gewinnt in der Regel das Achtundvierzigfache. Ebenso wird bei Bercelli in Piemont, in dem südlichen Theile von Ungarn, sowie in Süd-Rußland viel Reis gebaut; der letztere be< sitzt aber die üble Eigenschaft, daß er stark nach Juchtenleder riecht und überdies durch kleine Steine verunreinigt ist. Der Geruch nach Juchten rührt davon her, daß von diesem sehr stark riechenden Leder eine große Menge auf den Schiffen zugleich mit dem Reis verführt wird. In Griechenland und in der Levante wird ebenfalls viel Reis gebaut; er fällt mehrentheils sehr schön âuS, soll aber durch Salzkörner, die zahlreich in ihm sich finden, sehr verunreinigt sein.

In Afrika und den dazu gehörigen Inseln ist der Reis an den meisten Orten, wo es die Dürre des Erdbodens nicht verhindert, so gemein, wie bei uns das Getreide. Namentlich in Aegypten wie an vielerlei Getreidearten so auch ungemein reich an Reis, und es wird von demselben alljährlich eine große Quantität nach Constantinopel und andere Orte der Levante ausgeführt. Wohl nirgend» aber steht die Reiskultur in einem größern Flos als in Asien, dem Heimathlande dieses unvergleich­lichen Getreides. Besonders in Ostindien und den im indischen Meere gelegenen Inseln geräth er in staunenswerther Weise, weil sowohl die dortigen klimatischen Verhältnisse, als auch der Grund und Boden ihm außerordentlich zusagen. Es ist der daselbst gewonnene Reis überdies weit besser al» der europäische, wiewohl dennoch eine Landschaft vor der andern einen Vorzug hat. Den besten Rei) in Ostindien liefern die Küste von Malabar, sowie die Inseln Sumatra, Java und Ceylon. Der auf letztgenanntem Eilande wachsende Reis wird von den Bewohnern dieser Insel nach der Länge der Zeit, welche zu seiner Reise erforderlich ist, in ver­schiedene Sorten unterschieden und man gibt einer jeden derselben einen besondern Namen. Im All­gemeinen bedürfen sie zu ihrer Reife eine Zeit von 37 Monaten. In Ansehung des Geschmacks ist nur wenig Unterschied zwischen bieferi Sorten, W sie denn auch alle zu einerlei Preise verkauft werden Auf Ceylon baut man den Reis besonders in bei Niederungen zwischen Colombe und Kandy und zwar auf Terrassen, von denen das Wasser herab-