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Gemeinnützige Nachrichten

Gedanken eines Landmanns.

(Schluß aus Nr. 12.)

Der vaterländische Bauer zehrt meistens noch vom Schmalze der Later, er ist zufrieden, wenn einer seines Namens die ererbte Scholle besitzt, mögen die andern, welche auch Vater und Mutter gesagt, Knechte werden!

Und so lange der Bauer nicht einsehen will, daß man mit einem gut angebauten Kopf auch durch die Welt kommen kann, daß man auch ohne ein vielleicht gar verschuldete«, vererbtes Gut und ohne Geld heirathen, zum rechten Manne werden kann, so lange er Feind und Verächter von Bildung und Intelligenz ist, so lange kann's nicht besser werden.

Was verwendet er auf die Ausbildung seiner Kinder? Nichts, ja noch weniger als nichts! Und doch trägt der Thaler, den er an die Ansbildung seiner Kinder anlegt, die reichsten Zinsen. Was thut er zur eignen Ausbildung? Schließt er sich den Vereinen an, liest er Fachblätter? Landwirthschaft- liche Schriften dürfen ihm entwedeb gar nicht in's HauS kommen, oder sie verstauben und werden von den Fliegen besudelt und die landwirtschaftlichen Vereine sind nur dann für ihn da, wenn er Aussicht hat, bei Verloosungen u. dgl. mit dem aufgewandten Thaler oder Groschen zehnfach zu gewinnen.

Ihm fällt eS nicht ein, den Sohn, wenn er der Schule entwachsen, gleich dem Handwerker in andere Gegenden zu schicken — wenn auch nur als Knecht — um dessen Gesichtskreis, dessen Wissen und Urtheil zu erweitern. Er unterläßt dies entweder aus dummem Hochmuth, weil der künftige Hofbesitzer nicht dienen soll, und denkt nicht daran, daß Der erst befehlen kann, der gehorchen gelernt hat, oder er unterläßt es, um den Knecht zu sparen, und doch gibt eS in der Regel keine theuern Dienstboten, als die eignen Kinder.

Freilich dürfen wir, um gerecht zu sein, uns nicht verhehlen, daß Manches an manchen Orten durch unaufhörliches Drängen ganz anders geworden ist; aber in der Zeit deS Dampfpfluge« will etwas mehr geeilt sein, um mitzukommen, als bisher geschehen.

Hoffen wir, daß der Landmann auf rechtem Wege dem rechten Ziele eifrigst zustrcbe, dann wird eS mit ihm und seinen Verhältnissen bald besser aus- sehen. *

Wer den Ackerbau in seiner schönsten Blüthe be­trachten will, der muß nach den Niederlanden gehen. Unb wie alt ist dort die Geschichte des verbesserten Ackerbaues? Etwa hundert Jahre.

Während dieses Land früher seinen sprichwörtlichen Reichthum ausschließlich dem Handel verdankte, so hat cs sich seit Verfall desselben mit aller Energie auf den Ackerbxu geworfen. Meeresboden und Sand- wüsten sind mit der größten Anstrengung und unter

Aufwand großer Summen in üppige Weiden und fruchtbare Aecker verwandelt worden und dèr Staat, d^r vordem seinen eigenen Bedarf an Nahrungs- mitteln nicht zu decken vermochte, führt jetzt für vierzig Millionen jährlich aus. Wohn- unb Wirth­schaftsgebäude der Grundbesitzer geben Zeugniß des allgemein herrschenden Wohlstandes. Vermögen von 100,000 fl. und mehr sind dort keine Seltenheiten, und daß man sich auf den Tischen der niederländischen Bauern des Silbers, ja sogar des Goldes bedient, fällt nicht auf. Ackerbau und Viehzucht haben in Holland eine seltene Höhe erreicht; hat doch in Folge dessen die Bevölkerung in den letzten Jahren um 50 ; zugenommen.

Aber da steht's auch um die Bildung der Bauern ganz anders, als bei uns. Eine gewählte passende Bibliothek besitzt jedes Bauernhaus, die landwirth- fchaftlichen Zeitschriften finden von den Ackerbau­treibenden nicht nur eifrige Leser, .sondern selbst tüchtige Mitarbeiter. Schul- und Vereinswesen blühen in erfreulicher Weise.

Wann werden wir soweit kommen?

Jedenfalls sobald nicht, vielleicht niemals, es müßte denn sein, daß unser Bauernstand endlich er­wachte, über sich selbst in's Klare käme und sich er­mannte.

Hoffen wir das Beste! Die Macht der Bildung wird sich auch bei uns, wenn auch ganz allmählich, Bahn brechen, und eS wird um so rascher gehen, wenn Jeder — namentlich auch unsere tandwirth- schaftlichen Vereine, die sich bisher im Ganzen noch zu wenig um den Bauernstand kümmerten — seine Schuldigkeit thut, und wenn, woran nicht zu zweifeln, eine einsichtsvolle, wohlwollende Regierung den LolkSbildungSanstalten ihre volle Aufmerksamkeit schenken wird, denn nur Intelligenz macht frei vom Banne des Vorurthmls!

Wiegand.

(Aus dem Landwirthschafrlicheu Anzeiger für Kurhesse» Nr. 1 u. 2 von 1867.)

Der weißbiilheude Lein.

In den Nummern 12, 22 und 24 des Jahrganges 1856 dieses Blattes ist bereits auf den Weißblühen- den Lein hingewiesen, es ist aber zu bedauern, daß derselbe noch lange nicht so, wie es sein sollte, ge­würdigt und gebaut wird, weshalb wir uns noch einmal auf ihn zurückzukommen veranlaßt sehen. Seine Hauptvorziige, dem gewöhnlichen blaublühen' den gegenüber, bestehen in größerer Länge, größere« Saamenreichthum und verhältnißmäßig glätterem und gleichmäßigerem Flachse. Ueberall da, wo er nachhaltig kultivirt worden ist, hat er den gehegten Erwartungen entsprochen.