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für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die LgejpaUene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklamentheil die Zeile 20 Jj, kür Auswärts 30 ^.

Amtliches lArgsn für StsSt- unS LauSKreis Hsusu.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 290.

Dienstag den 12. Dezember

1899

Amtliches.

Stadtkreis ^attatt.

Bekanvtmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung

am Donnerstag den 14. Dezember 1899, nachmittags 5 Uhr, im oberen Saale des Rathhauses.

Tagesordnung:

1. Betr. Eingabe der kath. Gemeinde betr. Errichtung einer konf. kath. Schule.

2. Einstellung von 2068 M. in den außerordentl. Haus­haltsplan 1900. Turngeräthe für die Kn.-M.-Schule.

3. Nachbewilligung von 107,91 M. auf VII F, Tit. 111,2 für Beleuchtungseinrichtung im Mädchenhort und in der Knaben-Mittelschule.

4. Satzungen der städtischen Sparkasse zur endgültigen Zu­stimmung.

5. Abänderung von Ordnungen und Tarifen, die Be­nutzung des Schlachthofes betreffend.

6. Uebergang des mit der Firma Glöckler eingegangenen Pachtverhältnisses auf die Firma Metall- und Accumu- latorenwerke hinsichtlich der Räume in der Sandelmühle, unter gleichzeitiger Erhöhung des Pachtpreises auf jähr­lich 710 M. vom 1. November d. I. ab.

7. Nachbewilligung bis zu 4000 M. auf XI,3 für Neu­ordnung des städtischen Archivs.

8. Erhöhung der Beerdigungs-Gebühren für die Leichen- begleiter.

9. Nachbewilligung von 60 M. auf XI,3 für Herstellung einer Halle zur Unterbringung des Leichentransport- wagens für Verunglückte.

10. Außerordentl. Revision der Stadtkasse und der Steuer­kassen.

11. desgl. der Gaswerks-, Wasserwerks-, Badeanstalts- und Elektrizitätswerkskassen.

12. desgl. der Kasse des Steueramts (indirekte Steuern).

13. Miethvertrag mit Marktmeister Wagner hinsichtlich der Aufseherwohnung im Stadttheater.

14. Anstellung des Kanzlisten Scholz.

15. Rechnung der Schlachthofkasse für 1898/99 zur Fest­stellung der Rechnung und Entlastung des Rechnungs- führers.

16. Rechnung des Wasserwerks für 1898/99 desgleichen.

17. Rechnung der Stadtkasse IIB für 1898/99 desgleichen.

18. Rechnung der Begräbnißkasse für 1898 99 desgleichen.

19. Rechnung des Gaswerks für 1898/99 desgleichen.

20. Rechnung der gewerblichen Fortbildungsschule für 1898/99 desgleichen.

21. Rechnung der Kleinkinderschule desgleichen.

22. Einrichtung der Gesammtvormundschaft in Hanau.

23. Nachbewilligung von 2954 M. auf E. 0. Tit. II,6 für R.-J. 1899 für Herstellung des Altstädter Rathhauses.

24. Erhöhung des Strompreises für Elektromotorenbetrieb bei geringeren Benutzungszeiten als 1200 Stunden pro Jahr.

25. a) Bewilligung von 2000 M. für Einsetzung eines FilterbassinS in die Abwasserleitung.

b) Bewilligung von 2700 M. für Aufstellung einer Kohlenhalle und Verlegung eines Transportgeleises ins Kesselhaus.

26. Verlegung der Gasleitung in die Rhönstraße.

27. Erhebung der Abendlaterne Nr. 261, Ecke Hospital­straße und Rebeustraße Altstadt, zur Richtlaterne.

28. Nachbewilligung von 239,40 M. Feuervers.-Prämie für das städt. Mobiliar auf II C 4 für R.-J. 1899.

Am Mitüvoch den 18. d. M. finden Sitzungen statt, um 572 Uhr die des Rechnungsprüfungsausschusses, dazu Punkt 1521,

6 Finanz- und Bauausschusses, dazu Punkt 2228 obiger Tagesordnung.

Hanau den 1. Dezember 1899. 19351

Der Stadtverordneten-Vorsteher : Canth a l.

Grundstücksverpachtüng in Niederrodenbach.

Zweiter Termin zur zwölsjährigen anderweiten öffentlich Meistbietenden Verpachtung der nachbenannten domainenfiskalischen Grundstücks-Parzellen in der Gemarkung von Niederrodenbach, als :

a. von Karte Lit. B. Nr. 200, 201 und 202 Land auf dem Heffenroth

die Abtheilungen 6, 7, 10 und 11 zur Fläche von je 48 a 11 qm, zusammen 1 ha 92 a 44 qm,

b. von Karte Lit. H. Nr. 107 md 107a Wiese, die Erlenbuschwiese, die Abtheilungen 8 zur F iche von 61 a 26 qm, 13 ii 4 I 60 15 ,( < 1 60 16 ii 71 bO zusammen = 2 ha 76 a 06 qm,

c. Karte Lit. P. Nr. 28 Wiese und Land in der alten Wiese zur Fläche von 1 ha 53 a 30 qm, wird auf

Samstag den 16. dieses Monats, nachmittags 1 Uhr, in die Haupt'sche Gastwirthschaft in Nieder­rodenbach anberaumt.

Es werden Pachtbewerber hierzu mit dem Bemerken ein­geladen, daß auf angemessene Gebote der Pachtzuschlag ohne Abhaltung eines weiteren Termins erfolgt.

Hanau am 8. Dezember 1899.

Der Königliche Domainenrath.

Bell. 19214

DiesM-rWes aus dem Kreise.

Gefunden: 1 goldener Ring mit rothem Stein, 2 Paar Tricot-Unterhosen.

Verloren am 7. d. Mts., abends zwischen 78 Uhr von der Frankfurterlandstr. nach der Fallbachstr. 109,9 Mk., bestehend aus 5- und 20-Markstücke, das Uebrige aus Nickel, 1 schwarzer Muff.

Hanau den 12. Dezember 1899.

Erklärung des Staats- und Mnanz- ministers Dr. v. Miguel.

Der Vizepräsident des Staatsministeriums, Finanzminister Dr. von Miguel, vertheidigt sich gegen die unablässig auf ihn gerichteten Angriffe einiger Parteiblätter durch Veröffent­lichung der folgenden, mit seinem Namen gezeichneten (£r= klärung:

In letzter Zeit sind fo viele unwahre und zu einem ganz bestimmten Zwecke einfach erfundene Verdächtigungen gegen mich in einem großen Theile der Presse gebracht, daß ich mir vorgenommen hatte, dieselben persönlich und öffentlich im Landtage als solche zu bezeichnen. Dahin gehören u. A. die Erzählungen von einem Diner im Monat Mai d. Js., bei welchem ich mich so entschieden gegen die Kanaloorlage ausgesprochen hätte, daß Herr v. Eynern abmahnend dazwischen getreten sei, was selbst immer noch wiederholt wird, obwohl Herr v. Eynern öffentlich erklärt hat, daß ihm davon nichts bekannt sei;

sowie von einemanderen" Diner, wo etwas Aehnlichcs vorgekommen sei;

ferner die Behauptung, daß mir bekannt gewesen sei, aus wessen Feder anonyme Artikel in derPost" gegen die Kanal­vorlage herrührten;

Feuilleton.

Wann beginnt das 20. Jahrhundert?

Einer unserer Mitarbeiter schreibt uns: Wann beginnt das 20. Jahrhundert? Das ist eine Frage, die den Leuten schon viel Kopfzerbrechens gemacht hat und zumeist oder doch vielfach falsch beantwortet wird. Bekanntlich soll das neue Bürgerliche Gesetzbuch mit dem neuen Jahrhundert in Kraft treten so meinten wenigstens die Herren, die darüber zu ent­scheiden hatten, am 1. Januar 1900 also, und unser Kaiser hat im vergangenen Herbst bei der Parade seiner Garden gesagt, daß zum letzten Male in diesem Jahrhundert die ruhmbedeckten Fahnen der alten Regimenter im Winde rauschten. Beginnt wirklich am kommenden 1. Januar das neue Jahrhundert? Ganz gewiß Nicht! Unsere Zeitrechnung ist, wie männiglich bekannt sein könnte, zurückzuführen auf den römischen Abt Dionysius Exiguus, einen Skythen von Geburt. Er ersetzte im Jahre 525 in feinen mit dem Jahre 532 beginnenden Ostertafeln die diokletianische Aera der Märtyrer, die mit dem 1. Thoth, d. i. 29. August des Jahres 284 n. Chr. begann, durch die ch r i st l i ch e Aera, indem er das 247. Jahr der genannten Zeitrechnung gleich setzte mit dem 531. nach Christi Geburt und zählte die Jahre der Weltgeschichte ab incar- nation e Domini no stri, uon der Menschwerdung bes Herrn an. Es könnte nun scheinen, als habe Dionysius die Geburt Christi, die nativitas, zum Ausgangspunkt seiner Jahreszählung gemacht und nur die 8 Tage vernach­lässigt, um die seit 354 die Kirche den geschichtlich freilich gar nicht auf einen bestimmten Tag fixirbaren Geburts­tag Jesu vor dem bürgerlichen Jahresanfang, dem 1. Januar, feierte. Dann würde das 1. Jahr der christlichen Zeitrechnung vom 25. Dezember des letzten

Glockeuschlage 12 in der Neujahrsnacht des Jahres 1900 auf 1901. Trotzdem nun die Frage für den gesunden Menschenverstand einen Zweifel nicht zuläßt, wird doch, gerade wie von 1799 auf 1800, 1699 auf 1700 u. f. w. u. s. w., so auch diesmal wieder von einem großen Thril der christlichen Menschheit der Beginn des neuen Jahr­hunderts genau um ein ganzes Jahr zu früh gefeiert werden. Warum? Die liebe Gewohnheit will es so! Aber nur wer über die geschichtliche und rechnerische Grund­lage Unserer Zeitrechnung nicht im klaren ist; wer Grund­zahl mit Ordnungszahl verwechselt; wer sich von der Be­zeichnungsweise des 100theiligen Thermometers nicht frei machen kann; wer sich nicht die Mühe gibt, die hierher ge­hörigen Gedankenreihen einmal folgerichtig durchzudenken; wer die Feste feiern will, wie sie nicht fallen; wer sich zu der thörichten Meinung bekennen wollte, das erste Jahrhundert sei mit dem Jahre 99 zu Ende gewesen; wem es eine kindliche Freude bereitet, der an und für sich inhaltlosen Zahl 19, womit man vom 1. Januar an die Jahre schreibt, einen besonders feier­lichen Punsch zu widmen nur der wird behaupten können, das neue Jahrhundert beginne bereits in der nächsten Syl­vesternacht. ' Ein Anhänger dieses Aberglaubens würde aber zweifellos ein bedenkliches Gesicht machen, wenn ich ihm bei Verabfolgung einer ihm schuldigen Summe von 1900 Thalern 18 99 dieser Dinger blank und baar hin zähle, ihn aber an dem 1900. Stück, das doch auch noch ihm gehört, nur mal eben riechen ließe. Nicht unerwähnt soll schließlich bleiben, d Dionysius die Geburt Christi wahrscheinlich um 5 Jahre ^it spät angesctzt hat. Das sichere Todesjahr des Heilandes ist das Jahr 782 nach der Gründung Roms, das wahr­scheinlichste Geburtsjahr das Jahr 749. Aber es wäre thöricht und geradezu verhängnißvoll, wollte man diesen alten Irrthum beseitigen und beispielsweise lehren, daß die Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1871, die von Sedan am 1. September 1875 n. Chr. geschlagen worden sei. O. Ankel.

bürgerlichen Jahres der vorchristlichen Aera bis zum 1. Ja­nuar des nächstfolgenden Jahres, also 3654-8 373 Tage gedauert haben, und wir könnten heute unmöglich 1899 schreiben, sondern erst 1898. Es bleibt daher nur die An­nahme übrig, daß Dionysius, dem damals üblichen kirchlichen Sprachgebrauch gemäß, unter incarnatio die M ensch­wer d u n g Christi im Schoße der Gottes­mutter, also die annunciatio, die Verkündigung Mariä, die nach der Kirchenlehre auf den 25. März (Tag der Welt­schöpfung und der Menschwerdung des zweiten Adam) fiel, verstanden und als praktischer Mann diesen Tag kombinirt i hat, mit dem vorangegangenen 1. Januar, womir man in der römischen Welt seit Cäsar allgemein das Jahr begann. Demnach ist die heutige Aus­drucksweisenach Christi Geburt", genau genommen, nicht richtig, da die christliche Zählung fast 4 Monate (114 Tage) früher beginnt (das WortGeburt", wie ich nochmals wieder­hole, als Verkündigung gefaßt). Als später, etwa zur Zeit des großen Karl, für lange Zeit die Sitte aufkam, die Jahre mit dem 25. Dezember, der Wintersonnenwende, womit auch die alten Germanen ihr Jahr begannen, anzufangen, da wurde die incarnatiomativitas gesetzt, und es bildete sich die irrige Meinung aus, Dionysius habe seine Jahre von Christi Geburt an gerechnet. Das Jahr Eins der christlichen Zeitrechnung lief vom 1. Januar bis 31. Dezember des Jahres 754 nach der Gründung der Stadt Rom (nach Varro); die Verkündigung Mariä siel auf den 25. März, die Geburt des Herrn auf den 25. Dezember jenes Jahres. Die christ­liche Zeitrechnung fand Verbreitung im Abendlande vor­wiegend durch den Einfluß des angelsächsischen Kirchenhistorikers Beda Venerabilis (ch 735); die Karolinger haben

zuerst Urkunden danach datirt. Ihr zufolge be­

gann das erste Jahrhundert am 1. Januar des Jahres Eins, das 2. nach Ablauf des Jahres Hundert, und das 20. Jahrhundert beginnt mit dem