Einzelbild herunterladen
 

Vierteljährlich 2 4 254

Mr auswärtige ®MuwRtett mit box forireffettben Psstaufschlsz.

Die einzelne ?!»nmrr kostet 10

Nr. 289.

Ein rückn-ig»- gebühr

für Stadt- und Land» freit Hanau 10 ^ die 4gespaltene Garmond« zeit« ober deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für

Auswärts 30 ^.

Amtliches Krgsn für Sfaöf- unS LanöKreis Hünau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Montag den 11. Dezember

1899

Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 79.

Amtliches.

^and streit ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen LandrathsamteS.

In dem gemeinschaftlichen Gehöft des Konrad Demuth IV und des PeterDemuth in R o ß d o r f ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.

Die angeordnete GehöftSsperre ist aufgehoben worden.

Hanau den 11. Dezember 1899.

Der Königliche Landrath.

v. Schenck.

Lairdwiithschastlichcr Krcisvcrein Hanau.

Nächste Versammlung Samstag den 16. Dezember er., nachmittags 2 Uhr, im Gasthaus zumgoldnen Löwen" hier.

Tage s ordnung.

1. Geschäftliche Mittheilungen.

2. Vortrag des Herrn Direktors der landw. Schule A. Wagner von Gelnhausen überDie Düngung der Obstbäume".

3. Berichterstattung der Mitglieder über die im Frühjahr vom Verein bezogenen Saatkartoffeln.

Der Vorstand.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, vorstehende Be­kanntmachung des landw. Kreisvereins in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.

Hanau am 10. Dezember 1899.

Der Königliche Landrath.

109 v. Schenck.

DimiMchüM'J aus dem Kreise

Gefunden: 1 brauner Herrenrock, 1 schwarzes Um- hängetuch, 1 graues, altes Portemonnaie mit 7,80 Mk., 1 Bündel zugeschnittenes Kinderzeug.

Zu geflogen: 1 Brieftaube.

Zugelaufen: 1 schwarzer Jagdhund und 1 schwarzer Dachshund mit braunen Abzeichen, beide m. Geschl.

Entlaufen: 1 schwarzer Zughund mit gelben Abzeichen, m. Geschl., 1 hellgelber Rehpinscher.

Hanau den 11. Dezember 1899.

Feuilleton.

Pfahlbauten im Fuldathalc.

Fttlda, 10. Dezbr.

Der Fuldaer Geschichtsverein bringt mit seiner ersten Ver­öffentlichung eine interessante Abhandlung des Lehrers Herrn Joseph Vonderau überPfahlbauten im Fuldathale". Eingangs der Schrift wird über die Entdeckung der Nieder­lassung berichtet, woraus zu ersehen ist, daß im Herbst des Jahres 1897 Fabrikant Richard Schmitt in Fulda auf feinem Grundstück einen 7 m tiefen Brunnen anlegen ließ und bei dieser Grabung die Arbeiter in der Tiefe von 2 l/s bis 3 m auf Pfähle und eine Menge von Thierknochen stießen. Bald waren Anhaltspunkte genug vorhanden zu der Vermuthung, daß eine alte Niederlassung entdeckt worden sei. Um eine planmäßige Grabung zu einträglichen, stellte die Stadt Fulda 400 Mark zur Verfügung und bewilligte im darauffolgenden Jahre, 1899, als das Ergebniß der Grabung ein günstiges war, weitere 1500 Mark für Grabung und Aufstellung der Funde im städtischen Museum. Nach Mit­theilung des Verfassers der Abhandlung hat Dr. B o e h l a u- Cassel mit Rath und That die Grabung wesentlich fördern helfen und feine reiche Erfahrung auf dem Gebiete der Prä­historie in zuvorkommendster Weise zur Verfügung gestellt. Die geologische Landesanstalt übernahm gern die Bestimmung der Thierknochen, der Geheime Regierungsrath Herr Professor Dr. Wittmack an der Landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin die Bestimmung der Sämereien, das Römisch-Ger­manische Central-Museum in Mainz die Konservirung der Eisenreste, Herr Hofapotheker Dr. Siemens die Analyse der Schlacken, Herr Apotheker Gcheeb in Freiburg i. B. die Untersuchung des Torfes.

Der südafrikanische Krieg dauert jetzt gut zwei Monate. Es gab in England Leute, die glaubten, eine Frist von zwei Monaten sei lange genug, um den Krieg zu beendigen, und noch nach den blutigen Gefechten bei Dundee und Elandslaagte wurde die Meinung laut, die Hauptarbeit der Niederwerfung der Buren werde gethan sein, noch bevor der englische Höchstkommandirende, General Buller, auf dem Kriegsschauplatz eingetroffen sei. Heute freilich ist man sich auch in England klar darüber, daß die Kraft der Buren unterschätzt worden ist, und die schwerste Arbeit noch bevorsteht. Statt des geträumt«! Siegeszuges nach Pretoria müssen die Engländer jetzt a® S daransetzen, den Feind von dem eigenen Boden in Natal, Kapland und Betschuana wieder zu verdrängen.

Die beginnende Woche wird wahrscheinlich eine Entschei­dung im Osten bei Ladysmith, wo Buller zum Entsatze des eingeschlossenen Whiteschen Korps operirt, und im Westen bei Kimberley am Modderflussc bringen. Mag selbst diese zweite Periode des Krieges eine günstigere Wendung für England bringen, so wird der Krieg doch noch lange nicht zu Ende sein; wenigstens ist man in England heute nach den schweren Enttäuschungen der ersten Periode auch im günstigsten Falle auf einen hartnäckigen Widerstand der Buren in der Defensive und im Guerilla-Kriege gefaßt.

In der englischen Presse ist die Frage aufgeworfen worden, ob die deutsche Politik heute noch auf dem Standpunkt jener Note von 1895 stehe, in der als ihr Ziel die Unabhängigkeit der südafrikanischen Republik in den Grenzen des Londoner Vertrags von 1884 und der Status quo in der Delagoabai aufgestellt war. Die Frage ist ganz müßig und zur Zeit gegenstandslos. Wegen der Unabhängigkeit ist ein Krieg entbrannt, und in diesem Krieg ist Deutschland neutral. Die deutsche Regierung denkt nicht daran, die bisherigen Erfolge der Buren durch eine Erklärung zu schmälern, in der etwa in der streitigen Suzeränetäts-Frage zu Gunsten Englands Partei ergriffen würde. Deutschland wird als neutrale Macht den Verlauf des Krieges ruhig abwarten, und es wird dann je nach der durch den Krieg veränderten Sachlage zu über­legen sein, nicht wie die Interessen der Buren oder der Eng­länder, sondern lediglich wie die deutschen Interessen am besten wahrgenommen werden. Auch der Hinweis auf das geheime deutsch-englische Abkommen zieht nicht; denn mag dieses auch für gewisse mögliche Fälle einem deutsch-englischen Konflikt wegen der portugiesische Kolonie Mozambique nebst Delagoa­bai vorbeugen, so ist es doch ganz sicher, daß sich die deutsche Politik in Bezug auf die Burenstaaten in keiner Weise, auch nicht bedingt, die Hände gebunden hat.

Das Resultat der von Seiten der Stadt Fulda finanziell so bereitivillig unterstützten Grabung wird von Herrn J. Vonderau in Kürze dahin zusammengefaßt: Das Weichbild Fuldas war der Schauplatz einer prähistorischen Niederlassung, das Fuldathal zu Beginn derselben ein Moor, dessen Weiter­bildung noch nicht zuin Stillstand gekommen war. In diesem Moor errichteten die Ansiedler Pfahlwerke analog den in der Schweiz und anderen Ländern aufgefundenen Bauwerken. Der Pfahlbau Fulda läßt zwei Bauweisen erkennen: die untere, durchschnittlich 60 cm starke Kulturschicht, kam in einem echten Pfahlbau zur Ablagerung, zwischen dessen Pfählen größere Moorlachen stagnirten; die über die Sand­bank geschütteten Kalk- und Basaltblöcke, sowie die dazwischen gefüllten Schottermassen geben Zeugniß von dem späteren Packwerkbau.

Die inhaltlich reich ausgestattete Veröffentlichung wird allen Freunden der Geschichte unseres engeren Bezirkes wich­tiges Material bieten und darum allseitigem Interesse be­gegnen.

Stadtthcatcr in Hanau.

Madame Bonivard",

(Schwank in 3 Akten von Alexander Bisson und Antoine Mars.)

Die Freitagsvorstellung brächte Alexander Bisson und Antoine Mars' tolle breiartige KomödieMadama Bonivard" nach langjähriger Pause wieder an das Lampenlicht. Räch dem bekannten Schwankrezept haben die beiden Verfasser hier eine Posse zusammengebraut, wie sie wohl über­müthiger und auch urkomischer kaum geschaffen wurde. Wenn im Ver­lauf der amüsanten kurzweiligen Handlung der Posse aus der Frau des Helden des Stückes dessen eigene Schwiegermutter wird, so dürfte diese Andeutung genügen, um die köstlichen Jrrsale und Wirrsale des Schwankes erkennen zu lassen. Das Geschick der beiden Franzosen, eine tolle Szene nach der andern folgen zn lassen, in ihrer Tollheit aber eine immer amüsanter als die andere, ist bewundernswürdig. Selbstverständ­lich vertragen diese Verwechselungen und Mißverständnisse keine kritischen Betrachtungen. Sobald diese wie Blitze einschlagenden Heiterkeits-Racketen

| Politische und unpolitische Nachrichten.

Depeschen-Bureau Herold.

Berlin, 10. Dezbr. Der Bundesrath hat demLokal- Anzeiger" zufolge die vom Reichskanzler in Aussicht gestellte Zustimmung zur Aufhebung des Verbindungsverbotes bereits in der Sitzung am Donnerstag gegeben.

Berlin, 10. Dezbr. Gegenüber dem gestrigen Dementi meldet heute derLokal-Anzeiger" aus Rom, daß König Humbert den bisherigen Berliner Botschafter Grafen Lanza zum General-Adjutanten und den General Ferrero, bisher Kommandant des dritten Armee-Corps in Mailand, zum Bot­schafter in Berlin ernannt hat.

Wien, 10. Dezbr. Außer denMünchener Neuesten Nachrichten" ist derFrankfurter Zeitung" und der in Dres­den erscheinendenDeutschen Wacht" das Postdebit in Oesterreich wieder gestattet.

Wien, 10. Dezbr. Das Vorgehen der Jungtschechen im Ausgleichs-Ausschuß und die Unterstützung, welche die Rechte der Obstruktion der Jungtschechen angedeihen läßt, wird heute in den liberalen Blättern auf das Schärfste ver- urtheilt. Allgemein ist man der Ansicht, daß unter solchen Umständen an eine Erledigung der Ausgleichsgesetze nicht zu denken ist und daß man in Oesterreich einer ernsten parlamen­tarischen Krisis entgegengeht. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, wird der Kaiser, falls das Ueberweisungs- gesetz auf parlamentarischem Wege nicht zu Stande kommt, die Quote vorläufig auf drei Monate bestimmen.

Gpuz, 10 Dezbr. Der hiesige Universiräts-Professor Dr. Frischauer wurde wegen boshafter Verleumdung der anderen Professoren und wegen Aufreizung der slowenischen Studentenschaft vom Amte suspendirt und die Disziplinar- Untersuchung gegen ihn eingeleitet.

Paris, 6. Dezbr. Heute Nacht fand, nachdem der Sozialisten-Kongreß geschlossen war, ein heftiger Krawall zwischen den Sozialdemokraten und der Polizei statt, weil erstere eine rothe Fahne entfalteten und ein revo­lutionäres Lied sangen. Mehrere Polizei-Agenten, die sich der Fahne bemächtigen wollten, wurden thätlich an­gegriffen. Es entstand ein Handgemenge, indessen gelang es der Polizei nicht, die Fahne zu beschlagnahmen.

Aus Stadt- und Landkreis Hanau. gti^brutf unserer ßofalartitet nur mit^Quellenangabe .Hau. Anz * gestattet.

* Personalien. Der Regierungsassessor Graf von Unruh zu Hanau ist bis auf Weiteres dem Landrath des Kreises Weißenfels, Regierungsbezirk Merseburg, zur Hülfe­leistung in den landräthlichen Geschäften zugetheilt worden. verpufft sind, muß es vorbei sein, denn eine nachträgliche Betrachtung könnte das ärgerliche Gefübl, über solchen Unsinn gelacht zu haben, auf­kommen lassen. Die Regie des Herrn Schwarz hatte alles gethan, um die auf die Spitze getriebene Handlung des Stückes mit der nörhigen Schnelle durch- und ineinander wirbeln zu lassen und den komischen Effekten manchmal durch zu starkes Aufträgen die humoristische Wirkung sicher :n stellen. Auch als Darsteller startete er seine dankbare Aufgabe mit dem entsprechenden Humor und großer Beweglichkeit aus. Eine köstliche Leistung aber bot Frau H a n t k e in der Rolle der gefürchteten Schwiegermutter, derMadame Bonivard". Was nur irgend aus der Rolle herauszuholen war an komischen Finessen, dem verhalf ihr keck charaklerisirendes Daritellungsialent tu der gewünschten Wirkung. Unter den übrigen Darstellern zeichnete sich noch besonders Herr H einich in der Darstellung des RentiersBourganeus" aus, sein oft gepriesenes Eharakterisirungsialenl bewährte sich auch hier in der humorvollen Verkörperung des leichten Lebemannes. Die Damen Muck und Stein- brück und die Herren Metz und Kron in größeren Aufgaben thaten ihr Bestes, um dein luftigen Schwank den großen Lacherfolg bei seiner Neueinstudirung zu erhalten.

Romeo und Julia",

(Trauerspiel in 5 Akten von Shakespeare.)

Die Vorstellung am Sonntag brächte Shakespeare's Trauerspiel Romeo und Julia"' auf den Spielplan. Das hohe Lied der Liebe, das in ergreifender Weise von Liebesglück und Liebesleid zu singen weiß, zählt unter den Schätzen der Weltlitteratur als ein kostbares Kleinod, das der geniale dramatische Dichter der Briten der dankbaren Welt für alle Zeiten geschenkt hat. Von allen Figuren Shakespeare's sind die Gestalten der beiden Liebenden, die über die Feindschaft der Väter sich in innigster Liebe zusammenfinden, dem Herzen des Volkes besonders nahe getreten. Die hinreißende Macht dieser Dichtung stellt aber bei der Wiedergabe auf der Bühne an die Träger der Hauptrollen die Anforderungen, denen wohl selten an einer kleineren Bühne ganz genügt werben kann. Die gestrige Aufführung ließ aber in der Darstellung zu vieles zu wünschen übrig, um es ganz übergehen zu können. AlsRomeo" zeigte Herr Kron den redlichen Willen, aber die Ausführung blieb hinter dem Wollen zurück. Das heißblütige leidenschaftliche Temperament dieser Rolle, er­füllt von sinnlifcher Gluth, konnte in der Wiedergabe des Herrn Kron nicht den gewünschten Ausdruck finden, die Kraftanstrengung der Lungen thut es nicht allein. Aufgabe des Darstellers ist es, die Wirkungen im Seelenleben des Liebenden zu zeigen, von dem ersten Augenblick, da Romeo Julia zuerst auf dem Maskenfeste erblickt bis zum erschütternden