Einzelbild herunterladen
 

Erstes Blatt.

<gtewee*e*tl« PE:

JLHrlich 9 * ^fel.4 Jt50 4.

vi-rttljährlich a -* 25 ^

Kk aulisMge 86»»xentat mit dem drkrftmd«, Maufj^eg.

Die einzelne Nnmrner foulet 19 ^.

Zugleich L5 A<

Amtliches Argali Mr Skaöt- und Lanökreis Hanau.

Sinrückong». gebühr

für Stadt- und Land» freie Hanau 10 ^ bie ^gespaltene Garmond» zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklamenthei!

die Zeile 20 4 tür Auswärts 30 ^

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristiseer Beilage

Nr. 288.

Samstag den 9. Dezember

1899

Inhalt der heutigen Ausgabe:

Erstes Blatt (Seite 18): Amtliches. Aus Stadt- und Landkreis Hanau. Sprechsaal. Marktbericht. Aus der Provinz und den Nachbargebieten. Drahtnachrichten. Feuilleton:I. S. Bach's Weihnachts-Oratorium." Humoristisches. Inserate.

Zweites Blatt (Seite 916): Leitartikel. Volkswirthschaftlicher Theil.

Tagesschau. Aus aller Welt. Gebrauchsmuster. Schisss- bericht. Briefkasten. Feuilleton:Ludwig Anzengruber" von Otto v. Maaß. Inserate.

Drittes Blatt (Seite 1724): Leitartikel. Politischer Wochenbericht.

Das Bürgerliche Gesetzbuch. Vermischte Nachrichten. Aus der Provinz und den Nachbargebieten. Inserate.

Beilage (Seite 25 und 26): Politische und unpolitische Nachrichten. Inserate.

Unterhaltungsblatt:Vineta des Herzens", Roman von O. Elster (Fortsetzung). Gesundheitspflege im Winter. Mannigfaltiges. Litterarisches. Gedenktage. Am Familientisch.

Amtliches. cSanölvrew Jbanau.

Bekamtmachunzen des Königlichen Landrathsamtes.

In Rumpenheim (Kreis Offenbach) ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Hanau den 8. Dezember 1899.

Der Königliche Landrath.

V 12704 v Schenck.

£4aöUiret# ^anatt.

Bekanutmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Städtische Sparkaste.

Laut Beschluß der städt. Körperschaften wird der Zins­fuß für Spareinlagen bei der städt. Sparkasse vom 1. Januar 1900 ab von 3% auf 302% erhöht.

Die Ausfertigung der Einlagebücher für neu eintretende Sparer erfolgt statutengemäß kostenfrei.

Hanau den 18. Oktober 1899. 16554

Die Verwaltung der städt. Sparkasse.

Jung. Klaere. Eilber.

Grundstücksverpachtung in Niederrodenbach.

Zweiter Termin zur zwölfjährigen «nderweiten öffentlich Meistbietenden Verpachtung der nachbenannten domainenfiskalischen Grundstücks-Parzellen in der Gemarkung von Niederrodenbach, als:

Feuilleton.

I. S. Bach's Weihnachtsoratarium.

Hanau, 9. Dezember.

Keiner unserer großen Tonmeister hat durch seine Kunst in so inniger Verbindung mit dem Christenthum gestanden, als Johann Sebastian Bach. Wenn ihn schon sein tiefer und echter Glaube immer hingewiesen hat auf das reine Bibelwort, welches seiner mächtigen Phantasie die wunder­same Richtung nach dem Ewigen verliehen, so nimmt es nicht Wunder, daß er die Begebnisse der Heilsgeschichte in das Reich der Töne übertrug und über die Texte vom Leiden und Sterben des Welterlösers in der Sprache der Musik Predigten schrieb, die auf ihrem Gebiet unvergleichlich sind. 9tid)t blos Kunstbegeisterung ist eS, die Bach's Musik aus dem innern des Menschengemüthes hervorlockt, vielmehr sind es die innersten Beziehungen der Musik zur Religion, die uns in seinen großen kirchlichen Kompositionen aufgedeckt werden. Das Unbeschreibliche, hier wirds Ereigniß in Tönen. Gerade so wie der Glaubensinhalt des Christenthums über den Ver­stand hinaus das Gemüth ergreift, ist die Musik unter allen Künsten allein befähigt, diese GefühlSseitc des Glaubens dem Hörer direkt zu übermitteln: ist sie doch selber Sprache deS Gefühls und nicht des Verstandes. So hat denn Bach diese ungeheure Macht der Musik, die sie schon an vielen Tausenden bewährt hat, in den Dienst der Kirche und ihrer Feste gestellt. Auch deren lieblichstes, das Weihnachtsfest, dem wir in diesen Wochen so frohbewegt entgegengehen, hat Bach in Tönen verherrlicht.

Eine einzigartige Festmusik ist uns in seinem Weihnachts­oratorium geboten. Die 6 Abschnitte desselben geben zu jedem der 3 kirchlichen Weihnachtsfeiertage, zu Neujahr,

a. Dop Karte Lit. B. Nr. 200, 201 und 202 Land auf dem Heffenroth

die Abtheilungen 6, 7, 10 und 11

zur Fläche von je 48 a 11 qm,

zusammen 1 ha 92 a 44 qm, b. von Karte Lit. H. Nr. 107 md 107a Wiese, die Erlenbufchwiese, die Abtheilungen 8 zur F iche von 61 a 26 qm, 13 N 71 60 15 71 60 16 71 60 zusammen = 2 ha 76 a 06 qm, c. Karte Lit. P. Nr. 28 Wiese unb Land in der alten Wiese zur Fläche von 1 ha 53 a 30 qm, wird auf

Samstag den 16. dieses Monats, nachmittags 1 Uhr, in die Hanpt'sche Gastwirthschaft in Nieder­rodenbach anberaumt.

Es werden Pachtbewerber hierzu mit dem Bemerken ein­geladen, daß aus angemessene Gebote der Pachtzuschlag ohne Abhaltung eines weiteren Termins erfolgt.

Hanau am 8. Dezember 1899.

Der Königliche Domainenrath.

Bell. 19214

DiMnachrichteu aus oem Kreise.

Verloren: 1 goldene Damenuhr, 1 Kneifer. .

Zugelaufen: 1 weißer Spitzhund, Empfangnahme bei dem Landwirth Christian Reichold zu Oberdorfelden.

Hanau, am 9. Dezember 1899.

Aus Stadt- und Landkreis Hanau. Nachdruck utifner Lokalart'kel nur mit" Quellenangabe Han Anz " gestattet.

* Der Provinziell - Ausschuß der Provinz Hessen-Nassau war vorgestern in Cassel versammelt. Unter Anderem machte dabei der Herr Oberpräsident die Mittheilung, daß er die Allerhöchste Genehmigung zur Ein­berufung des Provinzial-Landtags für die Provinz Hessen- Nassau auf den 20. Februar 1900 beantragen werden. Die Angelegenheiten des Provinzial-Verbands wurden erledigt und genehmigte der Provinzial-Ausschuß die Eröffnung eines Konto-Korrentverkehrs zwischen den Kassen der landwirth- schaftlichen Berufsgenossenschaft und der Jnvaliditäts- und Alters-Versicherungs-Anstalt.

* Der Spvechverkehr mit Kirn ist eröffnet worden. I Die Gebühr beträgt für ein- einfaches Gespräch 1 Mk.

Sonntag nach Neujahr und Epiphanias eine selbständige Kirchenmusik, welche sich inhaltlich an die Texte der einzelnen Festtage anschließt. Das Schwergewicht der Kunst liegt in den Chören und Arien. Das Rezitativ, die Stimme des Evangelisten, erzählt uns den Hergang der Weihnachts­geschichte, während die Choräle, welchen Bach durch seine wunderbare Harmonik eine erhabene Wirkung verliehen hat, gleichsam wie eingestreute Edelsteine das ewige Licht auffangen und als Stimmen der gläubigen Gemeinde wieder ausstrahlen lassen.

Die ersten 3 Abschnitte des Oratoriums, welche der O r a t o r i e n v e r e i n in einer Wohlthätigkeitsaufführung am 17. ds. Mts. in der hiesigen Marienkirche einem größeren Publikum darbieten will, beziehen sich auf die eigentliche Weihnachtszeit und geben damit auch einen musikalischen Hinweis auf das Fest.

Bevor ich einige kurze Erläuterungen zu diesem Werk gebe, schicke ich voraus, daß das Weihnachtsoratorium von Bach im Jahre 1734 komponirt wurde für 4 Solostimmen, Chor, Orchester und Orgel. Um eine Aufführung in der Marien­kirche zu ermöglichen, mußte der Jnstrumentalsatz eine Be­arbeitung erfahren, indem die Blasinstrumente der Orgel übertragen wurden, da deren Aufstellung wegen Raummangels nicht möglich war. *

Nun zu dem Werk selbst! Ein froh bewegter Chorsatz mit Pauken und Orchester leitet ,bie Feier ein mit den Worten: Jauchzet, frohlocket, auf! Preiset die Tage, rühmet, was heute der Höchste gethan." So stimmt der Chor den großen Weihnachtsjubel an, der in strahlendem D-dur ab- schließt. Der Evangelist (Tenor) beginnt die Weihnachtser- zählung. Eine Altarie und der erste Choral:Wie soll ich Dich empfangen" sind Stimmen des Willkomms über das Nahen des Heilands, die letzten Ndventtöne vor der Christ­nacht. Daß der erste Choral auf die Passionsweise:O

Die heutige Nummer umfaßt außer dem ttuterhaltungsbla^t 26 Seite«

* Der Sprechverkehr mit Gr eben st ein wird am 11. Dezember eröffnet werden. Die Gebühr beträgt für ein einfaches Gespräch 1 Mk.

* Beiträge für die Landwirthschaftskammern. Nach einer jüngst getroffenen Entscheidung des Ober-Vcr- waltungsgerichts sind nur die Eigenthümer, nicht aber die Nutzungsberechtigten forstwirthschaftlich genutzter Anlandungen zu Beiträgen für. bie Landwirthschaftskammern heranzuziehen.

* Tonderzüge nach Berlin. Am Donnerstag den 21. Dezember fährt ein Sonderzug nöthigenfalls ein Nachzug mit 1., 2. und 3. Klasse von Straßburg über Weißenburg Mainz Sachsenhausen Hanau Bebra Magdeburg Potsdam nach Berlin. Ankunft dortselbst am 22. Dezember vormittags. Die zu dem Zuge auszugebenden Sonder-Rückfahrkarten nach Berlin 2c. haben 45 Tage Gültigkeit, sind bedeutend im Preise ermäßigt und können zur Rückfahrt mit jedem beliebigen Zuge benutzt werden. Bei Benutzung von O-Zügen sind Platzkarten zu ! lösen. Freigepäck wird dagegen nicht gewährt.

* Schitlfrcguenzen. Aus den Nachweisungen über die Schulfrequenzverhältnisse der städt. Schulen zu Hanau nach dem Stande vom 1. November 1899 veröffentlichen wir folgende Zahlen. Danach betrug die Zahl der Schul­kinder an der Höheren Mädchenschule am 1. Novbr. in 13 Klassen 330 gegen 340 am L Mai. Konfessionell zerfielen dieselben in 277 evang., 24 kath., 23 jüd., 6 frei= relig. Schülerinnen. In Hanau wohnhaft waren 287, aus­wärts 43 Schulkinder. An der Knab enm ittcl sch u le betrug die Zahl der Schulkinder am 1. November in 15 Klassen 538 gegen 542 zu Beginn des Sommerhalbjahres. Hiervon waren 442 evang., 85 kach., 5 jüd. und 6 frei­religiös. In Hanau wohnhaft waren 498, auswärts 40 Schulkinder. An der Mädchenmitte lschule betrug die Zahl der Schulkinder in 15 Klassen 500 gegen 493 zu Beginn des Sommerhalbjahres. Hiervon waren 393 evang., 91 katholisch 8 jüd., 8 freireligiös. In Hanau wohn­haft waren 478, auswärts 22 Schulkinder. An der Knab env o lkss chule betrug die Zahl der Schulkinder am 1. November in 21 Klaffen 983 gegen 1001 zu Beginn des Sommerhalbjahres. Hiervon waren 732 evang., 242 katholisch, 9 freireligiös. In Hanau wohnhaft waren 977, auswärts. 6 Schulkinder. An der Mädchenvo l ks- schule betrug die Zahl der Schulkinder in 21 Klassen 1006 gegen 1016 zu Beginn des Sommerhalbjahres. Hier­von waren 765 evang., 228 katholisch, 13 freireligiös. Zu Hanau wohnhaft waren 1003, auswärts 3 Schulkinder. An der neueingerichteten Hilfsschule (Schule für schwachbegabre Kinder) betrug die Zahl der Schulkinder im Ganzen 25 (14 Knaben und 11 Mädchen). Davon waren

Haupt voll Blut und Wunden" gesetzt ist, veranlaßt Spiita, den Bachbiographen, zu der Bemessung, daß damit der Kom­ponist schon bei der Geburt Christi auf das Endziel der Er­lösung Hinweisen wollte, um zu zeigen, daß der Heiland zum Leiden und Sterben auf diese arme Erde gekommen sei.

Nach der Verkündigung der Geburt schließt sich der von einer Sopranstimme gesungene, mit Recitativ des Basses untermischte Choral an:Er ist auf Erden kommen arm."

Im weiteren Verlauf begegnen wir zu Anfang des 2. Abschnittes einem pastoral gehaltenen Jnstrumentalsatz, der als Hirtensymphonie gedacht ist. Sie malt die Freude der Hirten die auf ihren sanften Hirteninstrumenten musiciren: ein sehr liebliches musikalisches Bild vollerZartheit und Naivetät. Nachdem nun das Christuskind gefunden, wird ihm nach alt- christlicher Weise ein Schlummerlied gesungen. Dieses einem Altsolo zugetheilt, gehört zu dem schönsten und Ergreifendsten, was Bach uns in seinem Oratorium geboten. Stach einem Vorspiel beginnt der Alt, gleichsam die Stimme der Mutter, das geistliche Wiegenlied. Lang ausgefallene Töne, umspielt von einer äußerst zarten Jnstrumentalmelodie, fingen das Kindlein in Schlaf mit den Worten:Schlafe mein Liebster, genieße der Ruh', mache nach diesem für Aller Gedeihen", womit schon auf bie Erlösungithat des künftigen Mannes hinge­wiesen wird. Nachdem die zarten und innigen Töne verklungen, erhebt sich im Chor die Menge der himmlischen Heerschaaren mitEhre sei Gott in der Höhe." In vielverschlungener Polyphonie baut sich dies technisch sehr schwierige Tonstück auf mit einem zart kontrastirenden Pianosatz:und Friede auf Erden".

Der 3. Theil bringt einen Chor der Hirten:Lasset uns nun gehen gen Bethlehem" mit anschließendem Choral und einem ausdrucksvollen Duett zwischen Sopran und Baß. Den Abschluß des Ganzen bildet die Wiederholung des Chorals: