ganzen Bäume herbeiführen, wenn nicht rechtzeitig gegen die Läufe der Venilgungskrieg geführt wird. Auch am Wurzelhals und an den flachgehenden Wurzeln in der Erde kommen sie vor und gehen im Winter selbst tiefer hinab, um während strenger Kälte Schutz zu suchen.
Die Vertreibung der Blutlaus ist nicht leicht zu bewerkstelligen, sondern erfordert die größte Achtsamkeit und Energie, da die Insekten, wenn auch deren nur wenige zurückbleiben, durch ihre starke und rasche Vermehrung bald wieder viele neue Verbreitungsheerden erzeugen. Das einmalige Anwenden von Zerstörungsmitteln ist deshalb selten von Erfolg, da die kleinen Läuse zum Theil iu den Blattwinkeln verborgen sitzen oder unter Rindemitzen und halbverdeckten Wundstellen, wo sie oft dem Auge entgehen, oder wo mit den auzuwenden- den Mitteln nicht gut beizukommen ist. Es sind daher die von den Blutläusen befallenen Bäume wiederholt in Zwischen- räumen von 14 Tagen bis 3 Wochen nachzusehen und, sowie sich später einzelne neue Kolonien zeigen, diese sogleich wieder zu zerstören und mit den geeigneten Mitteln zu behandeln. Wenn auf diese We ise in kurzen Zwischenräumen wiederholt die Bäume sorgfältig nachgesehen und gereinigt werden, dann wird es in den meisten Fällen möglich sein, dieselben von ihren Plagegeistern vollständig zu befreien.
Es müssen sämmtliche Wundstellen an den Bäumen, auf denen im Laufe des Jahres die Blutlaus gesessen hat (man erkennt solche an dem weißlichen Ueberzuge) mit einer der nachfolgend beschriebenen Lösungen gründlich ausgebürstet werden. Auch räume man die Erde von den Stämmen etwas weg, um Blutlaus'olonien, welche sich etwa unter der Oberfläche des Bodens befinden sollten, erreichen zu können. Wer recht sorgsam verfahren will, bürste die ganze Rinde der Stämme und Zweige ab.
Da bei einem solchen Verfahren ziemlich große Mengen Flüssigkeit gebraucht werden, so werden hier nur die billigen Blutlausmittel in Vorschlag gebracht.
Es sind dies : 11 gewöhnliche Lauge, wie sie durch Ueber- gießen von Holzasche mit Wasser gewonnen wird; 2. Gaswasser, ein Nebenprodukt der Gasbereitung, ist um das Doppelte mit Wasser zu verdünnen; 3. Kalkmilch, eine | Mischung von Soda und Alaun (2 kg Soda und 1 kg, Alaun werden in 50 Liter Wasser aufgelöst); 5. Tabakslauge, welche im vorigen Jahre in einer Gemeinde des hiesigen Kreises allgemein angewandt worden ist und sich gut bewährt haben soll.
Es sei ausdrücklich bemerkt, daß es viel weniger auf das Mittel anfommt, als auf die Gründlichkeit, mit welcher das Ausbürsteu vorgenommen wird. Es muß dabei auch die kleinste Verwundung der Rinde berührt werden, sodaß das Insekt in allen seinen Schlupfwinkeln getroffen wird. Bereits stärker verlauste Bäume bürste man mit doppelter Sorgfalt ab.
Bei befallenen älteren hochstämmigen Aepfelbäumen miu schon ausgedehnten Kronen, bei welchen eine gründlich^ Reinigung der einzelnen Zweige nicht gut möglich ist, muM im Frühjahr die Krone stark zurückgeschnitten werden, damits nur eine geringe Anzahl Haupttriebäste zurückbleibt, bereu, Zweige dann leichter gereinigt werden können; zugleich ist bir alte abgestorbene Rinde an den stehen bleibenden Aesten undi am Stamm mit dem Rindenkratzer abzukratzen, grindige und! wunde Stellen sind sorgfältig auszuschneiden und dann Stamm und Aeste mit Kalkmilch rc. zu bestreichen. Nebev- Haupt ist es ruthsam, sämmtliche Bäume vor Winter mit Kalk bezw. Kalkmilch zu bestreichen., Die abgeschnittenen Aeste und Zweige, die abgekratzten Rinden-j theile und ausgeschnittenen Theile sind natürlich sorgfältig: wegzuschaffen und zu verbrennen. Sind die stark befallenen Bäume zum Verjüngen schon zu alt, so tritt die Nothwendig-' feit ein, dieselben umzuhauen und nur zu verbrennen, da sie doch nicht mehr zu retten sind und zur weiteren Verbreitung der Blutlaus beitragen würden. Ferner wird bei Hochq stammen als ein sehr wirksames Mittel gegen die Blutlaus das Kalken der Wurzeln empfohlen. Im Spätherbst oder) Winter, wenn die Erde nicht gefroren ist, nimmt man etwa! 1,25—1,50 m im Durchmesser um den Stamm herum bie} Erde bis auf die Wurzeln hinweg und gießt je nach der Größe des Baumes 1 bis 2 Gießkannen voll Kalkwasser auf die Wurzeln (auch Holzaschenlauge soll gut sein), schüttet bann eine etwa 3 cm hohe Schicht gebrannten, zerfallenen Kalks darauf unb bedeckt diesen mit der ausgeworfenen Erde.
Die Blutläuse sollen hierauf sicher verschwinden und ist dieses Mittel zugleich für das Wachsthum und Gedeihen der Bäume sehr förderlich.
Die Herren Ortsvorstände wollen die Ortseingesessenen zur Vertilgung der Blutlaus nach der oben angegebenen Weise ortsüblich auffordern und die Ausführung der Anordnungen überwachen.
Hanau den 18. November 1899.
Der Königliche Landrath.
V 11631 v. Schenck.
Bekanntmachung.
Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 16. November 1898 wird der Handel mit Klauenvieh im Umherziehen im Kreise Offenbach auf Grund des § 56 b der Reichsgewerbeordnung bis zum 1. März 1900 hierdurch verboten.
Offenbach am 28. November 1899.
Großherzogliches Kreisamt.
I. V.: H ö l z i n g e r.
Ököiüdt und verlegt in der Buchdruckern des verein ev. ZLaiscnhauses.