Erstes Blatt.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
Nr. 282.v
Samstag des 2. Dezember
1899
„Amtliche Beilage" Nr. 77.
Lt»nHUvs»s ^tanau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Landwirlhschaftlichcr Kreisverein.
Am Sonntag den 10. Dezember d. Js., nachmittags 3 Uhr, wird der Direktor der landwirth- schaftlichen Schule zu Gelnhausen, Herr A. Wagner, im Saale des Gastwirths Heinrich Hamburger zuLangen - s e l b o l d einen Vortrag über: „Die Düngung und Pflege der Wiesen" halten, zu welchem die Landwirthe von Langen- selbold und den umliegenden Ortschaften eingeladen werden.
Der Vorstand.
Die HerreN Bürgermeister von Langeuselbold, Nieder- rodenbach, Rückingen, Langendiebach, Hüttengesäß, Neuwieder- muß, Ravolzhausen und Oberrodenbach wollen obige Bekanntmachung des landwirtschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt machen mit dem Hinzufügen, datz allen Landwirthen und Interessenten der Zutritt gestattet ist.
Hanau am 30. iltovember 1899.
Der Königliche Landrath.
L. 104 v. S ch enck.
^taöt&rei^ ^anau.
Bekauvtmachungcn des Obelbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Auf Grund des § 8 des Statuts für Verwaltung und Verwendung des durch Ablösung an Stelle der der Altstadt Hanau zugestandenen Bauholzberechtigung getretenen Ab- sindungSkapitalL ergeht hierdurch an die Berechtigten die Aufforderung^ ihre Ansprüche aus dem Jahre 1899 binnen 4 Wochen, vom Tage dieser Bekanntmachung an gerechnet, auf dem Rathhause zur Anmeldung zu bringen.
Anzumelden sind nur die bereits vollendeten Neubauten, bezw. Reparaturen.
Bemerkt wird, daß nach § 8 des Statuts für jeden Antrag vom Antragsteller eine Vermessungsgebühr von 2 Mk. zu entrichten ist.
Hanau den 18. November 1899.
Für die Deputation der Althanauer Berechtigten. Der Oberbürgermeister.
vr. Gebeschus. 18801
DicuBachNlylcn aus dem Streife.
Gefunden: Von der Post hier abgeliefert 12 Freimarken i 10 Pfg.
Verloren: 1 Haarpfeil mit Krone.
Hanau den 2. Dezember 1899.
Politische und unpolitische Nachrichten.
(Depeschen- Bureau.Herold').
Berlin, 1. Dezbr. Der Kaiser erledigte gestern in später Nachmittagsstunde und abends Regierungs-Angelegen- heiten. Zur Abendtafel waren Einladungen nicht ergangen. Heute Vormittag unternahm der Kaiser einen längeren Ausritt und empfing um 1 Uhr die Kommandeure der Leib- Regimenter zur Entgegennahme des Monats-Rapports.
Berlin, 1. Dezbr. Der englische Staatssekretär der Kolonieen, Chamberlain, äußerte in seiner letzten Rede in Beziehung auf Deutschland u. A.: »Die neue Friedens- Allianz zwischen den germanischen Rassen und den beiden großen Zweigen der Angelsachsen stellt einen mächtigen Einfluß dar in der Zukunft der Welt." Thatsächlich ist, wie die „National-Zeitung" von wohl unterrichteter Seite erfährt, in Windsor kein neues Abkommen getroffen worden. Richtig ist, daß bei den Unterredungen des Kaisers und des Grasen Bülöw mit Chamberlain sich bereitwillige und übereinstimmende Auffassung in dem Sinne gezeigt hat, auf kolonialem Gebiet in Zukunft die Schwierigkeiten aus dem Wege zu schaffen, die sich in den die beiden Länder berührenden Fragen dieser Art ergeben könnten. Die kontinentale und allgemeine Politik Deutschlands wird, wie die „National-Zeitung" weiter hervorhebt, durch dieses Einvernehmen, welches seine Spitze gegen keine andere Macht richtet, durchaus nicht berührt, »ielmrhr hält Deutschland nach wie vor daran fest, seine
Die heutige Ru
allgemeine Politik weder England noch Rußland gegenüber zu binden.
Berlin, 1. Dezbr. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe folgte heute einer Einladung zur Frühstückstafel im Neuen Palais, worauf der Kaiser einen längeren Vortrag desselben entgegennahm. Auch der Contre-Admiral Tirpitz, Staatssekretär des Reichs-Marine-Amtes, war zu dem Frühstück geladen.
Berlin, 1. Dezbr. Die „Post" erfährt von maßgebender Stelle, daß über den Zeitpunkt der Einbringung der Flotten-Vorlage beim Reichstage bisher noch keinerlei Festsetzung getroffen worden ist.
Berlin, 1. Dezbr. Der „Reichs-Anzeiger" schreibt: Nach einem jetzt hier eingegangenen Bericht des kaiserlichen Konsuls in Pretoria hat die Regierung der südafrikanischen Republiken mittelst amtlichen Schreibens vom 12. Oktober d. J. dem Konsul mitgetheilt, daß zwischen der südafrikanischen Republik und Groß-Britannien und Irland Kriegszustand besteht.
Berlin, 1. Dezbr. Contre-Admiral Bendemann soll zum Nachfolger des Prinzen Heinrich als Chef des ostasiati- schen Geschwaders ausersehen sein.
Odeffa, 1. Dezbr. Seit einigen Tagen wüthet ein heftiger Sturm auf dem Schwarzen Meere. Nach den bisherigen Meldungen sind 12 Segelschiffe zertrümmert und drei untergegangen, wobei auch Menschenleben verloren gingen. Der Dämpfer-Verkehr ist unterbrochen.
Aus Stadt- und Landkreis Hanau.
Nachdruck unserer Lotalartikel nur mit Quellenangabe «Hain Anz " gestattet.
* Steuer Erklärungen. Der Herr Finanz-Minister hat bestimmt, daß die vorgeschriebenen Steuererklärungen für das Veranlagungsjahr 1900, welches den Zeitraum vom 1. April 1900 bis zum 31. März 1901 umfaßt, in der Zeit vom 4. bis einschließlich den 20. Januar 1900 abzu- geben sind.
* Der Sprechverkehr zwischen den Anstalten (öffentlichen Sprechstellen) der Leitung 775 Spd einerseits und den Theilnehmern an der Stadt-Fernsprecheinrichtung in Nieder- wöllstadt sowie den öffentlichen Sprechstellen der in Nieder- wöllstadt an das allgemeine Sprechnetz angeschlossenen Leitung 741 Sp. f. (Rodheim v. d. Höhe, Jlbenstadt, Assen- Heim, Bruchenbrücken, Bönstadt, Altenstadt [Reffen], Lindheim, Himbach, Eckartshausen sjHessenj, Düdelsheim und Büdingen) andererseits ist eröffnet worden. Die Gebühr beträgt 25 Pfg.
* Kreissparkaffe Hanan. Der Geschäftsverkehr bei der hiesigen Kreissparkasse hat sich im Monat November d. I. wie folgt gestaltet: An Spareinlagen mürben 79 518.08 Mk. bewirkt. Die Rückzahlungen betrugen 7977.66 Mk. Es wurden mithin 71 540.42 mehr eingelegt -als zurückgezahlt. Die sonstigen Hinnahmen an Zinsen, eingegangenen Kapitalien rc. beliefen sich auf 23 432.39 Mk. Verzinslich angelegt wurden 77 400 Mk. Die sonstigen Ausgaben betrugen 277.93 Mk. Der Gesammtumsatz beziffert sich hiernach auf 188 606.06 Mk. Spareinlagen werden mit Z « pCt., vom 1. Januar 1900 ab mit 3*/. pCt. verzinst und nicht nur von Bewohnern des Stadt- und Landkreises Hanau, sondern auch von Angehörigen anderer Kreist in Beträgen von 1 Mk. an bis zu unbeschränkter Höhe angenommen.
* Leihbank zu Hanau. Wie aus dem Jnseraten- theil der heutigen Stummer ersichtlich ist, hat die hiesige Leih- bank den Zinsfuß für Sparkassen-Ginlagen sowohl, als auch für die auf Schuldverschreibungen angelegten Gelder auf 3 V« p C t. erhöht. Die Anlage bei Ausfertigung eines Sparkassenbuchs ist insofern als vortheilhaft zu bezeichnen, als die Leihbank, wohl eins der ältesten Geld-Institute Deutschlands — im Jahre 1738 für die ehemalige Grafschaft Hanau gegründet — alle Einlagen, welche in den ersten drei Tagen des Monats gemacht werden, vom er sten des betreffenden Monats ab verzinst und dieselben auch ohne die vorgeschriebene Kündigung, soweit die Baarbestände ausreichen, jederzeit zurückzahlt. Die Ausfertigung des Sparkassenbuches erfolgt kostenfrei. Ebenso bietet die Anlage auf Schuldverschreibungen den Vortheil, daß die angelegten Gelder von dem Tage der Einzahlung bis zum Tage der Rückzahlung verzinst werden und daß Provision rc. nicht berechnet wird. Außerdem können die Zinsen halbjährlich am 1. Februar und 1. August wieder zinstragend angelegt werden. Im Uebrigen ist das Institut, für dessen Sicherheit der Bezirksverband des Regierungsbezirks Cassel mit seinem ganzen Vermögen haftet — der ständische Schatz beträgt allein über 20 Millionen Mark — unbe- mme* umfaßt a«tze* dem Unirrhaltimtz-b
dingt sicher. Bei der Ausleihung auf Hypothek rc. hat die Leihbank den Zinsfuß von 4 p C t. beibehalten.
* Stadttheater. (Fuhrmann H enschel.) Noch selten hat ein dramatisches Werk so sehr die einmüthige Bewunderung, selbst von gegnerischer Seite, gefunden, wie Haupt- mann's gewaltiges, leidenschaftliches Seelengemälde „Fuhrmann Henschel", daS die künstlerische Bedeutung des DichterS zu einer Höhe geführt, auf der er, als der Bedeutendste und Erhabenste unserer Modernen gegenwärtig thront — ohne Rivalen. Ihm gilt nur e i n dramansches Prinzip: die Wahrheit — darum muthen unS seine Werke in ihrem starren, rücksichtslosen Realismus eben doch als echte Bilder des Lebens an, darum packen und ergreifen sie uns. Für die Titelrolle bringt Herr Becker seine prächtigen Mittel und sein starkes Temperament mit und Fräul. Brand ow findet in der dämonischen Rolle der Hanne -ine Aufgabe, die der scharf charakterisirenden Künstlerin besonders entspricht. Fräul. S t e i n b r ü ck wird Henschels Frau, Herr Metz die interessante Rolle deS Siebenhaar, Herr Zeitz, der auch das Stück inscenirt, diejenige des alten Knechts Hauffe verkörpern. In sonstigen Aufgaben ist das gesammle Personal beschäftigt. Anfang der Vorstellung um 7 Uhr.
* Konzerte. Der morgige Sonntag bringt unserem musikliebenden Publikum verschiedene Konzerte. Nachmittags von 4 Uhr ab wird in Wilhelmsbad ein Militär- Konzert (Streichmusik) der Infanterie-Kapelle gegeben. — Mitglieder der Infanterie-Kapelle konzertiren von nachmittags 5 Uhr ab bei freiem Eintritt in dem Restaurant Wilhelms- e ck, wobei wir auf das diesbezügliche Inserat der heutigen Nummer Hinweisen. — Abends 8 Uhr gibt die Infanterie- Kapelle im Deutschen Haus ein großes Streich- Konzert.
* Parolemusik. Die Parolemusik für Sonntag den 3. d. M. stellt die Jnfanteriekapelle. Hierbei kommen folgende Piecen zum Vortrag: 1. Ouvertüre „Die Stumme von Portici" von Auber; 2. Walzer „Dorfschwalben von Oesterreich" von Strauß; 3. Kriegslied aus den Niederländischen Volksliedern von Valcrius; 4. Große Fantasie a. d. Oper „Loheugrin" von R. Wagner; 5. „Barataria-Marsch" von Sullivan.
4 - Als nächste Volksvorstellung veranstaltet, wie uns geschrieben wird, der Ausschuß für Volksvorlesungen die Vorführung der „Ehre", jenes berühmten Schauspiels, welches über alle Bühnen Deutschlands gegangen ist und überall den tiefsten Eindruck auf die Gemüther der Hörer hervorruft. Das Stück verdankt diesen Erfolg seiner lebensvollen Handlung, welche die Spannung des Zuschauers von Anfang bis zu Ende wacherhält, vor Allem aber seiner sittlichen Grundidee, welche sich gegen den falschen Ehrbegriff wendet.^
* Iagdkaleuder. Im Monat Dezember haben Schonzeit: Elchwild, Rehkälber, Dachs, Rebhühner und vom 15. an auch weibliches Rehwild. Alles übrige Wild ist jagdbar.
* Offene Stellen für Militäranwärter im Bezirk des 18. Armeekorps. 50 Anwärrer für den Zug- bcgleitungsdicnst bei der Königl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M., zunächst 900 Mk. diätarische Jahresbesoldung. — Schuldiener und Brennmeister bei der Keramischen Fachschule zu Höhr (Regierungsbezirk Wiesbaden, Unter-Westerwaldtreis), 1000 Mk. Jahresremuncration und freie Wohnung — Landbriefträger im Bezirk der Ober-Posidirektion Darmstadt, 700 Mk. Gehalt und der gesetzmäßige Wohnungsgeldzuschuß. — Ecminardicner am Königl. Schullehrer-Seminar zu Montabaur (Reg.-Bez. Wiesbaden), Anfangsgehalt 900 Mk. und steigt bis zu 1200 Mk., freie Wohnung u. s. w. — Königl. Theaterdiener bei der Intendantur der Königl. Schauspiele zu Wiesbaden, Anfangsgehalt 1020 Mk. und 180 Mk. Wohnungsgeldzuschuß, das Gehalt steigt bis zu 1200 Mk.
* Vom Afchanti-Dorf aus dem Ausstellungs- plahe an der Forsthaurstraße zu Frankfurt a. M. Die braunen Leute von der Goldküste, die hier ihr Lager aufgeschlagen haben, hatten die Absicht, schon am 1. Dezember Frankfurt a. M. zu verlassen, doch ist es auf allgemeinen Wunsch gelungen, die Direktion zu veranlassen, noch einige Tage mit der Gruppe hier zu bleiben, und so finden die letzten Vorstellungen im Laufe der kommenden Woche statt, weshalb es für alle Diejenigen, die Interesse an der Vorführung interessanter, ausländischer Völkertypen haben, sehr zu empfehlen ist, dem Aschanti-Dorf möglichst bald einen Besuch abzustatten. Die Direktion hat in entgegenkommender Weise auch für den morgigen Sonntag Vormittag den Eintrittspreis auf 30 Pfg. ermäßigt (siehe Inserat), so daß eS auch weniger Bemittelten ermöglichst ist, eine in anthropologischer Hinsicht so werthvolle Schaustellung in Augenschein zu nehmen, att 22 Wetten.