Erstes Blatt.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit beHetrtfiMer Beilage
Nr. 279.
Mittwoch den 29. November
1899
„Amtliche Beilage" Nr. 7«.
Amtliches.
^tadt&rei# Äanau.
Belanvtmachungen des ObelbürzermeisteraNtes.
Bekanntmachung.
Die Eisnutzung der Fallbachwiese und der Ausschachtung am Nordbahnhof soll für den Winter 1899 1900 öffentlich versteigert werden.
Termin zur Versteigerung findet am Freitag den 1. Dezember, vormittags 11 Uhr, bei der unterzeichneten Dienststelle, Langstraße 41, statt, woselbst die Bedingungen eingesehen werden können.
Hanau den £8. November 1899.
Städtisches Sielbauamt.
Tharann. 18551
Bekanntmachung.
Zur Neudeckung einzelner Straßenstrecken ist die Lieferung von 400 ebm Hartbasaltschrotten erforderlich.
Massenverzeichniß und Bedingungen liegen auf dem Stadtbauamt 11, Langstraße Nr. 41, zur Einsicht in den Stunden von 10—121 * Uhr werktäglich auf.
Angebote sind verschlossen und mit der Aufschrift: „Schrottenlieferung" bis zum 11. n. Mts., morgens 11 Uhr, bei dem Stadtbauamt II einzureichen, woselbst zu dieser Zeit im Beisein etwa erschienener Bieter die Eröffnung der Angebote erfolgt.
Hanau den 25. November 1899.
Stadtbauamt 11.
Leers. 18591
Dienjtmchnmen aus rcm Kreise.
Gefunden: 1 Schrotleiter.
Verloren: 1 kleine Vorstecknadel, eine amerikanische Flagge darstellend.
Vom W äsen meist er am 28. d. Mts. eingefangen: 1 weißer Spitz mit schwarzen Abzeichen m. Geschl. und 1 schwarzer Bastard w. Geschl.
Hanau, am 29. November 1899.
Land-Konzessionen in deutschen Schutzg. bieten.
Mangel an Unternehmungslust, Mangel an Geld für unsere Schutzgebiete — das war schon die Klage des Fürsten'
^euilluton
Geistliche Musilaiiffiihmng in der JohannislirSc.
Hanait, 29. Novbr.
In den Räumen unseres herrlichen Gotteshauses, der Johanniskirche, hatte gestern Abend der Kirchenchor genannter Kirche unter Leitung seines wackeren unermüdlichen Dirigenten Herrn W. Breidev bach eine geistliche Musikaufführung veranstaltet. Die Voltragsfolge versprach schon durch die kunstsinnige Zusammenstellung einen hohen Genuß und die Ausführung brächte des wahrhaft Schönen und Gediegenen in so großer Fülle, Reichhaltigkeit und schöner Wiedergabe, daß wohl keiner der Hörer ohne nachhaltigen, tieferbaulichen Eindruck von dannen gegangen ist. An unser Ohr tiongen tiefernste und freudige Weisen, entnommen dem reichen Schatz der hervorragend sien Blüthen kirchlicher Musik. Herr Organist D. Paul st ich von hier eröffnete daS Konzert mit der Orgelsonate in Foon Dr. I. G. Herzog, brächte später noch G. Merkels „Pastorale" zum Vortrag und schloß mit der „Fuge" von I. S. Bach. Freunde gediegener Kirchenmusik, die wie wir schon früher oft Gelegenheit hatten, Herrn Paulstich auf seinem Instrument zu hören, werden auch gestern Abend von neuem überzeugt worden sein, daß wir in ihm ein Künstler besitzen, der es versteht, dem Hörer die Ueberzeugung von seinem Kennen und Können in unwiderstehlicher Weise aufzuzwingen. Wie er gestern die prächtige Orgel meisterte, namentlich in der Merkel'schen „Pastorale", die Sicherheit und Feinfühligkeit, mit der er ei verstand, prächtige Klangwirkungen sich zu eigen zu machen, alle» dies gab seinen Tonstücken Leben und Bedeutung und den Stempel deS kirchlich Erhabenen und Weihevollen. Unsere volle Hoch
Bismarck in den ersten Jahren der deutschen Kolonial-Politik. Ohne den Aufwand großer Kapitalien ist an eine nutzbringende Erschließung so weiter, zum Theil unerforschter Gebiete, wie wir sie in Ost- und Westafrika besitzen, nicht zu denken. Die Masse der kleinen Kapitalisten, der Rentner, zur Betheiligung in den Kolonien zu ermuntern, wäre verfehlt ; dazu ist daS Risiko zu groß, die Zeit bis zur Er- zielung von Gewinn zu lang. Anderseits sind die reichen Leute, die aus patriotischem Opfermuth große Summen hergeben, zu dünn gesät. Immerhin sind doch in den letzten Jahren, insbesondere nachdem sich englisches Kapital mit seiner ältern Erfahrung in kolonialen Dingen deutschen Schutzgebieten zugewandt hatte, größere Summen aus Deutschland zur Bildung von Handels- und Bergwerksgesellschaften in Südwestafrika, Kamerun und Togo zusammengeflossen, und zwar mit Hülfe des Systems großer Landkonzessionen, das die Kolonial- vcrwaliung in Uebereinstimmung mit dem Gutachten des Ko- lonialrathes angenommen hat. So sind für Kamerun zwei Gesellschaften gebildet worden, denen die Kolonialverwaltung große Länderstrecken, soweit sie herrenloses Kronland enthalten, zur Ausbeutung überlassen hat.
Die Angriffe, die man deßhalb gegen die Kolonial-Ver- waltung erhoben hat, sind nicht gerechtfertigt. Dem Reiche .steht eine gewisse Kontrolle der Verwaltung der Gesellschaften zu, es ist am Reingewinn betheiligt, die Gesellschaften haben eine Reihe lästiger Verpflichtungen übernommen und werden noch viel Geld in die Konzessisns-Gebiete stecken müssen, ehe sie in dem größtentheils unerforschten Lande gute Geschäfte machen können. Wenn mit den Papieren der Südkamerun- Gesellschaflen an der Brüsseler Börse heftig spekulirt worden ist, so ist das bedauerlich, erklärt sich aber aus der Betheiligung belgischen Kapitals, das schon vor der Begründung von „Südkamerun" in diesem Gebiete angelegt war, und aus dem kolonialen Spekulationsfieber, das zur Zeit, besonders infolge der glücklichen Durchführung des Baues der Kongo- Eisenbahn durch den Obersten Thys, an der Brüsseler Börse herrscht.
Noch viel weitherziger als die deutsche ist die englische Regierung bei der Gewährung von Konzessionen zur Auf-, schließung unkultivirten Landes. Sie überließ der Chartered Company ganz Rhodesia mit allen Hoheitsrechten, während die Konzessionen in Kamerun nur Privatrechte verleihen und die Hoheit des Reiches über das Schutzgebiet unberührt lasten.
Tergesschau.
Ueber die Einführung des Checkverkehrs
veröffentlicht die „Deutsche Verkehrszeitung"
einige Mitthei-i aus London übermittelten lungen. Zur Vermittlung des Checkverkehrs sollen 9 Post-1 Berliner Botschafter der
achtung sprechen wir auch gern und unumwunden dem Kirchen-1 in der Tiefe volltönend und wohllautend. Allerdings klingt der ‘ " — • — • ■ - — - " Brustton ihrer Stimme hie und da oft noch recht gaumig, was sich
besonders bei der vokalreichen italienischen Arie herausstellte. Wenn wir gerade noch einmal an diese Nummer denken, möchten wir die Sängerin daran erinnern, daß stimmhafte S-Laute zn singen im Italienischen ausgeschlossen ist. Vielleicht haben wir Gelegenheit, Frl. Funke noch mehr in Hanau zu hören. Bon innigem Ausdruck und ergreifender Wirkung waren die weiteren von ihr vorgetragenen Lieder: „Der Du vom Himmel bist" v. Liszt, „Befiehl nur deine Wege" von Th. Stauffer und „Sei still" von Raff, die sorgfältig und verständnißvoll von unserem hochgeschätzten Organisten der Marienkirche, ^errn D. Paulstich, begleitet wurden. Auch die Begleitung der übrigen Gesänge lag in seiner kunstgeübten Hand. Der dritte Solist des Abends war unser einheimischer Sänger, Herr B a uer, bekanntlich ein Schüler des Herrn Grund- mann dahier. Schon in kleineren Konzerten mehr familiären Charakters ist der Vortragende mit Erfolg aufgetreten. In dem gestrigen Konzert war sein Auftreten zum ersten Male öffentlich. Die Hastige Stimme füllte den großen Raum der Kirche aus. Herr Bauer hatte sich in der Mendelssohn'schen Arie: „Gott sei mir gnädig" und auch in den anderen Liedern: „Meine Seele ist stille zu Gott" v. R. Emmerich und „Komm, süßer Tod" v. Bach keine geringe Aufgabe gestellt. Tiefempfunden und korrekt brächte er die Lieder zu Gehör und dokumentirte gesangliche Begabung und beachtens- werthe Fortschrttte in seiner stimmlichen Ausbildung, ein Verdienst seines Lehrer», des Herrn Grundmann. Wir wünschen Herrn Bauer fernerhin gleichmäßiges, eifriges Studium, und achtbare Leistungen werden ihm sicher sein.
chor und seinem kunstsinnigen Dirigenten Herrn W. Breiden-
b a ch auS. In den vorgetragenen Chören hatte er sich ebenwohl eine hohe, den übrigen Leistungen ebenbürtige Ausgabe gestellt, deren Entledigung bei der vorzüglichen Schulung, der treuen Hingabe jedes Einzelnen an das Ganze und der geschickten umsichtigen Leitung mit bestem Erfolge begleitet war. Allerdings traten die Sopranstimmen etwas zu stark hervor, den günstigen Gesammteindruck vermochte jedoch auch dieses Mißverhältniß nur vorübergehend zu beeinträchtigen. Besonderes Interesse nahm die Komposition unseres einheimischen Künstlers, des Herrn Ph. Härtung: „Wo Du hingehst, da will ich auch hingehen" (Buch Ruth, Kap. 1, 16 bis 17) in Anspruch. ES ist eine in der zwei-, oder wenn man will, dreitheiligen Liedform gehaltene Chorkomposition, welche — abgesehen von einer kleinen freien Imitation im Mittelsatze — unter Vermeidung des polyphonen StileS auf einfacher harmonischerGrundlage sich aufbaut und dadurch das schlichte Wesen der Ruth und die natürliche, ungekünstelte Geradheit, Einfachheitund Größe ihres bekannten Wortes „Wo du hingehst" treffend kennzeichnet. Dabei begegnet man an der Stelle „Wo du stirbst" einer mit Hülfe einer überraschenden Modulation hervorgebrachten sinnigen Tonmalerei, welche auf ein empfänglicher Gemüth tief ergreifend zu wirken vermag.
k Die weiteren Solisten des Konzertes erfüllten ihre Aufgaben zur vollen Zufriedenheit, ihre Vortrage machten den besten Eindruck. Durch die Arie: Pieta Signore, di »e dolente (Herr, hab' Erbarmen) rechtfertigte Fräulein Clara Funke aus Frankfurt a. M. die von uns bereits erwähnten Vorzüge ihres prächtigen Stimmorgans. Die Künstlerin verbindet mit innerer musikalischer Gediegenheit und Sicherheit prächtige Durchdringung ihrer Darbietungen, wodurch der Hörer erfaßt und mithingerissen wird. Die Stimme ist umfangreich, spricht in allen Lagen gut an und ist namentlich
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 12 Wetten.
Checkämter eingerichtet werden. Den einzelnen Checkämtern sind je 3 bis 4 Oberpostdirektion-Bezirke zugetheilt. So sollen dein Post-Checkamte in Berlin zugetheilt werden die Ober-Postdirektions-Bezirke Berlin, Frankfurt (Oder), Magdeburg, Potsdam und Stettin. Für den Verkehr mit dem Publikum werden bei jedem Checkamte mehrere Schalter eingerichtet. Zum Theil sollen diese mit Vorrichtungen versehen werden, die den Zutritt jedesmal nur einer Person gestatten. Die Schalter-DienststunlKn werden voraussichtlich auf die Zeit von 9 Uhr morgens bis 5 Uhr nachmittags festgesetzt werden. An den Sonntagen und allgemeinen Feiertagen bleiben die Schalter geschlossen; eine Beschränkung der mit der Kontoführung verbundenen Geschäfte wird an diesen Tagen jedoch nicht stattfinden. Zur Besorgung des technischen Dienstes beabsichtigt man, etwa zu einem Drittel Damen einzustellen. Die Zahlkarten, mittelst deren Einzahlungen auf Post-Check- konten bewirkt werden können, werden für jedes Checkamt in einer besonderen Farbe hergestellt und in Heften von 10, 20, 50 und 100 Stück zum Preise von 15, 30, 75 Pfg. und 1,50 Mk. ausgegeben. Die Checkämter dürfen die Hefte nur denKonto-Jnhabern verabfolgen. Vonallen Arten, indenen Checks eingelöst werden können, ist die einfachste und schnellste die der Gutschrift des Betrages auf einem andern Konto. Diesen Ausgleichsverkehr, bei dem baares Geld nicht in Anspruch genommen wird, zu fördern, hat die Postverwaltung zu ihrer Hauptaufgabe gemacht. Demgemäß sind auch die Gebühren für diese Art des ZahlungS-Ausgleichei besonders niedrig bemessen worden. Die Ueberweiiung eines Betrages von einem Konto zum andern kostet 1. Buchungsgebühr bei Beträgen bis 5 Mk. 10 Pfg. und bei Beträgen über 5 Mk. bis 10000 Mk. 20 Pfg. 2. Preis des Checkformulars und des Briefumschlags 40- Pf. Die Buchungsgebühren werden dem Check-Aussteller und dem Zahlungs-Empfänger je zur Hälfte zur Last , eschrieben. Je größer die Zahl der Konto-Inhaber, desto größer sind die Vortheile, die der Einzelne aus dem Checkverkehr hat.
Politische und unpolitische Nachrichten.
(Depeschen-Bur etau .Herold ).
Berlin, 28. Novbr. Nach einer Meldung aus Wolverton hat das deutsche Kaiserpaar sich heute Morgen nach Port Victoria begeben.
Berlin, 28. Novbr. Die Wahl-Prüfungs-Kommission des Reichstages hat die Wahl des Abgeordneten Pauli (Rp.) für gültig erklärt.
Berlin, 28. Novbr. Nach einem der „Vossisch. Ztg." Washingtoner Telegramm soll der Vereinigten Staaten, Mr. White,
Die Aufführung hinterließ, wie schon bemerkt, den besten Eindruck. Hätte es sich mit der Heiligkeit des Konzertraumes vertragen, gewiß würde lauter Beifall nach jeder Nummer erklungen sein.