Erstes Blatt.
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Samstag den 25. November
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für Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ Mt 4gespaltene Garmondzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^
Nr. 276
1899
Amtliches, ^anö&rei# ^mtau.
Bekanvlmachuvzen des Königlichen Landrathsamtes.
Nachdem in B i s ch 0 f s h e i m die Maul- und Klauenseuche sich weiter verbreitet hat, wird hiermit über den Gemeinde- bezirk Bischofsheim die Sperre (Orts- und Gemarkungssperre) verhängt und das Durchtreiben von Wiederkäuern und Schweinen durch das Sperrgebiet verboten.
Die Herren OrtSvorstände haben dies sofort ortsüblich bekannt zu machen.
Hanau den 25. November 1899.
V 12161
Der Königliche Landrath, v. S ch enck.
^tadt^rei^ 4anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. __ Bekanntmachung.
Die Anlieferung von 550,00 ebm einhäuptiger Pflastersteine soll öffentlich verdungen werden.
Allgemeine und besondere Bedingungen liegen im Stadtbauamt II, Langstraße 41, werktäglich vormittags von 10— 1202 Uhr, zur Einsicht auf und können auch ebendaher gegen Erstattpng des Portos bezogen werden. Die Ein- reichung der verschlossenen, mit der Aufschrift: „Pflastersteine 1900" versehenen Angebote hat bis zum 2. n. Mts., vormittags 11 Uhr, an das StadtbauamE 11 zu geschehen, woselbst zu dieser Zeit die Eröffnung in Anwesenheit etwa erschienener Bieter erfolgt.
Hanau, 21. November 1899.
Stadtbauamt II. Leer 8.
18357
DicsftnachNÄtt« aus Dem Kreise
Verloren: 1 goldene Brosche, 1 fast neue wollene Pferdedecke, gez. K. B. Am Mittwoch auf dem Bahnhof Mühlheim 1 blaues Knabenrad.
Entlaufen: 1 russischer Windhund w. Geschl. Gegen Belohnung abzuliefern.
Hanau, am 25. November 1899.
Sozialdenrokrattsche Siegeszuversicht
Das Verhalten des Reichstages gegenüber der Arbeitswilligenvorlage hat das Selbstbewußtsein und die Siegeszuversicht der Sozialdemokratie so sehr gesteigert, daß sie sich zu Schritten ermuthigt fühlt, die, wenn sie ernst genommen
werden sollen, lediglich als vorbereitende Handlungen zur endgültigen Niederwerfung der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung aufgefaßt werden können.
Die sozialdemokratische Partei läßt im „Vorwärts" einen „Gesetzentwurf" veröffentlichen, welcher dem Reichstag zugegangen sein soll und dessen Inhalt im Wesentlichen darauf hinausläuft, daß die Koalitionsfreiheit im Sinne des § 152 der Gewerbeordnung nicht nur auf alle Kategorien der Arbeiterschaft, sondern auch auf das Heer und die gesummte Beamtenschaft in Staat und Kommune ausgedehnt werden soll, wodurch selbstverständlich jede Disziplin innerhalb des Heeres und der Beamtenschaft zerstört werden würde. Die weiter sozial- demokralischerseits vorgeschlagene Bestimmung, daß den Arbeitgebern das Recht der Selbsthülfe gegenüber den Ausschreitungen der sich uneingeschränkt koalirenden Arbeiterschaft genommen werden soll, widerspricht so sehr allen demokratischen Grundsätzen, daß der ganze „Gesetzentwurf" zunächst vielfach nicht ernst genommen worden ist.
Welchen vorläufigen Zweck die sozialdemokratischen Anträge aber auch verfolgen mögen — jedenfalls feigen sie deutlich die Richtung an, in welcher sich die Anschauungen und die Ziele der Sozialdemokratie bewegen. Die Vernichtung der Macht und des Ansehens der staatlichen Exekutive, die Zerstörung der bestehenden staatlichen und sozialen Gliederung, die Untergrabung jeder Autorität und damit vor allen Dingen der monarchischen Struktur unseres Staatswesens — das sind die Ziele der sozialdemokratischen Agitation. Alle Vorstellungen und Zukunftsbilder sozialdemokratiscker Autoren, alle gesetzgeberischen Vorschläge sozialdemokratischer Politiker bewegen sich in dieser Richtung.
Daß die Sozialdemokratie es gerade jetzt wagt, ihr Antlitz so völlig unverhüllt zu zeigen, ist ein Beweis dafür, wie nahe sie die Zeit ihres Sieges gekommen glaubt. In dieser ihrer Annahme des baldigen Sieges ihrer Ideen im Deutschen Reiche ist sie indessen einem für sie verhängnisvollen Irrthum verfallen. Denn nicht einzelne Beschlüsse wechselnder parlamentarischer Mehrheiten sind bestimmend für die endgültige Gestaltung der Geschicke eines Volkes, sondern das Maß der sittlichen Kraft und der politischen Einsicht, welche sich bei diesem Volke und seinen führenden Geistern finden. Diese Kraft und Einsicht mögen in den Kämpfen des Tages vorübergehend getrübt sein; unfehlbar aber machten sie sich geltend, wenn in entscheidungsschwerer Stunde die Erhaltung der höchsten Güter der Nation in Frage steht.
Nahezu drei Jahrzehnte sind dahingegangen, seit unter
sie jetzt vom Reichstag endgültig genehmigt ist und zum 1. April' 1900 in Kraft tritt, stellt dem Theilnehmer die Wahl, entweder wie jetzt eine jährliche Pauschalgebühr zu -------....... - ö-------entrichten oder eine Grundgebühr. Der letzteren tritt noch war vorbereitet in den kampfdurchwühlten Jahrhunderten, in | eine Gesprächsgebühr hinzu. Die Pauschalgebühr stuft sich
Preußens Führung auf den Schlachtfeldern Frankreichs die staatliche Einigung unseres Volkes sich vollzog. Diese Errungenschaft einer großen Zeit und ihrer gewaltigen Zeugen
®B
deren Verlauf sich Preußen aus einer kleinen, armen und oft vergessenen Grenzmark zur führenden deutschen Großmacht entwickelte. Von Jahrhundert zu Jahrhundert haben das Volk und die Fürsten der Mark Brandenburg an der Grenz- scheide deutschen Lebens unter endlosen Kämpfen und Leiden sich das Recht zu eigenem politischem Leben immer wieder von Neuem gewinnen müssen. Oft genug schien es, als wäre die Lebensfähigkeit der armen versandeten Mark auf immer gebrochen. Aber stets wieder sind ihr große Staatsmänner, Fürsten und Heerkönige erstanden, die als Rächer, Erretter und Führer das im Unglück gehärtete Volk der Mark emporgehoben haben zu lichter Höhe. Und Brandenburg- Preußen konnte endlich zur starken Vormacht des deutschen Reiches werden, das nunmehr unter der Schirmherrschaft der Hohenzollernkaiser gefürchtet und friedengebietend dastcht im Rathe der Völker.
Glaubt die Sozialdemokratie, daß das Band, welches jahrhundertelange gemeinsame Arbeit, gemeinsames Leid, gemeinsame Kämpfe und Siege, um das preußische Volk und sein Herrscherhaus geschlungen hat, in wenigen Jahrzehnten durch gewissenlose Agitation gelöst werden kann ? Meint die Sozialdemokratie wirklich, daß unser Kaiserlicher Herr, dessen ganze Lebensarbeit dem Glück und der Größe des Vaterlandes gewidmet ist, im Augenblicke der Gefahr den Weg zum Herzen seines Volkes nicht finden wird? Oder glaubt die Sozialdemokratie, daß die deutschen BundeSfürsten, die den Reichsgedanken stets gepflegt und unverbrüchlich hochgehalten haben, sich in trüber Zeit dem Reiche versagen werden? Oder meint die Sozialdemokratie, die Wechselbeziehungen und das Band der Gemeinschaft zwischen Fürsten und Volk sei in den übrigen Bundesstaaten nicht stark genug, um demokratischen Umsturzversuchen Stand zu halten?
Wenn die Sozialdemokratie das meinen sollte — und e^ scheint, sie thut es —, so würde sie im Falle einer ernsten Probe bitter enttäuscht werden und die Erfahrung machen, daß, wenn es sich um den Entscheidungskampf für die Existenz des monarchischen deutschen Staates handelt, die verächtliche Kunst gewissenloser demagogischer Agitatoren versagen und
der der
revolutionäre Ansturm an den Stufen des Kaiserthrones Hohenzollern kraftlos zerschellen wird.
T a g e s s ch a u.
Die nene Fernsprechgedühren-Ordnnng
wie
Kleines Jeuilleton
Aus Kunst und Leben.
edlen einem
Schach und Salta. Dem altehrwürdigen und Schachspiel ist ein scharfer Konkurrent entstanden in neuen Spiel, das jetzt von Hamburg aus seinen Siegeslauf durch die Welt antritt. Ist Schach das bewunderungswürdigste Produkt kühnen Mcnschengeistcs aus fernster Zeit, so ist — nach Professor Schubert, der bereits eine interessante Abhandlung über das neue Spiel geschrieben hat — „Salta" das geistreichste Spiel der Gegenwart. Wie das Schach kann auch „Salta" als eine Art Kriegsspiel angesehen werden. Nur bietet „Salta" mit 30 durch Sonnen, Monde und Sterne gekennzeichneten Steinen auf 100 Feldern gespielt, eine weit größere Anzahl von Kombinationen als Schach, zumal sämmtliche Steine, auch die geschlagenen, d. h. übersprungenen, beim „Salta" bis zum Schluß der Partie auf dem Brett bleiben; andererseits sind die Spielregeln des „Salta" weit einfacher als beim Schach. Zur Pflege dieses neuen Spiels hat sich in Hamburg kürzlich ein „Salta^ - Verein gebildet, dessen Mitglieder im Cafe Jmperial dem
neuen Spiel huldigen.
• Wie weit kann man hören? Die größte Em- fernung, auf die hin die Menschenstimme je gehört worden ist, beträgt, so wunderbar das klingt, 30 Kilometer (4 geographische Meilen). Das war in dem Grand Canon (Felsenschlucht) von Colorado, wo ein Mann den Namen „BolL an dem einen Ende laut ausrief und an dem andern laut
verständen wurde. Leutnant Foster, Theilnehmer an Parrys dritte Nordpolfahrt, fand, daß er mit einem Mann auf der anderen Seite des Hafens Boven auf eine Entfernung von zwei Kilometer sprechen konnte. Sir John Franklin erklärte ebenfalls, daß er sich bequem auf 1*/s Kilometer weit mit
i von ihnen erfüllt, sie setzen sich auf Möbel und Zierrathen, um von da wieder auf den Teppich gewischt zu werden. So verbreiten sie sich in den Wohnräumen, bis sie beim nächsten Reinmachen vielleickt in Jemandes Kehle oder Lunge fliegen, wo sie ihr tödtliches Werk beginnen können, indem sie den Körper mit ihrer Nachkommenschaft verseuchen. Es entsteht Allsten und Auswurf, und durch die Ansteckung des Einen wird die Gefahr der Anderen, Hausgenossen und Besucher, weiter vermehrt. — Es wird nun wohl Keinen geben, der heute aus Bakterienfurcht alle Teppiche, Bürsten und Besen abschafft. Andererseits ist es zweifellos, daß die Beseitigung bezw. Abtödtung des Staubes besonders in den Wohnräumen eine der vornehmsten Aufgaben ist, die der Hygiene der Zukunft 31t lösen bleiben.
Windsor 1863» Anläßlich des Kaiserbesuchs in Windsor erinnern englische Blätter an den ersten Besuch, den Kaiser Wilhelm II. zu Windsor im Jahre 1863 machte. Derselbe fand gelegentlich der Vermählung des Prinzen von Wales statt. Der damalige Prinz Wilhelm wohnte mit seiner Mutter der Trauung bei. Hierüber hat der Bischof von Oxford, Milber- force, nach den'Angaben der damaligen Kronprinzessin von Preußen folgende Aufzeichnung in seinem Tagebuche gemacht: „Der kleine Prinz Wilhelm von Preußen stand zwischen seinen beiden kleinen Onkeln, welche ihn in Ruhe halten sollten. Derselbe biß, wie mir die Kronprinzessin sagte, beide in die ihrer schottischen Kleidung zufolge nackten Beine, jedesmal, wenn sie ihn berührten, um ihn ruhig zu hallen."
§ Anderen unterhalten habe. Dr. Ioung berichtet, daß bei Gibraltar die menschliche Stimme 6 Kilometer weit hörbar gewesen sei. Bekanntlich wird der Schall vom Wasser besonders kräftig fortgeleitet. Bei Versuchen im Genfer See schätzte Colladon die Vernehmbarkeit einer untergetauchten Klingel auf etwa 100 Kilometer. Franklin behauptete, das Aneinanderreiben von zwei Steinen im Wasser 800 Meter weit gehört zu haben. Dicht über dem Wasser oder einer Eisfläche wird der Schall mit großer Kraft und Klarheit fortgeleitet. Dr. Hutton erzählt, daß er an einer ruhigen Stelle dem Themse bei Chelsea eine Person auf 42 Dieter Entfernung deutlich vorlesen hörte, während das auf dem Lande höchstens bis 23 Meter weit möglich ist.
Der mordende Stand. Pasteur, der Entdecker der Anwesenheit lebender Keime in der Luft, soll einst geäußert haben, daß Besen und Staubbürste tausendmal gefährlicher seien als Flintenkugeln und Granaten, denn durch die stürbe im Verhältniß immer nur ein Mensch, wenn durch jene tausend umkömen. Diese Behauptung, daß Tiefen und Bürsten soviel Mal mehr Menschenleben auf dem Gewissen haben sollen als Schießpulver und andere.Sprengstoffe, klingt unwahrscheinlich oder doch stark übertrieben, ist aber doch eine kaum zu bezweifelnde Thatsache. Das beständige Aufstöbern des Staubes auf den Straßen und besonders in den Häusern bedroht geradezu Gesundheit und Leben. Es wird die Zeit kommen, so meint ein hervorragendes hygienisches Fachblatt, in der ein Ding wie ein Teppich in keinem zivilisirten Haushalt mehr geduldet werden und wo Besen und Teppichbürste ganz verschwunden sein werden. Wenige Menschen bedenken, daß sie an ihren Kleidern und Schuhen von der Straße her jede Krankheit in ihr Haus mitbringen können. Dann kommt sie auf den Fußteppich' die Wärme der Zimmer befördert die Entwicklung der Keime, das Hausmädchen bringt sie mit Bürste und Besen reichlich in Bewegung, und die Luft wird
Humoristisches.
Höflichkeit. Fräulein: „Nicht wahr, Herr Doktor, ich rede da rechten Kohl zusammen? — Herr: „Mit solchen Lippen könnten gnädiges Fräulein höchstens Rosenkohl reden!"
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 18 Seiten