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Nr. 275.

Freitag den 24. November

1899

Amtliches.

A«»rHNrors ^anau.

Belsnntmachuvzen des Königlichen Landrathsamtes.

Auf dem Bruderdiebacherhof, Gemeindebezirk Langenselbold, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen »nd Gehöftssperre angeordnet worden. Die Feldwege von dem Rödelberg bis an das Schmerzhaupt, bezw. vonHütten- gesäß nach Ravolzhausen, welche über den genannten Hof führen, sind gegen das Treiben von Wiederkäuern und Schweinen abgesperrt.

Hanau den 23. November 1899.

Der Königliche Landrath.

V 12083 v. Schenck.

^taöt&rci# ^anau.

Bekanstmachungkil des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Auf Grund der § 8 des Statuts für Verwaltung und Verwendung des durch Ablösung an Stelle der der Altstadt Hanau zugestandenen Bauholzberechtigung getretenen Ab­findungskapitals ergeht hierdurch an die Berechtigten die Auf­forderung, ihre Ansprüche aus dem Jahre 1899 binnen 4 Wochen, vom Tage dieser Bekanntmachung an gerechnet, auf dem Rathhause zur Anmeldung zu bringen.

Anzumelden sind nur die bereits vollendeten Neubauten, bezw. Reparaturen.

Bemerkt wird, daß nach § 8 des Statuts für jeden An­trag vom Antragsteller eine Vermefsungsgebühr von 2 Mark zu entrichten ist.

Hanau den 18. November 1899.

Für die Deputation der Althanauer Berechtigten.

Der Oberbürgermeister.

D r. Gebeschus. 18336

LmMliEMen aus gem Greife

Gefunden: 1 Portemonnaie mit etwas Geld; Empfang- nahme bei dem Herrn Bürgermeister zu Kesselstadt, 1 Wagen­kapsel, 1 weißes Taschentuch mit Monogramm W E, 1 Taschenmesser, 1 Brille mit grünem Futteral mit der Auf­schriftWildbad", 1 Portemonnaie mit 44 Pfg.

Gelandet: 1 kleiner Fischernachen.

Zugelaufen: 1 junger, schwarzer Dachshund mit gelben Abzeichen, m. Geschl.

Vom W a s e n m e i st e r am 23. d. Mts. eingefangen: 1 jchwarzer Bastard mit weißen Abzeichen, m. Geschl., 1 junger, rother Dachshund, w. Geschl.

Hanau, am 24. November 1899.

FvuUlvtlm.

Im Diamanteiihkim.

eine Skizze aus Süd-Afrika von H. van Sander.

(Nachdruck »erbeten)

Die Bestürmung Kimberleys durch die Buren ist nicht nur in rein strategischer Beziehung wichtig. In der Stadt lagern Diamanten im Werthe von über 5500 Millionen Mark, der ganze derzeitige Reichthum, der durch die Bemühungen Cecil Rhodes' zu Stande gekommenen Monopolgesellschaft der Diamantminen des Kimberley-DistriktS. Fällt Kimberley, dann werden die stählernen Sicherheitsgewölbe, in denen diese Masse Edelsteine zur Zeit verstreut ist, dem Dynamit der Buren keinen allzu langen Widerstand leisten. Der Grund, weshalb die Gesellschaft diese Steine nicht auf den Markt bringt, ist ein rein kommerziell-politischer. Würde nämlich auch nur ein einigermaßen bedeutender Bruchtheil der Steine auf ein Mal in den Handel gebracht, so würde der Preis derselben sofort sinken und das will und kann die Gesellschaft verhindern, da sie im Besitze von nahezu 98 pEt. bei Ertragest an Diamanten in der ganzen Welt ist. Für gewöhnlich läßt sie daher nur soviel Steine in die Oeffentlichkeit, daß der Preis derselben im Weltmarkt ein stetiger und hoher bleibt.

Die Minen des Kimberleydistrikts liefern alle 24 Stunden im Durchschnitt etwa 5000 Karat Diamanten, welche täglich unter bis an die Zähne bewaffnete Eskorte aus den Minen in die Stadt geschafft und dort in die Hände desappraiser in Marge oder Taxators du jour abgeliefert werden. Der Taxator unterwirft die Steine einem kochendheißen Bade von Schwefel- und Salpetersäure, läßt sie auf einer Schieferplatte obtropfe*, spült sie in schwacher Ratronlösuug sauber ab, trocknet sie mit überhitztem Wafferdampf, kühlt sie vorsichtig

Stimmung und Hinsicht.

Wurden in früheren Jahrhunderten die Geschicke der Völ­ker oft genug nur von den Fähigkeiten und Launen einzelner Persönlichkeiten gelenkt und bestimmt, so sind in dem Jahr­hunderte des Dampfes die Stimmungen der Massen immer stärker als mitentscheidend hervorgetreten. Irren wir nicht, so war es unser alter Moltke, fast ebenso groß als Denker, wie als Stratege, der den Ausspruch that, dem Frieden drohe am meisten von den Volksleidenschaften Gefahr. Darin liegt unter Umständen eine nicht geringe Erschwerung der Auf­gaben der Staatslenker, und es bedarf erst recht großer Geister, um den Drang von unten in die rechten Wege zu leiten. Das System Napoleons JIL, gegründet auf die in seinem Volke lebende Ruhmsucht, ging in die Brüche, während unter Wilhelm dem Großen die Einheitsbestrebungen des Deutschen Volkes, zum Theil im Gegensatz zu dem Verhalten der Massen, mit überlegener Einsicht zum Ziel geführt wurden.

In Deutschland gibt es viele gute Leute, die in England den Feind sehen. Dabei wirkt mehr Stimmung als Einsicht mit. England hat in den letzten zwei Jahrhunderten eine rücksichtslos egoistische Politik getrieben, es ist groß geworden durch Schürung und Ausnutzung der Zwietracht unter den Kontinental-Staaten; während diese sich in den Haaren lagen, nahm es mit Hülfe seiner Flotte die besten über­seeischen Gebiete für sich in Besitz. Aber man braucht nur die Frage zu stellen: Sollen wir einem Kriege mit England zutreiben? und die Stimmung weicht der besseren Einsicht.

Unser Handel ist groß geworden im friedlichen Wettkampf mit England, der deutsche Kaufmann schätzt an dem englischen Konkurrenten alte Erfahrung und Zuverlässigkeit, er hat sich über die englische Handelspolitik mit ihrem System der offenen Thür nicht zu beklagen gehabt, viele deutsche Waaren gehen durch diese Thür in die englischen Besitzungen ein. Undstvas für ein tüchtiger Kern in den englischen Vettern trotz aller brutalen Rücksichtslosigkeiten steckt, sieht man daran, mit wel­cher kaltblütigen Besonnenheit sie soeben ihre empfindlichen Niederlagen in Südafrika hinnehmen. Was für Lärm auf der Straße, welch' heftige Reden in der Deputirtenkammer, wie viel eingeschlagene Fenster hätte es im gleichen Falle in Paris gegeben?

Allein viel mehr als solche Betrachtungen wirkt gegen den Gedanken eines Krieges mit England die einfache Thatsache, daß, solange wir keine zum Schutze unserer Häfen und unsers Handels ausreichende Flotte haben, die Kräfte zu ungleich wären. Wir stehen zu England in einem ähnlichen Mißver­hältniß der Kräfte, wie dieses zu Rußland steht. Unsere starke Armee nützt uns nichts zur Abwehr der verheerenden Folgen einer Blockade unserer Häfen, ebenso wie die starke- ab, sortirt sie sorgfältig je nach Größe, Farbe und Reinheit und liefert sie gegen Quittung in das Sicherheitsgewölbe ab. In einer Abtheilung liegen allein 60000 Karat zur Ansicht aus, ein Anblick, der auch dem eingefleischtesten Phlegmatiker das Herz rascher schlagen macht. Hinter zollstarken Spiegel­scheiben steht ein etwa fünfzehn Fuß langer, mit großen Bogen schneeweißer Pappe bedeckter Tisch, auf welchem die fortirten Edelsteine in kleinen glitzernden, unter dem elektrischen Bogen­licht in allen Regendogenfarben funkelnden und strahlenden Häufchen liegen. Man trifft sie hier in allen Nüancen an, von tiefem Goldgelb bis zum bläulichen Weiß, vom dunkeln Braun bis zum Hellstrohgelb und in allen Varietäten in Blau, Grün und Mattrosa bis Hellpurpur; ein unbeschreiblich fat- zinirender Anblick.

Noch vor etwa 12 Jahren enthielt der Kimberley-Distrikt an 3000 separate Claims von 31 Fuß im Quadrat, von­einander nur durch schmale Fußsteige getrennt, längs welchen die geförderte Diamanterde fortgeschafft wurde. Im Jahre 1893 begann der allmächtige Cecil Rhodes, mit der Consolidirung aller dieser Claims in eine einzige Korporation und es gelang ihm ein Monopol zu errichten, das mit einem Riesenkapital von 80 Millionen Mark die ganze Diamantproduktion der Welt beherrscht und kontroSirt. Zwei der jetzigen Minen, die Du ToitS Pan" und dieDe Beers" besitzen die größten Schächte der Erde; die obere Oeffnung des ersteren umfaßt 19 ha, die des zweiten gar 35 ha in lichter Weite. Beide werden mit elektrischem Licht tageshell erleuchtet und führen die mächtigsten und am sinnreichsten konstruirten Maschinen. Dom Hauptschacht jeder Mine läuft ein System von Galerieen in verschiedener Höhe des Umkreises von der Schlachtsohle. In diese Galerieen münden die strahlenförmig von: Hauptschachte ausgehenden Rebenstollen, in welchem die Arbeiter damit be­schäftigt sind, die diamanthaltige Erde auszupicken, auf kleine, schinenlaufende, sogen,hand cars oder Schubkarren hinauf-

englische flotte nichts ausrichten würde, um dem russischen Reiche mit seinem geringen Außenhandel zu Leibe zu gehen, oder einen russischen Vorstoß auf Indien zu ver­hindern.

Faßt man diese großen Linien auf dem Welttheater ins Auge, so ergibt sich für unsere Politik die Richtschnur, die Freundschaft mit Rußland zu pflegen, ohne e§ ohne Noth mit England zu verderben. Wir dürfen im Schlepptau weder der einen noch der andern dieser Mächte fahren, haben uns eine ausreichende Wehr zur See zu schaffen und inzwischen daraus zu achlen, daß uns die besonnene Politik der eigenen zwei Beine nicht durch Volksleidenschaften erschwert und ver­dorben wird.

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 23. November.)

Der Reichstag nahm heute zunächst das Postgesetz in der noch nachzuholenden Gesammtabstimmung vor und ging darauf zur zweiten Berathung der Gewerbeordnungs- Novelle über. Ein sozialdemokratischer Antrag, der bezüg­lich der Polizeistunde und der Genehmigung von öffentlichen Lustbarkeiten eine vollständig gleiche Behandlung aller Schank- wirthschaftcn eines Ortes ohne Rücksicht auf besondere persön­liche oder örtliche Voraussetzungen verlangte, wurde von der Rechten, dem Centrum und der nationalliberalen Partei ab­gelehnt. Dieselbe Parteigruppirung bestand gegenüber dem Art. 3 der Vorlage, gegen dessen Absicht, die Gesinde- vermiether und Stellenvermittler der Konzes­sionspflicht zu unterwerfen, die Freisinnigen (Fischbeck, Roesicke) gemeinsam mit den Sozialdemokraten (Bebel, Molkenbuhr) Widerspruch erhoben; aus den Reden dieser Herren klang neben der Besorgniß, daß der sozialdemokratische Stellennachweis eingeengt werden könnte, die Vermuthung agrarischer" Hintergedanken als wesentlichstes Motiv dieser Stellungnahme hervor. Man wollte keine Handhabe geben, den ländlichen Arbeitern den Uebergang zur Stadt zu er­schweren und wandte sich demgemäß auch gegen die von der Kommission vorgeschlagene Befugniß der Landeszentralbe- hörden, den Gesindevermiethern und Stellenvermittlern das H a u s i r e n zu verbieten. Vom Abg. O e r t e l, der fest­stellte, daß die Thätigkeit der Hausirenden Gesindeyermiether nicht sowohl für den Großgrundbesitz, als für die bäuerliche Bevölkerung eine Kalamität sei, wurde der Abg. Hitze als der Urheber des Antrags bezeichnet, ein Mann, der gewiß keinAgrarier", in Gänsefüßchen, sei. Der Abg. Hitze wollte es durchaus nicht ablehnen, als Agrarier, wenn auch nicht als einseitiger, bezeichnet zu werden, bemerkte aber, daß ihn zur Einbringung des Antrags die Rücksicht nicht zuschaufeln und an die Mündung bei Stollen zu schaffen, von wo sie mittelst mit Dampf getriebenen Hebewerks an die Erdoberfläche gehoben werben.

Die diamanthaltige Erde besteht aus festem bläulichen Thon und wird, so bald sie aus der Mine heraus an Ort und Stelle geschafft ist, auf Matten von dichtem Flechtwerk ausgebreitet. Eine mehrwöchentliche Einwirkung der Sonnen­hitze, welcher sie somit ausgesetzt wird, bewirkt die allmähliche Zerkrümelung des Thons, die durch täglich wiederholtes, behutsames Umrühren mit hölzernen Rechen beschleunigt wird. Eine künstliche, durch Maschinen herbeigeführte Zerbröckelung des feuchten, zähen Thones würde gerade die wertvollsten größeren Steine mit Zersplitterung und damit Entwerthung bedrohen. Die Sonnenhitze besorgt das viel billiger, gefahr­loser und besser. Ist der Thon dann fein genug gekrümelt, so wird er mit Holzschaufeln wieder in hand cars geschaufelt und in diewashing station ober Wäsche gefahren, in welcher durch stetig fließendes Wasser die kostbaren Steine von dem anheftenden und beigemengten Thon befreit werden. Diese Reinigung geschieht in großenvats oder Bottichen, in welchen größere Schleuderroder und Flügel herumlaufen, wodurch der Thon in kurzer Zeit mit dem Wasser zu eine Art dünnem Schlammslimes genannt, zusammengerührt und so innig vermengt wird, daß sich die Steine fast ganz rein am Boden des Bottichs sammeln können. Der Schlamm fließt, wie der Rahm bei einem Separator, ab und läßt die Diamanten mit gröberem Geröll unten zurück.

Dieser gesammte Niederschlag .wird durch Abstellung deS Betriebes in kleinen und größeren Klumpen auf breite Tische gelegt, wo er noch^feucht, von weißen Arbeitern und, wenn trocken, noch von Schwarzen, Kaffern, nach Diamanten durchsucht wird.

Die Sucher bedienen sich dabei kleiner Kellen und gehen so genau zu Werke, daß kein Stein und sei er auch" nur