Hvwnewext»« Preis:
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Die einzelne
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für Stobt» und Landkreis Hanau 10 ^ die ^gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für AuSwärtS 15 ^.
Im Reklameiuheil die Zelle 20 ^, sät
Auswärts 30 ^.
Amtliches Grgsn für Stsöt- unö Lanökrers Hanuu.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
Rl. 274.
Donncrftag den 23. November
1899
Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 75.
Amtliches.
^ta^t^reio ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Auf Grund des § 103 h der Gewerbeordnung in Verbindung mit § 53 des Statuts für die Handwerkskammer zu Cassel hat der Herr Regierungs-Präsident in Cassel den Königlichen Regierungs-Assessor von Görschen dortselbst zn seinem Kommissar bei der Handwerkskammer bestellt. Die Aufgabe des Letzteren besteht außer dem in § 53 des Statutes umschriebenen Wirkungskreis im Wesentlichen darin, eine ständige, möglichst enge Fühlung der Staatsbehörden mit der Vertretung des Handwerks zu sichern und dieser ein sachkundiger Berather zu sein.
Hanau den 14. November 1899.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 17261
DiMnaHnÄlen aus dem Kreise.
Gefunden: I braunes Knabenrädchen, 1 Damen- re^enschirm, 1 altes Portemonnaie mit 42 Pfg. und einer euittirten Rechnung, 1 Manschettenknopf mit weißem Stein, 1 ^oublä-Armband.
Verloren: 1 silberne Damenuhr mit goldener Kette mit der Nr. 13837.
Zugelaufen: 1 brauner Jagdhund mit weißer Brust, m. Geschl., Empfangnahme bei Conrad Mehrling VII. zu Ostheim; 1 junger schwarzer Spitzhund.
Hanau, am 23. November 1899.
Eine Rüge.
In der Berliner Oppositionellen Presse herrscht große Aufregung über ein Schreiben, womit der Oberhofmeister der Kaiserin, Freiherr von Mirbach, die zum Geburtstage der hohen Frau von der dortigen Stadtverordneten-Versammlung dargebrachten Glückwünsche beantwortet hat. Das Schreiben drückt den Schmerz der Kaiserin darüber aus, daß ein Stadtverordneter — ein Lehrer der Universität — heilige evangelische und biblische Trostworte in einer Weise zum Spott benutzte, welche jede Sitte, vor Allem aber das christliche Gefühl auf daS Tiefste verletzen mußte, ohne in gebührender Weise zurückgewiesen zu werden.
Feuilleton.
Windsor.
Bon Frank Robinson.
(Nachdruck verboten )
Lärmend rasselt der Eisenbahnzug aus der Halle. Nicht ungern sahen wir ihn sich entfernen: uns dünkt, die Gegenwart des „dampfschnaubenden Rosses" passe nicht recht zu der friedlichen Idylle von Windsor. Nun ist das letzte Dampfwölkchen am Horizonte verschwunden, und tiefe Stille herrscht wieder in Windsors Straßen, durch die wir langsam dahinschlendern. Welch' eine freundliche, anmuthige, einnehmende Stadt! Wie behaglich und nett die niederen Häuser, die die breiten Straßen säumen; wie schön und reich die alten Ulmen und Eichen, die zwischen ihnen hervorblicken und prächtige lange Alleen bilden; wie malerisch die breite Themse, von deren vielen Windungen der Dr£ wohl seinen Namen „Windeis ora“ d. i. gewundener Strand hat. Ja, hier ist's gut sein; nahrhaft und reich ist die Gegend, behäbig und lebensfroh sind die Bewohner, und wir glauben es leicht, daß schon in alten Tagen zu Windsor ein lustiges Leben herrschte. Damals war die Stadt durch die Zahl und Güte ihrer Wirthshäuser berühmt, deren man i. I. 1650 nicht weniger als 70 zählte; aber am berühmtesten war das Wirthshaus zum Hosenbande, dessen Andenken mit dem des unsterblichen Sir John Fallstaff für immer verknüpft ist. Denn hier wohnte und schwelgte ja der feiste Ritter bei seiner lieben „grau Wirthin vom Hosenbande", und hier wird wohl auch William Shakespeare so manche Kanne Kanariensekt getrunken haben. So steigen große Schatten vor uns auf, wenn wir durch das stille Windsor
Es handelt sich hier um Aeußerungen des Stadtverordneten Dr. Preuß, die am 26. Oktober in der Stadtverord- neten-Versammlung gefallen waren, als die Frage der vom Provinzial-Schulkollegium eingeschränkten Thätigkeit jüdischer Lehrerinnen in den Gemeindeschulen erörtert wurde. Dr. Preuß trat mit großem Eifer für die jüdischen Lehrerinnen ein und sagte bei der Gelegenheit in Bezug auf zwei vorliegende Anträge: „Aus beiden spricht eine Stimmung nach der friedlichen Choralmelodie: „Befiehl Du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des Magistrats, der lenkt!" Und weiter sagte er in einem Hinweis auf den Kultusminister: „Excellenz hat es gegeben, Excellenz hat es genommen, der Name Seiner Excellenz sei gelobt!"
Zeder, der nur eine Spur von religiöser Denkungsart hat, wird von diesem unerhörten Mißbrauch eines Chorals, der Tausenden und Abertausenden in schwerer Noth und Trübsal Trost gespendet hat, und einer jedem gläubigen Gemüth heiligen Bibelstelle mit Entrüstung und Abscheu Kenntniß nehmen. Mit Genugthuung wird man es deshalb in allen Kreisen, wo noch christliche Gesinnung herrscht, empfinden, daß das empörende Gebühren des Dr. Preuß in dem Schreiben nachträglich gekennzeichnet ist. In manchen Berliner Kreisen herrscht darüber leider eine andere Ansicht. Der Stadt- verordneten-Vorsteher Dr. Langerhans unternahm einen Rccht- fertigungs-Versuch, indem er kurz bemerkte, die Citate seien in derselben Sitzung, als sie angewendet wurden, sofort von zwei Seiten gerügt worden, und der betreffende Herr habe schon selbst öffentlich sein Bedauern über das Vorkommniß ausgedrückt. Thatsache ist, daß dieses durchaus ungehörige und das christliche Gefühl verletzende Citiren des Dr. Preuß aus der Mitte der Stadtverordneten-Versammlung eine nur sehr schwache Rüge erfahren hat, während der schärfste Tadel am Platze gewesen wäre; auch hat Dr. Preuß nicht sogleich, sondern erst später, als sich die Entrüstung über sein Auftreten geltend machte, dem Bedauern darüber Ausdruck gegeben.
Daß übrigens die Rüge in der Stadtverordneten-Versammlung und die spätere Entschuldigung des Dr. Preuß lediglich aus formalen Gründen geschehen ist, nicht aber, weil die innere Nothwendigkeit anerkannt wurde, das beweist das Verhalten der der Berliner Stadtverordneten-Versammlung nahestehenden Presse. Die „Vossische Ztg." beispielsweise meint, daß „Dr. Preuß beabsichtigt hätte, die christliche Religion zu verspotten, könne ihm billig Niemand unterstellen," er habe sicherlich nicht die religiösen Gefühle der Christen verletzen wollen. Selbst die, die diese Auffassung theilen, werden zugeben müssen, daß sich in den Citaten des Dr. Preuß eine Geschmacklosigkeit und Gefühlsroheit offenbart, die den Tadel im Schreiben des Freiherrn v. Mirbach als durchaus berechtigt erscheinen läßt.
wandeln, und wir sehen die übermüthige Frau Fluth über die Straße huschen und „Herrn Bach" voll innerer Wuth dem Wirthshause zum Hosenbande zusteuern. Bis 1792 stand in dem kleinen Parke auch noch Hernes Eiche, jener alte Baum, unter dem der dicke Sünder den Löhn seiner Lüsternheit empfing, Elfen neckisch ihr Spiel trieben und Jungfer Anna ihren Liebhaber fand. Herne’s oak starb ab und das Wirthshaus zum Hosenbande ist mit allen andern alten Jnns verschwunden; Windsor erscheint trotz des hohen Alters der Ansiedelung heut nicht als eine alte Stadt, sondern es lebt sehr vergnügt und gesund in der Gegenwart und dem, was sie der Stadt bietet. Diese Gegenwart aber heißt: das Schloß.
Und da stehen wir auch an einer Wendung der Straße und mit eins liegt das Schloß, wie ein Feenwerk, vor uns. Ein Anblick, der nie wieder zu vergessen ist. Das ist nicht ein Schloß, das ist eine Stadt mit Wall und Mauern, mit Thürmen, Kirchen, Häusern. Bedeckt doch das Schloß ein Areal von 4,1 Hektar ! Auf einem Kreidehügel gelegen, beherrscht es das gesegnete Land weithin; es erscheint weniger hoch, als breit und fest, und obgleich alte und ueue Bestandtheile in seiner Architektur sich mischen, so ruht doch jener volle Zauber des Geschichtlichen, der nie und nirgends zu ersetzen ist, ungeschmälert daraus. Ja, Schloß Windsor ist etwas Einziges, einzig selbst im schlösserreichen England. Die Briten sehen in Windsor Caftle gewissermaßen ein Symbol ihrer Landesverfassung, da es stark, großartig und alt wie sie sei: und sicher ist, daß kaum mit einem zweiten Bauwerke die englische Geschichte von Urzeiten her so eng verwoben ist, wie mit Schloß Windsor. Hier haben wohl schon die Römer ein die ganze Gegend beherrschendes Bollwerk errichtet, hier die angelsächsischen Könige residirt, und au§ dem gewaltigen Erdwerke, das sie angelegt haben, ist im Laufe der Jahrhunderte der berühmte ungefüge Runde Thurm geworden, in dem heut
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 21. November.)
Am Bundesrathstische: Staatssekretär Nieberding, Staatssekrekär von Podbielski. — Das Haus ist sehr schwach besetzt. — Tages - Ordnung: Zunächst 3. Berathung des Gesetzentwurfs betr. die gemeinsamen Rechte der Besitzer von Schuldverschreibungen. — Die definitive Annahme erfolgt ohne Debatte. — Es folgt die 3. Lesung der Postvorlage. — In der Spezialberathung liegt zum Artikel I Ziffer I I I, Zeitungsgebühr, außer einem rein redaktionellen Anträge Dasbach ein Antrag Marcour- D a s b a ch vor, welcher für die Gebühr wieder eine Unterscheidung nach zwei Zonen (bis zu 75 Kilometer Entfernung vom Erscheinungsorte, sowie darüber hinans) einführen will. — Abg. Dasbach (Ctr.) empfiehlt diesen Antrag zur Annahme. — Staatssekretär v. Podbielski meint, würde dieser Antrag angenommen, dann würde für die Postverwaltung eine enorme Summe vom Mehrarbeit erwachsen, ebenso für den Rechnungshof. Und das lohne sich ym so weniger, als die Zahl der Zeitungen, zu deren Ungunsten das Zonensystem beantragt werde, doch eine relativ kleine sei. Er bitte deßhalb den Antrag Marcour-Dasbach abzu- lehnen und außerdem empfehle er, auch die Grundgebühr wieder von 2 Pfz. pro Monat auf 3 Pfg. heraufzusetzen. — — Inzwischen ist noch ein Antrag Hasse (ntlb.) eingegangen, die Monatsgebühr wieder auf 3 Pfg. zu erhöhen und die Gewichtsabrundung anf Vs (statt ein volles) Kilo erfolgen zu lassen. — Abg. Oertel-Sachsen (kons.) erklärt sich gegen die Anträge Dasbach und Marcour. Was den Antrag Hasse anlange, so habe seine Fraktion sich darüber noch nicht schlüssig machen können. Er persönlich sei gegen den Antrag. — Abg. Singer (Soz.) bedauert, daß hier nochmals die Zynenfrage aufgerollt werde. Entschieden widersprechen müsse er der Wiedererhöhung der Monalsgebühr auf 3 Pfg. Ein Gcsammteinnahmeausfall von 200 000 Mk., von dem der Staatssekretär gesprochen, sei doch überhaupt nicht der Rede werth. Das Richtigste sei, an den Beschlüssen der 2. Lesung festzuhalten. — Abg. Richter (frs. Vpt.) bekämpft den Antrag Hasse auf 3 Pfg. Der Staatssekretär selber habe gesagt, der Tarif beruhe auf gesunden Prinzipien. — Solche gesunde Prinzipien gebe man doch aber nicht auf aus kleinlichen fiskalischen Rücksichten, aus Pfennigfuchserei! — Abg. Dasbach (Centr.) zieht seinen Antrag zurück. — Damit schließt die Debatte und unter Ablehnung aller Anträge werden die Beschlüsse der 2. Lesung aufrechterhalten. — Artikel II wird debattelos angenommen. — Bei Artikel III war in der 2. Lesung ein sozialdemokratischer Antrag angenommen worden, um die Verbreitung von Zeitungen an anderen
die Königin wohnt. Eduard der Bekenner hat den Platz zeitweilig" durch Schenkuug dem königlichen Besitze entfremdet: der erste Normannenkönig aber erkannte sogleich wieder die Bedeutung Windsors, kaufte es zurück und legte zuerst ein richtiges Schloß hier an. Seitdem ist Windsor acht Jahrhunderte lang die Vorzugsresidenz der englischen Könige gewesen. Seine Glanzperiode aber beginnt mit Eduard III. (1327—77), der hier geboren war und einen großen Neuball aufführen ließ, ber für die weitere Entwickelung des Schlosses grundlegend wurde. Deit Heinrich VIII. hat dann fast jeder Monarch hier Neubauten hinzugefügr oder Verbesserungen vorgenommen; im Anfänge unseres Jahrhunderts noch wurde eine großartige Restauration vorge- nommen, deren Gesammtkosten nicht weniger als 1800 000 Mk. betrugen, und auch Königin Viktoria hat die Garterran- lagen erweitert, neue Grundstücke angekauft, die ^errainvcr- Hültnisse verbessert, vor Allem aber jene Kapelle, in der einst Cardinal Wolsey sich ein prächtiges Grabmonument hatte errichten lassen, zu einer Memorial Hall für ihren unvergeßlichen Gemahl, den Prince-Confort, ungestaltet.
Ja, wenn irgendwo die Steine sprechen, so gewiß hierin Windsor. Königliche Hochzeiten unb Taufen haben diese alten Mauern gesehen; sie sahen die ältliche Maria (die Katholische) mit dem blonden jungen Philipp von Spanien, der soeben ihr Gemahl geworden war und hier durch ein Fest geehrt mürbe. Sie bergen die Leiche des ersten Ysrk's, Edwards IV., und in freundlicher Nachbarschaft die feines Gegners, des letzten Lancaster's, des sanften Heinrich VI. Hier hielt Karl I. prunkhafte, durch Schönheit und Kunst geadelte Feste, hier harrte er als Gefangener seines Schicksals; hier fand nach der Wiederherstellung des Königthums sein Leib die letzte'Ruhestätte. Seit Georz III. sind alle englischen Fürsten und die Mehrzahl ihrer Kinder hier beigesetzt worden.