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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit delletrisnin e> Äieilavk
Nr. 270.
Freitag den 17. November
1899
Amtliches.
e^anöRrets ^janau.
Bekanntmachuozen des Königlichen Landrathsamtes.
Unter dem Viehbestand der Milchkuranstalt von Fr i e d r i ch Gottschalk in Frankfurt a. M. — Ginnheimer- straße Nr. 74 — ist die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden.
Hanau den 16. November 1899.
Der Königliche Landrath.
V 11860 v. Schenck.
In dem gemeinschaftlichen Gehöft des K onra d Demuth 4er und det Peter Demuth zu Roß darf ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Gehöftsperre ist angeordnet worden.
Hanau den 17. November 1899.
Der Königliche Landrath.
V 11880 v. Schenck.
In Niedergrün da u (Kreis Gelnhausen) ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.
Hanau den 16. November 1899.
Der Königliche Landrath.
V 11778 von Schenck.
ticnVnaqnLtril aus 6tm Srrifr
Gefunden: 1 Kette, 1 kleiner gelber Kinder-Knopf- stiefel.
Zugelaufen: 1 iveißes Mutterschaf mit schwarzem Kopf und schwarzen Beinen; Empfangnahme bei dem Gast- wirth Fasset zu Gronau.
Hanau, am 17. November 1899.
Gegen d e englische Reise
unseres Kaisers wird in einzelnen Blättern noch immer Stimmung zu machen gesucht, obgleich an der Thatsache des Kaiserbesuchs in England nichts mehr zu ändern ist unb schon aus diesem Grunde der Widerspruch als eine zwecklose Nörgelei erscheint. Man verweist einerseits auf die Bemühungen in England, den deutschen Kaiser als den Freund der englischen Nation zu feiern, und führt anderseits an, daß den Buren in ihrem Freiheitskampfe jede Hoffnung auf eine Einmischung dritter Mächte in den Krieg genommen werde. Beide Beweisgründe gegen die Reise ermangeln der Beweiskraft.
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Feuilleton.
Slptiior.
Septuor — Sieben Sachen — von L. O. Renz heißt eine soeben in E. Piersons Verlag in Dresden und Leipzig erschienene kleine, sagen wir: Novellensammlung. Keine welterschütternden Probleme sind es, die der Verfasser, der zweifellos eine Verfasserin ist, hier behandelt, keine Probleme tief religiösen, ethischen, sozialen Inhalts, nein, so tief steigt die Verfassern: nicht, mit Absicht, wie mir scheint: sie will unterhalten, nicht belehren, plaudern, nicht philo- sophiren. Ihre Sphäre ist die höhere Beamtenwelt, mit unb ohne Epauletts, bis zur Exzellenz hinauf, bis zum Referendar hinunter. Bösewichtern und hartgesottenen Sündern begegnen wir ebenso wenig, wie übertrieben guten Menschen; es bleibt Milieu: etwas Bosheit, etwas Falschheit hier und da, zur Würze gleichsam, als Folie dienend, sonst Ebenmaß. Zwei größere Erzählungen und fünf kleinere Sachen hat bte Verfasserin in ihrem Septuor vereinigt. Haus Halden- st e i n zeigt einige tüchtige Charaktere, psychologisch _ richtig durchgeführt, darum auch in seinem etwas allzu günstigen Abschluß nicht unglaubhaft. Nicht weniger all vier glückliche Paare entspringen schließlich der Handlung: Huberta von der Föhren — Curt von Börne (nach manchen Irrungen freilich erst zur Ruhe kommend); Melitta von Haldenstcin
Dr. Cuno Arnau; Wera von Haldenstcin — Gaston van Clairvaux; Cara Sartczcwo, das auf der Haide aufgelesene Musikantenkind — Hans von Haldenstcin, der ehemalige Leutnant. Wenn doch Alles im Leben einen solchen Abschluß hätte! F a t u m bringt die alte Geschichte: Alternder Mann aus altem Adel, junge Frau aus gleichem Geschlecht;
Der Charakter solcher Reisen wird im Wesentlichen nicht vom Hauswirthe, sondern von dem Gaste bestimmt. Der Besuch ist unbestritten verwandtschaftlichen Rücksichten entsprungen. Mit unserem Kaiser gehen die Kaiserin und zwei kaiserliche Prinzen an den Hof der greisen Königin von England, der Mutter der Kaiserin Friedrich. Eine Reihe von Festlichkeiten und Empfängen, die hohe Würdenträger, Korporationen und Städte angeboten hatten, sind von Seiner Majestät dankend abgelehnt worden, weil eben der Besuch vor allem den hohen Verwandten des kaiserlichen Hauses gilt. Einer einseitigen Ausbeutung der Reise im politischen englischen Interesse ist damit von vornherein wirksam vorgebcugt,. und wenn gleichwohl die kaiserlichen Herrschaften auf englischem Boden herzlich begrüßt werden, so kann daS doch wahrhaftig kein Grund des Verdrusses für uns sein. Oder ist Armand so thöricht, daß er in der Verärgerung beider Nationen einen an sich wünschenswerthen und für uns vor- theilhaften Zustand erblicken wollte?
Ebenso verkehrt ist die Behauptung, daß unser Kaiser der Buren wegen den bereits im Sommer zugesagten Besuch bei I seiner Königlichen Großmutter hätte absagen sollen. An der strikten Neutralität der deutschen Politik gegenüber dem südafrikanischen Kriege wird durch den Besuch nicht das DÜnbefte geändert, und was die Hoffnung der Buren auf eine Einmischung betrifft, so weiß man genau, daß Frankreich wegen seiner Welt-Ausstellung nicht daran denkt, sich in Handel mit England einzulassen, und daß Rußland jetzt so wenig, wie zur Zeit des Jamesonschen Rittes, einen Finger zu Gunsten von Transvaal gerührt hat. Soll nun die deutsche Politik den Beruf haben, bei den Buren vergebliche Hoffnungen zu erwecken? Man sieht, auf wie unklaren Vor- stelluugen das Gerede gegen die Kaiserreise beruht.
T^üesschan.
Nebenbahn- und Kanalvorlage.
Der Zweifel der „Köln. Ztg." an der Richtigkeit der Meldung, daß mit dem Beginn der nächsten Tagung dem Landtage eine Nebenbahnvorlage zugehen soll, ist völlig unberechtigt. Es liegt in der Absicht der Stäatsregie- rung, alsbald nach Beginn der Session dem Abgeordnetenhause eine Nebenbahnvorlage zugehen zu lassen, und zwar handelt es sich nicht um die unveränderte Einbringung der für die vorige Tagung in Vorberathung gewesenen Vorlage, sondern es sollen auch alle diejenigen Nebenbahnpläne berücksichtigt werden, welche in der Zeit seit dem Abschluß der Vorbereitungen der in der vorigen Session beabsichtigten Vorlage spruchreif geworden f i n b. Dieselben dürften einen Kredit
er korrekt, wie Diplomaten meist, sie kühl, ohne innere Neigung selbstverständlich, weil es schier ein Unding ist, daß Alter sich und Jugend paaren. Da sieht sie ihn, den Maler Aos>, armer Leute Kind, doch gottbegnadet, sieht ihn, liebt ihn, flieht und stirbt am Hcrzschlag. Diese Lösung ist mechanisch; das Problem wird nicht gelöst, sondern bloß vertagt-, eine Andere muß es besser oder schlechter machen. Hier gibts nur zwei sittliche Möglichkeiten: Ausharren oder Scheidung; beides kann zur Pflicht werden, je nachdem. In den Regentropfen macht Assessor Curt von Wetter sein Glück durch den Regen: er bekommt die Ilse! Wobei [ mir nur eins auffällt: Wie kann eine Mutter, der doch । das Glück ihrer Einzigen am Herzen liegt, wie kann sie nur auf den Gedanken kommen, einem Assessor, bcgu noch einem adligen, dazu noch einem Angehörigen des Standes, der später Minister wird, also doch schon dazumal nicht Ohne gewesen sein mußte, wie kann eine Mutter, sage ich, einem solchen Manne ihre Tocher nicht geben wollen und deshalb, wenn er vorspricht, nicht zu Hause sein? Nun, sie kriegen sich, Curt und Ilse, Dank dem Regen! E i n e F a h r t z u Hofe schildert in launiger Weise, wie die Frau Oberst v. H. mit ihrem Gatten zu Hofe fuhr, dort nicht etwa zum Handkuß zugelassen wurde, beileibe nicht, aber in der Vorhalle von einem Lakaien gnädig-spöttisch empfangen, sich im Meldebuch verewigen darf, auf dem Rückweg dann durch Radbruch scheitert und eine volle Meile im strömenden Regen heimwärts wandern muß. I l d e- fonsa könnte auch Mädchenschicksale betitelt sein oder die Plejaden oder die Selckta oder Ende gut, Alles gut ober sonstwie — ich will damit sagen, Aldefonsa, Primadonna, Exzellenz, dann Gräfin, spielt keine so ausschlaggebende Rolle in der Erzählung, als daß sie unbedingt Gevatter stehen müßte. Das liegt an dem etwas lockeren Aufbau der ganzen Handlung. Wie in Haus Haldenstcin thut auch in diesem Stück der freundliche Optimismus der Verfasserin schließlich Alles zum Besten
für Eisenbahn- und Nebenbahnzwecke von mehr als durchschnittlicher Höhe bedingen. Die Vorlage wird daher den augenfälligen Beweis erbringen, daß die Staatsregierung, weit entfernt, um ihrer Wasserstraßenpolitik willen die Entwickelung des Eisenbahnnetzes zu vernachlässigen, vielmehr diesem wichtigen Verkehrszweige dieselbe angelegentliche Fürsorge zu Theil werden läßt, wie den Wasserstraßen. — Wie die Nebenbahnvorlage, so soll auch die Kanal vor läge nicht in der früheren Gestalt, sondern in sehr erweitertem Umfange wieder erscheinen. Es ist im Werke, diejenigen Bedürfnisse in Bezug auf Wasserstraßenverbindungen anderer Landestheile zu befriedigen, deren Dringlichkeit die Staatsregierung anerkennt und bezüglich deren die Pläne hinlänglich vorbereitet sind, um darauf hin mit einer Forderung hervortreten zu können. Es wird sich dabei also nicht nur um die Fortführung der Wasserverbindung zwischen dem Osten und dem Westen der Monarchie bis zur Oder und zur Weichsel handeln, sondern es werden auch Pläne, wie der Großschifffahrtsweg Berlin-Stettin Berücksichtigung finden, die mit jener Wasserverbindung nicht in unmittelbarem Zusammenhänge stehen. Doch dürfte sich die StaatSregierung gutem Vernehmen nach nicht auf die Vorlegung einest Kreditforderung beschränken, sondern sie soll beabsichtigen, daneben eine Denkschrift über diejenigen wasserwirthschaftlichen Anlagen vorzulegen, welche die Staatsregierung der Berücksichtigung für werth erachtet, die aber noch nicht soweit vorbereitet sind, um zum Gegenstände einer Kreditforderung gemacht werden zu können. Vorlage und Denkschrift zusammen werden daher gewissermaßen das verkehrspolitische Programm der Staatsregierung enthalten, soweit dabei die Entwickelung unseres Wasserstraßennetzes in Betracht kommt.
' Die Kaiserin und die Berliner Stadtverordneten.
Berlin, 16. Novbr. Im Auftrage der Kaiserin richtete Freiherr v. Mirbach folgendes Schreiben an den Vorsteher der Stadtverordneten von Berlin, Dr. Langerhans:
Die Karjerin hat zu ihrem Geburtstage die Glückwünsche der Stadt- verordneten erhalten und mich allergnädigst beauftragt, Euer Hochwohl- geboren zu ersuchen, ihren Dank zu übermitteln. Wenn die Stadtverordneten der Freude und dem Dank Ausdruck geben, daß Ihre Majestät im Dienste der werklhätigen Liebe das Gute und Edle fördern konnten, so weiß doch Ihre Majestät, daß die Erfolge nicht erreicht wären ohne die vielseitige Unterstützung zahlreicher treuer Bürger, Frauen und Jungfrauen "aus weiten Kreisen Berlins, durch deren opferbereite Thätigkeit außer reicher Hilfe für Arme und Kranke und Nothleidende sich auch die kirchliche und seeyorgerische Versorgung der großen Massengemeinden günstiger zu gestalten begonnen hat. Um so schmerzlicher sind aber Ihre Majestät davon berührt, daß but'd) die entgegenkommende und versöhnliche' Haltung der kirchlichen Behörden und des Magistrats zum Segen kehren, wenn auch von den Sieben der Weinstedter Selekta nur fünf in den alleinseligmachenden Hafen der Ehe einlaufen. Auf Seite 148 meint die Verfasserin, Backfische redeten stets nur in Komparativen (der Setzer hat Komparativen gelesen)!). Mit Verlaub: Backfische reden nie, im Komparativ, sondern, wenigstens dem Sinne nach, stets im Superlativ: das Wetter ist ganz abscheulich, der Unterricht gräßlich langweilig, der Roman (wie es auf Seite 9 richtig heißt) kolossal spannend, die beste Freundin entsetzlich eifersüchtig, der Leutnant — einfach himmlisch! Von den Geschriebenen Bildern ; — ich gestehe: gemalte sind mir lieber, weil Form und Farbe, Licht und'Schatten ihren Gegenstand dem ästhetischen Empfinden, und das eben ist die Aufgabe der ächten Kunst, frischer, unmittelbarer, objektiver, räumlich schärfer näher bringen, als das Wort, das rasch verklingt — hat mir, und darum soll daS Bild, als Stilprobe gleichsam, hier folgen, am besten gefallen:
Waldeinsamkeit.
WaldeSstille — kein Lufthauch regt sich. Julischwüle schwer und stumpf! — Gluth zittert über dem Weiher; das morsche Boot im Röhricht liegt leer und moosbewuchert in der Einsamkeit. Eine Libelle schwebt wie ein Traum darüber hin.
Lautlos Alles — Todesstille rings.
Da ein Flattern, ein leise, Zirpen. Ein kleiner Vogel setzt sich auf des Bootes Rand — die Libelle umschwebt ihn — einen Moment — die blauen Flügel sind geknickt — jetzt sind sie verschwunden, der kleine Sänger hat die schimmernde Wassernixe vernichtet! —
Still sitzt der Vogel! — Da schleicht sie herbei, Bosheit und Tücke im grünen Blick, die Katze — die Vernichtung lauert — die feige List. Da hebt der kleine Sänger das graubraune Köpfchen, entsetzt starren die klugen Aeuglein auf