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Hanauer Anzeiger

14. November

schönsten genannt zn werden, welches bis jetzt hier am Platze ausgefochten wurde. — Die Stürmer der Hanauer waren denen der Frankfurter weit überlegen und brachten es durch ihr natürlich schönes Zusammenspiel fertig nach kaum 15 Minuten heißem Hin und Herwogen den Ball durch Frank- furt§ Thor zu jagen. — Der Antritt begann von Neuem und nahmen die Hanauer Stürmer den Ball wieder an sich, auch gelang es ihnen nach einiger Zeit ein zweites Goal zu erringen. Kurz darauf machte Frankfurt einen verzweifelten Vorstoß und brächte es fertig, den 93ern das erste Goal zu treten und dies war somit auch ihr letzter Erfolg. — Nach der Pause wurde das Zusammenspiel der Hanauer Mann­schaft noch besser, trotzdem die Hinterleute immer noch sehr viel zu wünschen übrig lassen. Durch ihr feines Spielen gelang es Hanau, den Frankfurtern noch 3 Goal bcizu bringen. Das hochinteressante Wettspiel endete mit dem Siege Hanaus mit 5. zu 1 Goal.

* Stiröttheatev. Morgen Mittwoch wird Lubliners höchst beifällig aufgenommenes Lustspiel „Das fünfte Rad" mit Herrn G e h r m a n n in der Hauptrolle wiederholt. Schon im vergangenen Sommer hat unser beliebter Komiker mit der Darstellung derselben großen Erfolg erzielt.

* Stadtverordneirnwahlen. Herr Otto Bernges erklärt, daß er der am Samstag veröffentlichten Wahlvorschlags­liste, die seinen Namen trägt, vollständig fern stehe. Um' eine Zersplitterung zu vermeiden, ist es sonach geboten, die j von dem bürgerlichen Wahlkomitee aufgestellten Kandidaten zu wählen. Versäume Niemand, seiner Wahlpflicht nachzu- kommen!

* So;ialdem»kratische Wählerversammlung. In einer sozialdemokratischen Wählerversammlung sprach gestern Abend der Reichstags-Abgeordnete D r e e s b a ch-Mannheim. Den Hauptinhalt der Rede bildete der Versuch, den von den bürgerlichen Parteien erlassenen Wahlaufruf zu widerlegen. Namentlich legte der Redner Werth darauf, aus den Arbeiten der städtischen Vertretung Mannheims nachzuweisen, daß die Mitwirkung sozialistischer Vertreter eine geordnete Verwaltung nicht zu stören geeignet sei. Mit Nachdruck sprach er dabei den Satz aus, daß in der städtischen Verwaltung nach allen vorgebrachten Thatsachen die Angehörigkeit zu einer Partei für die Stellungnahme zu Vorlagen kaum jemals von ent­scheidender Bedeutung sei und auch nicht sein könne, weil kommunale und politische Fragen zwei dem Wesen nach sehr verschiedene Dinge seien. Den Schluß hieraus zu ziehen, daß alsdann keine Berechtigung vorliegt, einen Sozialdemokratin als solchen in die Ltadt- verordnetenversammlung zu schicken, vergaß der Redner. Von besonderem Interesse aber war es, daß der Redner mit keinem Worte auf die im Wahlaufrufe der bürgerlichen Parteien wiedergegebene Aeußerung des Sozialdemokraten Dr. Katzen- stein in Hannover einzugehen wagte. Diese Aeußerung war folgende:

„K l e i n b ü r g e r e i der a l l e r s ch ä b i g st e n Art ist es, wenn man um einer Anzahl von Wirthen und Krämern und sonstiger kleiner Zwischen- e x i st e n z e n willen der Emanzipation der Konsumenten von dem parasitischen Zwischenhandel ent- gegenwirkt."

Diese die Stellung der Sozialdemokratic zu den Klein­gewerbetreibenden kennzeichnenden Worte Hai der Redner also wohl durch sein Schweigen anerkennen wollen. Nach Herrn Dreesbach sprach Herr Hoch, indem er lebhafte Beschwerde gegen die vielfach vorgekommene Streichung von Wählern aus der Wahlliste führte. Gegen den Vorwurf, daß hierbei von der Verwaltung gegen besseres Wissen gehandelt worden sei, glaubte Herr Handelskammersekretär S teller sich wenden zu sollen, indem dieses Dochtes geht durch einen Kork in eine Flasche mit Zuckerwasser. Die Wunde im Stengel wird verklebt, heilt zu, und die Melone nährt sich jetzt von dem Zuckerwasser, wovon sie pro Tag bis zu einem halben Liter (je nach Größe der Frucht natürlich mehr oder weniger) aufsaugt. Eine also gemästete Melone kann ein Gewicht bis zu einem Centner erreichen, ist außerordentlich drall und saftig und thatsächlich zuckersüß. Daß der Preis einer solch immensen Frucht ein guter und der Ertrag einer Melonenfarm ein lohnender sein muß, leuchtet ein. Die Regenwurmfarmer beschäftigen sich mit der Züchtung von Regenwürmern für den Angelsport und stehen sich ausgezeichnet dabei. Sie graben einen entsprechenden Theil ihres feuchten Landes um, kleiden die etwa fußtief ausgehobene Bodenvertiefung mit Cement aus, füllen das feuchte Erdreich wieder auf, setzen eine große Anzahl Rezenwürmer hinein und überlassen sie ihrem Schicksal. Von Zeit zu Zeit graben die Farmer die Erde um, sammeln die fettesten Exemplare und verschicken sie, in Erde verpackt, an die Clubs der großen Städte, welche ihnen gute Preise für das Gewürm zahlen. Der Regenwurmfarmer lebt von dem Ertrage seiner Ernte an Getreide und dem Fleisch seiner Viehzucht; das Regenwurm­bassin hat er sich nur als Geldgrube nebenbei angelegt, um alljährlich eine runde Summe (die ihm immer sicher ist!) auf der Bank zu deponiren. —

Ich könnte, wenn der mir zugemessene Raum es ge­stattete, noch eine ganze Reihe solcher sonderbaren Farmen dem Leser vorführen. Zch könnte sprechen von snail farms (Schneckenfarmen), von cranberry farms (Preißelbeerfarmen), sun-flower farms (Sonnenblumenfarmen), von bullfro» farms (Froschfarmen), rc. Es wird mir jedoch schon durch das oben ausführlicher Gesagte, denke ich, vollkommen ge- lungen sein, dem Leser einen Einblick zu Heben in die staunenswerthe Akkommodationsfähigkeit des echten amerika- mschen Farmers und seiner weitblickenden agrikulturellen Sonderbeschäftigungen.

er darauf hinwies, daß die Steuerkommission an ganz be­stimmte gesetzliche Vorschriften und Grundsätze der Verwaltungs­praxis gebunden sei, gegen Ungerechtigkeiten aber die Möglich­keit der Korrektur durch Offenlegung der Wahllisten gegeben sei. Es sei überraschend, daß die sonst so vorsichtig zu Werke gehende sozialdemokratische Parteileitung die Prüfung der Wahllisten versäumt habe. Daraus sei gegen die Verwaltung am wenigsten eine Beschwerde zu erheben. Nachdem Herr H o ch aus dem Umstände, daß viele Taglöhner gestrichen seien, weil der dreihundertfache Betrag des ortsüblichen Tagelohnes nicht die Summe von 660 Mk. erreicht, zu weiteren Angriffen gegen die städtische Verwaltung benutzt hatte, wurde die stark besuchte Versammlung geschlossen. Immerhin erregte die Versammlung den Eindruck, daß die Sozialdemokratic mit ganzer Entfaltung ihrer Macht zu sümpfen entschlossen ist. Die bürgerlichen Wühler mahnt dies von Neuem an die unerläßliche Pflicht, ohne Ausnahme an die Wahlurne zu treten, um so zi a ld c mo kr a tis che Vertreter fern zuhalt en.

* Slbcrne Hochzeit. Heute feiern Herrn Andreas Franz und Frau, geb. Göbel, das Fest der silbernen Hockzeil.

* Mesfediebstahl. Am gestrigen'Vormittag entwendete eine Frau -aus Langendiebach von einem Meßstand 3 Paar Damen-Filzschuhe im Werthe von 6 Mk.

* Born kritischen 13. November wird mancherlei Unwetter gemeldet. Am Mittelmeer fand ein Erdbebe« statt, das sich besonders in Livorno ziemlich heftig äußerte. Menschen sind nicht verletzt, aber mehrere ältere Häuser eingestürzt. Regen und Sturm, aus höheren Gebieten auch Schnee, werden vielfach gemelder. Nordwestdeutschland hatte ungeachtet nied­riger Temperatur ein heftiges Gewitter mit zahlreichen Blitzen und furchtbaren Donnerschlägen.

* Der erste Schnee. Die Besucher des Feldbergs wurden am Sonntag durch den ersten Schnee erfreut. In her Höhe des Fuchstanzes begann es gegen 11 Uhr heftig I zu schneien und auf dem Feldberg selbst erlebte man einen richtigen Schneesturm, Der Schnee lag ca. 3 Zentimeter hoch und lustige Touristen benutzten natürlich diese erste Gelegen­heit, um sich tüchtig mit Schneebällen zu bewerfen.

):( Obcrrodcnbach, 14. Novbr. Infolge Bekanntmachung durch die Ortsschelle fand am verflossenen Sonntag den 12. November im ; Fickert'schen Saale dahier eine gut besuchte Versammlung statt, welche ! den Zweck hatte, die Gründung eines Obst- und Gartenbauvereins für i unsere Gemeinde in die Wege zu leiten. Bei dem hohen Werth und der Wichtigkeit der Obstbaumzucht sowohl für den Einzelnen als auch für die ; ganze Gemeinde fiel die Anregung auf guten Boden und fanden darum die Ausführungen der die Versammlung leitenden Herren ungeteilten Beifall und allgemeines Interesse. Herr Lehrer Fickert von Großauheim eröffnete die Versammlung mit dem Hinweis darauf, daß' es sich die Gemeinde Oberrodenbach zur Ehre anrechnen dürfe, bis jetzt schon recht Ersprießliches zum eigenen Vortheil in dem Obstbau geleistet zu haben. . Allein, wenn auch im Hinblick auf die materiellen Erfolge der Obst- I baumzucht schon viel geschehen sei, so müsse und könne für die Folge | immer noch mehr erreicht werden rc. Hierauf erhielt der auf Verau- । lassung des Königlichen Landrathsamtes zu Hauau schon längere Zeit ' um die Hebung des Obstbaues in unserem Kreise thätige Herr Lehrer Umbach von Fcchenheim das Wort. Mit großem Verständniß und ; hinreißender Begeisterung hielt derselbe einen herrlichen Vortrag über die . Obstbaumzucht. Nach einigen einleitenden Beinerkungen verbreitete er sich des Näheren über die Wichtigkeit des Obstbaues, über Baumpflanzung, Baumpflege :e. Sehr interessant waren die Ausführungen über die aus­giebige und mannigfaltige Verwerthung des Obstes, indem der Ver­sammlung manches zu Gehör kam, das bis jetzt meist unbeachtet blieb. Die praktischen Winke, welche Herr Lehrer Umbach speziell über die Baumpflege gab, wurden mit Aufmerksamkeit ausgenommen und finden ! hoffentlich allseitige Beachtung. Am Schlüsse seiner Auseinandersetzungen kam der Redner auf die demnächst im Kreise zu errichtende Obftver- werthungsgenossenschaft zu sprechen und zerstreute hiermit die Bedenken, die bei etwaiger Ueberproduktion sich geltend machen könnten. Der Vor­trag bot des Belehrenden so viel, daß sicher alle anwesenden Interessenten reichen Gewinn daraus ziehen werden. Die sich anschließende Debatte brächte über manche angelegte Frage den gewünschten Aufschluß. Die vortrefflichen Darlegungen des Referenten machten einen solchen Eindruck, daß die an geregte Gründung eines Obst- und Gartenbauvereins sofort zur Thatsache wurde. Der Statuleuentwurf fand in allen seinen Theilen Annahme. 25 Landwirthe trugen sogleich ihre Namen in das Mit- gliederoerzeichniß ein. Zum Vorsitzenden des zeitgemäßen Vereins wurde der um die Obstbaumpflege hier rühmlichst bekannte Herr Jakob 9io 11 gewählt. Es steht zu erwarten, daß der Verein unter dieser fach­männischen Leitung gedeihen und sich weiter entwickeln wird zum Segen der Gemeinde. Wem es Stand und Verhältnisse gestalten, der pflanze daher Obstbäume, wo Lage, Boden, Klima und andere Umstinde es irgendwie erlauben. Er stiftet dadurch Segen nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Mit-und Nachwelt! Möge nun der Obstbauverein der hiesigen Gemeinde bahnbrechend werden für die Hebung der Obstbaum­zucht und sein vernünftiges Arbeiten Nachahmung finden in allen Orten unseres Kreises, damit recht bald ein Kreisobstbauverein bezw. die Obst- verwcrthungsgenossenschaft der Einfuhr fremoländlischen Obstes nutz­bringenden Einhalt gebietet.

AuS dem Gerichtssaal.

Sitzung des Schwurgerichts vom 13. Novbr.

Meineid.

'(Schluß.)Z

Die weitere Verhandlung gegen die 5 Angeklagten von Langendiebach hat nicht viel Neues mehr zu Tage gefördert. Die Angeklagten klammerten sich an nebensächliche, belanglose Dinge, infolge dessen sich die Verhandlung bis abends 'Adl Uhr hinauszog. Die Geschworenen bejahten die gegen die An­geklagten Heinrich Ruth, Friedrich Lißmann, Adam Ruth und Johann Ruth gestellten Frage auf wissentlichen Meineid, ebenso auch die aus § 157 des R.-St.-G.-B. gestellte Frage, wonach die Strafe desjenigen Meineidigen, der sich bei Bekundung der Wahrheit der Gefahr einer strafrechtlichen Verfolgung wegen eines Verbrechens oder Vergehens aussetzen konnte, sich um ein Drittel bis ein Viertel der an sich verwirkten Strafe ermäßigen soll. Die weiter gegen die vier obgenannten An­geklagten gestellten Schuldfragen auf Verleitung des Wilhelm zum Meineid wurden verneint, die gegen den Angeklagten Wilhelm gestellten Schuldfragen wurden sämmtlich verneint. Die Angeklagten Heinrich Ruth, Friedrich Lißmann und Adam Ruth wurden hierauf zu einer Gefängnißstrafe

von je einem Jahr, I o h a n n R u t h, der bei Begehung der That noch nicht 18 Jahre alt war, zu einer Gefängniß­strafe von 10 Monaten verurtheilt, der Angeklagte Wilhelm fr e i g e s p r o ch e n. Den verurtheilten An­geklagten werden von der seit Mai erlittenen Unter­suchungshaft je 3 Monate in Abrechnung gebracht. Der Staatsanwalt hatte 1'/» Jahre bezw. 1 Jahr Gefängniß beantragt. — Vertreter der Staatsanwaltschaft war Herr Staatsanwalt von Jbell, die Vertheidigung führten die Herren Rechtsanwälte Eberhardt, Uth und Osius.

Uereinsnachrichten

für Dienstag d en 14. November.

Evang. Männer- und Zünglingsoerem: Unterhaltung wb Vortrag; Näh- unb FUckibend für Junafrauen (E>. Vereinehans).

Kalt). Krsino Emiracht (Vereinslokat: »Gotdne Gerste ): Vereins- abeub.

Turn- u. Fechtklub: Feststen.

LNprnsereiv: Settio sversown lung im .Bürgerv rein“.

Drain stiscb - litterarischer Verein ,Melpomene" um Gasthaus ,zur Sonne i: Les-abend.

Silbernerem H mau: Probe in der Restauration Allemania".

Äthtelenklub Germania : Riegeustemmen und Musterriegmarbeiten (Restauration Wagenbach, Paradeplatz),

Barometerstand

mittags 12 Uhr am 13./11. 14./11.

Sehr trocken

Beständig

Gchön Veränderlich

Regen (Aiud)

Viel Stegen Sturm

Wetterbericht.

Voraussichtliche Witterung: Bei rasch wechselnder Be­wölkung veränderliches Wetter mit einzelnen Niederschlägen.

Aus der Provinz und Nachbargebieten.

Gelnhausen, 13. Novbr. Der Handels- und Gewerbe­verein veranstaltete gestern seinen ersten Vortragsabend in dieser Saison. Der Vorstand hatte Herrn Direktor Max Oppmar aus Hanau gewonnen und damit einen guten Griff gethan. Die humoristischen Dialektdichtungen, welche der Genannte zum Vortrag brächte, erzielten einen großartigen Lacherfolg, der sich von Nummer zu Nummer steigerte.

Marburg, 13. Novbr. Am Samstag Abend ereignete sich in der Nähe von Gisselberg ein Unglücks fall. Ein Fuhrmann der Firma Wick Söhne kam nf t einem schwer mit Steinen beladenen Wagen die Straße g<fah en, wobei er unter den Wagen gerielh. Dieser ging ihm in er den Unterleib und verletzte ihn derart, daß er am Wege liegen blieb, wo er nach einiger Zeit vom Fuhrmann der Gisselberger Milchkutsche auf­gefunden wurde. Man schaffte den Verletzten in die Klinik, wo er seinen Verletzungen erlegen ist.

Fuldu, 13. Novbr. Den Gemeinden Dorfborn und Tiefengruben ist zum Umbau eines Schulhauses eine Gnaden- beihülfe von 10 000 Mk. bewilligt worden. — Dem Ver­nehmen nach ist in Aussicht genommen, eine eigene Staats­anwaltstelle für Bearbeitung der Strafsachen aus dem Fuldaer Bezirk hier zu errichten.

Hersfeld, 13. Novbr. Nachdem der Kreistag des ' Kreises Hersfeld in seiner Sitzung vom 2. Oktober d. Js. ; bekanntlich die Uebernahme des dritten Theils der Kosten für den Grunderwerb zum Bau der Nebenbahn Hersfeld-Treysa abgelehnt hatte, hatten die städtischen Kreistagsmitglieder den Antrag auf Bewilligung der betr. Summe (ca. 83000 Mk.) von neuem eingebracht unb’ der heute hier abgehaltene Kreis­tag hatte sich abermals hiermit zu beschäftigen. Nach längerer Debatte wurde zur Abstimmung geschritten; dieselbe hatte das Resultat, daß der eingangs erwähnte Antrag der städtischen Abgeordneten mit 16 gegen 3 Stimmen bezw. einstimmig an­genommen wurde, da auch die drei Gegner nachträglich noch zustimmten.

Giefjen, 12. Novbr. Die lange schwebende Frage, ob die Stadt Gießen kanalisirt werden soll, ist durch die letzte Stadtverordnetenversammlung mit einstimmigem Beschlusse bejaht worden. Die Arbeiten, für welche von Genehmigung der Pläne ab eine zirka dreijährige Dauer vorgesehen ist, sollen dem Regierungsbanmeister Schmick in Frankfurt a. M., der auch die hiesige Quellwasserleitung ausführte, übertragen werden. Ueber die Vertheilung der Kosten, welche sich auf rund 2,000,000 Mark belaufen werden, auf die Einwohner verlautet noch nichts, doch erklärte Oberbürgermeister Gnauth, daß sie wohl von der Gesammtgemeinde getragen werden, da die Anlage allen Einwohnern zu Gute komme. Die Kanali­sation wird nach zwei Systemen ausgeführt, für die Altstadt nach dem kombinirten Schwemmsystem, für die Außenstadt nach dem getrennten System. Der Anschluß an Aborte soll obligatorisch gemacht werden.

Klein-Steinhelm, 11. Novbr. Gestern wurde der Vertrag, wonach die Firma Frank u. Co. von Bremen dahier ein Gaswerk errichtet, von der Gemeindevertretung unter­zeichnet. Das Jahr 1900 wird uns somit „immer mehr