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Amtliches Argan für Staöt- unS LanSKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 267.

Dienstag den 14. November

1899

Amtliches. ^taöt&reis ^anau.

Im hiesigen Schlachthofe ist bei einem Ochsen die Maul- und Klauenseuche heute Morgen festgestellt worden. Hanau den 14. November 1899.

Kgl. Polizei-Direktion.

Graf v. Unruh.

^anö&rcw ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes. LMwmhschastlicher Sreimrchi Hanau.

Nächste Versammlung Samstag den 18. November, nachmittags 2 Uhr, im Gasthaus zumgoldenen Löwen" hier.

Tagesordnung:

1. Geschäftliche Mittheilungen.

2. Vortrag des Herrn Kreisthierarzt C o l l m a n n-Hanau über die neue Freibank-Ordnung im hiesigen Schlachthof.

3. Vortrag des Herrn Domänenpächters D r ö g e über einige Punkte der Landwirthschaft und zwar:

j. Was thut dem Bauern Noth?

b. Wie behandelt man die Wiesen?

c. Was und wie soll man düngen?

4. Berichterstattung der Mieglieder über die im Frühjahr vom

Verein bezogenen Saatkartoffeln.

Der Vorstand.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, vorstehende Be­kanntmachung des landw. Kreisvereins in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.

Hanau, am 10. November 1899.

Der Königliche Landrath.

L v. Schenck.

TienfttiiWWen aus Dem Kreise

Gefunden: 1 alte schwarze Schürze, 1 kleiner schwarzer Regenschirm, 5 Paar neue Unterhosen, auf der Messe liegen geblieben. Von der Post hier abgeliefert 1 gelber Spazier- stock mit kleinem Horngriff.

Verlor en: 1 Diamantring, gegen Belohnung ab- zugeben.

Zugelaufen: 1 junger, brauner Dachshund w. Geschl.

Hanau, am 14. November 1899.

Oet«mtmaiyun«.

Das Großherzogliche Wafferbauamt zu Mainz läßt im Laufe der nächsten Wochen längs des Obermainkais auf der

Strecke von 700 Meter oberhalb der Obermainbrücke bis 70 Meter unterhalb derselben Bohr- und Sprengarbeiten im Mainbette zur Herstellung der Fahrrinne nach der Offenbacher Schleuse vornehmen.

Deshalb haben alle daselbst durchfahrenden Fahrzeuge ihren Weg zwischen der durch Schwimmer abgelegten Bau­stelle und dem linksseitigen Mainufer zu nehmen, auch sind alle für das Vorbeifahren oder Halten von dem bauleitenden Beamten und seinen Beauftragten gegebenen Anordnungen strenge zu befolgen.

Vor und während Lösung der Sprengschüsse wird er­forderlichenfalls zeitweise die Durchfahrt vollständig gesperrt.

Den Zeitpunkt der Sprengung bezeichnet das Hissen einer rothen Flagge auf dem in der Nähe der Sprengstelle haltenden Dampfbagger.

Frankfurt a. M. den 28. Oktober 1899.

Der Polizei-Präsident.

Frhr. v. Müffling.

T -a g e s s ch a u.

Der Militäretat für 1900

weicht nicht wesentlich von den Aufstellungen des laufenden Jahres ab. Im Extraordinarium sind erste Bauraten ange­setzt für Magazingebäud.e in Bonn, Köln, Langfuhr, Darm­stadt und Mainz, für neue Bekleidungsämter in Spandau und in Bahrenfeld bei Altona, für Kasernen in Berlin, Küstrin, Wesel, Bonn, Coblenz, Ludwigslust, Parchim, Olden­burg, Cassel, Gera, Altbreisach, Bruchsal, Mainz, mehrere Bauten für Leipzig und für Dresden, ferner eine Forderung zur Einweihung des Jntendanturgebäudes des Gardekorps. Der Etat enthält zum ersten Mal den Etat für das Reichs-. Militärgericht, das infolge der neuen Militärstrafgerichts­ordnung mit dem 1. Oktober 1900 in Wirksamkeit tritt. Der Etat ist alsdann nur für ein halbes Jahr, bis 1. April 1901, aufgestellt.

Den Flotterrgegnern ins Stammbuch.

Wenn die Flottengegner so thun, als sei unser Volk unfähig, zu den materiellen Ausgaben für das Heer auch noch die Mittel zum Schutze unserer mächtig sich entwickeln­den überseeischen Interessen zu tragen, so werden diese bös­willigen Marineopponenten durch den stetig anhaltenden Auf­schwung des nationalen Erwerbslebens eklatant Lügen gestraft. Insbesondere steht es fest, daß aus den diesjährigen Reichs­einnahmen die Bundesstaaten nicht nur den vollen Betrag ihrer Matrikularumlagen erhalten werden, sondern daß ihnen auch darüberhinaus noch einBeitrag aus den Zöllen und Reichssteuern zur Deckung ihrer eigenen Ausgaben wird zugeführt werden

können. Anderseits eröffnet der Ertrag der zur Reichskasse fließenden Einnahmen die Aussicht auf einen Ueberschuß der Reichskasfe, der dem ganz ausnahmsweise hohen Ueberschuß des Jahres 1898 sich mindestens gleichstellt, ihn vielleicht sogar noch übertrifft. Das Wachsthum Deutschlands in seiner indu­striellen Thätigkeit und seinem Handelsverkehr ist dem ganzen Volke eine Quelle des Wohlstandes und der intellektuellen Erhebung geworden. Die Entwicke­lung unserer überseeischen Machtstellung hat nicht nur unser Ansehen im Auslande erhöht, sondern auch wohlthätig auf unsere heimischen Verhältnisse zurückgewirkt. Der Süden ist dem Norden dadurch näher getreten, durch unsere Schiffe hat die süddeutsche Industrie einen immer größeren Absatz in der Fremde gefunden. Alles Toben der sozialdemokratischen Volks­aufwiegler kann nicht verhindern, daß auch den von ihnen irregeleiteten Massen allmählich die Erkenntniß aufgeht, daß die Ausbreitung unserer überseeischen Interessensphäre vor ! allem gerade auch den arbeitenden K lassen zum Vor- ! theil gereicht und daß es der Gipfel wirthschaftspolitischen ! Unverstandes ist, den Arbeitern eine Politik verleiden zu wollen, die ihnen Arbeit und auskömmlichen Erwerb verbürgt, wohin­gegen der Weg, in den sie von den sozialdemokratischen Sold­hetzern gedrängt werden, direkt in ihr wirthschaftliches und staatsbürgerliches Verderben führen müßte.

Nebenbahn - Vorlage.

Die Nachricht, daß die Staatsregierung entschlossen ist, dem Landtage die übliche Nebenbahn-Vorlage unmittelbar nach seiner Eröffnung zugehen zu lassen, wird in landwirthschaft- lichen Kreisen mit Befriedigung ausgenommen worden sein. Diese Vorlage ist bestimmt, die Verkehrsbedürfnisse der verkehrs- ärmeren Landestheile, also derjenigen, welche sich in erster Linie von der Landwirthschaft ernähren, nach zwei Richtungen hin zu befriedigen. Es gilt zunächst die Lücken in dem Staats­bahnnetz durch geeignete Nebenbahnen auszufüllen und so Landstriche, welche bisher des Anschluffes an das Eisenbahn- netz entbehrten, mit diesem in Verbindung zu bringen. Solche Ergänzungen unseres Staatsbahnnetzes sind zwar nicht aus­schließlich in den überwiegend landwirthschaftlichen Landestheilen erforderlich, aber in diesen weist das Staatsbahnnetz doch noch die meisten Lücken auf, und so dürften vornehmlich auch dies­mal wieder die östlichen Landestheile besonders berücksichtigt werden. Neben den Forderungen für neue Nebenbahnen wird die Vorlage auchdieses Mal einen Kredit zur Förderung des Klein­bahn -Baues mit Staatsmitteln enthalten. Seit 1895 sind jedes Jahr der Regierung für diesen Zweck Mittel zur Verfügung gestellt worden. Unter Mitwirkung der Provinzen ist durch staatliche Unterstützungen der Klein-

^euilktoii.

Zwei Jahre Dculsch-Chiim.

Am 14. November 1897 ergriff an dieser Stelle der Admiral Diederichs Besitz vom Kiautschou-Gebiet."

So lautet die Unterschrift des in diesem Jahre durch den Prinzen Heinrich enthüllten Diedcrichs-Steins in» Tsingtau. Also am 14. November sind es zwei Jahre, daß wir in Ost­asien Fuß gefaßt haben, und keine unserer Erwartungen ist unerfüllt geblieben. Die durch den Allerhöchsten Erlaß vom 27. April 1898 zum Schutzgebiete erklärte deutsche Pachtung in Schantung befindet sich in einem lebhaften Aufschwünge nach jeder Richtung und erfreut sich unausgesetzt sowohl des Allerhöchsten Interesses, wie auch der besonderen Theilnahme aller Kreise unsers Vaterlandes. Die Mittel, welche die Regierung forderte, wurden für Kiautschou glatt bewilligt, das private Kapital für industrielle Unternehmungen wurde ebenfalls willig aufgebracht kein Wunder darum, daß Alles dort seinen stetigen und erfreulichen Fortgang nimmt. Freilich fehlt es auch nicht an Nörglern, denen es noch nicht schnell genug ging, aber gerade das vorsichtige Vorwärts- schreiten der verantwortlichen Behörden hat in Tsingtau den Erfolg verbürgt.

Schließlich bleibt zu bedenken, daß wir doch auch erst lernen müssen. Aber nun nach zwei Jahren steht die jüngste überseeische deutsche Unternehmung in einer jugendlichen Blüthe da, die selbst von Seiten unserer Nebenbuhler in geschäftlichen Dingen die ungeteilte Anerkennung findet. Das Zukunfts­bild, welches wir bei der Besitzergreifung von dem Hafen und der Stadt an der Kiautschou-Bucht entwarfen, ist freilich noch nicht erfüllt das wäre auch zu viel verlangt, und auch Rom ist ja nicht an einem Tage erbaut aber die Anfänge

für eine Entwicklung in der angegebenen Richtung, gleich Hongkong und Schanghai, sind gemacht.

Monatlich verkehren bereits mehr als 20 Schiffe, meist Dampfer, in dem neuen Hafen. Der so sich steigernde Schiffs­verkehr rechtfertigt die Bauthätigkeit des Gouvernements für Schaffung eines geschützten Handelshafens, die Arbeiten neh­men einen für die Entwicklung des Handels, der Industrie und des Verkehrs erfreulichen Fortgang. Daß Tsingtau zum Freihafen geworden ist, dürfte bekannt sein, weniger vielleicht, daß seine Erzeugnisse bei der Einfuhr nach Deutsch­land als aus deutschem Schutzgebiet kommend angesessen und verzollt werden.

Einstweilen freilich überwiegt die Einfuhr aus Deutschland nach Tsingtau, denn die in der Bevölkerungsziffer stetig steigende Einwohnerschaft, man denke and) an die vielen Ar­beiter für allerlei Unternehmungen, erfordern eine reichliche Verproviantirung des Schutzgebietes. Ja selbst Kohlen müssen in dem einst für die Kohleu-Ausfuhr bestimmten Hafen jetzt noch eingeführt werden. Die Ausbeute bei an Kohlen reichen Hinterlandes kann natürlich erst beginnen, wenn die Schienen­wege dorthin fertig sein werden. Aber auch diese Arbeiten sind in Angriff genommen; die Gesellschaften für Eisenbahn­bau und für die Bergwerke haben sich unter großer Bethei­ligung kapitalkräftiger Leute gebildet, und Alles ist, wie ge­sagt, im Gange. Es heißt natürlich Geduld haben, wissen wir doch, wie lange es dauert, bis bei uns eine Eisenbahn zustande kommt. In China gibt es bezüglich der Land-Ab- Iretungen vielleicht noch mehr Schwierigkeiten, und obendrein muß doch das Land auch erst vermessen werden.

Inzwischen schreiten die Anlagen am Ausgangspunkt der Bahnen umso rüstiger fort; mächtige Steinbrüche liefern auf Schienengeleisen ihr Material zum Hafen für Dämme, Wellen­brecher und zum Straßenbau. Die Straßen in der Stadt werden gleich mit Kanalisations-Einrichtungen versehen, damit

die Buddelei sich nicht immer wiederholt, elektrisches 8:d)t er­leuchtet die-Straßen, welche auch durch die alten Chinesen­viertel in ziemlicher Breite, unter Beseitigung der alten Ba­racken, angelegt werden. Von neuen Gebäuden verzeichnen wir eine Kapelle, ein Lazarcth, mehrere Dienstwohnungen und Geschäftsräume, Hotels und Kaufhäuser. Kasernen sind im Bau, und es werden noch Weitere geplant, und schließlich entstehen Werkstätten aller Art mit Dampfbetrieb, Lagerhäuser, Ring- und Kalköfen, kurz, es entwickelt sich ein reges Städte- leben voller Jukunftsfreudigkeit. Eine deutsche Schule fehlt nicht, und damit ist die Bedingung für ein deutsches Familien­leben gegeben, also daß sich mehrere Pioniere des Deutsch- thums in Asien bereits entschlossen haben, ihre Frauen kom­men zu lassen, und die Regierung unterstützt dies Vorhaben für die Beamten.

Schließlich sei noch erinnert, daß wir. vor zwei Jahren auch bem deutschen Forstmann in Kiautschou ein Feld der Arbeit zuwiesen im Geiste sahen wir die kahlen von der Ackerkrume entblößten Berghänge sich mit frischem Grün be­decken 2c. Wie weit sich in dieser Beziehung unser Traum erfüllt hat, möge ein Auszug aus dem Berichte des englischen Generalkonsuls in Schanghai darthun:Auch in Erhaltung der Forsten und Sicherung der Abhänge haben die Deutschen uns Allen ein nachahmenswürdiges Beispiel gegeben. Ein Befehl des Gouverneurs verbietet den Chinesen, Bäume und Buschwerk auf den anliegenden Höhen zu fällen, und kleine Steinmauern werden längs der Hügel von der Regierung aufgeführt, um das Wegwaschen der Abhänge während der Regenzeit zu verhindern. Man erwartet von dieser Maß­regel sehr erfreuliche Resultate, da die so geschützten Hügel sehr bald zu fruchtbaren Terrassengärten werden müssen."

Und so wollen wir denn zum zweiten Jahrestage der Besitz-Ergreifung des chinesisch-deutschen Pachtgebietes diesem von der Volksgunst ohnehin schon bevorzugten kolonialen