Einzelbild herunterladen
 

W««»e»e»t>- PreiS:

Jährlich 9 »«.

-MSHrl. 4.^50.* vierteljährlich 2 c« 25 ^.

Für auswärtige Wvnnenten mit dem betrefjenden Postauffchlag.

Die einzelne Siummer kostet 10 ^

EinrückungS- gebühr

tür Sladt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die 4gespaltme Garrnond- 3 eile oder deren Raum, für Auswärrs 15 ^.

Im Reklamencheil die Zeile 20 ^, sät Auswärts 30 ^.

Amtliches Grgsn für Ktsöt- unS LsuSKreis Hassu.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertaoe, mit beüetriftiscber Beilage

Rr. 266.

Montag den 13. November

1899

Amtliches.

Bekanntmachung.

Postpacketverkehr nach Mittel- und Süd-Amerika.

Für Postpackete aus Deutschland nach einer Anzahl von Staaten in Mittel- und Süd-Amerika: Argentinische Republik, Columbien, Costa - Riea, Guatemala, Republik HonduraS, Mexiko, Nicaragua, Paraguay, Salvador, Uruguay und Venezuela sind bei der Beförderung über Hamburg und Bremen zwei Portostufen für Packete bis 1 kg und für Packete über 1 bis 5 kg (für Paraguay über 1 bis 3 kg), wie sie bereits im Verkehr nach den Vereinigten Staaten von Amerika bestehen, eingeführt worden. Gleichzeitig hat eine Herabsetzung der deutschen Seebeförderungsgebühren für die Postpackete nach den genannten Ländern stattgefunden.

In Folge desfen ist im Postpacketverkehr mit den ge­nannten Ländern eine wesentliche Ermäßigung des Portos eingetreten, namentlich für Postpackete bis zum Gewicht von 1 kg.

Ueber das Nähere geben die Postanstalten auf Verlangen Auskunft.

Berlin, W. 8. November 1899.

Der Staatssekretär des Reichs-Postamts. von Pod biels ki.

LcrnHKveis ^«xnaxi.

Brlanutmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Unter dem Viehbestand des Försters Lange zu Forsthaus Neuwirthshaus ist die Maul- und Klauenseuche fest­gestellt und infolgedessen Gehöftssperre angeordnet worden.

Hanau, am 13. November 1899.

Der Königliche Landrath.

v. S ch e n ck.

Lmdwirlbschastlichcr Krcisvercin Hanau.

Nächste Versammlung Samstag den 18. Novemder, nachmittags 2 Uhr, im Gasthaus zumgoldenen Löwen" hier.

.Tagesordnung:

1. Geschäftliche Mittheilungen.

2. Vortrag des Herrn Kreisthierarzt C o l l m a n n-Hanau über die neue Freibank-Ordnung im hiesigen Schlachthof.

3. Vortrag des Herrn Domänenpächters D r ö g e über einige Punkte der Landwirthschaft.

^üuilleton.

Die Kunst hinter Kerkeimanern.

Wer Gefängnisse von innen kennt, der weiß, daß dort die Oede herrscht, die Reue, die Buße und die Einkehr. Die Poesielosigkeit, die Eintönigkeit wirken erschlaffend und lähmend auf den Körper, den Geist aber und das künstlerische Em­pfinden und die Conception ertödten und vernichten sie von Grund aus. ES wird daher kaum einen fühlenden Menschen gebe«, der nicht die kürzlich mitgetheilte kleine Geschichte von dem Maler Dworak, der in dem Gefängniß zu Tegel ein großes Altargemälde herstellt. mit warmem Mitleid gelesen hätte, der nicht unwillkürlich Vergleiche angestellt hätte mit dem Künstler, dessen Element die Freiheit ist und sein muß, der die Begeisterung, die Schaffensfreudigkeit schöpft aus dem vollen, heißpulsirenden Leben und auS der gütigen, immer Impulse spendenden und ewig befruchtenden Natur. Ohne Freiheit gibt es keine wahre Kunst und doch finden sich, wie der Fall Dworak beweist, Naturen, die sich über die Schrecklichkeit der Situation hinwegsetzen können und trotz dieser Kunstwerke von bleibendem Werth zu schaffen ver­mögen . . .

Es ist jetzt länger als ein Jahr her, als der Verfasser dieser Zeilen in seiner Eigenschaft als Spezialberichterstatter beiBerl. Lokal-Anz." Gelegenheit hatte, in einem russischen Zuchthause, hoch oben an der Muryianküste, einen Künstler in ähnlicher Lage zu sehen. Was der Mann in der grauen Jacke verbrochen hatte, habe ich nie erfahren auS dem gelblich gewordenen Gesicht leuchteten aber zwei geistzlühende Augen hervor, deren Feuer und Kraft auch die bereits lang andauernde Kerkerstrafe nicht hatte brechen können. Viele Hunderte Gefangener saßen in jenem großen, entsetzlichen Hause: vom brutalen Straßenräuber, der aus Gier nach wenigen Kopeken seinen Nebenmenschen am offenen Wege er­

4. Berichterstattung der Muglieder über die im Frühjahr vom Verein bezogenen Saatkartoffeln.

Der Vorstand.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, vorstehende Be­kanntmachung des landw. Kreisvereins in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.

Hanau, am 10. November 1899.

Der Königliche Landrath.

L v. Schenck.

^taöt^rvw Manau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Mit dem 15. d. Mts. läuft der Zahlungs­termin für Steuern und Schulgeld pro III. Quartal ab und wird hieran anschließend mit Mahnung und Zwangsvollstreckung gegen die Säumigen vorgegangen.

Friftgesuche können nur dann Berücksichtigung finden, wenn dieselben vor Ablauf des Fällig­keitstermins eingegangen sind.

Auf die auf Seite 4 des Steuerzettels ange­führten Bestimmungen besonders auf Nr. 3, 4 und 7 wird aufmerksam gemacht.

Die städtische Steuerkasie befindet sich Markt 16, Zimmer 6 und 7 zu ebener Erde.

Hanau den 1. November 1899. 17170

LieWMAiLtill aus ökUi Kmje

Gefunden: 1 Schiebekarre mit einem Sack, 1 Paar Militärhandschuhe, 1 Peitsche.

Verloren: 1 Zehnmarkstück, 1 Brillantring, Wieder- bringer Belohnung von 20 Mk., 1 weißes dreieckiges Hals­tuch mit den Buchstaben 8 M.

Vom Wasenmeister am 11. d. Mts. eingefangen: 1 weißer Foxterrier mit rothen Abzeichen, nicht kupirt, w. Geschl.

Hanau, am 13. November 1899.

Guildhallrede und Kaiserreise

Alle Jahre um diese Zeit hält der englische Premier­minister in der Guildhall zu London eine große politische Rede. Was Lord Salisbury am vorigen Donnerstag äußerte, bot nichts Ueberraschendes. Er suchte die englische Politik in Südafrika gegen den Vorwurf zu vertheidigen, frc-BgffiaagTCBaMESgEaaEagZ^Ea^^

schlagen hatte, bis zum jugendlichen Gelegenheitsdieb, der die Verbrecherlaufbahn mit einem Geflügel- oder Obstdiebstahl be­treten hatte. Und in dem ganzen Hause herrschte jene un- definirbare, ungesunde Luft, die halb aus den Miasmen der russischen Kaserne und halb aus denen des Krankenhauses zusammengesetzt schien. Mit gedrücktem unterwürfigem Ge­sicht .eilten die Gefangenen, die im Dienste der Anstalt be­schäftigt waren, über Treppen und Korridore, kein lautes Wort ertönte, nur die Tritte der schweren Stiefel hallten auf den toteinfliefen wider. An jeder Biegung oder Ecke eines Ganges stand ein Aufseher mit gezogenem Säbel und erbarmungs­losem Antlitz, dem man es ansehen konnte, daß der Träger eine zwanzigjährige militärische Dienstzeit an irgend einer entlegenen Grenze deS unermeßlichen russischen Reiches hinter sich hatte, und die russischen Soldalte::, in ihren schäbigen Uniformen, starrten, auf ihre Gewehre gestützt, stupide und unverwandt durch die Guckfenster der Gefangenensäle. Und die Insassen dieser schmucklosen, von Wanzen buchstäblich durch- fressenen Räumlichkeiten! Was die Welt in fieberwahnsinniger Phantasie an körperlicher und sittlicher Verkommenheit nur ersinnen vermag, lag auf den hölzernen Britschen und ver­morschten Strohsäcken, Jung, Alt, Gesund und Krank. ES ist schwer, auch für den civilisirten Europäer, sich bei dem Besuch einer solchen Anstalt von taktloser Neugier fern zu halten. Ganz unwillkürlich wird man innerlich gepackt von diesem Milieu deS Elends und des Unglücks, man sieht Menschen, wie man selbst ist, mit Geist und Seele, mit Em­pfinden und Gefühl ausgestattet, und man sieht sie dahin- dämmern, dahin siechen mit dieser dumpfen und passiven Widerstandslosigkeit, wie sie nur den fatalistischsten Orientalen auszeichnen kann.

Man fragt, man erkundigt sich bei aller Connivenz der Beamten aber stößt man nur auf schweigendes aber sehr bezeichnendes Achselzucken man möchte helfen und lindern; aber jede Theilnahme, die sich natürlich niemals in das Praktische übersetzen kann, scheitert an der Starre des Gesetzes.

daß ihre treibende Kraft die Spekulation aus die Goldfelder Transvaals sei, und erklärte, daß sich England auf keine Einmischung dritter Mächte einlassen werde. Rußland und Frankreich wurden nicht besonders erwähnt, dagegen erhielten die Vereinigten Staaten von Amerika dankbares Lob und waltete in den Bemerkungen über das Samoa-Abkommen ein für Deutschland freundlicher Thon.

Um dieses Abkommen seinen Landsleuten mundgerecht zu machen, betonte Lord Salisbury, daß England auf den Tonga- Inseln einen guten Hafen bekomme, während die -Rhede von Apia nicht viel werth sei. Beides ist richtig, aber nicht erschöpfend; denn wir bekommen auf den Samoa-Jnseln in Saluafata ebenfalls einen guten Hafen. Mit Recht aber erblicke Lord Salisbury den Hauptwerth des Abkommens für England darin, daß es einen alten Beschwerde- und Streit­punkt aus der Welt schafft und einmal guten englischen Willen für deutsche Wünsche beweist.

Die englische Presse spinnt diesen Gedanken weiter und zeigt sich dabei beflissen, den bevorstehenden Besuch unseres i Kaisers in England mit dem Samoa-Abkommen in engen Zusammenhang zu bringen und ihn als die Besiegelung eines deutsch-englischen Einvernehmens nicht bloß in Bezug auf die Südsee, sondern auch in allgemeinen politischen Fragen hinzustellen. Die Sache liegt aber vielmehr so, daß Kaiser Wilhelm wahrscheinlich den Reiseplan nach England aufgegeben hätte, wenn die Samoa-Verhandlungen an der Unnachgiebigkeit des englischen Kabinets gescheitert wären. Einer Ausbeutung dieser Reise in hochpolitischem Sinne stehen ihr Ursprung längst vor dem Transvaal-Kriege und die ver­wandtschaftlichen Rücksichten entgegen, aus denen sie ent­standen ist.

Selbst diejenigen deutschen Blätter, die sich ganz unbefugt und taktlos zum Wächter über den Reise­plan Seiner Majestät aufgeworfen hatten, müssen jetzt ein- räumen, daß ihre Beklemmungen ungerechtfertigt waren, da die englische Reise, zumal nach der herzlichen Begegnung mit dem russischen Kaiserpaare, der deutschen Politik keine neue Richtung geben wird. Wie wenig ihr im Voraus ein hoch politischer Charakter beigelegt werden darf, geht auch daraus hervor, daß noch nicht feststeht, ob der Staatssekretär Graf v. Bülow Seine Majestät begleiten wird.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depeschen-Bureau.Hersld ).

Berlin, 12. Novbr. Wie dieBerliner Neuesten Nach­richten" hören, hat unmittelbar nach dem Bekanntwerden des

Und doch war es ein Lichtblick in dieser grauenvollen Atmosphäre, als wir in die Kirche dieses Zuchthauses geführt wurden. Hier stand vor seiner Staffelei jener Mann in Sträflingskleidern, emsig vertieft und bemüht um seine Kunst. Die Kirche sollte renovirt werden, da hatte er zu Pinsel und Palette gegriffen und unter seinen kunstfertigen Händen waren Bilder entstanden, die in ihrer Milde und Zartheit versöhnend und rührend zugleich wirkten. Der noch jugendliche Mann, der augenscheinlich schon lange Zeit in diesen Mauern zuge­bracht hatte und noch viele Jahre, vielleicht sein ganze« Leben hier verbringen mußte, würdigte uns Eindringlinge kaum eines Blickes, er betrachtete unsern Eintritt vielleicht als einen dreisten Einbruch in sein künstlerisches Heim, in welchem allerdings jeder Pinselstrich durch zwei Soldaten bewacht wurde, und in welches das spärliche Licht nur durch ver­gitterte Fenster eindringen konnte. Er vertiefte sich in sein Werk, sein kahlgeschorener Kopf, sein gramdurchfurchtes, von keimenden Bartstoppeln übersätes Gesicht senkte sich vor unseren Blicken er konnte nicht ahnen, daß dieser Art des künst­lerischen Schaffens von uns ein warme« und mitleidsvolles Verständniß entgegengebracht wurde.

Heute, nach einem Jahre, sind jene Gemälde wahrschein­lich längst vollendet, und der inbrünstige Blick der Verbrecher haftet auf ihnen, Vergebung erflehend und erhoffend für schwere Strafthat. Als ich die Geschichte vom Maler Dworak las, fiel mir der russische Künstler-Sträfling ein. Wenn in späteren Jahren der Orgelton urgewaltig und herzberauschend durch die'beiderseitigen schmucklosen Gotteshäuser braust und der irrende, hilfeflehende Blick der Unglücklichen auf jenen Schöpfungen ruht, Frieden gewährend und Hoffnung erweckend, dann mögen jene Künstler wissen, daß sie durch ihre ver­klärende Kunst dazu beitrugen, den Büßenden Kraft und Lebensmuth zu neuem Dasein zu geben und ihnen die innere Stärkung zu schaffen wie der verlorene Sohn reuevoll, aber innerlich rein einen Kampf um ein neues Leben beginnen zu können.