Erstes Blatt.
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Amtliches Organ für ÄsSt- unS Landkreis Hanau.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
Nr. 265.
Samstag den 11. November
1899
Hierzu Amtliche Beilaae" Nr.
72.
Amtliches.
^faötßrci# ^atxwu
Bekansimachungen des ObelbürgermeisteraMtes.
Bekanntmachung.
Nachdem bei der Abstimmung sich die Mehrheit der be- theiligten Gewerbetreibenden für die Einführung des Beitrittszwanges erklärt hat, ordne ich hiermit an, daß zum 1. Dezember 1899 eine Zwangsinnung für das Glaser- und Schreiner-Handwerk in dem Bezirk der Stadt Hanau mit dem Sitze in Hanau und dem Namen: „Zwangsinnung der Glaser und Schreiner in der Stadt Hanau" errichtet werde.
Von dem genannten Zeitpunkt ab gehören alle Gewerbetreibende, welche das Glaser- und Schreiner-Handwerk betreiben, gleichviel, ob dieselben mit Hilfskräften arbeiten oder nicht, dieser Innung an. (*. II. 12106.)
Cassel, am 28. Oktober 1899.
Der Regierungs-Präsident.
Z. V.: v o n Bremer.
Wird zur Kenntniß der Betheiligten gebracht.
Hanau den 10. November 1899.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 17772
Bekanntmachung.
Gemäß § 25 der Städte-Ordnung für die Provinz Hessen- Nassau vom 4. August 1897 laden wir hierdurch die in der Liste der Stimmberechtigten verzeichneten Wähler zur Theilnahme an den Wählest der Stadtverordneten ein.
Es haben Ergänzungswahlen stattzusinden für die aus- gelosten nachbezeichneten Herren:
In der III. Wahlabtheilnng:
Kaufmann Heinrich I o st jr., Dachdeckermeister Karl L u ch t, Spenglermeister Karl O h l sen.
Oekonom Heinrich Seitz I.
In der II. Wahlabtheilnng:
Fabrikant Friedrich Jung,
Rentner Fritz Koch, „ E r n st T r e u s ch, Zimmermeister I o h. W. W ö r n e r.
Frmllrlün
Bom Martinsvogcl.
Eine Skizze zum Marlinskage (10. November).
Von Richard Hcrring.
(Nachdruck verboten.)
Unsere nüchterne Zeit wirft viele gute alte Bräuche rücksichtslos in die Rumpelkammer, und nur wenn der alte Brauch etwas Gutes zu schmausen oder zu trinken heißt, darf er auch bei dem unsentimentalen Menschen des 19. und bald des 20. Jahrhunderts auf pietätvolle Würdigung rechnen. So ist wohl auch der trefflichen MartinSgans eine dauerhafte Existenz gesichert, und noch lange wird der würdige deutsche Hausvater, wenn er das Messer an den knusprigen und lieblich duftenden Vogel legt, Weib imb Kinder mit Nachdruck darauf hinweisen, daß er mit diesem Gerichte uralter Väter Brauch treulich bewahre. Aber so viel Ehre die Gans auch St. Martino verdanke, sie hat sich auch ohne den Heiligen eine gar rühmliche Stellung in dieser Welt zu erringen vermocht. Schon der Perserkönig Chosroes hat einmal^ feierlich die Gans für den besten Braten der Welt erklärt; der jüngere Cyrus — ein höchst nachahmenswerthes Vorbild, wie jeder geängstigte Scholar der Cyropädie weiß, — war gleichfalls ein Freund des Gänsebratens, und im alten Egypten war die Gans ein so hochgestellter allgemeiner Leckerbissen, daß Alles, was einen religiösen Nimbus hatte, Gänsefleisch in Hülle und Fülle erhielt: die heiligen Katzen, Krokodile und Löwen, nicht minder aber auch die Pharaonen selbst, sowie die ^enen Priester, die den in großen Mengen der Isis und dem Osiris geopferten Vogel zu Ehren dieser Gottheiten mir der gehörigen Andacht verspeisten. Kein Wunder, daß wir imNillande schon in jenen alten Tagen einehohe (sitvenia verbo!) „Gänsekultur" antreffen, daß Heerden zahmer Gänse ge-
In der I. Wahlabtheilung:
Kaufmann Fritz Canthal,
Fabrikant Karl König, Kaufmann Heinrich O t t, Rentner Fritz B o l tz.
Außerdem ist im Laufe der Wahlzeit der Stadtverordnete Gastwirth Johann Dietrich Meyer ausgeschieden, für welchen ein Ersatzmann zu wählen ist.
Die Wahlen finden wie folgt statt:
Die Wähler der III. Wahlabtheilnng wählen am Montag den 13. November, Dienstag den 14. November und Mittwoch den 15. November d. Js., täglich von vormittags 10 Uhr bis mittags 1 Uhr und von nachmittags 4 bis 8 Uhr;
die Wähler der II. Wahlabtheilung wählen am Donnerstag den 16. November d. Js., von vormittags 10 Uhr bis mittags 1 Uhr;
die Wähler der I. Wahlabtheilung wählen am Donnerstag den 16. November d. Js., nachmittags von 4 bis 6 Uhr.
Die Wahlen finden im oberen Saale des Neustädter Rathhanses statt.
Zur I. Wahlabtheilung gehören die. in der Liste der Stimmberechtigten verzeichneten Wähler, welche an direkten Steuern (Staats- und Gemeindesteuern zusammen gerechnet) in der Stadt Hanau mehr als 1418 M.,
zur II. Wahlabtheilung diejenigen, welche mehr als 377 M. bis einschließlich 1418 M. und
zur III. Wahlabtheilung diejenigen, welche 377 M. oder weniger entrichten.
Die J. und II. Wahlabtheilung hat je 4 Stadtverordnete zu wählen; die Vorschrift im § 18 der Städte-Ordnung kommt für diese beiden Wahlabtheilungen nicht in Anwendung, da in jeder derselben noch mehr als die Hälfte der nicht ausschei- denden Stadtverordneten Hausbesitzer ist;
die III. Wahlabtheilung hat zur Ergänzung für die durch Ausloosung ausgeschiedenen Stadtverordneten 4 Stadtverordnete und zum Ersatz für den im Laufe der Wahlzeit ausgeschiedenen Stadtverordneten Meyer einen Stadtverordneten zu wählen, welch letzterer als solcher bei der Wahl besonders zu bezeichnen ist. In der III. Wahlabtheilung muß von den Gewählten mindestens ein Stadtverordneter Hausbesitzer sein
Wahlberechtigt und wählbar sind nur diejenigen Personen, welche in der Liste der Stimmberechtigten verzeichnet sind.
Hanau den 27. Oktober 1899.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus.
halten und die Kunst, den Vogel zu stopfen und am Spieße zu braten, fleißig und mit Verstand geübt wurde. Aber die Griechen und Römer sind in der theoretischen und — praktischen Schätzung der Gans kaum hinter den Egyptern zurückgeblieben. An den Höfen der hellenischen Fürsten wurden neben den Rindern, Ziegen und Schweinen auch die Gänse in großen Heerden gehalten, wie schon aus dem Traume zu ersehen ist, "den im 19. Gesänge der Odyssee Penelope erzählt. Nord-Griechenland hatte im Alterthum eine bedeutende Gänsezucht; aus Thessalieu und Böotien kamen viele Gänse zu Markte in das verwöhnte Athen, obwohl in Attika selbst eine große Menge Gänse gehalten wurde. Die Kunst, die Gänse zu stopfen und dadurch ihr Fett zu vermehren und ihre Lebern zu vergrößern, haben die Griechen und seit den ältesten Zeiten ihrer Landwirthschaft auch die in diesen Dingen stets sehr anschlägigen Römer geübt; und auf zahlreichen, römischen Villen gab es eigene Gänsemast-Gehege, deren Beschreibung der Wißbegierige beim Columella und Varro nachlesen kann. Unnütz zu sagen, daß die Römer sehr wohl wußten, was das Beste an der Gans sei. Ja, die Gänse- leber hat eine rühmliche und lange Geschichte hinter sich; sie galt in Athen wie in Rom als eine der größten Delikatessen; die Römer besonders wußten raffinirte Mittel, große Lebern zu erhalten, wandten zu diesem Zwecke eine Feigenmast an oder legten die L^bcr in eine Mischung von Milch und Honig. Auf dem Tische des römischen Gourmands bürste die Gänse- leber nicht fehlen, und der Bedarf an Gänsen war daher so bedeutend, daß in der Kaiserzeit ganze große Gänseheerden aus dem Lande der Mariner in Nord-Gallien bis in die Hauptstadt der Welt getrieben wurden. Schließlich waren die Gaumen so verwöhnt, daß sie von der Gans nur noch die Leber mochten, das Fleisch aber als plebejisch verschmähten, — was sich mit der Ansicht des „Almanae deS Gourmands" vom Jahre 1804 berührt, der die Gans etwas von oben herab als einen „gut bürgerlichen Braten bezeichnet.
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Muterhaltuugsblatt 16 ®<Uen
Aus dem Reichsetat für 1900.
Die Mittheilungen über den R e i ch s e t a t für 1900 werden fortgesetzt. Im Etat des Reichsamts des Innern werden 15 000 Mk. zur Betheiligung des Reiches an der internationalen Bibliographie der Naturwissenschaften gefordert.
Als zweite Rate zur Errichtung eines Standbildes für Kaiser Friedrich sind Mk. 200 000 angcsetzt, für die weitere Bearbeitung der Entwürfe ■ und Modelle und für die Herstellung des^Unterbaues. Die Gesammtkosten für das Denkmal sind auf 700 000M. veranschlagt, doch ist diese Veranschlagung keine endgültige, da für einzelne Theile des Denkmals die Entscheidung darüber, in welchem Material sie zur Ausführung gelangen sollen, noch aussteht.
Im Postetat werden für das Jahr 1900 erste Raten zu Postbauten gefordert: für Berlin (5 Gebäude), Bitterfeld, Dresden (Erweiterungsbau), Düsseldorf (am Hauptbahnhof), Essen, Frankfurt a. M. (Mk. 150 000), Freiburg i. B. (Mk. 100 000), Hagenau (Mk.90 000), Jena, Kiel, Königsberg i. Pr., Mannheim (Mk. 297 000), München-Gladbach, Barmen, Bremen, Bremerhaven, Breslau, Erfurt, Gleiwitz, Hameln, Magdeburg, Merane in Sachsen, Wandsbeck, Wiesbaden (132000), Wolgast. — Aus Anlaß der Einführung des Postcheckverkehrs (für das Wort „Check" ist seitens des Reichspostamts die neue Schreibart mit „Sch" eingeführt an Stelle der englischen Orthographie) ist für das Jahr 1900 bereits die Ausgabe auf Mk. 413 062 veranschlagt, so daß ein Zuschuß von Mk. 90 062 erforderlich ist.
Der Etat für das Schutzgebiet Kiautschou balancirt mit Mk. 9 993 250 und erfordert einen Reichszuschuß von Mark 9 780 000. Der Gouverneur, Chef der Civil- und Militärverwaltung und gleichzeitig oberster Befehlshaber der Besatzungstruppen erhält Mk. 42 000 Gehalt, 1 Civilkommissar und 1 Kommissar für chinesische Angelegenheiten je Mk. 18 000, 1 Oberrichter Mk. 12000.
Politische und unpolitische Nachvichte«.
Berlin, 10. Novbr. Auf ein an den Kaiser gerichtetes Glückwunsch-Telegramm der Hamburger Handelskammer aus Anlaß der Erwerbung der Samoa-Znseln erwiderte derselbe von Setzlingen aus, daß es ihm Genugthuung bereite, von so berufener Stelle aus für seine Thätigkeit zur Befestigung und Mehrung unseres Kolonialbesitzes Anerkennung zu finden. Das gewähre ihm die Zuversicht, daß auch in weiten Kreisen des Vaterlandes das glücklich errungene Ziel in seiner Bedeutung für die Wohlfahrt des Landes richtig erkannt werde.
Berlin, 10. Novbr. Die Einbringung der erweiterten Kanal-Vorlage im Abgeordnetenhause dürfte, wie die „Nat.-
Nun, dieser gut bürgerliche Braten hat die römischen Gourments und ihren aristokratischen Geschmack überlebt und bei Hoch und Niedrig dauernd die größten Freunde gefunden. Karl der Große ließ sie auf seinen Gütern bereits wieder in großen Schaaren pflegen, und im ganzen Mittelalter wurde der Gänsebraten gar hoch gehalten. In ihren Buden drehten die Gänsebrater (oyers) unablässig den Spieß, und die Straße in Paris, die sie inne hatten, hieß rue des ones (oies). Schon im 13. Jahrhundert ging man so weit, die Gänse gum Zwecke besserer Mästung zu blenden. Der Augsburger Bäcker Gundlinger, der im Jahre 1493 eine achttägige Hochzeit ausrichtete, besorgte für die Tafel nicht weniger als 106 Gänse. Königin Elisabeth saß, als ihr der Sieg über die spanische Armada gemeldet wurde, einer Ueberlieferung nach just beim leckeren Gänsebraten. Hier und da fällt auch ein schwaches Licht auf die ernste Frage der Zubereitung des Vogels in jenen alten Tagen. Der Weißenfelser Magistrat bewirthete den Bischof Bruno von Zeitz im Jahre 1303 u. A. mit „ein gebradten Ganz mit rothen Rüben". Einigermaßen barbarisch muthet es uns an, daß die Gänse mit Ingwer und Nägeln gespickt wurden (was sich besonders die Engländer zu schulden kommen ließen); vertrauter ist uns die Füllung mit Kastanien, von der uns M. Johannes Büttner, Pfarrer zu Effelder und Meschebach in Franken, in seinem bem 17. Jahrhundert ungehörigen Lobgedichte auf die Gans berichtet. Man sieht: es hat der Gans auch nicht an Poeten gefehlt, und Herr Büttner war nicht der Einzige. Vielmehr hat auch Frommannus zu Leipzig im Jahre 1683 ein Opus über den anser Martinianus erscheinen lassen, und Joh. Olorinus hat sogar die geschlachtete und gerupfte Gans im Lichte religiöser Symbolik dargestellt.
Ist es nun nicht betrübend, daß bei so hoher Werthschätzung der Gans boshafte Menschen es nicht haben unterlassen können, sie in einen schlechten Ruf zu bringen ?