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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 262.

Mittwoch den 8. November

1899

Amtliches.

^anöUrci^ ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Misst ßiitkvillMtnstttltrvtrMWUU.

Im Anschlüsse an die in Nr. 235 desHanauer An­zeiger" und in Rr. 64 derAmtlichen Beilage" ergangene Bekanntmachung über die rechtzeitige Aufnahme des Personen­standes, veranlasse ich die Herren Gemeindevorstände und Gutsvorsteher, das für die Voreinschätzung zur Einkommen­steuer erforderliche Material auf Grund der ihnen im Jahre 1894 zugegangenen Anleitung zur Ausfüllung der Staats­steuerliste und Staatssteuerrolle und des Personenverzeichnisses mit Gemeindesteuer-liste ungesäumt fertig zu stellen.

Das neue Formular zur Staatssteuerlifte hat gegen das Vorjahr keine Veränderung erfahren. Bei Ausfüllung der Liste ist das Hauptaugenmerk darauf zu richten, daß die für die Schätzung der verschiedenen Einkommensarten nothwendigen Unterlagen, wie die Gebäudesteuer-Nutzungswerthe, die Grund­steuer, der Viehstand, das Pachtgeld, die Gewerbesteuer, die Zahl der Gewerbegehilfen rc. eingetragen werden. Soweit es möglich ist, sind die Flächen der einzelnen Kulturarten (Gärten, Aecker, Wiesen, Holzungen u. s. w.) anzugeben. Unbestimmte und schwankende Einnahmen, sei es aus Grundvermögen, sei es aus Handel und Gewerbe (aus Tantiemen rc.) sind lediglich einheitlich im 3jährigen Durchschnitt festzustellen, oder zu schätzen und mit diesem Betrag in die Staatssteuerliste einzutragen. Bei Ausstellung der Vermögenskontrolen haben sich Mängel bei Angabe der Schuldverhältnisse der Steuer­pflichtigen gezeigt. Damit Nachfragen vermieden werden, wollen die Herren Gemeindevorstände und Gutsvorsteher gleich bei Aufstellung der neuen Staatssteuerliste darauf achten, daß in den Spalten 19, 20 und 21 die einzelnen Schuldbeträge, der Name und Wohnort des Gläubigers und der Zinsfuß angegeben werden. Diese Angaben sind auch in der Gemeindesteuerliste in Spalte 32Bemerkungen" bezüglich der in Spalte 23 unter » auf­geführten Schuldenzinsen zu machen. In die schraffirten Spalten 6b, 10, 13, 17, 192, 22, 33b, 34a u. b, 35, 36 u. 37 der Staatssteuerliste sind weder durch den Gemeinde- (Guts)-Vorstand noch durch die Voreinschätzungskommission Eintragungen zu bewirken.

Die Herren Gutsvorsteher und diejenigen Herren Bürger­meister, welche nicht den Vorsitz in der Voreinschätzungs­kommission führen, haben die Fertigstellung soweit zu be­treiben, daß die Einziehung und die gesetzlich vorgeschriebene Prüfung des Materials durch die Vorsitzenden der Vor-

einschätzungskommissionen vom 27. d. Mts. ab erfolgen kann. Einer Verlängerung dieses Termins kann nicht statt- gegeben werden, da anfangs Dezember die Vorein- schätzungskommissionen in Thätigkeit treten müssen.

Hanau den 6. November 1899.

Der Vorsitzende

der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.

L-St. 3829 I. V.:

Graf v. Unruh, Regierungs-Assessor.

Grmldstiicksvcrpachtung in Nicdcr- rodcnbach.

Die in der Gemarkung von Nieberrodenbach be- legenen Domanialgrundstücke, als:

Karte B Nr. 200 04 a 77 qm Wiese auf dem 201 = 1 ha 24 73 Land Hessen- 203 = 3 99 74 Land roth H 106 10 74 Land an der Erlenbuschwiese, 107 = 5 97 90 Wiese | die Erlen- 107a = 5 75 79 Wiese | buschwiese P 28 = 1 53 30 Wiese und Land in der alten Wiese zusammen 18 ha 66 a 97 qm sollen in den bisherigen 29 Pachtabtheilungen ander­weit vom 1. Januar 1900 ab auf zwölf Jahre öffent­lich meistbietend verpachtet werden.

Termin hierzu wird auf nächsten Samstag den 11. diefes Monats, vormittags 11 Uhr, in die H aup t'sche Gastwirthschaft in Niederrodenbach anberaumt.

Auf angemessene Gebote erfolgt der Pachtzuschlag ohne Abhaltung eines weiteren Termins.

Hanau, am 6. November 1899.

Der Königliche Domänenrath.

Bell. 17562

DienslnachliHtln aus dem Kreise

Gefunden: 1 Kette, 1 grüner Knabenfilzhut, 1 blaue Arbeitshose. Von der Post hier abgeliefert 1 Zehn-Pfennig- Marke. 1 breites, goldenes Armband, in der Mitte verziert. Verloren: 1 blaugestreifte Schürze und Taschentuch nebst 4 Mark, 1 Spazierstock mit silbernem Griff.

Zugelaufen: 1 weißer Foxterrier mit gelben Ab­zeichen w. Geschechts, 1 weißer Hund, 1 roth-weiße Katze.

Hanau, am 8. November 1899.

Die Miliz der Buren.

Aus den bisherigen, unerwartet großen Erfolgen der Buren über ihre Gegner nimmt die sozialdemokratische Presse wieder einmal Anlaß, die angebliche Ueberlegenheit der Miliz über die stehenden Heere zu preisen. Gegenüber dieser Ver­herrlichung an sich durchaus bedeutender Erfolge ist es ange­bracht, darauf hinzuweisen, daß der Charakter der Buren und die Art ihrer Lebensführung ihnen qualitativ eine Miliz bietet, wie sie keinem zweiten Volke der Erde zur Ver­fügung stehen würde, und daß die Bodenbeschaffenheit Transvaals den einheimischen Streitkräften ganz beispiellose Vortheile gewährt. Der Bur ist von Kindheit auf an die Benutzung von Pferd und Büchse gewöhnt, und aus den Er­fahrungen, die man seit Generationen in den Kämpfen und Scharmützeln mit den einheimischen Hottentotten-Stämmen sammelte, hat sich eine genaue Kenntniß und Uebung aller Regeln des Kleinkrieges innerhalb der Buren-Bevölkerung fortgeerbt. So ist die Burenmiliz auch ohne längere mili­tärische Vorbildung im Stande, kriegerisch mit Erfolg zu operiren.

Die an Strapazen aller Art gewöhnte Buren-Bevölkerung der Republick, die von vornherein Pferd und Waffe zu hand­haben weiß, der es sozusagen im Blut liegt, wie man im Kampf das Gelände als Deckung beim Vorstoß oder Rückzug auszunützen hat, die selbst ohne Befehl kommandirender Offiziere aus der Gewöhnung des täglichen Lebens die durch die örtliche Beschaffenheit erleichterten, ja durch sie erst er­möglichten einfachen Gesechts-Operationen ausführt, ist mit der Bevölkerung eines europäischen Staates, auch der des kriegstüchtigen Deutschland, einfach gar nicht zu vergleichen. Unser Volksheer, aus allen Ständen, aus städtischer und ländlicher Bevölkerung zusammengesetzt, bedarf einer ein­heitlichen, längeren militärischen Schulung, allein schon um die Widerstandsfähigkeit und Beweglichkeit zu erlangen, die dem Bur das tägliche Leben von Jugend auf verleiht, ganz abgesehen davon, daß bei dem Massenheere eines europäischen Großstaates das Jneinandcrgreifen der einzelnen Heeres­theile nur durch lange fortgesetzte Uebung zu erzielen ist.

Nicht außer Acht lassen darf man ferner, wenn man die an sich höchst anerkennenswerthen Erfolge der Buren den Engländern gegenüber richtig einschätzen will, auch den Um- ftanb nicht, daß das englische Landheer nicht auf der Höhe der englischen Marine steht. Außerdem verleiht den Buren auch ein sozusagen moralisches, hoch zu bewerchendes Uebcr- gewicht die Thatsache, daß sie für ihre Freiheit und den eigenen Herd kämpfen, während die englischen Truppen um Sold in den Kampf ziehen, um eine Politik mit den Waffen zu vertreten, hinter der das englische Volk

Feuilleton.

Die Fabel vom Welt-Untergang und die Sternschnuppen am 15. November 1899.

Professor Wilhelm Focrster, Direktor der Königlichen Stern­warte zu Berlin, schreibt imReichsanz.": Nachdem an dieser Stelle bereits früherhin Erläuterungen in Betreff der jetzt wieder lebhafter kurfirenden Fabel von dem um Mitte dieses Monats durch einen Kometen drohenden Welt-Untergange gegeben worden sind, kann ich mich heute auf folgende Mit­theilungen beschränken:

Der im Jahre 1866 erschienene Komet, der sich mit einer ungefähr 33jährigen Umlaufszeit in derselben Bahn bewegte, in welcher die in der Nacht vom 13. zum 14. November 1866 in unsere Atmosphäre eingedrungenen Meteorschaaren einher- gingen, ist bei seiner für die erste Hälfte des laufenden Jahres erwarteten Wiederkehr nich t wahrgenommen worden. Es ist somit nicht unwahrscheinlich, daß dieser Komet, vor dessen Be­gegnung mit der Erde man sich infolge der nahen Ueberein­stimmung seiner Bahn mit der Bahn jener Sternschnuppen gefürchtet hatte, einer weiteren Auflösung in Scharen kleinerer Meteorkörper in ähnlicher Weise verfallen ist, wie dies von °em sogenannten Biela'schen Kometen immer zweifelloser er= wiesen werden konnte.

. ^sanz abgesehen davon, daß selbst die Begegnung der Erde wtt einem Kometen, wie früherhin bereits erläutert worden ist, War recht gewaltige Feuer-Erscheinungen in den oberen ^fh'chten der Atmosphäre und das Herabkommen von zahl- wchcn zersprengten Meteormassen auf die Erdoberfläche, aber keinen sogenannten Weltuntergang verursachen könnte, ist

Werderschen Markt Schaaren von Menschen auf den Knieen gelegen hätten.

Viel bewegter sah es an manchen anderen Stellen aus, an denen während des Unglückstages die Kirchen von einer erwartungsvoll zitternden Menge nicht leer wurden.

Hoffentlich wird es jetzt gelingen, entsprechende Er­regungen zu verhüten und die Menschen wenigstens vor solchem Schaden zu bewahren, wie er jener Bauerngemeinde am harz drohte, die vor einiger Zeit bei der ersten sensa­tionellen Verkündigung der Vorgänge im November 1899 sich bei einem Astronomen genaue Nachricht erbat, damit sie noch rechtzeitig den aufgesparten Schulfondsnützlicher" ver­wenden könne.

Was schließlich die um Mitte November möglicherweise eintretenden Sternschnuppen-Erscheinungen betrifft, nämlich die Begegnung der Erde mit den in jener Kometenbahn wandeln­den Meteorschaaren, welche im Jahre 1866, 1833 u. s. w. glänzende Sternfchnuppen-Feuerwerke erzeugt hatten, so ist leider die Hoffnung auf eine reiche Erscheinung dieser Art immer geringer geworden. Diejenige Wandertruppe dieser kleinen Weltkörper, um deren Begegnung mit der Erde es sich diesmal handeln würde, ist in den legten Jahren auf ihrem Rückwege zur Sonnen- und Erd-Nähe dem Jupiter 'besonders nahe gekommen und hat durch die Anziehung des- I selben eine starke Veränderung ihrer Bahn erlitten, sodaß es sehr wohl möglich, sogar überwiegend wahrscheinlich ist, daß wir diesmal und überhaupt lange Zeit hindurch kein sehr reiches Phänomen dieser Art mehr sehen werden, wie es um Mitte November aus dem Sternbilde des Löwen, und zwar mit besonderer Fülle in Perioden von 33 Jahren, auszu- strahlen pflegte. Der größte Reichthum an solchen Leoniden- Meteoren würde diesmal eventuell in der Nacht vom 15. zum 16. November eintreten, und zwar würden die Stern- schmlppcn dieses Schwarmes bald nach 11 Uhr am östlichen

also speziell für die Mitte dieses Monats, wo die Erde die Bahn-Ebene jenes Kometen und der Meteorschaaren Don 1866 passiven wird, keinerlei Anhaltspunkt für eine Ankündigung der Begegnung mit dem Kometen selber mehr vorhanden.

Die gegenwärtige Weltuntergangsfabel ruft aber eine Er­innerung an ähnliche Vorgänge wieder wach, welche die Menschen im Juni 1857 mit ängstlicher Spannung erfüllten. Es war da ein Komet entdeckt worden, dessen Bewegung am Himmel derartig verlief, daß die astronomischen Fachblättcr für den 13. Juni 1857 die größte Annäherung an die Erde vorausberechnen konnten, wobei jedoch der kleinste Abstand von der Erde noch viele, viele Millionen Kilometer betrug und somit gar keine besondere Bedeutung für die Erde haben konnte. Dieser Angabe des Zeitpunkts der größten Erdnähe eines Kometen hatten aber damals belgische Zeitungen die sensationelle Wendung gegeben, daß der Komet überhaupt außerordentlich nahe an die Erde herankommen werde, und die nächste Stufe der Weitererzählung hatte sich natürlich zu der Ansage eines Weltunterganges ausgebildet. Auch Berlin beschäftigte sich damals, trotz aller Einsprüche der Fachmänner, sehr lebhaft mit dieser Angelegenheit. Es hatte sich das Gerücht ver­breitet, daß der Uebelthäter bereits in dem großen Fernrohr der Berliner Sternwarte gegen Eintrittsgeld zu sehen sei, und Schaaren mm Leuten kamen damals vergeblich mit gesteigerten Anerbietungen von Eintrittsgeld (über dessen Verwendung an-1 gesichts des bevorstehenden Weltunterganges die Meinungen auseinandergingen) zu uns, um den schreckenverkündenden Anblick schon genießen zu können.

Am Nachmittage dieses 13. Juni ereignete sich aber in Berlin wirklich eine Katastrophe. Der bekannte Kunstfeuer­werker Dobermont ging mit feinem ganzen Laboratorium unter ungeheurem Donnergetöse in die Luft, und viele Leute auf den Straßen und Plätzen glaubten, daß es nun mit dem Weltuntergänge losgehe. Man erzählte sogar, daß auf dem