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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit delletristisäier Beilage
Nr. 254.
Montag den 30. Oktober
1899
Amtliches. xLcrrtöKvois sattem.
Belanntwachnngen des Königlichen Landrathsamtes.
Es ist hier die Wahrnehmung gemacht, daß das bau- lustige Publikum die Anträge auf Bauerlaubniß im Frühjahr unmittelbar vor Beginn der Bauausführung der Polizeibehörde einzureichen pflegt. In dieser Zeit laufen hier die Baugesuche so massenhaft ein, daß eine Verzögerung der ‘ Prüfung pp. der Gesuche nicht vermieden werden kann. Es liegt daher im eigensten Interesse des Publikums, die Bauanträge schon im Laufe des Winters einzureichen. Nur so können Unannehmlichkeiten, welche für das bauende Publikum durch verspätete Einreichung der Baugesuche entstehen, wie auch die den Behörden durch das fortwährende Nachfragen und ' Drängen des Publikums mitunter zu Theil werdenden Belästigungen vermieden werden.
Hanau ben 18. Oktober 1899.
Der Königliche Landrath.
V 10601 v. Schenck.
Ticnstoachrichtcn aus dem Kreise
Gefunden: 1 Weihnachtssparkassenbuch für Wilh. Ruf.
Verloren am 28. d. Mts.: 1 Portemonnaie mit | 7 Mark Inhalt.
Zugelaufen: 1 kleiner schwarzer Dachshund mit braunen Abzeichen, m. Geschl.; Empfangnahme bei Hauptmann Eschborn zu Pulverfabrik.
Pom W a s c n m e i st e r am 28. d. Mts. eingefangen:
1 weißgelber Spitz m. Geschl.
Hanau am 30. Oktober 1899.
Das Flottengesetz und sein weiterer Ausbau
Nach der Hamburger Rede unseres Kaisers war es jedem urteilsfähigen Deutschen klar, daß der kräftige Schutz und die unentbehrliche Stärkung unserer Seestreitkräfte ein dringendes Erforderniß der Gegenwart ist. Das deutsche Volk weiß, daß sein Kaiser in politischer Voraussicht und in der richtigen Erkenntniß des für die Machtstellung des Reiches Nothwendigen nicht hinter seinen Ahnen zurückbleibt, die oft in schwerer Zeit unter dem heftigen Widerstände großer Volkskreise das, was für die Größe und Macht des Vater- - landes nothwendig war, bereitet haben. Die Zeiten sind ähnlich wie damals, als König Wilhelm die Reorganisation des Heeres gegen den Willen der öffentlichen Meinung und ; des Parlaments durchsetzte, im Bewußtsein seiner Verantwortung für des Vaterlandes Größe und Wehrhaftigkeit.
Fvmllvton.
I Dcr Wkltuntcrgmg.
Durch eine Reihe von Blättern läuft wieder einmal die Nachricht von dem nahe bevorstehenden Untergänge der Welt. Schon am 13. November b. I. soll die Zerstörung der Erde und alles Irdischen vor sich gehen. Derartige Prophezeiungen erscheinen in allen Jahrhunderten mit einer gewissen Regelmäßigkeit und haben bei der großen Volksmenge immer wieder | eine Verbreitung und Beachtung gefunden, die zu ihrer wiffen- schaftlichen Bedeutung und zu der Nichtigkeit der Voraussetzungen, auf denen'sie aufgebaut sind, in keinem Verhältniß stehen. Ofe S^ ^2
Auch die diesmalige Voraussage des schreckenvollen Ereignisses steht auf schwachen Füßen und beruht auf einer Unkenntniß der maßgebenden Verhältnisse und auf einer falschen Auffassung im Uebrigen ganz richtiger Aeußerungen von Fachgelehrten. Das Verhängniß soll diesmal von dem StcrnschnUppcn-Schwarme der Leoniden ausgehen, der angeblich am 13. November mit der Erde zusammenprallen wird, wobei die Erde mit ihren Bewohnern, aber gleichzeitig "uch der Schwärm zu Grund? gehen würde, Die Möglich- # «it eines derartigen Zusammentreffens konnte früher nicht gc- f leugnet werden.
; Unter dem Namen der Leoniden begreift man den ersten der beiden großen Sternschnuppen-Sjröme des Novembers, der sich durch eine starke Vermehrung ht der Häufigkeit der lieberfaUcabcn, Meteore vom 13. bis 15. des Monats | bemerkbar macht. Im Gegensatze zu den LaurentinS-Thränen. ' vo» 8. bis 12. August und zu den Andromediden vom 23. November bieten die Leoniden nicht in jedem Jahre die gleiche glanzvolle Erscheinung; nur alle 33*/» Jahre treten
Er wollte das Schwert schärfen, welches hernach so gute Dienste geleistet hat; aber Parlamentsredner und Kritiker sielen ihm in die Arme, indem sie Preußen ben Großmachtskitzel austreiben wollten. Später haben sie ihr Unrecht erkannt. Heute handelt es sich nicht um Preußen, heute handelt es sich um das Reich, u m die W e l t m a ch t st e l l u n g Deutschlands und um die Sicherung des Einflusses, den d a s d e uts ch e R c i ch haben muß, wenn es nicht in eine Winkelstellung gebracht und zurückgchen soll.
Wieviel Fehler und Versäumnisse sind auf dem Gebiete der deutschen Flottenausrüstung gemacht worden! Statt der Ausfallsflotte, mit der man sich viele Jahre glaubte begnügen zu können, haben wir jetzt den Anfang einer S ch l a ch t f l o t t e, aber sie ist u i ch t st a r k genug. Nach dem Flottengesetz zerfällt die Marine in zwei Theile: in die heimische Schlachtflotte und die AuSlands- schiffe, erstere für den europäischen Krieg, letztere für die Vertretung unserer überseeischen Interessen an Ort und Stelle. Auf beide Gebiete erstreckt sich die Verstärkung der Marine, welche nach des Kaisers Willen und durch des deutschen Volkes Opfer schon jetzt in Aussicht genommen werden soll.
Das Ziel für die Vermehrung der Schlachtflotte er- giebt sich aus dem organisatorischen Aufbau derselben. Es m u ß , nach dem Urtheil unserer o b e r st e n Marine-Behörde, den: vorhandenenDoppel- geschwader, bestehend aus dem er sten und zweiten Geschwader, a l l m ä h l i ch ein zweites Doppelgeschwader, bestehend aus dem dritten und vierten Geschwader, hinzugefügt werden. Um möglichst schnell zu einer militärischen Leistung zu kommen, und um obiges Ziel finanziell durchführbar zu machen, wird zunächst nur der Bau des dritten Geschwaders, bestehend aus zehn Linienschiffen nebst Zubehör an Kreuzern und Torpedobooten in Aussicht genommen und als viertes Geschwader das vorhandene Küsten-Panzerschiffs-Geschwader verwandt werden. Erst wenn die Küsten-Panzerschiffe nach Maßgabe des Flotten-Gesetzes in den Jahren 1912—1917 ersatzpflichtig werden, würde der Ersatz durch vollwerthige Linienschiffe zu erfolgen haben. Nach dem Flotten-Gesetz werden in den ersten drei Jahren (1898—1900) neun große Schiffe auf Stapel gesetzt, für die letzten drei Jahre des Flottengesetzes können statt neun große Schiffe nur zwei bis drei auf Stapel gesetzt werden. Ist der Bau eines dritten Ge
sie ganz besonders zahlreich auf, dann aber auch in so gewaltiger und überraschender Fülle, daß nach den Berichten der Augenzeugen der Himmel thatsächlich in ein Feuermeer verwandelt zu sein scheint, aus dem ein unerschöpflicher Funken- regen niedersprüht.
Auf Grund der Beobachtungen vom Jahre 1866 hatte Schiaparelli in Mailand die Bahn des Leoniden-Schwarmes berechnet. In dem gleichen Jahre hatte Tempel einen Kometen aufgefunden, dessen Bahn-Elemente eine so vollständige Uebereinstimmung mit den Bahn-Elementen der Leoniden zeigten, daß an einer Zusammengehörigkeit der Kometen mit den Meteoren kaum gezweifelt werden kann. Wahrscheinlich hat der Komet sich yt irgend einer Zeit einmal getheilt, ein Vorgang, der schon mehrmals in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts beobachtet worden ist. Der eine Theil hat den Zusammenhang bewahrt und läuft daher noch als Komet im Weltall umher. Bei dem andern Theile ist der Zerfall weiter vor sich gegangen, so daß er sich ganz in einen Sternschnuppen-Schwarm aufgelöst hat. Der Fortgang dieses Zersetzungs-Prozesses pflegt im Allgemeinen so zu erfolgen, daß die Meteore sich längs ihrer Bahn nach und nach ausbreiten, so daß also ein vollständiger Sternschnuppen- Ring entsteht.
Wenn nun die Bahn der Meteore und die Erdbahn sich in einem Punkte schneiden, so muß jedesmal, wenn die Erde bei ihrem Laufe um die Sonne durch diesen Schnittpunkt geht und hierbei den Ring durchquert, ein Sternschnuppenfall stutt- finben und sich jährlich wiederholen, da die Erde ein Jahr braucht, um zu demselben Ort.in ihrer Bahn zurückzukthren. Bei den Leonsdesi ist die Auflockerung der Kometenmasie noch nicht so sveit vorgeschritten. Zwar sind die Meteore hinter dem Kometen bereits so. weit zurückgeblieben, daß er die Schnittstelle mit der Erdbahn um 10 Monate früher berührt, wie die Meteore; aber diese bilden noch eine festgeschlossene
schwaders nothwendig, so darf er nicht auf die Zeit verschoben werden, in welcher das^Flottengesetz planmäßig durchgeführt ist. Eine sachgemäße Erwägung läßt es als richtig erscheinen, daß nach dem Jahre 1900 das bisherige Bautempo beibehalten wird und jährlich auf Stapel gesetzt werden drei große Schiffe (Linienschiffe oder große Kreuzer), drei kleine Schiffe (kleine Kreuzer, Kanonenboote oder Spezial-Schiffe) und eine Torpedoboots-Division.
Ein derartiges Bauprogramm erscheint sehr wohl ohne neue Steuern durchführbar. Die jährliche Schiffsbau-Quote würde nur von durchschnittlich 60 auf durchschnittlich 85 Millionen steigen, die jährlichen sonstigen einmaligen Ausgaben von 9 auf 12 Millionen Mark. Für die Steigerung der fortdauernden Ausgaben würde die bisherige Steigerung von jährlich 5 Millionen bei dem allmählichen Ausbau der Marine nur in den ersten Jahren voll in Anspruch genommen werden. Sobald das dritte Geschwader beschafft ist und es sich zur Bildung des vierten Geschwaders nur um Ersatz der Siegfried-Klasse handelt, wird eine erhebliche geringere Steigerung ausreichen. Bei der Steigerung der einmaligen Ausgaben würde nach Maßgabe der bisherigen Grundsätze ein sehr erheblicher Theil durch Anleihe geedckt werden.
In den anderthalb Jahren, wo das Flottengesetz besteht, hat die Welt, wie unser Kaiser sagt, ihr Antlitz verändert. Alte Weltreiche sind gesunken und neue -sind im Entstehen begriffen. Nationen sind plötzlich im Gesichtskreis der Völker erschienen und in ihren Wettbewerb mit eingetreten, von denen kurz zuvor der Laie noch wenig bemerkt hat. Anderseits sind die Aufgaben für unser deutsches Reich und Volk in mächtigem Umfange gewachsen und erheischen für den Kaiser und seine Regierung ungewöhnliche und schwere Anstrengungen, die nur dann von Erfolg gekrönt sein können, wenn einheitlich und fest die Deutschen zu ihrem Kaiser stehen. Es ist die Bahn der nationalen Wohlfahrt und des Schutzes der nationalen Interessen, welche der Kaiser sein Volk führt. Wir haben einen guten Führer, folgen wir ihm auf diesem Wege mit dem Rufe: Es lebe die deutsche Flotte! Jeder Deutsche freue sich ihrer Vermehrung, die mit der Stärkung der deutschen Machtstellung untrennbar verbunden ist!
Politische und unpolitische Nachrichten.
<De peschen - Bur e an .Her »Id ).
Berlin, 29. Oktbr. Zu dem gestrigen Artikel der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" zur F l o t t e n f r a g e wird dem „Lokal-Anzeiger" von sonst gut unterrichteter Seite geschrieben, daß es sich dabei um eine programmatische Kund-
Masse, und da ihre Umlaufszeit wie die des Kometen 33'/s Jahre beträgt, trifft sie die Erde auch nur alle 331/, Jahre in ihrer Bahn an, während in der Zwischenzeit nur vereinzelte zurückgebliebene Nachzügler von ihr ergriffen und fest- gehalten werden.
In dieser engen Zusammengedrängtheit der Körperchen könnte allerdings wohl eine Gefahr für die Erde erwachsen. Die Erde berührt den Schnittpunkt der beiderseitigen Bahnen am 13. November; der Durchgang der Leoniden durch den gleichen Punkt wechselt in den Tagen. Sollten aber einmal zufälliger Weise Erde und Me'teorschwarm zu gleicher Zeit am gleichen Orte aukommen, so wäre ein Zusammenstoß unvermeidlich. Von welchen Folgen ein solches Ereigniß für die Erde sein würde, darüber kann man nur ganz unbestimmte Vermuthungen aussprechen. Die Kometenmaterie ist so außerordentlich fein, so dünn, daß man durch den Schweif selbst schwächere Sterne hindurchschimmern sieht, ohne daß ein Lichtverlust bemerkt wird, und vielleicht hat jener Gelehrte nicht ganz unrecht, der behauptete, man könne einen ganzen Kometenschweif in eine Wallnußschale pressen. Daß die Begegn:::^; der Erde mit einem Schweife ftr sie ohne Schaden verlaufen wird, ergiebt sich von selbst. In der That ist sie schon mehrmals, zuletzt im Jahre 1873, durch einen Kometenschweif hindurchgegangen, ohne daß sie davon beeinflußt worden wäre.
Anders vielleicht würde sich ihr Schicksal gestalten, wenn sie mit dem Kopfe eines Kometen zusammengeriethe. Wie dicht in diesem die Materie.zusammengehäuft ist, darüber fehlt uns jede Beurtheilung. Wahrscheinlich ist aber auch das' Ge- fiige des Kernes viel zu locker, als daß'dieser uns verhängniß- ,oll werden könnte. Ein solcher Schluß rechtfertigt sich aus dem Umstände, daß selbst die Anziehung eines Kometen auf aydere Himmelskörper bisher wenigstens nicht hat nachge- wiesen werden können.