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Nr. 249.

Dienstag den 24. Oktober

1899

Amtliches. jSanöftreis ^)<xnau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Unter dem Rindviehbestand des Crisostomus Bergmann in Großkrotzenburg ist die Maul- und Klauenseuche erloschen; die Gehöftssperre ist aufgehoben wordeu.

Hanau den 23. Oktober 1899.

Der Königliche Landrath.

V 10910 von Schenck.

^taöt^rew ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

In der Zeit vom L15. November 1899 findet die Erhebung der Steuern und des Schulgeldes pro III. Quartal statt.

Da der Andrang zu den Kasten in ge­nanntem Zeitabschnitt sehr stark ist, so werden diejenigen Steuerzahler, denen an einer schnelleren Abfertigung gelegen ist, darauf auf­merksam gemacht, daß schon vor Beginn des Hebetermins Zahlungen in den anf dem Steuer­zettel Seite 3 ersichtlich gemachten Kastenstunden entgegen genommen werden.

Die städtische Steuerkaste befindet sich Markt 16, Zimmer 6 u. 7 zu ebener Erde.

Hanau den 21. Oktober 1899. 16652

^>taötftaf]l'e.

Tilllkxachrilbkil aus dem Streife.

Gesunden: 1 Brille, 1 kleine Scheere, 1 kleiner Kinderschuh.

Verloren: Am 23. d. Mts. 220,69 Mk. in einem kleinen grauen Beutel, 1 schwarze seidene Schürze, 1 goldener Kneifer mit Etuis mit der Aufschrift Stockmar.

Hanau am 24. Oktober 1899.

T M g e s f ch a u.

Zur Verhütung von Seuchengefahren.

Bei Berathung des Gesetzentwurfs über die Stellung des Kreisarztes im Abgeordnetenhause ist neben anderen Resolutionen auch der Beschluß gefaßt worden, die Staats­regierung aufzufordern, auf den möglichst baldigen Erlaß eines Reichs-Seuchen-Gefetzes hinzuwirken und sofern dieses Ziel nicht ohne Verzug zu erreichen sei, möglichst bald mit einem preußischen Roth-Seuchen-Gesetze vorzugehen. Dieser Beschluß ist nahezu einstimmig gefaßt worden. Er beruht

e£euiMon.

1. Shmphoniclovzcrt der Jnfantcric-Kapcllc.

Hanau, 24. Oktober.

Unter dem gerade jetzt vielleicht mehr denn je siegreichen Zeichen Beethoven'schen Geistes leitete Herr Kapellmeister C. Schmidt mit der Ouvertüre zuEgmont" gestern Abend im Stadttheater die Reihe der in Aussicht genommenen dieswinterlichen Symphonie-Konzerte in würdigster Weise ein. Die Hauptnummer des Abends war die dann folgende SymphonieLändliche Hochzeit" von C. Goldmark. Ueber die Bedeutung dieses Werkes gehen die Meinungen auseinander, so viel steht aber fest, daß es seinen musika­lischen Werth besitzt und mit Reichthum der Phantasie einen wenn auch theilweise eigenthümlichen, immerhin aber fertigen und sicheren Ausdruck verbindet. Der erste Satz bedeutet der Ueberschrift nach denHochzeitsmarsch". Der zweite Satz Brautlied" ist eine knappe Komposition in der Form der dreitheiligen Arie, namentlich der Hauptsatz hat reizende Stellen. Der dritte Satz,Serenade", hält die kunstvollere Form der Sonate ein. Der langsame Satz der Symphonie führt den TitelIm Garten". Die Einleitung dieser Scene und der mit ihr identische Ausgang wird mit Recht als der schönste Theil der ganzen Symphonie angesehen. Der Schluß­satz heißtTanz". Sein Hauptthema, zunächst in der Form der Fuge ausgeführt, bringt kecke und volksthümliche Elemente in die Komposition hinein. Es hieße nur blumenreiche Phrasen schreiben, die mehr der Länge des Referats als dessen Inhalt zu Gute kämen, wollten wir mit vielen Worten weiter auf die einzelnen Sätze eingehen. So bleibt also nur mit hoher Genugthuung zu konstatiren, daß die Ausführung dieses instrumentalen Gemäldes eine in Bezug auf Auffassung und

auf der Ueberzeugung, daß die bestehende Gesetzgebung, namentlich in Preußen, völlig veraltet ist und nicht entfernt die nöthigen Mittel zur wirksamen Bekämpfung der Seuchen- gefahr bietet. Von Seiten des Herrn Ministers der Medizinal-Angelegenheiten ist sowohl in der Kommission als im Plenum das Bedürfniß zu einem gesetzgeberischen Vor­gehen der bezeichneten Art nicht nur anerkannt, sondern als durchaus dringend bezeichnet und es ist die Absicht kund­gegeben worden, für den Fall, daß der Widerstand gegen den Erlaß eines Reichs-Seuchen-Gesetzes sich als unüberwindlich erweise, in Preußen die Klinke der Gesetzgebung zum Erlasse eines Noth-Seuchen-Geseyes zu ergreifen. Die immer drohender werdende Pestgefahr läßt die Lösung der hier in Rede stehenden gesetzgeberischen Aufgabe noch ungleich dringender erscheinen, als dies in der letzten Tagung des Landtags bereits der Fall war, und man wird daher in der Annahme nicht fehlgehen, daß schon in der nächsten parla­mentarischen Kampagne, sei es auf dem einen oder anderen Wege der Versuch unternommen werden wird, wirksame Vorschriften zur Verhütung von Seuchen-Gefahren und zur Bekämpfung von Epidemien zu erreichen.

Die zur Bekämpfung der Pestgefahr in Indien seitens der dortigen Regierung ergriffenen Maßregeln sind nicht ganz von dem erhofften Erfolge gekrönt worden. Weder ist man der Seuche Herr geworden, noch ist Aussicht vor­handen, ihrer bis zu einem absehbaren Zeitpunkte Herr zu werden. Von den Blättern wird die Verwaltung mit der Schuld für diesen Mißerfolg belastet, weil sie sich, wie es scheint, nicht entschließen konnte, den ärztlichen Fachautoritäten das entscheidende Gewicht bei Feststellung des sanitären Feld­zugsplanes zuzuerkennen. Statt dessen betraute man Mili- tärs oder Zivilbeamte mit der schwierigen Aufgabe, das Land gegen die Pest in Vertheidigungszustand zu setzen, obwohl diesen, in ihrer eigenen Zuständigkeitssphäre vollkommen heimischen Personen, jede Qualifikation sanitütspolizeilicher oder volkshygienischer Natur abging. Maßgebend für die Wahl des zur Bekämpfung der Pestgefahr eingeschlagenen administrativen Weges war augenscheinlich die Voraussicht, daß eine radikale Aktion gegen die Seuche sehr tief ein­schneidende Eingriffe zivil- wie öffentlich-rechtlicher Natur nothweudig machen würde, als da sind obligatorische Desin- ffzirung ganzer Straßen und selbst Ortschaften, Niederreißung unheilbar verpesteter Quartiere, u. s. w. Alan nahm An- stand, ärztliche Autoritäten mit denjenigen außerordentlichen administrativen Vollmachten auszustatten, welche benöthigt waren, um das gesteckte Ziel zu erreichen, sondern begnügte sich, den Aerzten nur einen subalternen Einfluß in den Pest­kommissionen zu gewähren, wodurch die ganze Aktion den Charakter einer halben Maßregel erhielt und in der That

orchestrale Ausgestaltung im großen Ganzen vortreffliche war, sodaß der dem Dirigenten gezollte Dank nur als wohlverdient anerkannt werden muß. Die Solistin des Abends, die Harfen-Virtuosin Frl. Engel aus Darmstadt hat sich bereits früher hier glänzend eingeführt und spielte diesmal Konzert- Phantasie von I. Thomas und ,.La danse des Sylves von F. Godefroid. Die Wiedergabe beider Nummern ließ die virtuose Technik der Künstlerin erkennen, sodaß reicher Beifall folgte, für den durch Einreihung einer Zugabe quittirt wurde. Den Beschluß des Konzerts bildete Hubav's Un= garische PhantasiePusztenstimmung" aus der OperDer Dorflump", bearbeitet von R. Müller-Berghaus, in der gleich­falls die vorgenannte Harfenvirtuosin Frl. Engel mitwirkte. Auch dieses Werk gelaugte zu befriedigender Wiedergabe, so­daß das erste Symphoniekonzert in dieser Saison den wohl- thuendsten Eindruck hinterließ.

Dem Dirigenten wie der Kapelle, überhaupt den gesamm- ten Mitwirkenden, worunter wir auch Herrn H. A p p u n n bemerkten, gebührt uneingeschränkte Anerkennung für den ge­botenen hohen Kunstgenuß, möge jedoch auch das Unternehmen durch vermehrten Besuch verdiente Unterstützung finden^

Die Tcgcrnscc'r.

EDic Tegernsee'r haben überall in Nord und Süd, in Ost und West, an der Spree, am Rhein und au der Donau, ja sogar in Amerika, am Hudson in New-Aork, bis in den tiefsten Westen am Missisippi in St. Louis und im höchsten Norden am Michigan-See, in Milwauke und Chicago die größten Triumphe gefeiert und werden gewiß auch in Zukunft mit reichen, künstlerischen Ehren nach anftrengenber gewissen­hafter Pflichterfüllung zu den vielen alten Freunden auch viele tausend neue gewinnen.

auch nur mittelmäßige Erfolge zeitigte. Neuerdings hat man den gemachten Fehler eingesehen und angefangen, ihn zu verbessern. Immerhin wird eine gewisse Frist vergehen müssen, ehe eine Besserung der Situation bemerkbar ist.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depeschen - Bur c au .Her old )

Berlin, 23. Okt. In einem Artikel zur Flottenfrage schreibt dieNorddeutsche Mg. Ztg.": Wie wir von zuver­lässiger Seite erfahren, ist der Marine-Etat für das Rech­nungsjahr 1900 abgeschlossen und hält sich im Rahmen des Flottengesetzes. Für das Etatsjahr 1900 ist eine Novelle zum Flottengesetz nicht in Aussicht genommen. Es ist wohl selbstverständlich, daß das Flottengesetz jetzt lediglich den Zweck hat, ein Minimum an Wehrkraft gesetzlich sicher zu stellen, nicht aber ein Maximum. In der Budget-Kommission sind diese Gesichtspunkte seiner Zeit eingehend erörtert worden. Man kann mit Sicherheit annehmen, daß die verbündeten Regierungen innerhalb des Sextenats eine Verstärkung der Flotte über den jetzigen gesetzlichen Sollbestand hinaus nur dann vom Reichstage fordern werden, wenn sie dafür schwer­wiegende Gründe haben. Tritt dieser Fall ein, so sollte man die Gründe ernster prüfen, sollte es aber in einer so hoch­wichtigen Angelegenheit vermeiden, Gründe, ehe man sie kennt, damit abzuthun, daß man behauptet, die Regierungen seien überhaupt nicht berechtigt, weitere Forderungen zu stellen. Der Zweck derartiger Agitationen ist zu durchsichtig. Wir glauben aber nicht, daß die verbündeten Regierungen sich dadurch ab­halten lassen werden, das zu thun, was sie im Interesse des Vaterlandes für erforderlich halten.

Berlin, 23. Oktbr. Dem Bundesrath ist ein im Reichsamt des Innern ausgearbeileter Gesetzentwurf zuge­gangen betreffend die Patentanwälte. In demselben ist auch die Einführung eines Befähigungs-Nachweises für diejenigen Personen vorgesehen, welche die Eintragung in die Liste der Patentanwälte, nachsuchen.

Berlin, 23. Oktbr. Die nun hier eingetroffene Mel­dung des Gouverneurs von Kamerun lautet, daß ihm über das Schicksal der Queis'schen Expedition nichts bekannt sei, daß er aber auf alle Fälle Hilfe nachsenden werde.

Berlin, 23. Oktbr. Eine vom Central-Komitee der deutschen Vereine vom Rothen Kreuz zusammengestellte Ab­ordnung von Aerzten und Krankenpflege-Personal wird sich im November in Neapel nach dem südafrikanischen Kriegs­schauplatze einschiffen.

Berlin, 23. Oktbr. Wegen der zur Zeit in Venezuela und Haiti herrschenden Unruhen werden die deutschen Schul­schiffeMoltke",Stosch" undNixe", welche auf einer Kreuztour nach Westindien begriffen sind, den Schutz der dort

Gar manche sorgenvolle Stunden und geschäftliche Un­annehmlichkeiten blieben den Mitgliedern nicht erspart, aber nachdem sie mit ruhmreichem Erfolg aus Amerika zurück- kehrten, haben dieselben in dem jetzigen Unternehmer, ^emt Hof- und Verlagsbuchhändler und Hauptmann a. D., Louis Köhler, Inhaber des Rubinverlags München, einen Mann gefunden," der nicht nur für das künstlerische, sondern auch für das geschäftliche Interesse der Tegernsee'r in gleicher Weise besorgt ist. ^um artistischen Leiter des Unternehmens hat Aerr .Hauptmann L. Köhler den dramatischen Schriftsteller, Herrn Richard Man; vom kgl. Theater am Gärtnerplatz, der Urftätte des oberbayerisckcn Volksstückes sich gewühlt, als einen erprobten Fachmann, dessen eifrigstes Streben dahin ge­richtet ist, das Ensemble zur höchsten künstlerischen Vollendung zu bringen; und daß es ihm gelingen wird, diese Absicht zu erreichen, dafür bürgen bereits die großen Erfolge, welche die Tegernsee'r schon in Deutschland und Amerika errungen haben, wo ihnen die nöthige Fürsorgen. Leitung wenig zu theil wurde.

Als höchste Auszeichnung wurde den Tegernsee'r» die große Ehre zu theil, vor dem kunstsinnigen Kaiser Wilhelm II. Proben ihrer Künstlerschaft abzulegen und hatte Se. Majestät der Kaiser einen solchen Gefallen an den Darbietungen der Tegernsee'r gefunben, daß er sie sogar einlub, dem Reichs­tagsschluß im weißen Saale beizuwohnen. Dieser Erfolg würde in Nord-Amerika, wo das Publikum in Bezug auf Theater sehr verwöhnt ist, noch weiter gesteigert. DieTegern- see'r kamen, die Spuren der kaum überstandenen Reise noch auf allen Gesichtern, traten auf und errangen sich derartig die Gunst des Publikunrs im Sturm, daß das Gastspiel der Tegernsee'r sich förmlich zu einem Triumphe gestaltete und Abend für Abend diese Naturspieler vor total ausverkauften Häusern gastirten.

Was ist nun eigentlich die Ursache ihres immensen Er­folges ? Einfach die Natürlichkeit Schlichtheit und Wahrhaftig-