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Amtliches Grgun für 6fa?I~ und Lanölieeis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit deUetrislisner Beilage
Nr. 248.
$<mitafl den 23. Oktober
1899
Amtliches.
^artöftrets ^attau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Die Nidderbrücke zwischen Niederdorfelden und Rendel ist wegen Erneuerung des Bohlenbelags für den Verkehr von Donnerstag den 26. bis einfchl. Samstag den 28. d. Mts. gesperrt.
Hanau den 20. Oktober 1899.
Der Königliche Landrath.
V 10890 von Schenck.
^taötÄrcw ^ctnau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeistcramtes.
In der Zeit vom 1.—15. November 1899 stndet die Erhebung der Steuern und des Schulgeldes pro III. Quartal statt.
Da der Andrang zu den Kasten in genanntem Zeitabschnitt sehr stark ist, so werden diejenigen Steuerzahler, denen an einer schnelleren Abfertigung gelegen ist, darauf aufmerksam gemacht, daß schon vor Beginn des Hebetermins Zahlungen in den anf dem Steuerzettel Seite 3 ersichtlich gemachten Kastenstunden entgegen genommen werden.
Die städtische Steuerkaste befindet sich Markt 16, Zimmer 6 u. 7 zn ebener Erde.
Hanau den 21. Oktober 1899. 16652
5>taötMaf|se.
LilMtraHliÄMi m dem Kreise.
Gefunden: 1 Paar weiße Damenhandschuhe und ein grünes Band, 1 blauer Damengürtel.
Verloren: 1 Pferdemaulkorb, 1 schwarzer Arbeits- sammetbeutel, 1 gesticktes Söckchen mit 260,69 M. Inhalt. Vom Wasenmeister am 23. d. Mts. eingefangen: 1 weißer Spitz mit schwarzen und rothen Abzeichen, 1 schwarzer Rattenpinscher und 1 schwarzer Rattenpinscher mit weißer Brust, sämmtlich m. Geschl., 1 junger weißer Spitz mit schwarzen Abzeichen.
Hanau am 23. Oktober 1899.
Zum Geburtstage der Kaiserin.
22. Oktober.
Die Kaiserin Auguste Viktoria feierte gestern den Eintritt in ein neues Lebensjahr. Als sie das letzte Mal diesen Tag beging, weilte sie fern von der Heimath an den Gestaden des
Bosporus, auf der Pilgerfahrt nach dem gelobten Lande. Ihr Herzens-Bedürfniß hatte sie getrieben, an der Seite ihres kaiserlichen Gemahls die Beschwerden der Reise auf sich zu nehmen, um an geweihter Stätte Gott für den Segen zu danken, der sie so sichtbar auf allen ihren Wegen begleitet hatte. Auch in diesem Jahre hat Gott seine schützende Hand über unsere Kaiserin gehalten. Von der Verletzung des Fußes, die sich die hohe Frau durch einen Unfall in Berchtes- gaden zugezogen hatte, ist sie völlig wiederhergestellt.
Die Eindrücke, welche die Kaiserin hier gesammelt hat, ließen sie umso schmerzlicher das schwere Unglück mitempfinden, das wenige Wochen nach ihrem Scheiden aus dem bayerischen Hochland durch Hochwaffer über die dortige Bevölkerung gekommen war. In hochherziger Weise gab sie die Anregung zu einer umfangreichen Hülfsthätigkeit und förderte selber thatkräftig das Liebeswerk durch eine ansehnliche Spende. Es ist hier wiederum zu Tage getreten, daß unsere Kaiserin als Landesmutter immer in der ersten Reihe steht, wenn es gilt, Wunden zu heilen und das Loos der Mühseligen und Beladenen zu lindern.
Dabei kann die Gemahlin des Kaisers den Ruhmestitel für sich in Anspruch nehmen, daß sie eine deutsche Frau und Mutter im wahrsten Sinne des Wortes ist. Sie hat niemals versucht, die verschlungenen Pfade der Politik zu kreuzen, und ihre Aufgabe stets nur darin erblickt, dem Kaiser eine verständnißvolle, sorgende Gefährtin^ ihren Kindern eine liebevolle Mutter zu sein. Der Glanz des Thrones hat nicht zu hindern vermocht, daß die kleinen und großen Sorgen der Häuslichkeit von der hohen Frau selbst getragen werden. Ihre Lebensuhr regelt sich genau nach den Gewohnheiten des Kaisers; wenn dieser in früher Morgenstunde sein Tagewerk beginnt, so ist die Kaiserin an seiner Seite.
Die Erziehung der Kinder wird von der Kaiserin bis in die kleinsten Einzelheiten geregelt. In Plön, wo zur Zeit die drei ältern Prinzen weilen, sind von ihr alle nur möglichen Fälle vorgesehen, die im Leben des Kindes eine Rolle spielen, und Anordnungen hierfür getroffen worden. Aber wie hängen diese Kinder an ihrer Mutter! Bezeichnend für das Verhältniß zwischen. Mutter und Kind ist die Antwort, welche Prinz Eitel Friedrich vor wenigen Jahren dem Religionslehrer gab, der ihm erklärte, daß alle Menschen Sünder seien: „Das glaube ich nicht, meine Mama ist doch keine Sünderin!" Und als der Geistliche dem Prinzen sagte, der Apostel Paulus habe es doch ausgesprochen, antwortete der Prinz: „Ja, der hat meine Mama nicht gekannt!"
Jeder erborgte Schein liegt dem schlichten Sinn der Kaiserin fern. In der Unterhaltung findet sie den Personen aller Stände gegenüber stets das rechte Wort; weit entfernt ist I sie davon, ihre Ansicht als ein abschließendes Urtheil über den
Kleines Feuilleton.
Aus Kunst und Leben.
_ — Stadttheater in Hanau. Das Publikum hat gestern Sonntag dem wohlbekannten Lustspiel „Donna Diana", das dem spanischen Dichter Moretc y Cavanna sein künstlerisches Dasein verdankt, eine recht herzliche Aufnahme bereitet. Die deutsche Bühne verdankt diese werthvolle Bereicherung seiner draniatischen Litteratur der Bearbeitung Schreyvogels (West) der das liebliche und gefällige Versgebäude spanischer Komödienkunst den Deutschen mundgerecht machte. Heiter und gefällig im Aufbau führt uns die Handlung unter den sonnigen Himmel Spaniens an den Hof des souveränen Grafen Don Diego von Barcelona, dessen stolze spröde Tochter, „Donna Diana", jeden Freier durch ihre Kälte zurück- schreckt, bis es dem Prinzen „Don Cesar" mit Hilfe des schlauen „Perins" gelingt, ihren Stolz zu überwinden und ihre Kälte in auflodcrnde Liebe zu verwandeln. Ein listiges keckes Liebesgeplänkel oon prickelndem Reiz, über das ein Hauch echter Poesie und Duft gebreitet, dazu die Farbeupracht der Mittelalterlichen Kostüme und das reizvolle Versgewand wohltönender Worte erzeugen einen Stimmungsgehalt, der, wird er durch gute Jnszenirung unterstützt, von nachhaltiger Wirkung ist. Mit liebevoller Sorgfalt hatte sich unser Direktor I a r i tz der Wiedergabe des graziösen Lustspiels ange- nommen und mit feinem Verständniß für den lachenden fröhlichen Humor der Dichtung unb deren farbenfrohe bewegte Bilder den poetischen Zauber dem Ganzen bewahrt. War die schon mit künstlerischem Feingefühl auf den graziösen Gehalt des luftigen Spieles eingegangen, so kann Direktor Jaritz auch als Darsteller des „Perm" mit ganz besonderer Auszeichnung genannt werden. Sein liebenswürdiger Humor
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in der Wiedergabe des listigen Vertrauten der Prinzessin, seine lebendige temperamentvolle Darstellung und vor allem seine leichte gefällige Behandlung der Verse, die ihn nirgends wie so manchen der übrigen Darsteller über Sinn und Reim stolpern ließ, machten seine Leistung zu einer recht interessanten. Von den übrigen Darstellern war es Frl. Brandow als „Donna Diana", die durch fein nuancirtes Spiel, durch echtes marines Empfinden, durch südliche Leidenschaft, sowie auch durch die Farbenpracht ihres Kostümreichthums der Rolle zur fesselnden Wiedergabe verhalf. Nicht so ganz befriedigt waren wir von dem „Don Cesar" des Herrn Schwarz, neben den genannten der zunächst wichtigsten Rolle des Stückes. Mehr Temperament im Spiel und flottere Behandlung der Reime hätten dem sympatischen Darsteller stärkeren Erfolg gebracht. Mit gefälliger Anmuth entledigten sich die Damen Wolfs und M u ck ihrer Aufgabe die „Donna Laura" und „Donna Fenisa" darzustellen und auch Herr Krön und Herr Schmith als „Don Luis" und „Don Gaston" brachten ihre kleinen Parthien zu gebührender Geltung. Eine recht reizende „Florette" war Frl. Schumann und Herr Metz ein repräsen- tabler „Graf von Barcelona".
Ein Kunstwerk zur Pariser Weltausstellung. In der Thouwaarenfabrik von Karl Roth in Baden- Baden ist soeben eine größere Arbeit für die Pariser Weltausstellung zu besichtigen. Diese Arbeit, eine Kanzel, von dem berühmten Altmeister der Hochgothik, Herrn Baudirektor M. Meckel in Freiburg, entworfen, ist in allen Theilen fein gegliedert und harmonisch aufgebaut. Der Kanzelfuß entwickelt sich aus zwei durchdrungenen Achtecken und geht in einen runden Säulenschaft mit 1,10 Durchmesser über. Das Kap'täl dieser starken Säule bildet reichgegliederteS Maßwerk mit weitauskragenden Eselsrücken, dessen Sammenläufe eine fein durchbrochene Kreuzblume ziert. Die Kanzelbütte besteht aus fünf Feldern. Die Treppe schmiegt sich im Halbkreis
Gegenstand zu geben. Und so wird denn Jedermann durch ihre natürliche Herzensgüte bezaubert.
Der Kaiser hat einmal bei einem Trinkspruch auf die Kaiserin gesprochen von dem „Edelstein, der an seiner Seite glänzt". Ein schönes Wort, das auch der kühlste Beurtheiler ohne Weiteres übernehmen darf! Am Geburtstage der Kaiserin werden sicher Tausende von treuen Unterthanen den Wunsch hegen, daß das häusliche Glück im kaiserlichen Hause nie gestört werden und die hohe Frau, die es geschaffen, Seiner Majestät dem Kaiser und den kaiserlichen Kindern zum Heile des Vaterlandes in blühender Gesundheit erhalten bleiben möge. —
Die deutsche Schlachtflotte.
Durch den am 18. Oktober in Hamburg erfolgten Stapellauf des Linienschiffs „Kaiser Karl der Große" hat die deutsche Schlachtflotte einen nennenswertsten Zuwachs erhalten. Es muß allerdings berücksichtigt werden, daß das Schiff beim Stapellauf bei Weitem nicht vollendet ist; von seinem auf rund 11100 Tonnen berechneten Gewicht ist bisher erst etwa ein Drittel in dem vom Stapel gelassenen Koloß enthalten, sodaß dem Gewicht nach noch volle zwei Trittheile des Schiffes auszubauen- sind. Der Laie nimmt gewöhnlich an, daß beim Stapellaus ein Kriegsschiff schon verwendungsbereit der Marineleitung zur Verfügung stehe; wie die angegebenen Zahlen erkennen lassen, ist dies bei Weitem nicht der Fall. Erst wenn der ganze Bau des Schiffes vollendet ist und wenn die Probefahrten i gemacht sind, kann das Schiff der Flotte zum Dienst ein- verleibt werden.
Die deutsche Schlachtflotte setzt sich zur Zeit aus den 4 Linienschiffen der Brandenburgsklasse („Kurfürst Friedrich Wilhelm", „Brandenburg", „Weißenburg" und „Wörth") zusammen, die ein Geschwader von etwas über 10 000 Tonnen schweren Schiffen bilden; ferner aus den Linienschiffen der Kaiser Friedrichsklasse, von welchen erst „Kaiser Wilhelm II." und „Kaiser Friedrich III." vollendet sind und zu denen als nach demselben Muster gebaute gleichartige Schiffe der am 1. Juni in Kiel vom Stapel gelassene Panzer „Kaiser Wilhelm der Große" und der nun seinem Element übergebene Panzer „Kaiser Karl der Große" treten. Außerdem wird die Zahl der Linienschiffe der deutschen Schlachtflotte ausge- füllt durch die als Linienschiffe geführten Panzerschiffe der Cachscnklasse („Baden", „Bayern", „Sachsen" und „Württemberg"), welche kürzlich zwar möglichst erneuert, im Grunde genommen aber doch nur Küsten-Panzerschiffe sind. Als solche wurden sie vor rund 26 Jahren im Flottengründungs- plan gefordert und bewilligt. Zu den Linienschiffen wird auch das Panzerschiff „Oldenburg" gerechnet, ein von den "an" die Kanzel an. Um die Tragfähigkeit dieser Treppe, die wie die Kanzel ganz aus Thon gefertigt und gebrannt wird, zu erreichen, hat Herr Baudirektor Meckel die Treppe ganz massiv angelegt, jedoch mit aufstrebenden auskragenden Rippen versehen, zwischen welchen drei übereinanderspringende Dreibaßbogen angebracht sind, sodaß diese große Masse doch eine leichte und zierliche Wirkung hat. Die Treppentritte sind nach außen durch reiche Gliederung markirt, aus welcher sich ein reicher Figurenschmuck erhöht. Am Anfang der Treppe ist eine Thüre mit reicher Umrahmung angebracht. Auf der andern Seite flankirt ein mit reichem Maßwerk verzierter Strebefeiler die Kanzel. Soweit konnten wir das Werk aus den Modellen und vorhandenen Detailzeichnungen besichtigen; der Schalldeckel soll gegenwärtig gezeichnet werden. Der Name Meckel garantirt schon für die großartige Anlage des Werkes und wird der gute Erfolg in Paris nicht ausbleiben. Zu den Schildereien hat Herr Karl Roth es verstanden, einen der be deutendsten Bildhauer ix der Gothik zu finden. Bildhauer Jak. Busch aus Groß-Steinheim, ein geborener Hanauer, arbeitet gegenwärtig an den bildlichen Darstellungen. Das ganze Leben Jesu ist hier geschildert. Busch beginut mit dem Propheten Jsaias, einer ernsten, groß angelegten Gestalt, neben diesem in zwei Feldern des Strebepfeilers die Verkündigung. An diese Darstellung schließt sich auf dem Säulenschaft Maria Heimsuchung, eine schöne Erscheinung. Die Gestalt der Maria ist fein gezeichnet, so daß der Gedanke: „Hoch preiset meine Seele den Herrn!" großartig zum Ausdruck kommt. Die Geburt Jesu schließt sich harmonisch an. Im Hintergründe ist die Verkündigung der Hirten angebracht, neben diesem Bild ein Tempel, in welchem die Aufopferung zur Darstellung gebracht ist. Die Flucht nach Egypten fesselt durch ihre Originalität ganz besonders den Beschauer. Das letzte Bild auf dem Säulenschaft ist der 12jährige Jesus im Tempel. Hier ist die großartige