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für Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ die 4ge)'paltene Garmondzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
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Amtliches Grgnn für Stadt- und LanöKreis Hansu.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
Nr. 246.
Freitag den 20. Oktober
1899
Amtliches.
SletölKvers Äanau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Kellerverpachlung.
Die Keller unter dem Altstädter Rathhause werden
Samstag den 21. Oktober cr., vormittags 11 Uhr, im Lokal der Stadtkämmerei, Neustädter Rathhaus Zimmer Nr. 10, öffentlich meistbietend auf die Jahre 1900 einschl. 1902 verpachtet, und werden Pachtliebhaber zu diesem Termine hiermit eingeladen.
Zuschlag bleibt vorbehalten.
Hanau den 17. Oktober 1899.
Der Stadtkämmerer.
Scherzberg. 16430
HandelekamAcr Hanau.
Gemäß § 16 des Gesetzes über die Handelskammern vom 24. Februar 1870 /19. August 1897 sind für die Handelskammer vor Schluß des Kalenderjahres Ergänzungs- wahlen für die folgenden, in der Plenarsitzung der Handelskammer am 18. September d. Js. ausgeloosten Mitglieder vorzunehmen:
Herr F. Canthal i. Fa. M. Canthal Wwe. zu Hanau.
„ Dr. W. Heraeus i. Fa. W. C. Heracus zu Hanau.
„ Heinr. O t t i. Fa. Gebrüder Ott zu Hanau.
„ E. Z i m m e r m a n n i. Fa. E. G. Zimmermann zu Hanau.
„ G. M e l e s i. Fa. Mclcs u. Co. zu Gelnhausen.
„ R. Berta i. Fa. A. Berta Sohn zu Fulda.
„ H. F a l k e i. Fa. Herm. Falke zu Fulda.
„ I. M. Walter i. Fa. I. M. Walter zu Schlüchtern.
„ Direktor O. H e n t s ch e l i. Fa. Zuckerfabrik, G. m. b. H. in Hünfeld.
Außerdem^ ist in Fulda eine Ersatzwahl für Herrn W. M e h l e r i. Fa. Valentin Mehler vorzunehmen, welcher sein Amt niedergelegt hat.
Zur Vorbereitung dieser Wahlen ist gemäß §11 des bezeichneten Gesetzes für jeden Wahlbezirk eine Liste der Wahlberechtigten aufgestellt worden, welche eine Woche lang öffentlich auszulegen ist. Diese Auslegung findet in der Woche von^23.—28. b. Mts. statt, und zwar für den Wahlbezirk Stadt- und Landkreis Hanau in dem Sekretariate der Handelskammer (Hanauer Stadtschloß, Marienstraße 2),
Feuilleton.
Das Jahrhundert der flüssigen Luft.
Ein technisches Zukunftsbild von Bruno Bellman«.
(Nachdruck verboten.)
Eine der allerwichtigsten Errungenschaften — man wäre wirklich versucht zu behaupten, die allerwichtigste —, welcher sich die Wissenschaft am Ende dieses Jahrhunderts, rühmen darf, ist die, d^rch Kompression und Kälte hervorgebrachte Verflüssigung der atmosphärischen Luft.
Die^ praktisch werthvollsten Eigenschaften der flüssigen Luft sind: Ihre ganz enorme Kühlfähigkeit, ihre unbegrenzte Treib- kraft ihre unter Umständen furchtbare Explosionsgewalt, ihre geruchlose und außerordentlich bequem zu verwendende Des- mfeklionsfähigkeit, ihre billige Herstellung im Großen und ^B^ vkchaltnißmätzig einfache und sichere Handhabung.
Flüssige Luft entwickelt eine Kälte von — sagen wir — runb 300 Grad Celsius. Die Entwickelung dieser Kälte liegt aber in unserer Hand, wie die Entwickelung der Hitze etwa Backofen, d. h. wir können sie vollkommen reguliren in threr Wirkung auf die Umgebung. Es ist technisch möglich und m der Union auch schon praktisch erwiesen, daß man die durch die Verdunstung der flüssigen Luft hervorgebrachte Kalte mittelst geeigneter Apparate steigern und herabmindern kann je nach Bedarf. Man hat nur ein größeres oder geringeres Ouansilm in größerer oder geringerer Zeit zur Ver- fluchtung zu bringen. Je geringer das verbrauchte Quantum langsamer die Verflüchtigung desselben bewerk- wird, um so länger wird eine bestimmte Menge flüssiger Luft vorhalten. Die Konkurrenz der als Kühlmittel verwandten flüssigen Luft mit dem zu gleichem ^weck gebrauchten Erst wird sich ganz selbstredend zu einem glorreichen
für die Wahlbezirke Kreis Gelnhausen, Kreis Schlüchtern, Kreis Fulda und Kreis Hünfeld auf den betreffenden Königlichen Landrathsämtern.
Einwendungen gegen die Listen sind innerhalb einer Woche nach beendeter Auslegung, d. i. bis spätestens zum 4. November d. Js., bei uns anzubringen.
Hanau den 18. Oktober 1899.
Die Handelskammer, gez. Canthal.
16500 Der Sekretär: gez. Steiler.
LimstnaHttHten aus oem Kreise.
Vom W äsen meist er am 19. d. Mts. eingefangen: 1 weißer Foxterrier mit schwarzen und rothen Abzeichen. 1 rother Rattenpinscher mit schwarzer Schnauze und vier weißen Pfoten, beide m. Geschl.
Hanau am 20. Oktober 1899.
Die Kaiserrede in Hamburg.
Wer sich der Orgien erinnert, welche wohl fast zu jeder Zeit der Parteigeist in Deutschland gefeiert hat, wer mit patriotischem Schmerze gewahren mußte, wie zur vollsten Freude des gemeinsamen, auf die Gelegenheit zur Führung eines schweren Schlages lauernden inneren Feindes die staats- erhaltenden Elemente ihre Kräfte in gegenseitiger Bekämpfung und in einer Kritik erschöpften, welche oft vor den Lebens- interesfen unserer Nation nicht Halt machte, wird-in dem Hamburger Kaise r - T ri n k s pruch eine von vielen vaterländisch gesinnten Kreisen unseres Volkes als wahrhaft erlösendes Wort empfundene Kundgebung erblicken. Schon Fürst Bismarck har des Oefteren darüber geklagt, daß der alte deutsche Erbfehler inneren Haders sich anstatt des mit der Wiedererrichtung des Reiches glücklich beseitigten Streites der Stämme in dem Gezänke der Fraktionen eine neue Lebensform geschaffen habe, während Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft das deutsche Volk doch darauf hinwiesen, sich in voller Einheit das Vaterlandsbewußtsein als Leitstern voran- leuchten zu lassen. Aber noch nie ist die historische Schwäche der Neigung zur Parteiung und zu nörgelnder Kritik so schwer empfunden worden wie jetzt, wo es gilt, nach außen Deutschland die ihm gebührende Weltmachtstellung zu sichern und im Innern die kulturfeindlichen Elemente' zu überwinden, welche die Grundlagen unseres nationalen und monarchischen Staatswesen zu unterwühlen trachten.
Eine Nation, welche die deutsche, in einer Zeit ungewöhnlich starken Wellenschlages der Weltpolitik so gewaltige Aufgaben zu lösen berufen ist, wird ihre geschichtliche Aufgabe nur dann erfüllen können, wenn in patriotischer Hingebung
Siege der ersteren gestalten. Das Eis wird als Kühlmittel von der Bildfläche verschwinden.
Wem diese Behauptung zu stark erscheint, der überlege ein wenig: Eis entwickelt im Thauen eine Kälte von 0 Grad; (wir sehen von exzeptionell angewandten, daher für's praktische Leben im Ganzen unwichtigen Kältemischungen, die an sich wieder völlig unregulirbar in ihrer Wirkung sind, ab!) flüssige Luft kann jeden erforderlichen Grad von Kälte ent- wickeln! Eis, wenn thauend, wird zu lästigem Thauwasser; flüssige Luft — zu einer gesunden Atmosphäre! Eis nimmt einen verhältnißmäßig großen Raum ein; flüssige Luft einen verschwindend kleinen! Eis wiegt schwer; flüssige Luft ist im Verhältniß dazu federleicht! Die Handhabung des Eises ist unbequem; die der flüssigen Luft reinlich und" angenehm, u. s. w. — Und nun ihre praktische Verwendung als Kühlmittel ! Die Eiswagen auf Eisenbahnen erhalten einen kleinen Apparat mit flüssiger Luft, statt eines großen Quantums von Eisblöcken, und vermögen das todte Gewicht des Eises durch das sich bezahlende Frachtgewicht zu ersetzen. Die dicken doppelten Wände fallen fort. Jeder halbwegs dicht schließende Frachtwaggon kann in einen Kühlwaggon (Refrigerator) im Nu verwandelt werden! Das würde auch die Frachtsätze für zu kühlende Fracht auf ein Minimum herabbringen oder doch ganz erheblich verbilligen. Zwei Flaschen flüssige Luft würden für eine Hin- und Rückftacht per Waggon genügen!
Im Haushalte, wie bequem wäre die Kühlfähigkeit der flüssigen Lust zu verwenden. Ein kleiner, sauberer Apparat in irgend einen beliebigen, halbwegs dicht verschließbaren Behälter gestellt, regulirt, würde aus diesem Behälter einen Eis- schrank erster Güte machen! Und das Produkt ber abgegebenen Kälte würde nicht übelriechendes Thauwasser, sondern eine bazillenfreie Luft sein, die ihrerseits wieder erhaltend wirkt. Butter, Milch, Fleisch, Fruchtsäfte und sonstige Nah- ruugsmittel würden nicht nur kühl, sondern auch absolut ftisch
und unter Verzicht auf Sonderinteressen und Sonderbestre- bungen alle Kräfte in den Dienst des großen Werkes gestellt werden. Mit Recht wird in der Hamburger Kaiserrede bie, Nothwendigkeit betont, Opfer für die großen Ziele einer kaiserlichen, kraftvollen dcutschnationalen Politik zu bringen. Vor allem aber gilt es, auf dem Altare des Vaterlandes jenes überreich wuchernde Rankenwerk von Partejbestrebungen zu opfern, durch welche unser Volk der Zerrissenheit und der Ohnmacht zu verfallen Gefahr läuft. Hier ist der Punkt, an welchem wirkliche Vaterlandsliebe ansetzen muß. Einst, als es galt, das Vaterland von der Fremdherrschaft zu befreien, hieß es: Der König rief, und Alle, alle kamen. Heute, da es gilt, dem Reiche seine Stellung unter den Mächten der Erde und den inneren Frieden gegen sozialrevolutionäre Bestrebungen zu sichern, ruft unser Kaiser von der hohen Warte des Herrschers alle Vaterlandsfreunde aus, der Parteisucht und nörgelnden Kritik Valet zu sagen und fest und geschlossen zu stehen hinter ihm, der sein Volk führt zur, Größe, zur Macht und zum Frieden nach Außen und Innen. Von dem Patriotismus des deutschenVolkes dürfen wir erwarten, daß, wenn in Zukunft des jetzigen' historischen Moments gedacht wird, man wird sagen können: Der Kaiser rief, und Alle, Alle kamen.
Tagesschau.
Die Jubelfeier der Charlottenburger Hochschule.
Charlottenburg. 19. Oktbr. Heute Vormittag 10 Uhr fand vor der technischen Hochschule die Enthüllung der Denkmäler von Werner v. Siemens und Alfred Krupp statt. Um den Festplatz standen Chargirte der Charlottenburger Hochschule, die Abgesandten von 23 deutschen Hochschulen. Es nahmen an der Feier Theil: die Minister Studt, Posadowsky, Thielen, Kontreadmiral Sack, Ministerialrath Althoff, die Rektoren im Ornate, der Lehrkörper der Hochschule, die Bürgermeister Kirschner und Schustehrus, Vertreter großer industrieller Institute und Vereine. Der Vorsitzende des Vereins Deutscher Ingenieure, Baurath B i s s i n g e r - Nürnberg, übergab namens des Vereins der Hochschule das Siemens-Denkmal, worauf die Hülle siel. Als Vertreter des Vereins Deutscher Eisenhütten- leute und der Nordwestgruppe des Vereins der deutschen Eisen- und Stahlindustriellen widmete Kommerzienrath Ser - v a e s - Ruhrort der Hochschule das Denkmal Krupps. Der Rektor der Hochschule übernahm die Stiftungen mit Dankesworten. Die Feier wurde mit Chorvorträgen eröffnet und geschlossen. — Der Festakt in der technischen Hochschule anläßlich deren Hundertjahrfeier verlief in Gegenwart des Kaisers und der Kaiserin, der fünf ältesten
erhalten werden! Wünschte man ein Glas Eisthee, man hätte nur ein Tröpfchen flüssiger Luft in das Gefäß fallen zu lassen, um dadurch ein Klümpchen reinsten kühlenden Eises im Getränk hervorzubringen, wodurch dasselbe gekühlt würde! Welche Perspektive für Kalteschalen, Limonaden u. s. w.! So würde man Gefrorenes herstellen, indem man ein Tröpfchen flüssiger Luft in die Mischung selbst träufelt und schnell um- rührt! Wie einfach und — sauber! Ein Tröpfchen flüssiger Luft in ganz feinem Strahl auf eine Flasche Wein, Bier oder Champagner geleitet, würde das Getränk prompt kühlen! Kein Kühler, kein Eis, kein Thauwasser, welches das Tischtuch benetzt und vielleicht verunreinigt! In der Mitte der Tafel ein Gefäß mit’ flüssiger Luft (etwa in Form eines silberplattirten Samovar, nur bedeutend kleiner!) Krähnchen daran und der — „Kühler" wäre fertig! Was vorbeiläuft ist Luft, die ihrerseits wieder die Atmosphäre des Lokals reinigt! Will man ein ganzes Zimmer kühlen, so tröpfle man ein paar Theelöffel flüssiger Luft auf den Fußboden; ein Nebel entsteht, verfliegt, die Luft im Zimmer ist kühl und — rein! Keine Nässe, keine Flecken! Nur kühle und reine Lust!
Welch eine Perspektive der flüssigen Luft als bloßes Kühlmittel! Wer denkt sie aus? — Der geneigte Leser vcr- such's einmal!
Gehen wir über zu der unbegrenzten Treibkraft der flüssigen Luft. Sie ist praktisch wie theoretisch unbegrenzt, viel unbegrenzter wie die Dampfkraft und Elektrizität! Wir sind so kühn zu behaupten, daß auch das Explosionsnnttel der Zukunft — flüssige Luft sein wird!
In der Union sind gegenwärtig Flüssige Luft-Motoren in Konstruktion, welche bei einem Eigengewicht von 25 Kilo — sage und schreibe! — einhundert Pferdekräfte entwickeln! Was will die stärkste Dampfmaschine, der riesigste Dynamo dagegen sagen? Eine Dampfmaschine wiegt/ sagen wir