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Amtliches Organ für Htsöl- unS LanöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristisäer Beilage
Nr. 245.
Hierzu
„Amtticke Betlaac" Nr. 66
Amtliches, ^taöt^rcio ^anau.
Bekanutmachungen des ObeibürgermeisteraNtes.
Kcüerverpachtung.
Die Keller unter dem Altstädter Rathhause werden Samstag den 21. Oktober er., vormittags 11 Uhr, im Lokal der Stadtkämmerei, Neustädter Rathhaus Zimmer Nr. 10, öffentlich meistbietend auf die Jahre 1900 einschl. 1902 verpachtet, und werden Pachtliebhaber zu diesem Termine hiermit eingeladen.
Zuschlag bleibt vorbehalten.
Hanau den 17. Oktober 1899.
Der Stadtkämmerer.
Scherzberg. 16430
TirnstnaLliÄtcn aus Dem Kreise.
Verloren: 1 Ledertasche mit 3 Büchern.
Gefunden: 1 kleiner Katechismus mit dem Namen Wilhelm Nicklas.
Vom W a s e n m e i st e r am 19. d. Mts. eingefangen:
1 weißer Foxterrier mit röthlichen Abzeichen, m. Geschl.
Hanau am 19. Oktober 1899.
Ein Trinkspruch des Kais«rs.
Hamburg, >8. Oktbr. Bei dem zu Ehen des Kaisers von der Freien Stadt Hamburg im Rathhause gegebenen Festmahle brächte der Kaiser folgenden Trinkspruch aus:
„Es gereicht mir zur besonderen Freude, an dem heutigen historischen Gedenktage wieder in Ihrer Mitte weilen zu können. Ich fühle mich gleichsam erfrischt und neugestärkt, so oft ich von den Wogen des frischsprudelnden Lebens einer Hansastadt umspült werde. Es ist ein feierlicher Akt, dem wir soeben beigewohnt haben, als wir ein neues Stück schwimmender Wehrkraft des Paterlandes seinem Elemente übergeben konnten. Ein Jeder, der ihn mitgemacht, wird wohl von dem Gedanken durchdrungen gewesen sein, daß das stolze Schiff bald seinem Berufe übergeben werden könne. Wir bedürfen seiner dringend und bitter noth ist uns eine starke deutsche Flotte. Sein Name („Kaiser Karl der Grcße") erinnert uns an die erste glanzvolle Zeit des alten Reiches und seines mächtigen Schirmherrn und auch
Feuilleton.
Natal.
Von Kurt von Walfeld.
(Nachdruck verboten.)
Schon die alten Römer hatten Zeiten, man denke nur an Hannibal, wo die Frage bei ihnen aktuell war : „Quid novi ex Afnka ?" Durch den neuen Konflikt zwischen den Buren und Engländern fragt heute wieder die ganze Welt: „Was gibt es Neues aus Afrika?"
Die Buren haben ihren Staat Transvaal verlassen und sind in das benachbarte englische Gebiet Natal eingedrungen. Natal ist eine britische Kolonie an der Ostküste von Südafrika mit gemäßigtem, gesunden Klima. Die Größe dieses Gebietes beträgt etwa tausend Quadratmeilen mit kaum 600 000 Ein- wohnern, von denen mehr all die Hälfte Zulukaffcrn sind. Diese Koffern haben naturgemäß ihre ursprüngliche Wildheit verloren und sind mehr und minder von der Kultur beleckt. Sie wohnen meist in bequemen Steinhäusern. Die bei ihren wilden Stammesgenossen noch üblichen bienenkorb- f ö r m i g e n Stroh- oder Holzhütten kennen sie nicht mehr. Da, wo sich Holzbauten finden, sind sie geräumig und bequem eingerichtet. Die Wände bestehen dann aus soliden Brettern und das ganze Haus ruht auf Pfählen, mehrere Fuß hoch über dem Erdboden, um der Luft von allen Seiten Zugang zu gestatten. Die ganze Bodenstäche unter solch' einem Holzgebäude ist modern c e m e n t i r L Um diesen festen Grund herum ist in der Regel ein kleiner Kanal gezogen, etwa eine Spanne breit und eine Spanne tief. Dieser cemeütirtc kleine Kanal wird möglichst mit Wasser gefüllt erhalten, um sich gegen die zahlreichen unangenehmen und schädlichen Insekten zu schützen. Da, wo solch ein schützender
Donnerstag den 19. Oktober
in jene Zeit fällt der allererste Anfang Hamburgs, wenn auch nur als Ausgangspunkt für die Missionsthätigkeit im Dienste des gewaltigen Kaisers. Jetzt ist unser Vaterland durch Kaiser Wilhelm den Großen neu geeint und im Begriff, sich nach außen hin herrlich zu entfalten. Und gerade hier inmitten dieses mächtigen Handelsemporiums empfindet man die Fülle und Spannkraft, welche das deutsche Volk durch seine Geschlossenheit seinen Unternehmungen zu verleihen imstande ist. Aber auch hier weiß man es am höchsten zu schätzen, wie nothwendig ein kräftiger Schutz und die unentbehrliche Stärkung unserer Seestreitkräfte für unsere auswärtigen Interessen sind. Doch langsam nur greift das Gefühl hierfür im deutschen Vaterlande Platz, das leider noch zu sehr seine Kräfte in fruchtlosen Partei- ungen verzehrt. Mit tiefer Besorgniß habe ich beobachten müssen, wie langsame Fortschritte das Interesse und politische Verständniß für große weltbewegende Fragen unter den Deutschen gemacht hat. Blicken wir um uns her, wie hat seit einigen Jahren die Welt ihr Antlitz verändert! Alte Weltreiche vergehen und neue sind im Entstehen begriffen Nationen sind plötzlich im Gesichtskreis der Völker erschienen und treten in ihren Wettbewerb mit ein, von denen kurz zuvor der Laie noch wenig bemerkt hatte. Ereignisse, welche umwälzend wirken auf dem Gebiete des nationalökonomischen Lebens der Völker und die in alten Zeiten Jahrhunderte zum Reifen brauchten, vollziehen sich in wenigen Monden. Dadurch sind die Aufgaben für Unser Deutsches Reich und sein Volk in mächtigen: Umfange gewachsen und erheischen für mich und meine Regierung ungewöhnliche und schwere Anstrengungen, die nur dann von Erfolg gekrönt sein können, wenn einheitlich und fest, den Parteiungen entsagend, die Deutschen hinter uns stehen. Es muß dazu aber unser Volk sich entschließen, Opfer zu bringen ; vor allem muß es ablegen, das Höchste in immer schärfer sich ausprägenden Parteirichtungen zu suchen. Es muß aufhören, die Partei über das Wohl des Ganzen zu stellen. Es muß seine alten Erbfehler eindämmen, alles zum Gegenstände ungezügelter Kritik zu machen und es muß vor den Grenzen Halt machen, die ihm seine eigensten, vitalsten Interessen ziehen, denn gerade diese alten politischen Sünden rächen sich jetzt schwer an unseren Seeinteressen und unserer Flotte. Wäre ihre Verstärkung mir in den ersten 8 Jahren meiner Regierung trotz inständigen Bittens und Warnens nicht beharrlich verweigert worden, wobei sogar Hohn und Spott mir nicht erspart geblieben sind, wie anders würden wir dann unseren blühenden Handel und unsere überseeischen Interessen fördern können! Doch meine Hoffnungen, daß der Deutsche sich ermannen werde, sind noch nicht geschwunden; denn groß und mächtig schlägt die Liebe
Graben fehlt, ist es oft vorgekommen, daß Insekten, namentlich Termiten, das sind weiße Ameisen, vor deren zerstörenden Thätigkeit nur Metall sicher ist, ein aus Holz gebautes, auf der Erde ruhendes Haus so zernagt hatten, daß dasselbe eines Tages plötzlich zusammenbrach.
Vor diesen kleinen Thieren muß man in Afrika Kleider, Wäsche, Papier und ähnliche Sachen sorgfältig hüten. Nur in Koffern aus dem starkricchenden Kampferholz oder in Kisten aus Zinkblech sind derartige Gegenstände vor den scharfen Zangen der Termiten fidjft.
Elephant, Löwe und Tiger sind in Natal und den Nachbar-Kolonien gründlich ausgerottet worden, aber die lästigen Insekten sind geblieben, gegen sie erweist sich die menschliche Thätigkeit machtlos. Auch giftige Schlangen gibt es noch in Natal und den Burenrepubliken. Es gibt Zeiten, wo diese und die Termiten, sowie die Blutwanzen zur allgemeinen Landplage werden.
9latal grenzt im Norden an die Transvaal-Republik und an das Zululand, im Westen an den Oranje-Freistaat, üh Süden an Britisch-Kaffaria und im Osten an den indischen Ozean. Hier landete im Jahre 1497 der berühmte Portugiese Vasco da Gama, am Weihnachtstage, dies Natalis domini, daher der Name Natal. Trotz der günstigsten Lage koloni- sirten die Portugiesen das Land nicht, und erst im Jahre 1719 gründeten Holländer dort eine Kolonie, welche aber bald wieder einging.
Im Jahre 1837 kamen aus der Kapkolonie eine Anzahl unzufriedener Buren, die unter Peter Retiefs, Gert Maritz und Andreas Pretorius mehrere siegreiche Kämpfe gegen die Zulukaffern bestanden, sich in Natal ansiedelten und gründeten den festen Ort Pieter-Maritzburg, der heute noch besteht. Sie nannten ihre Kolonie „batavflch-afrikanische Mantschappij." Im Jahre 1839 bereits gründeten sie die unabhängige Republik „Port-Natal" mit der Hauptstadt gleichen Namens.
1899
in ihm zu seinem Vaterlande, davon zeugen die Oktober- fener, die er heute noch auf Bergeshöhen anzündct und mit denen er auch das Andenken an die herrliche Gestalt des heute geborenen Kaisers in der Erinnerung mitfeiert. Und in der That, einen wundervollen Bau hat Kaiser Friedrich mir seinem großen Vater und dessen großen Paladinen errichten helfen und uns als Deutsches Reich hinterlassen. In herrlicher Pracht steht es da, ersehnt von unseren Vätern und besungen von unseren Dichtern! Nun wohlan! Statt wie bisher in ödem Zank sich darüber zu streiten, wie die einzelnen Kammern, Säle, Abtheilungen dieses Gebäudes aussehen oder eingerichtet werden sollen, möge unser Volk in idealer Begeisterung, wie die Oktoberfeuer auflodern, seinem idealen zweiten Kaiser nachstreben und vor allem an dem schönen Bau sich freuen und ihn schützen helfen. Stolz auf seine Größe, bewußt seines inneren Werthes, einen jeden fremden Staat in seiner Entwickelung achtend, die Opfer, die seine Welt- machtstellung verlangt, mit Freuden bringend, dem Parteigeiste entsagend, einheitlich und geschlossen hinter seinen Fürsten und seinem Kaiser swhend, so wird unser deutsches Volk auch den Hausastädten ihr großes Werk zum Wohle unseres Vaterlandes fordern helfen. Das ist mein Wunsch zum heutigen Tage, mit dem ich mein Glas erhebe auf das Wohl Hamburgs!"
Tagesschau.
Der Krieg und das englische Parlament.
London, 18. Oktbr. (Oberhaus.) Salis- bury schloß, er glaube, der Wunsch, sich loszumachen von dem Worte Suzeränität und der Realität, die damit verknüpft sei, sei der Traum Krügers während seines Lebens gewesen. Das thatsächliche Geheimniß seiner Politik in den letzten Jahren sei, daß er gesehen habe, die Bevölkerung der Uitlanders in Transvaal bilde in ihren Leiden einen Gegenstand des Interesses für England und die Unterdrückung der Uitlanders als Schraube benutzt habe, um in Bezug auf die Suzeränitälsfrage Zugeständnisse zu erlangen. Wie England in Südafrika stehe, habe es als Vormacht dort Verpflichtungen, die von Konventionen und der Suzeränitäts- frage unabhängig seien. England könne die Suzeränitäts- frage nicht fallen lassen. Es seien lediglich Krügers eigenthümlicher Charakter und die Ideen, die er verfolge, schuld daran, daß der Augenblick gekommen sei, darüber zu entscheiden, ob Südafrika in Zukunft unter holländische Herrschaft gerathen, oder ob eine Vorherrschaft des englischen Volkes aufgerichtet werden solle. England könne nicht zu dem Stande der Dinge zurückkehren, wie er durch die Konvention von 1881 festgestellt worden sei. England könn«
Da aber meldeten sich die Engländer und im Jahre 1840 erklärte der englische Gouverneur der Kapkolonie, Sir George Rapier, die Buren hätten kein Recht, in Natal einen unabhängigen Staat zu gründen.
Die Buren kümmerten sich wenig um die Erlasse des englischen Gouverneurs. Die Feindseligkeiten und Kämpfe begannen. Im Jahre 1842 unterlagen die tapferen aber wenig zahlreichen Buren der englischen Uebermacht. Ganz Natal wurde der britischen Hoheit unterworfen.
Die meisten Buren wanderten aus unb zwar in die Stromgebiete des Vaal und Oranje. So entstanden die freien Republiken Transvaal und der Oranjestaat. Die Engländer kümmerten sich wenig um diese aufblühenden Staatswesen. Gab es doch Land genug in dem großen Afrika, welches sie kolonisiern konnten. Die cadje besam aber ein anderes Aussehen, als im Transvaal die Gold- und Diamantenfelder entdeckt wurden. Da entsann sich England, daß es Oberhoheitsreckte zu wahren hatte.
Die Buren verbaten sich die Einmischung der Engländer. Es Tarn am 24. Januar 1891 bei Laings-Rek zu einer blutigen Schlacht, in welcher die Engländer vollständig geschlagen wurden. Jetzt hat der Krieg wiederum begonnen. Will das mächtige England sein Ziel, die gänzliche Unter- werfung aller Buren, erweichen, so muß es, wenn es siegreich sein sollte, die Offensive ergreifen, es muß in die Burengebiete Einbringen. Seine Juvasionsarmee aber wird die vorhandene Eisenbahnen nicht benutzen können. Es liegt auf der .ümnd, daß die Buren die vielen in ihrem bergigen Terrain vorhandenen Brücken zerstören werden. So werden die englischen Truppen Hunderte von Meilen zu Fuß zurücklegen müssen. Was das heißt, kann nur der ermessen, der Tagemärsche in der afrikanischen Sonnengluth zurückgelegt hat. Alle Buren sind Großgrundbesitzer und nennen vorzügliches Pferdematerial ihr eigen. Alle ihre Krieger können sie be-