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Nr. 242.

Montag den 16. Oktober

1899

Dienstnachrichten aus dem Kreise

Gefunden: 1 Kette. 1 Schnallsporn. 1 Beil. 1 dunkelbrauner Spazierstock mit schwarzem Horngriff. 1 kleines graues Kinderrädchen. 1 weißer Stehkragen. 1 kleine weiße Damenuhrkette. 1 Zeitungshalter nebst Zeitung (Kleine Presse). 1 kleiner Kinderschuh. 1 vergoldeter Zahnstocher not längerer Zeit im Laden bei Wilcke und Co. Krämer­straße 12 liegen geblieben; Empfangnahme daselbst.

Verloren: 1 Zehnmarkstück.

Zugelaufen: 1 weißes Schaf mit rothen Flecken auf dem Rücken: Empfangnahme auf dem Kinzigheimerhof.

Hanau am 16. Oktober 1899.

Taaesschau.

Die Ausschlietzimg aus den Kriegervereinen.

Der Vorstand des preußischen Landes-Kriegerverbandes hat in der viel besprochenen Frage an alle Vereine des Ver­bandes ein Rundschreiben gerichtet, in dem es zunächst heißt: Das Verfahren der Ausschließung von Mitgliedern ist im Bereich des Landesverbandes nicht überall mit der gebotenen Umsicht und Sorgfalt durchgeführt worden, sodaß sich Un- zuträglichkciten mannigfacher Art ergeben haben. Es werden deshalb die maßgebenden Bestimmungen zur allgemeinen Kennt­niß gebracht. Der § 2 6 Absatz 5 lautet: Grundsätzlich aus­geschlossen von der Aufnahme ist: a) wer mit Zuchthaus oder mit Gefängniß und zugleich mit Verlust der bürger­lichen Ehrenrechte bestraft ist, b) wer durch Urtheil aus dem Soldatenstande oder ehrengerichtlich aus dem Offizierstaude entfernt oder in die zweite Klasse des Soldatenstandes ver­setzt und nicht rehabilitirt worden ist, c) wer der sozialdemo­kratischen Partei angehört oder sie unterstützt oder ihre Be­strebungen durch Worte oder Handlungen fördert." In dem unter dem 9. Oktober erlassenen Rundschreiben wird dann weiter gesagt:Dem Ausgeschlossenen steht binnen einem Monat nach Mittheilung des Beschlusses Berufung an den Vorstand des nächst höheren Verbandes bis zum Vorstand -es Landesverbandes zu. Diese Vorschriften haben zwingende Geltung für alle Vereine des Landesverbandes. Sie sollen bie Gewähr bieten, daß überall im Landesverbände mit gleichem Maße gemessen werde, daß alle Unwürdigen und Abtrünnigen auch wirklich und ohne zaghafte Schwäche aus der großen Vereinigung ehrliebender alter Soldaten entfernt werden können und daß andererseits denjenigen Mitgliedern, die auf Grund falscher Beschuldigungen ausgeschlossen zu sein vermeinen, das Recht der Vertheidigung nicht verkümmert werden kann.

Fvmllvivn.

Geographischer Kongreß.

Von unserem Berliner ^-Korrespondenten.)

War es nur eine Heerschau, welche die Geographen aller Länder in der Tagung des V11. Internationalen Geographen- Kongresses in Berlin vom 27. September bis 4. Oktober abhielten? So Mancher, der sich an der Schilderung des festlichen Gepränges berauscht, mit dem staatliche und städtische Behörden den Kongreß auszugestalten gewetteifert haben, mag diesen Eindruck gewonnen haben. Aber wir wissen es nur zu gut, wie sparsam unsere Behörden, zu Werke gehen; wenn dennoch der deutsche Reichstag eine Summe von 50 000 Mk. glatt für beit Kongreß bewilligt hat, wenn der Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses bereitwilligst das schöne und so außerordentlich zweckmäßige neue Parlamentshaus in der Prinz Albrechtstraße zur Verfügung stellte und die Stadt Berlin zu einem Empfange des Kongresses an einer Fest­tafel in den herrlich geschmückten Restaurationsräumen des Zoologischen Gartens ohne den geringsten Widerspruch in ihrer Vertretung 40 000 Mk. aufwenden durfte, so spricht dies Alles eben schon genügend für die hohe Würdigung, welche man dem Kongreß in den maßgebenden Kreisen ent- gegenbrachte.

Und die geographische Wissenschaft darf sich rühmen, bei aller Tiefe ihrer Forschungen auch populär zu sein; sie hitt übrigens in keinem Lande mehr als in Deutschland Ein­gang in die Schulen auch geringeren Grades gefunden, und fast alle deutschen Universitäten haben eigene Lehrstühle für Geographie. Sie hat die Lust am Reisen geweckt, zu über­seeischen Unternehmungen angeregt unserer Kolonialpolitik die Wege geebnet und war, wie Fürst Hohenlohe beim Empfang

Der sozialdemokratische Parteitag

sprach sich mit 216 gegen 21 Stimmen für die Resolution Bebels aus, nach der für die Partei keine Veranlassung be­steht, ihre Grundanschauungen aufzugeben oder zu ändern. Die Sozialdemokratie bleibt also eine revolutionäre, auf den gewaltsamen Umsturz der bestehenden Ordnung in Staat und Kirche gerichtete Partei, lehnt aber ein eventuelles Wahl­bündnis mit den bürgerlichen Parteien nicht ab. Sie steht der Gründung von Wirthschafts-Genossenschaften neutral gegenüber, wenngleich sie in diesen ein geeignetes Mittel für die Erziehung der Arbeiterklasse zur selbständigen Leitung ihrer Angelegenheiten sieht.

Berliner Presse.

Der Angabe derFreisinnigen Zeitung", dieBerliner Neuesten Nachrichten" seien in den Besitz des Geheimrathes Krupp übergegangen und als Direktor des Blattes sei Herr Schweinburg, der Herausgeber derBerliner Politischen ! Nachrichten", mit einem Gehalt von 35,000 Mk. angestellt | worden, wird nicht widersprochen.

(Der amerikanische Admiral Dewey

wird noch immer mit Geschenken bombardirt. Die letzte Gabe ist ein Buch in Riesendimensionen, das 350 Pfund wiegt. Es enthält 10,400 Zeitungsausschnitte über Tewey und den Krieg und soll den Admiral, wenn er einmal alt ist, in an­genehmer Weise an einen vergangenen Ruhm erinnern.

Die Geschichte der Pest-Epidemien

scheint in medizinischer Hinsicht an einem großen Abschnitt angelangt zu sein. Der Bericht, der aus Frankreich nach Oporto entsandten Kommission, die die Wirksamkeit der bis­herigen Jmpfmittel gegen die Pest feststellen sollte, ist den Allgemeinen wissenschaftlichen Berichten" aus Paris zuge­gangen und bringt die Kunde mit, daß sich das vom Pariser Pasteur-Jnstitut hergestellte Antipest-Serum in geradezu glän­zender Weise bewährt hat. Nach den Einzelheiten des Be­richtes kann man die Pestgefahr nach diesen letzten Err-ungen- schaften als überwunden bezeichnen.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Dkpcschcn-Bureau.Herold ).

Berlin, 15. Oktbr. Wie dieBerl. Neuest. Nachr." authentisch mittheilen können, beruht die Nachricht eines Be­richterstatters, der Kaiser habe ein vom Minister von Miquel eingereichtes Entlassungsgesuch abgelehnt, auf Erfindung. Ein Entlassungsgesuch sei seitens des Ministers nicht eingereicht werden und habe folglich vom Kaiser auch nicht abgelehnt wtrden können. DieKreuzzeitung" samt aus zuverlässiger Quelle mittheilen, daß Miguel überhaupt kein Entlassungs­gesuch eingereicht hat.

der Geographen in seinem Palais sagte, der Pfadfinder für den Welthandel. Kann es da Wunder nehmen, wenn aller Orten bei uns es mit Freude und Genugthuung begrüßt wurde, daß zum ersten Male die Sitzungen des Internatio­nalen Geographen-Kongresses in des deutschen Reiches Haupt­stadt abgehalten werden sollten. Berlin bildete ja in seiner Gesellschaft für Erdkunde schon lange einen Mittelpunkt geo graphischer Bestrebungen, deren Gründlichkeit, wie überhaupt die Höhe der geographischen Wissenschaft in Deutschland, von aller Welt neidlos anerkannt wird.

Aber, wie gesagt, nicht nur eine Heerschau abzuhalten und sich huldigen zu lassen, waren die Geographen nach Berlin gekommen, nein, ihre Versammlungen galten ernster Arbeit, unb diese Arbeit ist wir sagen es vorweg dank der Or­ganisation und der meisterhaften Geschäftsführung unter einem diplomatisch sichern Präsidenten von wissenschaftlicher Autorität nicht ohne Erfolg gewesen. Daß der gastliche Boden Berlins wesentlich von Einfluß war für das erfolgreiche Zusammen- wirkcn der aus aller Herren Länder zusammengekommenen Ge­lehrten, das hat der Präsident, Frhr. v. Richthofen, des öftern betont, und nicht weniger förderte auch die Zweck­mäßigkeit des Gebäudes, in dem die Sitzungen abgehalten wurden, die geistliche Arbeit, konnte man doch ohne Mühe von den Vorträgen der einen Gruppe zu denen der andern ge­langen, je nachdem für welchen Gegenstand sich der eine oder andere interessirte.

Arbeitstheilung heißt es nämlich auch schon längst auf dem großen Arbeitsfelde der Geographie, denn wir können sagen seit Alexander von Humboldt es handelt sich ja im Wesentlichen nicht mehr um Entdeckungsreisen mit rein örtlichen Bestimmungen. Das, was wir früher unter Geographie in der Schule verstanden, ist erweitert und vertieft worden durch die vergleichende Betrachtung der Gelehrten in der von Hum­boldt angegebenen Richtung nach der Erforschung des innern

Berlin, 15. Oktbr. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: In einzelnen Blättern wird eine Verständigung zwischen Deutschland und England in der Samoa-Frage aus der Basis in sichere Aussicht gestellt, daß England die Haupt-Insel llpola erhalte und Deutschland anderweitig entschädigt werden soll. Wir halten diese Nachricht für irreführend und sind vielmehr mit gutem Glauben überzeugt, daß die maßgebenden deutschen Stellen ihren Standpunkt in der Samoa-Frage nicht geändert haben.

Wien, 15. Oktbr. DieNeue Freie Presse" veröffent­licht ein Interview ihres Berliner Korrespondenten mit dem Präsidenten der deutschen Reichsbank, Dr. Koch, über die Situation des internationalen Geldmarktes. Dr. Koch be­zeichnete dieselbe als eine derartige, welche zwar eine allge­meine Krisis nicht befürchten lasse, jedoch sei die größte Vor­sicht geboten, da vorläufig eine Besserung der Geld-Verhält­nisse nicht zu erwarten sei und man nicht wissen könne, welche Folgen der Transvaalkrieg haben könne.

Paris, 15. Oktbr. Der Anarchist George wurde gestern nach einer längeren Verhandlung zu 200 Francs Geldbuße verurtheilt, weil er im vorigen Monat in der Nähe der Festung Chabrol zwei Revolverschüsse auf die Menge abge­geben hatte, wodurch eine Person verwundet wurde.

Paris, 15. Oktbr. DerJntransigeant" erfährt, es sei ein französisches Frei-Korps in der Bildung begriffen, welches demnächst nach «Transvaal abgehen soll, um an der Seite der Buren gegen die Engländer zu kämpfen.

Paris, 15. Oktbr. In hiesigen diplomatischen Kreisen verlautet, daß infolge des Druckes von zwei europäischen Groß­mächten Portugal beschlossen habe, alle englischen Anträge be­treffs die Delagoa-Bai zurückzuweisen.

Amsterdam, 15. Oktbr. Nach Meldungen hiesiger Blätter rekrutiren die Engländer Neger aus dem Betschuna- Lande, um sie im Kriege gegen Transvaal zu verwenden.

London, 15. Oktbr. Das spärliche Einlaufen der Nachrichten aus dem Kaplande ruft große Besorgniß hervor. Soviel scheint aber festzustehen, daß die Buren die vollständige Herrschaft über Natal gewonnen haben.

London, 15. Oktbr. Die gestrigen Abendblätter brachten die Meldung von einem großen Siege bei Ladysmith, wo 2000 Buren gefallen, aber fast keine englischen Verluste zu verzeichnen sein sollten. Die Nachricht war ein Börsen- Manöver, welches auch enormen Einfluß auf die Börse hatte.

London, 15. Oktbr. Nach einer Meldung aus Pretoria hat der deutsche Konsul eine Proklamation namens der deutschen Regierung erlassen, welche die strenge Neutralität Deutschlands erklärt und alle Deutschen auffordert, dieselben zu wahren, widrigenfalls sie des Schutzes durch die deutsche Regierung verlustig gehen.

Zusammenhanges der Dinge in der Natur und nach ihrer Gesetzlichkeit". So spricht man heute von Länderkunde und Kartographie, von historischer Geopraphie und Völkerkunde, von Ozeanologie und Tiefseeforschung, von Geophysik und Geodäsie, von Wrostatik, Klimatologie und Limnologie, von Polarforschung und Gletscherkunde, von Geomorphologie und Biogeographie, von Antropogeographie und wie die Begriffe alle heißen, von der Himmelskunde ganz zu schweigen. Die Namen der verschiedenen Gebiete, über welche die Forschung sich heute erstreckt, mögen zeigen, wie umfassend die geogra­phische Wissenschaft ist, wie gründlich man in das Wesen der Dinge einzndringen bestrebt ist. Aber es gibt auch noch ein großes Räthsel, vielleicht das letzte, auf dem Gebiete der eigentlichen Entdeckungen, das sind die Polargegenden.

Schon das scheidende Jahrhundert ließ erkennen, wie die Wissenschaft es als eine Ehrenpflicht betrachtet, unsereMutter Erde" bis in die letzten unbekannten Räume zu erforschen. Wandten sich die letzten kühnen Polarforscher dem Nordpol zu, und mußte dort selbst ein so kühner Reisender wie Fridjof Nansen vor der Macht des Eises umkehren, während Andr^e, der im Luftschiff den Pol zu erreichen hoffte, wohl verschollen ist, so wird das neue Jahrhundert diese Aufgabe im südlichen Eismeer zu lösen trachten. Als ein Haupt-Ergebniß des Kon­gresses ist zu betrachten, daß neben den Abgrenzungen der in gemeinsamer Expedition von England und Deutschland zu unternehmenden Südpolar-Farschungen das Interesse^ weitester Kreise für diese Aufgabe geweckt ist. Es stand die Südpolar- Forschung Jedermann klar erkenntlich im Vordergründe der Verhandlungen des Kongresses. Sie gaben ihm so recht das völkerverbindende, internationale Gepräge, wie es aller Orten auf dem Gebiete der Wissenschaft sein sollte, deren Errungen­schaften ja der gesammten Menschheit zu statten kommen. Daß Männer, wie die Engländer Sir Elements Markham, selbst ein alter Polarforscher, und Nansen bei diesem Gegenstände