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Amtliches Grgsn für Stadt- unö LanöKreis Haüsü.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
Nr. 240.
Frettag den 13. Oktober
1899
Amtliches.
^anöttreio ^mtau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Der Hauptmann a. D. C u r t von Arnim zu Tan ger- Hütte beabsichtigt auf den ©nmbftücten V Nr. 230, 231, 238, 239b, 239c, 240 und 241 der Gemarkung Großau- Heim ein Maschinenhaus mit einem Dampfschornstein vou 35 m Höhe zu errichten.
In Gemäßheit des § 16 u. f. der Reichs-Gewerbe-Ord- nung bringe ich dieses Unternehmen zur öffentlichen Kenntniß.
Zeichnung und Beschreibung liegen im Sekretariat des Kreisausschuffes zur Einsicht aus, woselbst auch Einsprüche innerhalb 2 Wochen, oom Tage der Veröffentlichung gerechnet, angebracht werden können.
Termin zur Erörterung etwaiger Einwendungen steht Samstag den 28. Oktober d. Js., vormittags 10 Uhr, im Landrathamtsgebäude, Zimmer Nr. 22, wozu die Be- theiligten hiermit eingeladen werden.
Hanau den 11. Oktober 1899.
Der Vorsitzende des Kreisausschuffes. 16079 A. 4378 v. Schenck.
An der evangelischen Volksschule in Bischofs heim ist die neu errichtete 4. Schulstelle mit einem jüngeren Lehrer zu besetzen.
Das Grundgehalt der Stelle beträgt 1200 Mark, der Einheitssatz der Alterszulagen 150 Mark. Die vorhandene Dienstwohnung ist für einen nnverheiratheten Lehrer ausreichend.
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen binnen 3 Wochen an den Königlichen Lokalschulinspektor Herrn Pfarrer Ganß in Bischofsheim einreichen.
Hanau den 8. Oktober 1899.
Namens des Schulvorstandes.
Der Königliche Landrath.
V. 10500 I. V.: Schneider, Kreissekretär.
In Seckbach (Kreis Frankfurt) ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
In Gelnhausen und Kempfenbrunn (Kreis Gelnhausen) ist diese Seuche erloschen.
Hanau am 12. Oktober 1899.
Der Königliche Landrath.
V. 10375/412 v. Schenck.
Nachdem in Marköbel die Maul- und Klauenseuche sich weiter verbreitet hat, wird für diesen Ort die Orts- und Gemarkungssperre angeordnet.
Hanau den 13. Oktober 1899.
Der Königliche Landrath.
V. 10460 I. V.: Schneid er, Kreissekretär.
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Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Grundstücks-Verpachtung.
Die bot Stadt Hanau gehörigen am städt:sche:t Wasserwerk in der Gemarkung Dörnigheim gelegenen Ackergrundstücke — 1 Hektar 54 Ar 37 qm groß werben
Samstag den 14. Oktober 1899, vormittags 19 Uhr, im Lokale der Stadtkämmerei, Neustädter Rathhaus Zimmer Nr. 10, öffentlich meistbietend auf 1 Jahr verpachtet.
Zuschlag bleibt Vorbehalten.
Hanau den 10. Oktober 1899.
Der Stadtkämmerer.
Scherzberg. 16003
Fabrikgebäude mit großem Werkßlatz.
Die' städtische Besitzung Nr. 9 der Leipzigerstraße, m welcher seither eine Holzschneiderei betrieben 'wurde, soll zunächst aus die Dauer von 5 Jahren vermuthet werden. .
Die unterzeichuete Amtsstelle ertheilt Nähere Auskunft und sind daselbst Beschreibung und Bedingungen in den Stunden von 10—12l/t Uhr von Interessenten einzusehen.
Hanau am 3. Oktober 1899.
Stadtbauamt I.
Thyriot. 15650
Vom sozialdemokratischen Parteitage.
Auf dem sozialdemokratischen Parteitage in Hannover haben am Dienstag und Mittwoch wahre Redefluthen sich ergossen, die durchweg die vom „Genössen" Bernstein in London angegriffenen sozialistischen Grundanschauungen theils zustimmend und vertheidigend, theils abfällig kritisirend zum Inhalt hatten. Der alte Parteiführer Bebel hat sechs Stunden lang die Bernsteinschen Ansichten bekämpft und eine von ihm selbst eingebrachte Resolution befürwortet, die in der Erklärung gipfelt, es liege für die Partei kein Grund vor, weder ihr Programm, noch ihre Taktik, noch ihren Namen zu ändern. Die Partei weise jeden Versuch entschieden zurück, der daraus hinausgeht, ihre Stellung gegenüber der bestehenden Staats- und Gesellschafts-Ordnung und den bürgerlichen Parteien zu verschleiern oder zu verrücken. Bebel, und mit ihm wohl der weitaus größte Theil der anwesenden „Genossen", hält an der von Bernstein preis- gegebenen „Zusammenbruchs-Theorie" fest.
Er beharrt in der irrigen Meinung, daß die Produktionsmittel sich immer mehr in den Händen einer verhält- nißmäßig kleinen Zahl von Besitzern monopolifiren, daß demgemäß die Mittelschichten versinken und im Proletariat eine wachsende Zunahme des Elends erustehe. Bebel behauptet das Alles, obgleich er eine wesentliche Besserung in der Lage der Handarbeitenden Klaffen nicht zu bestreiten vermag. Er hilft sich über diesen Widerspruch mit einem neidvollen Seitenblick auf die Reichthümer einer verschwindend kleinen Zahl von Personen der obersten Gesellschaftsklassen hinweg, indem er bemerkt, es müsse zur richtigen Beurtheilung der Sachlage doch auch in Betracht gezogen werden, „wie es sich mit der Möglichkeit für den Arbeiter, aus seinem Hähern Einkommen seine Bedürfnisse zu steigern verhält, im Vergleich zu dem Einkommen der reichen Klassen, ob da die Differenz eine größere oder geringere ist."
Mit andern Worten heißt das: Wenn der Arbeiter heute sich ungleich besser als in den früheren Zeiten steht, so ist doch zu beachten, daß die Einkünfte der Reichen in noch höherem Maße gestiegen sind; die Arbeiter haben ein Recht darauf, zu verlangen, daß ihre Lebenshaltung aufgebeffert wird entsprechend dem proportionalen Zuwachs an Reichthum auf den obersten Stufen der Gesellschaft. Das ist aber ein recht thörichter Vergleich. Denn, wenn Jeder von uns seine Ansprüche „im Verhältniß" zu dem Aufwande eines Rothschild oder eines andern Krösus bemessen wollte, dann müßten wir schließlich Alle Rothschilds sein oder werden wollen.
Aus der Vertheidigungs-Rede des „Genossen" David für Bernstein ist besonders beachtenswerth der Eifer, mit welchem Redner dafür eintrat, daß Bernstein nach wie vor der Sozialdemokratie angehöre. Bernstein erstrebt — wie sein Vertheidiger energisch betonte — gleich allen andern „Genossen" das sozialistische Endziel. Nur über den Weg und das Tempo der Entwicklung gingen die Meinungen auseinander. Bernstein betonte die Gleichwerthigkeit des politischen und wirthschaftlichen Kampfes. Für ihn sei die Hauptsache, durch Gewerkschaften und Genossenschaften die Sozialifirung und Demokrausirung schon jetzt anzu- bahnen. Bernstein wollte aus Zweckmäßigkeits-Gründen das revolutionäre „Endziel" des Sozialismus zeitweilig in den Hintergrund schieben, um die „Bewegung" mit den Waffen der bürgerlichen Demokratie desto erfolgreicher zu fördern.
Hiermit wird also zugestanden, daß Bernstein und sein Anhang die Prinzipien der Sozialdemokratie keineswegs über Bord wirft, sondern nur minder scharf hervorkehrt. Sein Gegner Bebel steht diesen: Gedanken nicht fern, wenn er aussprach : „Bis zu einem gewissen Grade sind wir Alle opportunistisch, Keiner will morgen auf die Barrikaden steigen !" Bebel hat denn auch schließlich seine Resolution dahin abgeändert, daß für das Vorgehen der „Genossen" nicht der Wortlaut des Programms, sondern die Erhaltung der sozialistischen Grundsätze maßgebend sein und bleiben müsse. Hiermit dürfte der Einigungspunkt für die Anhänger Bebels und Bernsteins gegeben sein nach dem Spruche „Andere Kappen, gleiche Brüder!"
Politische rrnd unpolitische Nachrichten.
Berlin, 12. Oktbr. Der „Reichs-Attzeiger" veröffentlicht die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an den Prinzen von Schweden und Norwegen.
Berlin, 12. Oktbr, Der „Reichs-Anzciger" veröffentlicht die Ernennung des Regierungs-Präftdenten vonBischoffs- hausen zum Ministerial-Direktor im Ministerium des Innern.
Berlin, 12. Oktober. (Spieler-Prozeß.) In der heute fortgesetzten Beweisaufnahme bekundet der Zeuge von Jagow, daß er einmal eine große Summe an den Ängek agten von Kayser verloren habe und von diesem etwas energisch unter Hinweis auf sein Bezirks-Kommando an die endliche Begleichung der Schuld erinnert worden sei. Weiterhin theilt der Präsident mit, daß er vom General-Kommando des Garde-Corps ein Schreiben erhalten habe, in welchem der kommandirende General es ablehnt, dem Gericht nähere Angaben über die Gründe der ä la müte-Ttellung des Angeklagten von Kröcher zu machen, weil hierbei nur auf persönliche Akten zurückgegriffen werden müßte, die nur für die allerhöchste Stelle bestimmt seien. Der Angeklagte von Kröcher bittet alsdann seinen früheren Regiments-Kommandeur den Grafen zur Lippe in Danzig über sein Ausscheiden aus dem Regiment zu vernehmen. Der Zeuge, Kammerdiener Meyer, welcher in der Voruntersuchung angegeben hatte, daß der Angeklagte von Kröcher in seinem Koffer An Roulette-Spiel mit sich geführt habe, bestreitet heute Herrn von Manteuffel derartige Angaben 'gemacht zu haben, während letzterer mit lauter Stimme und unter lebhaften Gestikulationen diese Angaben aufrecht erhält. Er bezichtigt den Zeugen direkt der Unwahrheit, was sich dieser energisch verbittet. Der nächste Zeuge von Prittwitz hat seit 1894 in Spielerkreisen verkehrt und sein ganzes Vermögen von etwa 100,000 Mark verloren. Student von Janta-Polcynski erklärt, der Angeklagte von Kayser sei ihm stets unsympathisch gewesen, weil er seine Forderungen äußerst rigoros eintrieb. Rittergutsbesitzer von Wredc kann Nachtheiliges gegen die Angeklagten nicht aussagen. Der Beamte der Deutschen Bank Krüger legt die ContoEuszüge der Geliebten des Angeklagten von Kayser, der Frau Frieda Vogt vor. Danach sind von Frau Vogt zirka 16,000 M. von ihrem Guthaben abgehoben und dafür zirka 18,000 M. von dem Angeklagten eingezahlt worden. Da der Präsident die Ansicht äußert, daß das von dem Angeklagten eingezahlte Geld gewonnenes Spielgeld sein könnte, beantragt die Vertheidigung, die Verhandlung zu vertagen, um festzustellen, daß das nicht der Fall sei. Der Gerichtshof beschließt, zu diesem Zweck die Verhandlung am Samstag aus- zusetzen. Zeuge Graf Schwerin nimmt heute die in der Voruntersuchung gemachte Aussage, er sei überzeugt, daß die Angeklagten mit Wolfs zusammen aus einer Kasse gespielt, zurück. Nach Vernehmung einiger weiterer unbedeutender Zeugen wird die Verhandlung auf morgen früh vertagt. — Der Schluß des Prozesses dürfte am nächsten Mittwoch zu erwarten sein.
Saarbrücken, 12. Oktbr. Bei einer vom hiesigen Offiziers - Corps veranstalteten Schnitzeljagd st ü r z t e der Leutnant Frowein von: 7. Dragoner-Regiment. Derselbe zog sich bei diesen: Sturze einen Bruch der Schädeldecke zu, woran er heute Vormittag verstarb.
Pforzheim, 12. Oktbr. Der Reichstags - Abgeordnete A g st e r erhielt aus dem Bureau des Reichstages die Mit- theilung, daß sein Mandat erloschen sei. Bei der Neuwahl wird wahrscheinlich das Centrum und der Freisinn die Sozialdemokratie unterstützen. Die Liberalen stellen den Oekonom Frank als Kandidaten auf. _
Wien, 12. Oktbr. Die Aufhebung der Sprachen-Ver- ordnungen soll am 17. Oktbr. amtlich publizirt werden. — Der ehemalige Abgeordnete Dr. von Bilinski hat ein Reichs- sprachengesetz ausgearbeitet, dessen Bestimmungen für alle im Reichsrath vertretenen Königreiche und Länder Geltung haben soll. 8 E-»---
Belgrad, 12. Oktbr. Die Gemahlin des zu 20 Jahren Kerker verurtheilten Obersten Molic ist irrsinnig geworden.
Deutschlands Seemacht.
Nach dem im vorigen Jahre beschlossenen Flotten-Gesetze soll Demscbland im Jahre 1903 eine Schlachtstotte von 19 Linienschiffen haben. Auf den ersten Blick scheint das nicht wenig zu sein; jene Schiffe würden in der > bat eine ansehnliche Macht verkörpern, wenn sie sämmtlich vollwerthig wären. Das ist aber nicht der Fall. Mehrere Schiffe, die „als noch brauchbar" in den Plan ausgenommen wurden, sind in Wahrheit minderwerthig und sollen später ersetzt werden. So werden wir Ende 1903 nur 14 vollgültige Linienschiffe haben, 1907 deren.16, und erst im Jahre 1910 werden alle 19 Linienschiffe so sein, daß man sich auf sie verlassen kann. Mit den Kreuzern sieht es noch schlimmer aus. Nicht vor 1906 wird es Deutschland erreichen, daß die Hälfte seiner auf 12 bestimmten großen Kreuzer, wie sie es alle sein sollten, wirkliche Panzerkreuzer sind, während die für die Geschützstände und die Wasserlinie panzerlose „Kaiserin Augusta" erst 1911 ersetzt sein wird. Bis dahin wird es auch bauern, daß die als Aufklänmgs-Schiffe