12 Oktober
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Aus der Provinz und Nachbargebieten.
Frankfurt a. M., 11. Oktbr. In der heutigen ■ Strafkammersitzung wurde gegen einen Mechaniker aus Oschatz unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt wegen öffentlicher Gotteslästerung, Verächtlichmachung von Einrichtungen der evangelischen und katholischen Kirche, Beleidigung des hiesigen Polizeipräsidenten und des Pfarrers von W a ch c n b u ch e n bei Hanau. Er wird unter Freisprechung von der Anklage der Gotteslästerung zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt.
Frankfurt a. M., 12. Oktbr. Gestern nahm der Kartoffel- und Krautmarkt auf dem Mainkai seinen Anfang. Zugefahren waren vier Wagen Kartoffeln und ein Wagen Weißkrallt. Bezahlt wurde pro Malter Kartoffeln 4.50 Mark und pro 100 Stück Weißkraut 8 Mark oder pro Zentner 2 Mark.
Darmstadt, 11. Oktbr. Gestern beehrten die russischen Majestäten die Möbelfabrik von Ludwig Alte r mit einem Besuch und machten dabei namhafte Einkäufe.
Mannheim, 10. Oktbr, Der hiesige Stadtrath hat sich in feiner letzten Sitzung mit der unserer Stadt drohenden -Gefahr der Verlegung der Maschinenfabrik des Geh. Kom- merzienraths Lanz beschäftigt und beschlossen, ben Wünschen desselben zu entsprechen, um die Verlegung der Fabrik zu verhüten. Diese Wünsche erstrecken sich in der Hauptsache auf die Verzichtleistung auf Straßen, welche die Stadt durch das Lanz gehörige Fabrikterrain legen wollte, und die bereits zur Ausführung vorgesehen waren. Der Stadtrath beschloß, die Beseitigung dieser Straßen aus dein Ortsbauplan zu veranlassen, jedoch unter der Voraussetzung, daß Lanz seine .geplanten Fabrikerweiterungen in Mannheim zur Aus- stührung bringt.
Aus aller Welt.
Im Kampfe mit den Wellen. In der Kiautschou- bucht, fern von der Heimath, sind, wie ausführlich berichtet, in Folge des Kenterns einer Gig der „Gefion" drei junge Deutsche Seeleute, die Obermatrosen Zernick aus Zehlendorf, Rehm aus Berlin und Petersen aus Rostock ertrunken. Der Matrose Pining und der Leutnant Richter konnten sich allein von der Besatzung des Bootes durch Schwimmen retten. Leutnant Richter wurde nach verhältnißmäßig kurzer Zeit von einem Boot, in dem Europäer saßen, aufgesefen und an Bord der „Gefion" gebracht; Pining kämpfte mit heroischer Ausdauer lange Stunden hindurch gegen die Wogen. Wie erinnerlich ging zur Zeit des Unfalls die See hoch. Von seinem Verzweiflungskampf gibt die neueste hier eingetroffene Nummer des „Ostasiatischen Lloyd" folgende anschauliche Schilderung: Nach dem Kentern des Bootes gelang es den fünf Männern, sich rittlings auf das umgestürzte Boot zu setzen. Trotz aller Ermahnungen des Offiziers verließen die Matrosen ihren Halt, um sich durch Schwimmen zu retten. Peterson und Rehm ertranken. Pinning suchte mit Zaruick Kap Evelyn zu erreichen. Er entledigte sich seiner Kleiber im Wasser und schwamm dem fernen Lande zu. Von Zeit zu Zeit rief er seinem Gefährten, der eine Ruderstange vor sich herschob, «in ermunterndes Wort zu, das auch während der ersten Stunde noch beantwortet wurde; dann wurde die antwortende Stimme schwächer, und endlich verstummte sie. Pining kämpfte allein weiter gegen Sturm und Wogendrang. Eine vorübergehende Dschunke wurde angeschrien. Die Chinesen weigerten sich lachend, den todesmatten Mann aufzunehmen. „Der war dem Gericht des Meergottes verfallen, warum sollen wir uns die Rache des Unterirdischen zuziehen!" Es wurde dunkel; von der „Gefion" aus beleuchtete man mit dem Scheinwerfer die weite Fläche. Pining sah sich einen Augenblick in dem grellen elektrischen Licht, dann aber war er wieder im Finstern, vor sich die weißen Wellenkämme, um sich den brausenden Wind. Nach drei Stunden schien es, als sei seine ganze Kraft erschöpft. Aber wieder raffte der tapfere Mann seine Kräfte zusammen, und noch zwei Stunden lang Tang er mit den übermächtigen Gewalten, bis er endlich vor sich einen kleinen Felsen aus der Fluth auftauchen sah. Schon wollte er dorthin sich rettm, als der Gedanke ihn durchzuckte: „Geh nicht hin, mit dem steigenden Wasser reißt die furchtbare Brandung Dich zurück ins Meer." Wieder nahm er den Kampf auf, bis ihn eine große Woge ans Ufer warf. In der Nähe des Ufers stand eine kleine Fischerhütte, die 'der Gerettete nach großen Anstrengungen erreichte. Der Fischer und seine Frau nahmen den weißen Fremdling freundlich auf. Während der Chinese einem Ertrinkenden die .Hilfe versagt, da dieser in den Händen dunkler Gewalten ist, wird er einem Schiffbrüchigen die Hilfe nicht verweigern und alles thun zur Linderung seiner Noth. Drahtnachrichten des Hanauer Anzeiger.
Berlin, 12. Oktbr. Der Kaiser gedenkt am 26.ds. Mts. einer Einladung des Prinzen Albrecht von Preußen entsprechend sich nach Blankenburg am Harz zu begeben und daselbst an den großen Hofjagden theilzunehmen. Die Rück- kehr von dort nach dem Neuen Palais zu Potsdam wird voraussichtlich am 27. Abends erfolgen.
Berlin, 12. Oktbr. Im Reichsamt des Innern. ist man zur Zeit damit beschäftigt, eine Vorlage behufs reichs- gesetzlicher" Regelung der Beschäftigung v erh errat h e t e r fyrauen in Fabriken auszuarbeiten.
Stettin, 12. Oktbr. Das Befinden des Oberpräsidenten und früheren Staatsministers von P u t t k a M m e r hat sich verschlimmert. Die Familien-Angehörigen sind um das Leben des Erkrankten besorgt.
Karlsruhe, 12. Oktbr. Zu den badischen Landtags- wahlen finben die Wahlmännerwahlen am 4., die Abgeordnetenwahlen am 16. November statt.
Hanauer Anzeiger
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Wien, 12. Oktbr. In einer abends abgehaltenen Versammlung sprach der Abgeordnete Neuber über die politische innere Situation. Sodann verurtheilte der Redner das Verhalten Englands Transvaal gegenüber.
Bndapeft, 12. Oktbr. Der serbische Dampfer Deligrad stieß bei dichtem Nebel mit dem österreichischen Dampfer Hildegard auf der Donau zusammen. Mehrere Matrosen des serbischen Schiffes ertranken. Das Schiff selbst ist total unbrauchbar geworden.
Madrid, 12. Oktbr. In politischen Kreisen wird es als unzweifelhaft bezeichnet, daß noch vor Wiedereröffnung der Cortes eine Aenderung im Cabinet stattfinden werde. Silvela indeß erklärt sich dagegen. Jedenfalls sei das Ministerium in seiner jetzigen Zusammensetzung nicht von Sauer.
Paris, 12. Oktbr. Die „Patrie" versichert auf Grund zuverlässiger Meldungen, daß die Gouverneure sämmtlicher französischer Kolonien den Befehl erhalten hätten, die in Missionen befindlichen Offiziere anzuweisen, keinen Schuß mehr abzufeuern und jedes koloniale Unternehmen aufzugeben.
Belgrad, 12. Oktbr. Die Skuptschina wird am 22. Oktober geschlossen, worauf im Winter eine längere Tagung stattfinden wird. König Alexander wird nach Schluß der Skuptschina eine kurze Auslandreise antreten.
Paris, 12. Oktbr. Es verlautet, Frankreich werde zu der Weltausstellung außer dem Zaren als Chef einer verbündeten Macht an keinen anderen Souverän eine offizielle Einladung ergehen lassen.
Paris, 12. Oktbr. Die hier verbreitete Meldung, daß einem geheimen Abkommen zwischen Deutschland und England zufolge, England die Delagoa-Bai und Deutschland Angola besetzen wolle, begegnet großer Entrüstung. Man glaubt indeß, daß es sich nur um eine englische Manipulation handelt, um Deutschland gegen Frankreich aufzuhetzen.
England und Transvaal.
Amsterdam, 12. Oktbr. In hiesigen unterrichteten Kreisen glaubt man, daß England den Versuch machen werde, an verschiedenen Punkten einen gleichzeitigeil Angriff zu machen, um die Suren zu zerstreuen und auf diese Weise die Aufmerksamkeit derselben nach dem Hauptpunkte des Angriffes abzulenken, gegen welchen alsdann der allgemeine Angriff ausgeführt werden soll.
Rom, 12. Oktbr. Wie die „Italic", das Organ der republikanischen Parteien erklärt, sind zahlreiche Anfragen ein- gelaufen, in denen von Transvaal ans um italienische Freiwillige gebeten wird, aber weder Garribaldi noch Cancini habe eine Expedition vorbereitet. Wie verlautet, wird zwischen den Großmächten verhandelt, um den Krieg zwischen England und Transvaal möglichst zu lokalistren.
London, 12. Oktbr. „Daily Mail" glaubt bestätigen zu können, daß ein g e h e i m e r Vertrag z w i s ch e n England u nb Portugal besteht, nach welchem England seine Truppen durch portugiesisches Gebiet nach Transvaal führen könne. — Demselben Blatt zufolge hat der englische Vertreter in Pretoria der Transvaal-Regierung eine kurze abschlägige Antwort auf das Ultimatum bereits zugestellt.
London, 12. Oktbr. Auf den Börsen in London, Hüll und anderen englischen Städten fanden große K u n d- g e b u n g e n statt, beim Abgang des Ultimatums am gestrigen
Nachmittag. Sämmtliche Makler schwenkten die Hüte und stimmten patriotische Lieder an.
London, 12. Oktbr. Nach einer Meldung aus Ladysmith haben die Buren aus dem Oranje-Freistaat über Homegreen- Kap die Grenze überschritten und bedrohen die Stadt und Eisenbahn-Station. Aus Kapstadt wird versichert, daß die Kap-Kolonie im Kriegszustande erhalten wird.
London, 12. Oktbr. „Standard" meldet aus Charles- town, die Boeren des Oranje - Freistaates haben 37 Meilen südlich von Newcaptown die Grenze überschritten.
London, 12. Oktbr. Ein Telegramm aus Pretoria meldet, daß der britische Agent in Pretoria von der englischen Regierung den Befehl erhalten hat, seine Papiere dem dortigen amerikanischen Vertreter zu übergeben. Derselbe wird für den Schutz der englischen Unterthanen während des Krieges sorgen.
Pretoria, 12. Oktbr. Auf eine Anordnung der Transvaal-Regierung ist das Radfahren außerhalb der Stadt vollständig untersagt. Dasselbe ist nur gestattet im Dienste des Heeres.
London, 12. Oktbr. „Morning Leader" melden, daß sich in Irland eine große Bewegung zu Gunsten Transvaals bemerkbar macht. Es wird dort offen der Wunsch ausgedrückt, daß die Boeren den Sieg davontragen möchten. Irländische Blätter veröffentlichen das Lied eines irischen Dichters, welches einen Aufruf an das irländische Volk zur Unterstützung Transvaals enthält.
Das Recht der Frau.
Es wird in unserer Zeit gar viel über Recht und Pflichten der Frau gestritten; was dem Einen erstrebens- werth scheint, ist dem Andern verwerflich. Gin Recht aber, das Recht, Leiterin der Häuslichkeit zu sein, wird der Frau widerspruchslos zuerkannt und wie aus jedem Rechte erwachsen ihr auch aus diesem: Pslichten. Sie muß es verstehen, ihre Häuslichkeit schön und gemüthlich zu gestalten und sie mit rechter Sparsamkeit einzurichten. Ein Haupterforderniß dabei ist natürlich, die rechten Bezugsquellen zu kennen für Wes, was in Gebrauch kommen soll. So wären ihr die Gasapparate aus der altrenoinmirten Fabrik von Junker & Ruh aufs Wärmste zu empfehlen, da sie sich, wie allgemein anerkannt, als vorzüglich und sparsam vor allen Anderen bewährt haben. Die Junker u. Ruh-Gasapparate sind vom Städt. Gaswerk in Hanau praktisch ausprobirt und als außerordentlich sparsam brennend empfohlen worden. 15851
Molidamin-Wiutergerichte.
Mondamin schätzt man meist nur als ^ommerspeise; jedoch besitzt es ausgezeichnete Eigenschaften gerade zum Bereiten warmer Speisen. Mondamin erwärmt und kräftigt den Körper, es ist ein willkommenes Nahrungsmittel in kalten Tagen. Jeder wird daher erfreut sein, zu lesen, daß Brown u. Polson verschiedene neue Rezepte für heiße Speisen haben, wie (Siercreme, Souffles, Apfelschnitten u. Um Allen Gelegenheit zum Gebrauch zu geben, bietet die Firma die Rezepte in einem Buche kostenlos franko an. Man braucht nur unter deutlicher Adressenangabe sofort an Brown u. Polson, Berlin 6 2, zu schreiben. Engros: Otto Rasch, Cassel.