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Amtliches Organ für Htaöt- und Lanökreis Hanau.

Erscheint täglich mit Äusnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristisä er Beilage

Nr. 237.

Dienstag den 10. Oktober

1899

Amtliches.

^»tabt^rew ^banau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung zu Hanau

am Donnerstag den 12. Oktober 1899, nachmittags 5 Uhr, im oberen ^aalc des Rathhauses.

Tagesordnung:

1. Betr. Vermächtnisse der Pedro Jung'schen Eheleute.

2. Betr. Privilegium für eine Anleihe von 1 000 000 Mark.

3. Erwerb des @nmbftü<fe§ Nr. 4a auf dem Frohnhofe zum Preise von 1750 M.

4. Verkauf dreier Bauplätze aus EE 376/191 an Metzger­meister Fritz Anthes.

5. Fluchtlinienplan für die Straße am Mainkanäl.

6. Abänderung der Baulinie am Grünen Weg an der Waldstraße bis zur Querstraße.

7. Betr. Löschung bezw. Umformirung der auf dem Eller'schen Grundstück ruhenden Servitute.

8. Nachbemilligung von 300 M. auf VII A, Titel I, 8 für 1899. Zulage in Gemäßheit des 2. Nachtrags zum Normaletat vom 4. Mai 1892 für Oberlehrer Baseler vom 1. April 1899 ab.

9. Gewährung der Gehaltszulage an Lehrer Schäfer bereits vom 1. 10. 1899 ab.

10. Nachbemilligung von 450 M. Vertretungskosten für Oberlehrer Arendt.

11. Nachbemilligung von 37.50 M. auf VII D, Tit. I, 11 für 1899. Zulage für die Lehrerin Diegeler.

12. Nachbemilligung von 282 M. auf VII C, Titel II, 3. für 1899 zum Ruhegehalt der LehrerwÜtwe Heimel.

13. Nachbemilligung von 122.95^ M. Vertretungskosten für Lehrer Bührmann.

14. Nachbemilligung vonZ 75 M. Miethsentschädigung und 20 M. Gehaltsdifferenz für Lehrer Lohfink.

15. Nachbemilligung von 90 M. auf VII D, Tit. I, 10 zum Gehalt des Lehrers Josef Müller.

16. Nachbemilligung von 511.40 M. auf VII E, Tit. I B für R.-J. 1899 zur Mterszulagenkasse der Lehrer.

17. Nachbemilligung von 170.44 M. Etatsüberschreitung auf Tit. IV Sp.-Et. B pro 1898/99 (Höhere Mädchen­schule).

18. Ordnung über die Erhebung einer Gemeindesteuer von Fleisch 2C. zur endgültigen Zustimmung.

19. Nachbemilligung von 300 M. auf A II B I des Schlachthofetats für Drucksachen rc.

20. Nachbemilligung von jährlich 300 M. Miethsentschädi- gung für den 2. Heizer des Schlachthofes.

21. Einstellung eines 2. Schlachthofburschen mit 18 M. Wochenlohn bei 14tägiger Kündigung. _

22. Nachbemilligung von 10.30 M. für 1899 auf XI, .>. Entschädigung an Landwirth Heckmann für durch Bohrversuche entstandene Fruchtschäden.

23. Nachbemilligung von 230 M. auf II C 4 für 1^99 zur Beschaffung eines weiteren Fahrrades für das etabt= bauamt.

24. Nachbemilligung von 162.95 M. auf II C 4 für 1899 für Telephonanlage im Rathhaus.

25. Mittheilung von der Offenlegung der Stadtverordnetem Wählerliste. . _

26. Eingabe des sozialdemokratischen Lerems betr. 0 m- theilung der III. Wahlabcheilung in mehrere Wahl­bezirke. ,

27. Wahl der Beisitzer und Stellvertreter für bic Stadtver­ordnetenwahl. . . r

28. Wahl eines Mitgliedes zum Kuratorium der HandelS- fchule als Vertreter des kaufm. Vereins.

29. Nachbemilligung von 83.09 M., Kosten durch Benutzung des Theaters bei der Goethefeier.

30. Bewilligung des dem Ausschuß für Volksvorlesungen in 1898/99 erwachsenen Fehlbetrages von 42.70 M., lorote eines Beitrages bis zu 300 M. für 1899/1900.

31. Rechnung der städtischen Sparkasse zur Feststellung der Rechnung und zur Entlastung des Rcchnungsführers.

32. Erhöhung des Zinsfußes der Spareinlagen auf 3 / und der Hypotheken auf 4'/, °/o vom 1. Januar 1900 ab. " .......

33. Abänderung des Entwurfs für die Satzungen der stadti- schen Sparkasse.

34. Einstellung der Hülfskanzlisten Krause und Ehrlich beim Sielbauamt bezw. Meldeamt.

35. Anstellung des Polizeisergeanten Hagemann.

36. Anstellung des Bauschreibers Lüdemann.

37. Verpachtung der gesammten ftädt. Jagd für die Zeit vom 1. Februar 1900 bis 1. Februar 1912 zum Pachtpreise von jährlich 900 M. an Se. Königl. Hoheit den Land­grafen von Hessen.

38. Betr. Klageerhebung gegen einen zahlungsrückständigen Gasentnehmer.

39. Bewilligung von 1850 M. auf E.-O. für 1900 zur Ausführung einer Abortanlage für die gewerbl. Fort­bildungsschule.

40. Betr. Rathhausuhrbeleuchtung.

Hanau den 7. Oktober 1899.

Der Stadtverordneten-Vorsteher.

15859 Canthal.

C zu vliiilill.

Wir bringen hiermit dem Kaufmannsstande des Handels­kammerbezirkes zur Kenntniß, daß in der Plenarsitzung der Handelskammer am 18. September auf Grund der Vorschrift in § 42 Abs. 1 des Gesetzes über die Handelskammern vom 24. Februar 1870/19. August 1897 Herr Chemiker Dr. Theodor Alfred Rau in Hanau als Handelschemiker und Pro- birer für Edelmetalle öffentlich angestellt und beeidigt wor­den ist.

Der Genannte ist auf Beobachtung bestimmter Vor­schriften verpflichtet worden, welche insbesondere die Probe­nahme, die Ausführung wi Untersuchungen und die Er­stattung von Gutachten betreffen.

Interessenten wird über diese Vorschriften nähere Mit­theilung auf Wunsch durch das Sekretariat der Handels­kammer gemacht.

Hanau den 10. Oktober 1899.

Die Handelskammer.

Canthal.

15865 Der Sekretär: S t e l l e r.

Ticnsliiachriüiten aus Sem Kreise.

Gefunden: 1 Radfahr-Vereinszeichen vom Fahrrad­verein 1898 Hanau. 1 blaue Kindermütze mit Quaste.

Verloren: 1 goldene Brosche, ein Mond und Klee­blatt darstellend, mit Perlen besetzt, Wiederbringer Belohnung. 1 Portemonnaie mit 2 M. Inhalt.

Hanau am 10. Oktober 1899.

T « g e s s ch a u.

Die Friedensideologen, hinter welchen namentlich die Umsturzparteien stehen, weil diesen das stehende Heer als unüberwindliches Hinderniß ihrer Absichten ein Dorn im Auge ist, werden durch den Entwickelungsgang der südafrikanischen Krise auf das Eklatanteste Lügen gestraft. Ihre irreführende Theorie gipfelt bekanntlich in der Behauptung, daß dieherrschenden Klassen" Anhänger desMordspatriotismus" seien, während das Volk", worunter hier nur die Genossen zu verstehen sind, den kriegerischen Massenmord und den Militarismus auf das tiefste verabscheue. Unter den Phantomen, welche die Sozial- demokratie den Massen vorzuspiegeln pflegt, spielt die Ab­schaffung der stehenden Heere und die Verhinderung des Kriegs eine große Rolle. Aber die angebliche Friedfertigkeit der Völker hält nirgends vor bem Lärm der Kriegstrommel Stand. Treffend erinnert dieNat.-Ztg." daran, daß es uns nach einander Griechenland, die Vereinigten Staaten und England gezeigt haben, Staaten, in denen derMili­tarismus" nicht entfernt den Einfluß ausübte und ausübt, wie in Deutschland und Frankreich, wie die Dinge in Wirk­lichkeit liegen. Ein rücksichtsloser Debilster, ein Dutzend leidenschaftlicher Reden und Artikel, und die nöthigen Geld- summen, um Propaganda zu treiben, haben überall genügt, um die Dläffen für den Krieg zu stimmen. Trotz aller internationalen Arbeiterverbindungen hat die nationale Seite, wenn sie angeschlagen wird, noch immer den stärkeren Klang und das nachhaltigere Echo. Nicht von den Massen, die blindlings dem Kriegsruf folgen, sondern von einer Minder- heit der Gebildeten geht auch diesmal der Versuch aus, der Stimme der Vernunft und der Gerechtigkeit Gehör zu ver­schaffen. Mit welchem Erfolg, hat die Versammlung auf Trafalgar-Square gezeigt, wo die Vertheidiger des Friedens von den Männern des Volkes niedergeschrieen wurden. Wäre die Behauptung der Genossen von der Mission des

Militarismus" richtig, so müßte das Deutsche Reich von Krieg zu Krieg taumeln. In Wahrheit bildet die so viel verlästerte deutsche Heeresverfassung die einzig sichere Friedens­bürgschaft für uns selbst und damit für die ganze Welt.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depeschen-Bureau.Her old)

Berlin, 8. Oktbr. Die Königin Wilhelmine der Nieder­lande wird heute Nachmittag im Potsdamer Stadtschlosse den Staatssekretär Grafen Bülow, den niederländischen General- Konsul George und eine Deputation des Berliner nieder­ländischen Vereins empfangen. Heute Abend findet Konzert im Neuen Palais statt.

Berlin, 9. Oktbr. Ein schwerer Bau-Unfall hat sich heute Vorinittag auf dem Grundstück Kleine Frankfurter Straße 11/12 und Landsbergerstraße 89 zugetragen, woselbst ein vierstöckiger Neubau aufgeführt wird, der im Rohban schon fertig ist. Durch den Einsturz eines Theiles des Ge­bäudes wurden zwei Arbeiter unter dem Schutt begraben. Einer derselben war bereits todt, als man ihn aus den Trümmern hervorzog, der andere konnte bisher aus seiner Lage nicht befreit werden. Doch dürfte auch er ge- tödtet sein.

Berlin, 9. Oktbr. Die zweite Leiche der bei dem Haus-Einsturz verunglückten Arbeiter wurde in den ersten Nachmittagsstunden aus den Trümmern hervorgezogen.

Berlin, 9. Oktbt. (Prozeß gegen den Klub der Harmlosen.) Kriminal-Kommissar von Manteuffel verlangt zunächst das Wort zu einer Erklärung gegenüber den vielen gegen ihn gerichteten Preßangriffen der letzten Tage. Derselbe bezeichnet die Aeußerungen der Blätter, daß er hier gesagt haben solle, er hätte auch gegen Dr.Kornblum Ermittelungen wegen gewerbsmäßigen Glücksspieles angestellt gehabt, als auf einem Mißverständniß beruhend. Gegen Dr. Kornblum war die Einleitung des Verfahrens beschlossen und er, von Manteuffel, habe sofort der Ueberzeugung Aus­druck gegeben, daß Dr. Kornblum intakt sei. Frühere Er­mittelungen, welche er angestellt, hätten ergeben, daß Dr. Korn­blum ein sehr bedeutendes Vermögen, keinen Anhang in ge­werbsmäßigen Spielerkreisen hatte und aus guter Familie stammte. Sein, des Kriminal-Kommissars Dementi im Kleinen Journal" bezweckte eine Unterdrückung der Preß- fehde, wozu er vom Untersuchungsrichter ausdrücklichen Auf­trag hatte, damit Dr. Kornblum nicht vor den Kopf gestoßen werde. Die Angeklagten von Kayser und Kröcher bleiben da­bei, daß eine Voruntersuchung geschwebt und daß sowohl ein dem Angeklagten befreundeter Referendar diese Akten in der Hand gehabt, als auch ein vom Untersuchungsrichter ver­nommener Oberkellner namens Sommer die Akten auf ben Tisch des Untersuchungsrichters habe liegen sehen. Es kommt alsdann zu einer längeren Auseinandersetzung der ä la suite- Stellung des Angeklagten von Kröcher. Das General-Kom­mando soll um genaue Angaben hierüber gebeten werden. Der nächste Zeuge'ist der Gerichtsassessor von Mörs, welcher im Viktoria-Hotel mit den Angeklagten von Kaiser und von Kröcher gespielt hat. Derselbe sagt aus, daß er beiden Herren Vorwürfe gemacht habe, weil sie mit Leuten wie Wolfs verkehrten und solch dunkle Ehrenmänner in ihren Klubauf- nähmen. Die Angeklagten hätten ihm erklärt, daß Wolff tadellose Manieren habe und unmöglich ein Lump sein könne. Bald nach diesen Vorstellungen seien die Enthüllungen im Berliner Tageblatt erfolgt. Der Zeuge verwahrt sich gegen die Verdächtigung, daß er ein Freund und Vertrauter des Dr. Kornblum gewesen sei. Derselbe sei nur nach den Ver­öffentlichungen im Berliner Tageblatt zu ihm gekommen. Er habe ihn gebeten, in einer Affaire mit von Kayser und von Schachtmeyer sein Kartellträger zu sein, da sich beide Herren abfällig über Kornblum, den sie als Urheber des Ar­tikels im Berliner Tageblatt schilderten, geäußert hatten. In der Nachmittagssitzung gab der Kriminal-Kommissar von Manteuffel auf 'wiederholtes Drängen der Vertheidigung zu, daß einzelne Sätze des Protokolls über die Vernehmung des Zeugen von Gersdorf dem Untersuchungsrichter von ihm, Manteuffel diktirt worden seien. Es wurde sodann die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Der Zeuge, Oberkellner Krieger, war im Winter 1897/98 im Viktoria-Hotel als Kellner' bedienstet und hatte bic dort tagenden Spieler-Cirkel zu bedienen. An denselben hätten sich von den Angeklagten nur die Herren von Kröcher und von Kayser betheiligt. Es sei ziemlich hoch gespielt worden. Alsdann folgt die Ver­nehmung des Oberkellners Kotz, der bei Hecht die Spieler- Cirkel zu bedienen hatte. Den Doktor Kornblum habe er einmal aus dem Lokale hinausgeworfen, weil ihm derselbe verdächtig vorkam. Kornblum habe übrigens als Leiter des