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Nr. 234.
Freitag den 6. Oktober
1899
Amtliches.
StaölUvsrs j^anatt.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Fabrikgebändc mit großem WerWtz.
Die städtische Besitzung Nr. 9 der Leipzigerstraße, in welcher seither eine Holzschneidern betrieben wurde, soll zunächst auf die Dauer von 5 Jahren vermiethet werden.
Die unterzeichnete Amtsstelle ertheilt nähere Auskunft unb find daselbst Beschreibung unb Bedingungen in den Stunden von 10—12*/, Uhr von Interessenten einzusehen.
Hanau am 3. Oktober 1899.
Stadtbauamt I.
Thyriot. 15650
Handelsschule.
Der Unterricht in der Handelsschule beginnt Montag den 9. Oktober d. J., morgens 3/*7 Uhr.
Hanau den 3. Oktober 1899.
Der Dirigent der Handelsschule.
Dr. Ankel. 15485
Fortbildungskursus für Mädchen.
Der Unterricht in dem Fortbildungskursus für Mädchen beginnt Montag den 9.'Oktober d. I., nachmittags ^sö Uhr, und findet von jetzt ab im Altstädter Nath- Haus statt. Gelehrt wird: Französisch, Englisch, deutsche Korrespondenz, Buchführung, Rechnen, Schreiben. Anmeldungen nehme ich in meiner Wohnung, Bebraer Bahnhofstraße 14, entgegen.
Hanau den 3. Oktober 1899.
Der Dirigent der Handelsschule.
Dr. Ankel. 15486
Ticsstmchrichtcil aus dem Kreise
Gefunden: 1 Bettvorlage, 6 Eintrittskartenvom Gesangverein „Germania", 1 Wanderschein für Heinrich Maurer.
Zugelaufen: 1 gelber Pinscherhund w. Geschl.
Hanau am 6. Oktober 1899.
^euiltetoiL
Aus Kunst und Leben.
* Ueber das Schaffen des Schauspielers hat ein darstellender Künstler, Ferdinand G r e g o r i, dessen gehaltvollen Vortrags über das gleiche Thema im Berliner Rathhause s. Z. auch hier Erwähnung gethan ward, der Oeffent- lichkeit jetzt eine in Ferd. Tümmlers Verlagsbuchhandlung zu Berlin erschienene Schrift übergeben, deren erster Theil: Wesentliches und Unwesentliches der Kunst (des Schauspielers) mit Geist und Gründlichkeit behandelt, dem angehenden Darsteller ein werthvoller Führer in das Gebiet seine Thätigkeit werden kann und dein Laien ein sehr verständliches und wahres Bild der von gar mancherlei Einflüssen noch niedergehaltcneu freien Entwicklung höherer Schauspielkunst in ihrem jetzigen Zustande zu geben vermag, ihm eine Kenntniß mehr innerer Vorgänge im Bühnenwesen verschaffen wird, die geeignet ist, richtigeren Anschauungen über den Ernst der Aufgaben der darstellenden Künstler, ihren im eigentlichen Sinne bedeutsamen Beruf Verbreitung zu sicherm. Herr Gregori hat es verstanden, das Interesse des Lesers vom Fach, wie jedes halbwegs Kunstverständigen durch seine klare Z arstellung auch im Buche 311 fesseln, wie es ihm s. Z.ün Vor- trage gelungen. Im zweiten Theil hat Gregori die B ü h nen- darstellung der Hamletrolle in den Kreis einer umfänglichen Betrachtung gezogen, die viele interessante Gesichtspunkte und neue Gedanken enthält. Nichts entgeht s einer . Aufmerksamkeit, was zur Klarlegung des Charakters des Helden, zur vernünftigen Deutung seiner Eigenheiten und Sonderbarkeiten führen kann. Ein entschiedener Vertheidiger der Mannhaftigkeit des Helden, natürlich nicht blos im ei nur einer äußerlichen Auffassung, weiß der Verfasser der Schrift an vielen Beispielen die Richtigkeit seiner Anschauungen nach-
Der Dreibund, der Zweibund und die Neutralität im Transvaalstreite.
In Rußland nimmt man am energischsten Partei gegen das Vorgehen Englands in der Transvaalsrage. Ein russisches Blatt hat deutlich darauf hingewiesen, daß Rußland, um England von dem Kampfe gegen die südafrikanische Republik abzuhalten, eine Diversion nach Persien und Afghanistan machen solle, ein anderes russisches Blatt hat verlangt, daß zwei oder drei der europäischen Kontinentalmächte Einspruch gegen das Vorgehen Englands erheben sollten.
Welche Mächte sollen dies sein? Die im Dreibünde vereinigten Mächte oder Rußland mit seinem Bundesgenossen Frankreich? Was den Dreibund anlangt, so sollte man zunächst daran denken, daß an eine gemeinsame Akiion der drei Mächte in diesem Falle nicht zu denken wäre. Oesterreich und Italien nehmen naturgemäß wenig Interesse an dem Schicksale der Buren. Oesterreich, das überhaupt keine Kolonien besitzt, hat naturgemäß höchstens ein handelspolitisches Interesse an der Abwickelung überseeischer Differenzen, Italien aber, das sich einst mit einem wahren Heißhunger in koloniale Abenteuer stürzte, hat ein Haar darin gefunden, und man könnte es ihm gewiß nicht übelnehmen, wenn es schon gar keine Lust empfände, sich in Angelegenheiten zu mischen, die nicht im Geringsten die ©einen sind.
Bliebe also Deutschland. Abgesehen aber von allen sonstigen Gründen hat Deutschland gerade^um seiner Bundesgenossen willen Veranlassung, in der Transvaalfrage sich große Reserve aufzuerlegen. Daß eine Einmischung Deutschlands eine starke Verstimmung Englands zur Folge haben müßte, werden selbst Diejenigen zugeben müssen, die einer solchen Einmischung an sich nicht abgeneigt find; eine solche Einmischung wird, wie Fürst Bismarck sich einmal ausgedrückt hat, von dem davon betroffenen Staate in. „Rechnung gestellt." Da nun aber Deutschland als Haupt des Dreibundes gilt und es ja auch ist, so würde die Verstimmung Englands sich auf den ganzen Dreibund erstrecken, was besonders in Italien bitter empfunden würde, denn dort rechnet man finden Fall eines Krieges mit Frankreich auf den Schutz der ausgedehnten italienischen Küsten durch die Hülfe der eng- lischeu Flotte. Fällt diese Voraussetzung fort, so ist das Verbleiben Italiens im Dreibünde ernsthaft in Frage gestellt. Scheidet aber Italien aus dem Dreibünde aus, so sind die Folgen noch weitergehende, weil dann auch Oesterreich behindert wäre, im Falle eines Koalitions-Krieges seine volle Heereskraft gegen den gemeinsamen Gegner zu roenben. Dies hat schon Fürst Bismarck richtig erkannt, indem er einmal erklärte, daß Italien für den Dreibund auch dann noch, von Werth sein würde, wenn es auch nicht einen Mann an die Grenze schickte, denn es würde dann immer noch der Vortheil
zuweisen. Der Verlegung der Vorgänge des Stückes in die Zeit, da der Humanismus schon weithin treibende Zweige am Baume der Wissenschaft zur Blüthe gebracht, an das Ende des Jahrhunderts da Luther schon in Wittenberg gelehrt, wird von Gregori als eine berechtigte Forderung hingestellt. Bisher ist dies in Deutschiaud nicht geschehen — ob in England ist dem Schreiber dieser Zeilen nicht bekannt. Es läßt sich indeß nicht abweisen, daß die philosophischen Abhandlungen, in denen Hamlet sich an verschiedenen Stellen ergeht, wohl eine reifere Geistesbildung voraussetzen lassen als sie auch ein dänischer Prinz etwa zwei Jahrhunderte früher besessen haben mag — und so groß ist, Alles betrachtet, wenigstens der Unterschied in der Auffassung der Zeitlage der Hamlet- begebenheiten an den deutschen Bühnen heutzutage noch. Es ist tticht möglich, in diesem Berichte bcm außerordentlich fleißig zusammengestellten K 0 m m enta r, wenn ich diese Bezeich- nüng wählen darf, für eine speziell die darstellerische Hamletaufgabe ins Auge fafseitde Behandlung an dieser Stelle eingehender ztl folgen, obwohl es sich schon lohnen dürfte einige Beispiele der kritisch geübten, scharfsinnigen Betrachtung des Verfassers anzuführen. Nur darauf sei hin- gewiesen, daß eine Zeit, in der ein täglich durch feinen Beruf in Anspruch genommener Künstler, ein S ch a u s p i e l e r ohne in wissenschaftliche Breitschweisigkeit zu verfallen, an= schaulich und klar — Scene für Scene — eine so durchdringende Lösung der schweren Aufgabe einer Hamlet-Analyse bewältigt, der Ernst idealen Strebeus zu höherer Kuustent- wicklung in dem Kreise des Nachwuchses unserer bedeutenden Vorbilder der Menschendarstellung noch tticht erloschen ist und daß das von Gregori gegebene Beispiel eindring l ich st e n S tud iu m s einer B üh neng est a lt von fa st unerschöpflichem I tt h a I t hoffnungerweckend ist für die ganze jüngere, dem seichten Milieu entstrebende Künstler- generation, daß sie aus sich selbst bald dahin gelangen werde,
bestehen bleiben, daß Oesterreich seine Südgrenze nicht zu schützen brauchte. Man sieht also, daß das Ausscheiden Italiens aus dem Dreibünde auch die Akkionskraft Oesterreichs hemmen würde.
Die Folge des Aufgebens der Neutralität seitens Deutschlands wäre also die Jnvalidirung des Dreibundes und damit die für Deutschland sich ergebende Nothwendigkeit, sich von Rußland und in einem gewissen Maße auch von Frankreich abhängig zu machen, weil es gegen die Rachsucht Englands Bundesgenossen, die in einem Gegensatze zu England stehen, suchen müßte.
In einem solchen natürlichen Gegensatze zu England stehen Rußland und Frankreich und darum erscheinen diese Mächte zu einer Intervention viel geeigneter. Diese Gegensätze sind nicht nur historischer Art, sondern auch andauernde Gegensätze der politischen Interessen und Bestrebungen. Die Reibung der englischen und russischen Interessen kann man eine konstante nennen, der Konflikt französischer und englischer Interessen ist am Niger, am Nil, in Faschoda, in Madagaskar, am Rothen Meer, in Hinter-Jndien und in China in den letzten Jahren wiederholt hervorgetreten.
Frankreich und besonders auch Rußland haben aber auch äußerlich ganz andere Mittel, Englands Aktion zu lähmen, als Deutschland. Ein Protest Deutschlands gegen die englische Transvaalpolitik würde ja wahrscheinlich die englische Politik beeinflussen, aber wenn es nicht der Fall sein sollte, so müßte dieser Protest auf dem Papiere stehen bleiben. Ruß- lang aber kann jederzeit, z. B. durch die oben erwähnte, von einem russischen Blatte selbst angedeutete Diversion nach Per- sien oder Afghanistan England zwingen, nicht nur auf die Entsendung weiterer Truppen aus Indien nach Südafrika zu verzichten, sondern sogar die von dort nach Süd-Afrika entsandten Truppen wieder zurückzubeordern. Damit aber würde natürlich den Buren eine unmittelbare Unterstützung zutheil werden. Es fällt uns nicht bei, und es widerspräche dies ja auch der strikten Neutralität, einer russischen Intervention M§ Wort reden zu wollen, aber wenn denn schon russische Blätter Andeutungen von einer Aktion kontinentaler europäischer Großmächte machen, so erschien es angebracht, dar- zuthun, daß eine solche Aktion allenfalls von den Mächten des Zweibundes ausgehen könnte, nie aber von denen des Dreibundes.
Politische und unpolitische Nachrichten.
Berlin, 5. Oktbr. (Prozeß gegen den K l u b der Harmlose n.) Dr. Schwindt verliest ein Telegramm des Generals von Kröcher, wonach derselbe heute Mittag als Zeuge erscheint? Zeuge Hauptmann von kluger, über das Ausscheiden des Angeklagten Kröcher aus dem aktiven Dienst
der deutschen Schaubühne unb sich selbst wieder größere Auf- gabeit gestellt zu sehen, auf daß sich bewahrheite das ehrende imb mahnende herrliche Wort des Dichters, welches er den Künstlern zuruft : „Der M e n s ch h e i t W ü r b e ist in Eure Hand gegeben — bewahret sie; sie finft mit Euch, mit Euch wird sie sich heben!" — V. Hertel.
Der deutsche Farbenholzschnitt auf der Pariser Weltausstellung 1900» Der Buntdruck hat in Deutschland im Laufe der beiden letzten Jahrzehnte einen ungeahnten Aufschwung genommen und seine Kunsterzeugnisse haben im Ausland derart Beachtung gefunden, daß Verleger anderer Länder mit Vorliebe deutsche Farbenholzschnitte beziehen. An der Vervollkommnung des farbigen Holzschnitts hat eine Berliner Firma, die Xylographische Anstalt Rich. Bong hervorragend Antheil; sie hat das unbestrittene Verdienst als er ste den Farbenholzschnitt in die Journallitteratur eingeführt und dadurch in artistischer Beziehung einen völligen Wandel auf illustrativen Gebiete geschaffen zu haben. Die in ihrer Technik unerreicht'!! farbigen Kunstblätter, die die genannte Anstalt für die drei Zeitschriften „Moderne Kunst", „ Zur Guten Stunde" und „Für Alle Welt" liefert, machten berechtigtes Aufsehen. In Anerkennung dieses für die deutsche Kunsttechnik bemerkrnswerchen Verdienstes hat die Leitung der Pariser Weltausstellung die Xylographische Anstalt Rich. Bong, die sich sonst an der Ausstellung nicht betheiligt haben würde, eingeladen, einen Rahmen ihrer farbigen Holz- fdmitte, wie sie solche für die drei Zeitschriften und für die bekannten großen Verlagswerke so „Das XIX. Jahrhundert in Wort und Bild" herstellt, in der deutschen Abtheilung für graphische Künste unb Handzeichnungen der Pariser Weltausstellung '1900 vorzuführen. Die genannte Anstalt hat diesem Rufe Folge geleistet undbereitet eine Auswahl ihrer Buntdrucke zur Ausstellung vor, um auch mit diesen Zweigen deutschen Kunstschaffens vor dem Ausland würdig zu repräsentireu.