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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 232.

Mittwoch den 4. Oktober

1899

Hierzu

--Amtliche Beilage" Nr. 63.

Amtliches.

SlctölK^ers ^ana^t.

Bekanutmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Handelsschule.

Der Unterricht in der Handelsschule beginnt Montag den 9. Oktober d. I., morgens "/.7 Uhr.

Hanau den 3. Oktober 1899.

Der Dirigent der Handelsschule.

Dr. Ankel. 15485

Fortbildungskursus für Mädchen.

Der Unterricht in dem Fortbildungskursus für Mädchen beginnt Montag den 9. Oktober d. I., nachmittags l/s5 Uhr, und findet von jetzt ab im Altstädter Rath- Haus statt. Gelehrt wird: Französisch, Englisch, deutsche Korrespondenz, Buchführung, Rechnen, Schreiben. An­meldungen nehme ich in meiner Wohnung, Bebraer Bahnhofstraße 14, entgegen.

Hanau den 3. Oktober 1899.

Der Dirigent der Handelsschule.

Dr. Ankel. 15486

Dicllftnachiichtcii aus Sem Kreise.

Gefunden: Eine gelbe lederne Handtasche mit einem weißen Taschentuch. Ein kleines schwarzes Kinderportemonnaie mit einem goldenen Kinderring. Von der Post hier abge­liefert eine Fünf-Pfg.-Marke.

Verloren: Ein Laternenköcher. Ein Frankfurter Pferdeloos Nr. 4464.

Entlaufen: Ein kleiner weißer Foxterrier mit braunen und schwarzen Abzeichen, m. Geschl., mit Halsband und Steuermarke mit dem Namen Schmidt.

Hanau am 4. Oktober 1899.

Die Transvaalkrisis.

Wenn nicht noch ganz unvorhergesehene Dinge geschehen, wird der Krieg zwischen England und Transvaal in Kürze ausbrechen. Alle Nachrichten stimmen darin überein, daß die Buren in Transvaal in vollem Aufmarsch nach den ge­fährdeten Kreuzpunkten ihres Laiches begriffen sind und daß I

Feuilleton.

Rußlands Kaiserin in der Heimath.

Zum dritten Male seit ihrer Verheiratung befindet sich Kaiserin Alexandra mit ihrem Gemahl, Zar Nikolaus IL, in ihrer hessischen Heimath, wo sie in Wolfsgarten Aufenthalt genommen haben.

Von der Bahnstation Engelsbach aus airf der Linie DarmstadtFrankfurt läßt sich das Schlößchen Wolfsgarten auf einem durch Wiesen und Aecker an einer Villa vorüber- führenden Landwege in einer halben Stunde zu Fuß bequem erreichen. Tief verborgen steckt es mitten in einem Park, dessen mächtiger Baumschlag und üppiges Rasengrün an englische Verhältnisse gemahnen. Erbaut ist Wolfsgarten vom Landgrafen Ernst Ludwig (1678 bis 1739), der in seiner Jugend am Hofe von Versailles französischen Geschmack kennen lernte und dann, gleich anderen deutschen Fürsten belebt war, ihn in seinen Landen nach Kräften nachzu- ahmen.

In den Wohnungen des Prinzessinnenbaues hat die jetzige Kaiserin von Rußland reizvolle Jugendtage verlebt. Sogar ihre Handschrift hat Prinzessin Alix hier zurück­gelassen : Eine Blumenschrift, lose Brombeerranken auf einer Thürfüllung. Vor ihrer Verlobung mit dem russischen Thron­folger hegte die Prinzessin die Absicht, das nüchterne Weiß sämmtlicher Thürfüllungen auszumalen. Möglich, daß dieser Plan sich doch noch einmal verwirklicht; denn zu dem Idyll von Wolfsgarten zieht es die russische Kaiserin immer wieder zurück. Trotz der regenerfüllten, naßkalten Atmosphäre, die auch den Aufenthalt in dem weiten Park nur auf kurze Stunden gestattet, geht es in den alten Räumen von Woffs- Lartey recht gemüthlich und fröhlich zu. In die Familien-

ebenso auch im Oranje-Freistaat die Mobilisirung der waffen­fähigen Leute im Gange ist. Diplomatisch war der Streit schon vor Wochen auf einem todten Punkte angelangt; der englische Ministerrath zögert zwar noch, sein letztes Wort zu sprechen, aber auch in England ist die Hoffnung auf einen sriedlichen Ausgleich geschwunden.

In Rußland, Holland, Belgien, Frankreich und Deutsch­land sind die Sympathien überwiegend auf der Seite der Buren. Psychologisch erklärt sich das einfach aus der Theil­nahme, die der Kampf eines Volksstammes um seine Selbst- ständigkeit gegen einen mächtigen Widersacher zu erregen pflegt. Politisch kommen die mancherlei Gegensätze gegen jedes Anwachsen der Weltmacht Englands in Betracht.

Während des spanisch-amerikanischen Krieges hatte sich die öffentliche Meinung bei uns zum Theil zu Gunsten Spaniens erhitzt, wozu weder ein zureichender psychologischer noch poli­tischer Grund vorlag und was uns ganz ohne Noth eine Verstimmung in den Vereinigten Staaten zuzog. Wir wer­den uns hüten müssen, jetzt in denselben Fehler zu ver­fallen, und vor allem zu fehen haben, nicht daß wir den Sympathien und Antipathien freien Laus lassen, sondern wie wir unsere Interessen am besten wahren.

Einzelne Heißsporne haben schon getadelt, daß unsere Regierung strikte Neutralität beobachtet; aber gäbe es wohl etwas Thörichteres, als sich aus platonischen Gefühlen in einen Streit einzumischen, in dem für uns wenig auszurichten wäre! Gewiß wird es bei uns, so gut wie in Rußland und Frank­reich, als bedenklich und für die eigenen Interessen nach­teilig betrachtet, wenn es England gelingen sollte, in Afrika eine ununterbrochene Länderkette vom Kap bis zum Nil zu besetzen. Aber es darf auch niemals vergessen werden, daß wir, so lange unsere Flotte noch so schwach ist, im Wesentlichen auf diplomatische Mittel angewiesen bleiben, unsere Interessen zu wahren und uns neue Vortheile zu ver­schaffen. Daß es daran zur rechten Zeit nicht fehlen wird, hülfen wir von der Kaiserlichen Politik erwarten.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depescheii-Bure au .Herold)"

Berlin, 3. Oktbr. Der Kaiser hörte heute Mittag den Vortrrg des Chefs des Civilkabinets, von Lukanus. Das Kaiserpaar trifft am Donnerstag Abend wieder in Berlin ein.

Berlin, 3. Oktbr. Die Abgeordneten der Linken haben beschlossen, die Regierung aufzufordern, in Unterhandlungen mit der niederländischen Regierung zu treten, um eine I n= terv ention der Großmächte zur Verhütung eines Krieges zwischen England und Transvaal zu erwirken.

gespräche der Erwachsenen mischt sich das laute Gelächter von Kinderstimmen. Eine ganze Kindergesollschaft ist auf dem Schlößchen versammelt. Zu den beiden kleinen Großfürstinnen Olga und Tatjana gesellen sich die fünfjährige Prinzessin Elisabeth von Hessen und die Kinder der Prinzessin Ludwig von Battenberg, der ältesten Schwester.her russischen Zarin. Der stark ausgeprägte Familiensinn, der Prinzessin Alix am heimischen Hofe sozusagen mit der Muttermilch eingesogen, findet sich im gleichen Grade ausgeprägt beim russischen Kaiser. Die hessischen und russischen Herrschaften harmoniren darin vorzüglich, und deshalb amüsiren sie sich in diesem engen Aufeinanderangewiesensein in Wolfsgarten, wo es weder Hof­feste, noch offizielle Empfänge gibt, in harmlosester Weise ganz wundervoll. Das einfache, zunächst liegende wie Kaffeekochen und Pfannkuchenbacken bereitet oft das größte Vergnügen.

Wer den russischen Kaiser nur von offiziellen Gelegen­heiten her kennt, hat sich das Bild eines tief melancholischen, regierungsmüden Monyrchen zusammenfabiüirt, dessen Sehn­sucht nach demewigen Frieden auf Erden" im letzten Grunde nur bem Mangel an Initiative entstamme. Wenn der Zar sich ledig aller äußeren Rücksichten weiß, thaut er auf, und die Darmstädter haben ihn auf der Strafe wie im Theater schon oft lächeln und lachen gesehen. Die sprudelnde Lebens- freüdigkeit des jungen Großherzogs wirkt jedesmal sehr an­regend und belebend auf den hohen Gast. In Darmstadt haben sich die Herrschaften bis jetzt nur sehr fiwz und ganz unerwartet gezeigt, noch dazu an einem Tage, an welchem des Himmels Schleusen besonders ergiebig offen standen, so daß von Ansammlungen und Gaffer sien seitens des Publi­kums nicht die Rede sein konnte. Kaiserin und Großher- zogin besuchten dieAliceschule", eine Stiftung der seligen Gkoßherzogin Alice, besahen die aufgelegten Prüfungsarbeiten der Schülerinnen, die sich in diesem Institut zu Handarbeits-

Berlln, 3. Oktbr. Bei der während des Geographen­tages im Palais des Reichskanzlers verunstalteten Soiretz hatte der Vertreter des PariserFigaro", Routier, eine Unterredung mit Hohenlohe. Der Kanzler sagte, die Kolonial-Politik müsse ernsthaft betrieben werden, wenn man gute Geschäfte machen wolle. Die Begnadigung von Dreyfus habe sich nothwendig aus dem Urtheil von Reimes ergeben, welches deutlich genug den Mangel jedes Schuld­beweises habe erkennen lassen. Frankreich und seine Re­gierung hätten sich in dieser Angelegenheit durchaus ehrenvoll verhalten. Der Reichskanzler erklärte ferner alles für ab­surd, was über die Agitation gegen die Ausstellung gefabelt worden sei und schloß mit den Worten: In Massen werden die Deutschen nach Paris kommen. Wir hoffen dort Ehre einzulegen mit unseren Fortschritten.

Berlin, 3. Oktbr. Der Unterstaatssekretär des Aus­wärtigen Amtes, Freiherr von Richthofen, hat einen längeren Urlaub angetreten. An seiner Stelle wird, wie im vorigen Jahre, der preußische Gesandte in Stuttgart, von Derenthal die Geschäfte führen. Aus diesem Personen­wechsel in der Leitung der Geschäfte und aus der daraus hervorgehenden Thatsache, daß Staatssekretär Graf Bülow seinen Sommer-Urlaub noch weiter in den Herbst hinein aus­gedehnt hat, ist nach denBerliner Neuesten Nachrichten" mit Sicherheit anzunehmen, daß Deutschlands internationale Be­ziehungen gegenwärtig nicht die geringsten unruhigen Be­wegungen zeigen und ihren durchaus geschäftsmäßigen Gang gehen.

Berlin, 3. Oktbr. Bei dem Reichskanzler, Fürsten Hohenlohe, findet zu Ehren des Staatsministers, Dr. Bosse heute Abend ein Diner statt, zu welchem Mitglieder des Staatsministeriums und andere hochgestellte Persönlichkeiten, u. A. der Staatsminister von Pötticher Einladungen er­halten haben.

Berlin, 3. Okrober. Im Prozeß gegen den Club der Harmlosen wurde heute die Vernehmung der Ange­klagten fortgesetzt. In sehr ausführlichen, theilweise erregten Ausführungen legte der Angeklagte von Kayser dar, wie und mit wem er gespielt habe und betont wiederholt, daß es nach all den thatsächlich vorhanden gewesenen Umständen gänzlich ausgeschlossen sei, daß er ein gewerbsmäßiger Glücksspieler oder gar ein Falschspieler sei. Diese Unterstellung fei gerade­zu unerhört und eine Erfindung des Dr. Kornblum, der da­rauf ausging, durch Zeitungs-Artikel ihn und seine Mitan­geklagten zu vernichten. Er könne sich heute noch nicht vor- stellen, wie seine Verhaftung überhaupt zu Stande gekommen sei. Er behaupte mit aller Entschiedenheit, daß der Kriminal- Kommissar von Manteuffel von Dr. Kornblum planmäßig getäuscht worden sei. 'Auch der Angeklagte von Schachtmeier lehrerinnen, Buchhalterinnen, Comptoristinnen ic. ausbilden, und verfügten sich sodann gleich Zar und Großherzog und den anwesenden Großfürsten in dieAusstellung der Freien Ver­einigung Darmstädter Künstler" in dem geschmackvoll ange­legten Kunstvereinsgebäude am Rheinthor. Hier verweilten die Herrschaften unter der Führung einiger Maler über eine Stunde, bei welcher Gelegenheit der Zar eine Landschaft von Eugen BurchtBirkenwald", ein sehr stimmungsvolles Bildchen in bescheidenem Format, die Zarin eine Holzfigur Charitas" von Georg Busch (München), ein innig em­pfundenes Werk, erwarben.

Für Sonntag, 8. Oktvber, ist die Einweihung der griechisch- ruffischen Kapelle vorgssehex. Diese, im streng orthodoxen Stil gebaut und so prächtig wie der Kultus es erheischt, liegt auf dem sanft ansteigenden Gelände desMathilden- gartens", in einer landschaftlichen Umgebung, die den Bildern der Schwesterkapellen von Baben-Baden und Wiesbaden kaum .etwas nachgibt. Gottesdienst wird in dem Hause wohl nur während der Anwesenheit des russischen Zarenpaares und seines ziemlich großen Gefolges stattfinden können; denn zu einer richtigenRussenkolynie" hat man es in Darmstadt noch immer nicht gebracht, obwohl die elaoen zum Besuch der Technischen Hochschule ein nicht unbedeutendes Kontingent stellen. Für Mitte Oktober- ist and) die NÜbersiedelung in einen Flügel des Großherzoglichen Residenzschlosses geplant, wo schon seit mehreren Wochen alle Zurüstungen zum ent­sprechenden Empfange der hohen Gäste getroffen worden sind.

Das Residenzschloß ist ein weiter, massiver Bau mit drei Höfen, der, in die landgräfliche Zeit hincinreichend, in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts die wohn­liche Einrichtung seiner Herrschaftsräume, sowie die Her­stellung der prächtigenKaiserzimmer" empfing. Das Schloß- innere birgt eine Menge wertvoller Andenken an die Russen­ära unter Alexander- II.