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Auswärts 30 ^.

Amtliches Organ für ^a5f- mt6 LanöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 231.

Dienstag den 3. Oktober

1899

Amtliches. cfiand&rebs K«na»».

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

In Rüdigheim ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und die Orts- und Gemarkungssperre aufgehoben worden. Hanau am 2. Oktober 1899.

Der Königliche Landrath.

V. 10033 v. Schenck.

^faöt^ret# ^anöu<

Bekanntmachungen des Obelbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Wir ersuchen Diejenigen, welche beabsichtigen, sich zum Bezüge von Elektrizität an das städtische Elektrizitätswerk anschließen zu lassen, ihre Anmeldungen baldigst bei der Direktion des Werkes einzureichen, woselbst jede gewünschte Auskunft über Preise für den Anschluß (Jnstallationskosten rc.) bereitwilligst ertheilt wird. &

Hanau den 12. August 1899.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 15421

Im K>ofe der Kanalmühle werden

Mittwoch den 4. Oktober d. Js., nachmittags 3 Uhr, alte Baumaterialien, wie Fenster, Fensterläden, Oefen, altes Eisen und Brennholz, öffentlich meistbietend versteigert.

Hanau den 29. September 1899.

Die Stadtkämmerei. 15313

Dicnstnachlichtcn aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Sporn. Eine blaue Sammtkappe für Mädchen.

Verloren: Eine Rentenquittung für Jöhs. Waller und eine desgl. für Emil Justus Ludwig V., beide von hier.

Zugeflogen: Ein Kanarienvogel.

Hanau am 3. Oktober 1899.

Tagesschau.

Amerikanische Moralpredigten.

Das Moralpredigen verstehen die amerikanischen Blätter gegenüber der englischen kriegslustigen Presse ausgezeichnet. DieSun" schreibt:Die britische Regierung läuft Gefahr, die Achtung des amerikanischen Volkes zu verlieren. Der­artige Gefühle können einem Schauspiele gegenüber, wie es England in der Verwaltigung Transvaal der Welt vorzu- führen beabsichtigt, nicht standhalten." DieWorld" äußert sich folgendermaßen:Wenn der Krieg unglücklich ausgehen sollte, so werden die Sympathien der Amerikaner bei den Boeren sein. Freiheit und Gerechtigkeitsgefühl stehen höher als Jingoismus, trotz unserer augenblicklichen Verirrung auf den Philippinen." Selbst das gemäßigte Blatt, dieTribüne," läßt nur unschwer erkennen, auf wessen Seite seine Sympathien stehen, indem es seine Ansicht dahin zu verstehen gibt, daß der Wunsch Großbritanniens, seine Souveränität über Transvaal gelten zu machen, und das Bestreben der süd­afrikanischen Republik, sich dieser Autorität zu entziehen und ein freier, unabhängiger Staat zu werden,, beides durchaus gerechtfertigt sei. Beide Wünsche können jedoch nicht erfüllt werden, aber auf wessen Seite sich auch immer der Sieg neigt, so ist zu hoffen, daß er in billiger und gerechter Weise ausgenutzt werde, ohne daß Gewaltmaßregeln zur Anwendung kommen." Als die bereinigten Staaten wegen Cubas einen Krieg begannen und die deutsche Presse ungefähr so sprach wie heute die amerikanische, wie wurde sie von den Iankceblättern angefeindet!

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depeschen-Bure au .Herold)'

Berlin, 2. Oktbr. Nach einer telegraphischen Meldung des Gouverneurs von Kamerun ist Hauptmann von Kamptz mit der Schiffstruppe auf seiner Expedition in Ada- maua " am 25. August zum zweiten Male in Twatl em- maschirt und hat derNordd. Allg. Ztg." zufolge, den Nw undo von Tibati, d. h. den dortigen Gewalthaber gefangen genommen. Einen Tag später traf ein zweites Telegramm des Gouverneurs ein, nach welchem aufständische BuUs m überraschender Weise Kribi angegriffen haben, jedoch unter Führung des kommissarischen Bezirksamtmannes Frecheren von

Malsen in mehrtägigem Gefechte zurückgeschlagen wurden. Freiherr von Malsen wurde in den Kämpfen leicht verwundet. Aus den Schlußworten des Telegrammes des Gouverneurs Alles wohl" geht hervor, daß die Lage in den Südbezirken zu Beunruhigungen keine Veranlassung gibt.

Berlin, 2. Oktbr. Die in verschiedenen Blättern auf­getauchte Meldung, daß zwischen Deutschland und England Unterhandlungen über dieSpezifikation" des früheren deutsch- englischen Abkommens hinsichtlich Süd-Afrikas oder über die Delagoa-Bai stattfinden sollen, werden derNational-Ztg." von unterrichteter Seite als unbegründet bezeichnet. Auch über die Transvaal-Angelegenheit werden zwischen England und Deutschland keinerlei Verhandlung geführt.

Berlin, 2. Oktbr/ Der nationalliberale Landtags-Ab- geordnete Schiffs-Rheder und Senator zu Apenrade, Michael I e b s e n , ist in Berlin im Krankenhause gestorben, welches er hatte aufsuchen müssen, weil er von Karlsbad kom­mend aus der Durchreise schwer erkrankt war.

Berlin, 2. Oktbr. Der große Spieler-Pro­zeß gegen den Club der Harmlosen hat heute Vormittag im großen Schwurgerichtssaale unter dem Vorsitz des Landge- richts-Direktors Denso begonnen. Unter den zahlreichen Zeugen befinden sich viele Offiziere, die zumeist Kavallerie- Regimentern angehören. Den drei Angeklagten von Kayser, von Kröcher und von Schachtmeier stehen als Vertheidiger Dr. Schachtel, Justizrath Dr. Sello, Dr. Schwindt und Pinkus 1. zur Seite. Die Anklage wird durch den ersten Staatsanwalt Dr. Jsenbiel und den Staats­anwalt Keller vertreten. Wie der Vorsitzende mittheilt, wird die Verhandlung mehrere Tage in Anspruch nehmen. Doch ist noch nicht vorauszusehen, wie weit sie sich ausdehnen wird. Eine große Anzahl der vorgeladenen Zeugen ist nicht er­schienen. Der Grund ihres Ausbleibens ist sehr verschieden. Der Zeuge Dr. Kornblum ist nicht auffindbar. Zeuge Graf Münster ist aus ein Jahr nach Afrika beurlaubt. Ein an­derer Zeuge befindet sich in Norwegen auf der Jagd, ein dritter in Amerika, mehrere haben Krankheits-Attefte einge­schickt. Zeuge Prinz Thurn von Taxis ist vorläufig abbe­stellt. Die Vertheidigung erklärt, auf den Prinzen als Zeugen nicht verzichten zu können. Der Vorsitzende erklärt, er habe die schriftliche Prüfungsarbeit des Herrn von Kayser durckge- sehen und daraus den Eindruck gewonnen, daß es sich um eine fleißige und werthvolle Arbeit handle. Rechtsanwalt Schachtel gibt anheim, ob es nicht Mittel gebe, den Dr. Korn- 61um, der die Seele der ganzen Belastung sei und die Zeitungs-Artikel inspirirt habe, als Zeugen herbeizuschaffen. Ober-Staatsanwalt von Jsenbiel theilt mit, daß die Staats­anwaltschaft alle Mittel, die ihr zu Gebote stehen, erschöpft habe, um den Aufenthalt des Dr. Kornblum zu ermitteln, ohne daß ihr die Ermittelung gelungen sei. Nachdem beschlossen wor­den, den Versuch zu machen, wichtige Zeugen durch Depeschen nach bem Auslande zum Termin zu laden, wird in die ma­terielle Verhandlung eingetreten. Der Beschluß, wodurch die Eröffnung des Verfahrens wegen Betruges abgelehnt wird, wird verlesen. Der Vorsitzende erklärt, daß der Gerichtshof nun in der Lage sei, zu erwägen, ob neben dem Vergehen des gewerbsmäßigen Glücksspieles in idealer Konkurrenz noch Be­trug vorliege. Bei der nun folgenden Vernehmung gibt der Angeklagte von Kaiser Auskunft überfeine Familienverhältnisse. Er sei. der Sohn des verstorbenen Oberst z. D. Edwin von Kapser. Seine Mutter sei mit bem Oberländforstmeister Bonner eine zweite Ehe eingegangen. Zwei jüngere Brüder seien Offiziere. Der eine sei sehr reich verheiratet. Seine Mutter habe in den letzten Jahren etwa 70 000 Mark für ihn bezahlt. Sie sei jederzeit in der Lage und bereit gewesen, Schulden in bedeutender Höhe zu begleichen. Im Winter 1894/95 sei er nach anfänglichen Verlusten im Glücke gewesen, fodaß er über 30 000 Mark besessen habe, die aber im nächsten Winter verloren gegangen seien. Jetzt habe er 14 000 Mk. Spielschulden. Dagegen kämen ihm etwa 15 000 von an­deren Herren zu Gute. Auf Befragen des Vorsitzenden gibt der Angeklagte zu, den Oberkellner manchmal an Spielabenden angeborgt zu haben. Der Vorsitzende läßt alsdann die Aus­sage der Mutter des Angeklagten von Kapser verlesen. Die­selbe gibt an, daß sie von der Spielleideuschaft ihres Sohnes bis zu, der großen Beichte nichts gewußt habe, daß sie aber jederzeit seine Spielschulden anstandslos bezahlt hab». Im weiteren Verlauf der Verhandlung befreitet der Angeklagte von Kapser, daß er ein luxuriöses Leben geführt habe. Er habe vielmehr gearbeitet, da er vor dem Assessor-Examen ge­standen. Sein Verhältniß mit einem Fräulein Frieda Vogt habe ihn nicht viel gekostet, da dieselbe als Schauspielerin selbst über einige Mittel verfugt habe. Der Angeklagte gibt an, daß sein Aufwand mit dem des Herrn v. Kröcher gar

nicht zu vergleichen sei. Er habe mit der Frieda Vogt einen be­scheidenen Hausstand geführt. Es werden alsdann die Post­karten Krächers an Kapser verlesen, die beweisen sollen, daß Beide sehr befreundet waren. Auf Anfrage erklärt der An­geklagte weiter, er habe immer ein großes Spiel-Interesse gehabt. Als Korps-Student sei ihm aber das Hazard-Spiel verboten gewesen. Erst als er als Referendar nach Berlin kam, sei er in eine Spielgesellschaft gerathen. Der unlieb­same Vorfall des Herrn von Schröder, bei welchem dieser verdächtigt wurde, salsch gespielt zu haben, habe sich im Jahre 1896 abgespielt. Herr von Schrader habe das über ihn umgehende Gerücht auss allerentschiedenste bekämpft. Dieser Vorsall habe Herrn von Zedlitz, der dem Ganzen Vor­stand, veranlaßt, nach London zw gehen. Die Behauptung, von Dr. Kornblum wirthschaftlich abhängig gewesen zu sein, bezeichnet der Angeklagte als falsch, der sich alsdann über den von Dr. Kornblum veranlaßten Artikel desBerliner Tageblattes" ausläßt. Die Angaben von Kapser's hierüber werden von dem Angeklagten von Schachtmeier bestätigt.

Berlin, 2. Oktbr. Die Norddeutsche Allgemeine Zei­tung schreibt: Der Ministerial-Direktor im Ministerium des Innern, Dr. von Bitter ist an Stelle des in den Ruhe­stand getretenen Oberpräsidenten Freiherrn von Willamowitz- Möllendorff zum Oberpräsidenten der Provinz Posen, der Regierungs-Präsident in Bromberg, von Bethmann-Hollweg zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg ernannt worden.

Baden-Baden, 2. Oktober. In der heutigen Sitzung des Vereinstages für Knabenhandarbeit berichteten Landesrath Schmedding-Münster über die ökonomische Lage des Vereins, Oberrcalschuldirektor Röggerath-Hirschberg über Zweck und Bildung der neugeschaffenen Unterabtheilungen des Ausschusses. Lehrer Neumann-Görlitz besprach ibie Anlehnung des Hand­arbeitsunterrichts an die Schule. Die Resolutionen des Ausschusses wurden mit allen gegen eine Stimme angenommen. Dr. Papst-Leipzig besprach die Handarbeit in den höheren Schulen und Seminaren. Hieraus wurde der Vereinstag durch den Vorsitzenden v. Schenkendorf geschloffen.

Wien, 2. Oktober. Der Kaiser nahm die Demission des Kabinets Thun an und genehmigte die Ministerliste des Grasen Clarp-Aldringen, welcher mit dem Vorsitz im Minister- rathe des neuen Kabinets betraut ist. Die Zusammensetzung des neuen Kabinets ist folgende: Graf Clarp-Aldringen Vorsitz im Ministerrathe und Ackerbau, Welfersheimb bleibt Landesvertheidigungsminister, der ehemalige Minister Koerber übernimmt das Portefeuille des Innern. Der bisherige Eisenbahnminister Wittek verbleibt in der gleichen Eigenschaft, der bisherige Oberlandesgerichtspräsident in Trieft, Kindinger, wird Justizminister, Cholendowski, bisheriger Hof­rath im Ministerium für Galizien, Minister ohne Portefeuille für Galizien; Harvelt, bisheriger Sektionschef im Kultus- und Unterrichtsministerium, wird Leiter dieses Ministeriums. Kniaziolucki, bisheriger Seklionschef im Finanzministerium, ist zum Leiter dieses Ministeriums; Stibral, bisheriger Sektions­chef im Handelsministerium, zum Leiter dieses Ministeriums ernannt worden. Die Vereidigung der neuen Minister er­folgt morgen.

Amsterdam, 2. Oktbr. Der Transvaal-Gesandte, Dr. Leyds, notifizirte den Mächten, daß Transvaal, ohne eine Kriegserklärung abzuwarten, noch in dieser Woche die Feindseligkeiten eröffnen werde.

London, 2. Oktbr. Eine Antwort der Buren-Re- gicrung auf die letzten britischen Vorschläge ist nicht einge­gangen. Das Kabinet wird morgen die Abseuduug einer Depesche mit neuen Forderungen beschließen. Der Ausbruch des Krieges kann jetzt jede Stunde erfolgen. Es sind etwa 10,000 Buren an der Grenze von Natal. Auch der Oranje- Freistaat ist sehr eifrig mit Rüstungen beschäftigt. In ganz Pretoria herrscht große Thätigkeit. Die englischen Zeitungen stellten ihr Erscheinen ein. Die Redakteure flüchteten nach Naral, um einer Verhaftung zu entgehen.

London, 2. Oklbr. Wie aus Pretoria gemeldet wirb, nahm der erste Volksraad eine Resolution an, nad) welcher alle Engländer und sonstige Ausländer, die zu ben Buren halten und sich zum Kriegsdienste melden, volles Bürgerrecht erhalten.

Aus Stadt- und Landkreis Hanau.

Nachdruck mscrer Lokalcrt'kcl nur mit Quellenangabe .Hau Anz. gestattet.

* Auszeichnung. Dem Hauswart der Königl. Zeichen- akademie Herrn Gg. B r c d e wurde aus Anlaß seines Ueber- tritts in den Ruhestand dasAllgemeine Ehrenzeichen" ver­liehen.