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Han msr Anzeiger

da, kleine, feuchte Löcher, die tiefer liegen als der Spiegel der vorübergehenden Donau und zumeist gar keine Fenster be­sitzen ; ein kleines, rundes Loch läßt Luft ein, damit der Ge­fangene nicht sogleich erstickt. Die Casematten der Belgrader Festung haben gar manchen serbischen Bürger ausgenommen unb erst all Todten wieder herauszegeben. Ob die Unglück - l chen eine« natürlichen Todes starken, ob sie den Giftbecher tranken, o?er ob sie erdrosselt wurden — wer weiß es? In der Belgrader Festung gibt es ja noch eine einfachere Methode, um zu sterben. Gegenüber dem Festungskommando führt eine unheimlich tiefe Stiege zu einem unterirdischen, noch auS der Rör-erzeit stammenden Brunnen, dessen Spiegel tiefer liegt a 8 der Grund der Donau. Mancher politische Sträfling hat den Ganz zu diesem Brunnen unternommen unb — wurde nicht mehr gesehen. Er war einfach verschollen, und da« mußte seinen Angehörigen genügen. — Auch die finsteren, für politische Häftlinge bestimmten Löcher der Poscharevocer Straf« anstatt sind unheilvolle Herbergen für gefallene G.ößen in Serbien. Vasa Püag'c, der Führer der serbischen Sozial- demokraten, starb vor einigen Monaten im Strafhause Poscharevac — die Volksstimme sagt: an Gift. Vasa Prlagic wurde wegen Hochverraths verurtheilt und bald nachdem er in das Gefängniß eingelitfert war, meldete da« Preßbureau des Belgrader Auswärt gen Amtes nach Europa: „Pclazic ist gestorben!" Allein der Jubel war verfrüht, das Quantum Gift scheint zu schwach gewesen zu sein, denn die ^Thatsache, daß Pelagic noch lebte, desavouirte die offizielle Sterbenach­richt deS Auswärtigen Amte«. Pelagic war noch nicht todt, wohl aber rang er ums Leben, und erst einige Wochen später hatte er auSgelurgm. Woran er starb? Amtlich hieß es wie immer; „an einem Unterleibsleiden". Auch der Exminister Pasezic, ver wegen MajestätSbeteidigung im Poscharewacer Gefängnisie saß, war bereits noch kurzem Aufenthalt laut amtlicher Meldung an einem verdächtigen Unterleibsleiden er­krankt. Daß das Poscharewecer Gefängniß so prompt ar­beitet, wird man verstehen, wenn man weiß, daß de selbe Mann Gesäagnißdirektor geworlea ist, unter desieu Direkto - schaft die huben Frauen Markomc und Kaischanin im Arreste erschlagen wurden!

Verheerende FenerSbrunst in Nokohama. Eine verheerende Feuersbrnust hat in der Nacht von 12. zum 13. «uzust daS Eingeborenmviertel in N-kohama hsim- gesacht und einen ganzen Stadltheil, über 3000 Häuser, darunter auch die allen Globetrottern wohlb kannte Straße „I e;akicho" zerstört. 2))koha«a gliedert sich in drei Stadt­theile ; im Osten, an der Bay, liegen die europäische« Nieder­lassungen, daran schließen sich nach Westen zu die Re hen der japanischen öffentlichen Gebäude und erst hinter diesen erstreckt sich weithin die Einzeborenenstadt mit^ih'en vielen tausend kleinen Häusern, ihren Tempeln, Schule« und Thcaiern, ihre« freundlichen sauberen Straßen und dem fröh­lichen emsizen L ben, das sich vom frühen Mo gen bis spät in die Nacht hinein dort abspielte. Die Straße Jsezakichs war der große Vergnüzungsmiltelpuakt, und jeder Europäer, der Yokohama besucht hat, wird sich mit lebhaftem Jateresse des eigenth rmliche« Treibens dort erinnern. Hier standen die fünf großen Theater und bei ihnen die un-äflig n Sing- lpielh allen, Schaubuden,Theehäffer und Vergnügung Lokalitäten. Von all d'esen Stätten ist weniz mehr geliehen als ein großer Trümmerhaufen, und das ganze Viertel von Jsem- kicho ist ebenso vernichtet. 3027 Häuser sind nach dem offt zielten Bericht in Flammen aufgezangen und ferner zwei Tempel, ein Bankhaus, fast alle der vielen Theater und mehrere Schulen. Die Bewohner retteten kaum das nackt: Leben, und was sie an Hab und Gut besaßen ist rettungs­los verloren. Wie gro) der gefammte Schaden ist, läßt sich ! genau nicht berechne», die offizielle Schätzung gibt ihn auf 112 bis 13 Millionen Mark an. Wie, td:r wo da« Feuer zuerst auskam und wer Schuld ist au dem Unglück, wird kaum jrma s festgestellt werden können. B sher wurden 25 Toate geborgen. Seit dem großen Brande, der 1866 einer Theil der Start und die europäischen Ansiedelungen zerstörte, hat Y kohama seine solche Katastrophe erlebt.

Ein Vater, der seine Haut opfert. Um s-in Kind zu retten, hat der Z itschristenverlezer Dittbendw in B:rlin sich auf der Kgl. Unive sitätsklmik ein Stück Haut aas dem

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Eine glänzende Vermählung ist et fer £ag in Newpoit ge^enrl morgen uns Hut sie Lp tz'n der New-Y e ker vowehmea Welt in diesem fasvionablen B ldeort oexeinigt. O war die T avung des russischen Füzstm Ca«tacuze«e, f. ji enn Botschafikattachso in Rom, mit der Enketin deS einstigen Plistoeart« der V reinigte« Staate», Generals Graut. Der Bat r der B aut ist General Frederic Graut, dir augenblicklich den Felezug in Manila mitmacht, von wo aus er auch per Kabel seine Zustimmung zur Verlobung des Paares gegeben hatte. Miß Julia Grast wird als eine strahlende Schönheit und talentvolle, Junge Dame g schildert; der Fürst, eine imposante Figur, ist Kavallerie Leutnant Er besitzt ausgedehnte Lärdereien in der Nähe von Moskau und einen Herrltcheu Ssmmersitz b i Oreffa, wohin daS ju^ge, fürstliche Paar auf der Dawp'yacht „Navada" bereits abge reist ist. Die Trauung fand in zwiefacher Weise statt: Erst nach orthodox griechische« Rituell und hinterher nach eirfach protestantischem Cerewouirll, und zwar in der Villa Brautt u in Newport, wo auch das Hochzeit!mahl angerichtet wurde. Die Pracht der Dekorativ», der Blu«en, der Toiletten und Geschenke, die bei dieser großen Gelegenheit entfaltet wurde, war unbeschreiblich. Unter den vielen distinguirten Gästen befand sich auch der Großfürst Wladimir, der Onkel des Zaren.

Selbstaufopferung und Aberglauben. Ein schrecklicher Fall von Setdstausopferung infolge eme« Aber glaubeus wurde durch Polizeibeamte in einer nordwestlichen Provinz JudienS zufällig auS Tageslicht gebracht. Zwei Polizisten, Nahhat vnd Rup Ram, hörten während ihrer Pattgsille durch Zufall ein Gespräch, in difs'N Verlauf ganz nebenhin bemerkt wurde, daß ein Mann Namen- Lurba seine Frau lebendig beg aben hätte. Der Mann wurde aus geforscht, zur Polizei gebracht und machte hier folgende An gaben: Seine Frau hätte an der Lepra gelitten und sich in der letzten Zeit darüber beklagt, daß eS ihr schlechter gehe; schließlich hätte sie den Wunsch ausgesp ochen, lebendig begra­ben zu werden, da sich dann die Krankheit nicht auf ihre K rtber vererben könnte. Im Einserstäudviß mit der Kranken zrubes ihr Mann und ihr Sohn eine Grube, in die sie hineivgelegt wurde. Bei dem Bezriöuiß der lebenden Frau waren 4 Nachbarn behi stich. Die sechs Leute wurden ver haftet und gestanden die That oh»e Weitere- ein. Es ist kein Zweifel, daß die Frau in ihrem mütterlichen Heroismus ihr geben ihren Kinder« zum Opfer brächte und daß alle an der schrecklichen That Beth-iligten im besten Slanben handelten. Von dem Aberglauben, daß die Selbst-psernug eine« Leprakanken die Sebertraxunz der Krankheit verhindert, hat man allerdings bisher «och nicht« g-hört.

Serbische Gefängniß-Mysterien. Wie es den uvglücktichi« Berurtheilteu im Belgrader Prozeß, von denen ein Theil in die B lgrader Festung, ein auderer nach Poschareorc zur Verdüßuug seiner „Strafe* übergeführt worden ist, in diesen Gefängnissen ergehes wird, mag man aus dem Kapitel „Aus den Bleikammern Serbieus" i« dem kürzlich erschienene» W-.ike 8. S. „DaS Ende der Dynastie Obrenovic" erleben. Das ganze civ.lisirie Europa macht einen llotecschied zwischen dem gemeinen und dem politischen Verbrecher. Auch Serbien mißt mit zweierlei Maß: Die schwerst-« Kette», den S st« becher ». s. w. hält ei für den Märtyrer seiner Jseen be­reit; der gemeine Meuchelmörder dagegen führt im Z»ch hau- ein friedliche« Dasein, und wenn Noth am Mann ist, so öffnet ein „humaner" Polizeipr ästet die Thüren der Straf­anstalt, und der Zuchthäusler schreitet zur Wahlurne, ja, er geht mitunter auS derselben als Gewählter hervor und w.r» zn einem Mitgliede der gesitz gebenden Kö perschaft seines Landes! Der politische Sträfl-mg dagegen muß darauf gefaßt sein, aus dem Kerker nicht mehr lebend zurückzukehren. Er wird in schwere Ketten geworfen, uns die bestialische Brutalität der silbischen Machthaber weiß die gräßlichsten Hö)-eu zu seirer Zelle zu machen, so daß er von wahrhaft robuster Ge­sundheit sein muß, will er in dieser neuen Umgebung sein geben erhalten. Die Belgrader Festung beherbergt einen großen Theil der serbischen GNäflmge. Sie besitzt eine Un- mevge großer und lustiger Zellen, ArbeitSiä e «ad dergleichen, welche für die Aufnahme gemeiner Verbrecher bestimmt sind, Für die politischen Strästmae jedoch sind unterirdische Zellen

_____________________________30 September

Oberarm schneiden lassen. Sein elsjähriger Sohn Willy war vor mehreren Monaten überfahren worden, und nach vielen vergeblichen HeilungSversuchen stillte sich die Noth­wendigkeit heraus, eine Transplantation vorzunehmen, bezw. um die Wunde« des Kindes znr Bernarbung zu bringen, ein Stück Haut einzusetzen. Der Vater des Knaben hat diesen schmerzhaften op rative» Eingriff an sich vornehm n lassen und denselben glücklich überstanden. Hoffmtlich führt das heroische Opfer auch die Genesaug des KindeS herbei.

Ein ganzer Zug über ein Kind hinweggerollt. Nahe der Citation Swswaitz der Oesterreichische« Norcwrst- bahn kroch ein zweijähriger unbeaufsichtigter Knabe auf den Bah«kö per und spielte dort in sitzender Stellung zwischen den Schienen. Dem Lokomotivführer eines heranbrauseudrn Per- soninjuge« war eS nicht mehr möglich, die Maschine anzu- halten, unb so fuhr der ganz« Zaz über das Kind hinweg. Man glaubte, den arme» Knaben als verstümmelte Lüche wikderzufinde«, doch zur größten Ueberraschuug lebte er und hatte nur »nbedentesde Hantabschü,funzcn erlittm. Das Kind war, na^bem es von der Majchi»e nied/rZestoßr« worden, rnhig liegen geblieben und so der Gefahr entronnen.

Opfer der Elektrizität. Zwei sehr bem-rke»«werthe Unfälle haben sich kürzlich in Lille in Frankreich ereignet. Der 44 jährige Weber Jean Demmquette blieb plötzlich auf dem Damme einer Straße in L lle stehen, da sein Fuß auf eii Hinderniß gestoßen war. Er streckte die Hand auf den Boden auS, um sich frei zu machen. Mit einem gellenden Schrei stürzte er aber wie vom Blitz getroffen nieder. Er war mit einem elektrischen LritunzSdrahte in Berührung ge­kommen. Eine Fran Dnntier, die dem Verunglückte« zu Hülfe eilte, wurde gleichfa ls das Opfer dieses seltsaneu Un­falls. Da der Draht sich nämlich um ihre Röcke gelegt hatte, faßte sie nach demselben, um sich loszumachen unb sank lautlos von dem elektrischen Schlage getrcffm zu Boden. Als man den Verunglückten zu Hülfe eilte, konnte man nur feststellen, daß bei Beiden der Tor bereits eingetreten war.

Gemeinnütziges.

Aepfel eiuzum»chen. (Aus englisch: Act.) Auf 101 Klgr. geichälte uns in Viertel geschnittene feine Aepfel rechnet man ben Syrup von P/e Klgr. Zucker, der in einem */r Liter Wasser geläutert ist, legt die Aepfel in den kochenden Sy mp nebst der klein geschnittenen Schale von 2 Citronen und 25 Gr. ganze» Jnzwer, läßt die Aepfel eine halbe S ande langsam kochen, füllt selbe nach dem Erkalten in Gläser o)er Steintöpfe und gießt den ausgekühlte« Syrup darüber: nächsten Tag gut verbinden und aufbev ahren.

Litterarisches. ^

Die Bereinigtirrg zur Erhaltung deutscher Burgen, bte in diesem F üyjrhr gegrüudet wurde, sersendet gegenwärtig die dritte Numuer ihrer Zniung: „Der Burg wart". Das sehr gut auSgestUtete Blatt erscheint in g-ojem Qlactformat im Verlage sür's Dmtsche Haus (C. A. Kcollmann u. Co), Berlin W., Sch ip.'rstraze 5 unb bringt in der vo.tiezenden Namner neben eine« in­teressanten Aufsatz über die Steckelsurg bei Rimhrlz (Ulrihs von Hatien ismumh rus), einen Belicht des Architekten Booo Eaha dt, Berlin, über Ausgrabu rgen unb Forsch rngen auf der berühmten fränkischen Saljburg bei Neust»st an der Saale. Diese, eine der größten deutschen Burgen, dem erb­lichen Neichsrath der Krone Bayern, Freiherr« zu Gu ten- b-rg, gehörig hat s hon eine ganze Reihe von Historikern und Künstlern beschäftigt. Auf Anregung der V reinizua; und verschiedener F runde der Barg sind um'a Leiche E haltu lgs- arbeiten beschlossen worden. Von Bad Neuhaus aus in wenigen Minuten zu erreichen, bildet die Salzburg zugleich einen baulich hoch interessanten und landichaftlich außerordent­lich reizenden Zielpunkt für Natur- und Alterthumsfreunde. Stirbt glaubt feststellen zu können, daß die Haaptbaumassrn von einer eieheitlichen großen Anlage herrühren, in die die ©inerten in der romam chm Zeit ihre Wohnthürme ein- baaten. Die beigezebenen Abbildungen: der Bmg naurr von außen, des prächtigen spätromawschm Fenstergievels, eines fälschlich „Münze" aenann en Wo!>nhaus-s im Innern, der

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Leinen-u. Baumwollwaaren, Wäsche u. Ausstattungen, Betten, Bettstellen, Teppiche, Tischflecken u. Coltern-

SS Damen-, Herren- u. Kinder-Garderobe II

Unerreichte Auswahl — Silligste feste Preise — Saarzahlung.

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Zeil 31, Frankfurt a. M., Holzgraben 4

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