Wt-amNe» mit jbtÄ fetteffenben PM-ufschl««.
Die einzelne Hemmer kostet 19 4
Zugleich U
Amtliches Organ für KtsSt» unS LsuöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit ANstlahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,
Sinrückung». gebühr
für Stadt- und Land« kreis Hanau 10 ^ die 4gespaltene Garmond» zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 4
Jm Reklamentheil die Zeile 20 4 für
Auswärts 30 4
Nr. 227
Donnerstag den 28. September
1899
Dicnstnachnchtcn aus dem Kreise.
Verloren: Eine doppeldeckelige goldene Damenuhr.
Entlaufen: Ein weißer Jagdhund mit braunen Flecken, M. Geschl.
Vom Wasenmeister am 27.d.Mts. eingefangen: Ein weißer Foxterrier mit rothen Abzeichen und ein schwarzer langhaariger Pinscher, beide m. Geschl.
Hanau am 28. September 1899.
Die Stille vor dem Kriegs Sturm.
Nun werden die Dinge wohl bald in Fluß kommen. Der am Freiteg zusanmentreteude englische Miristcrraih wird über He weitere g?gen Transvaal einzunehmende diplomatische Sttlluvgnabme und über die Einberufung des Parlaments Beschluß fassen. Wie verlautet, ist dieselbe für die dritte Oktoberwoche in Aussicht genommen. Gegenstand der Be- rathurgm sollen die geforderten Kriegs- Credite bilden.
Die Situation erinnert immer mehr an die Lage vor dem amerikanisch-spanischen Kriege. Wenn Erglund seine Kraft einsttzt, muß es siegen, wie Amerika über Spanien siegte; aber der Siegespreis ist ein höherer. Ganz ohne Frage ist Südafrika mehr werth als Cuba und die Philippinen zusammergenommin, abgesehen davon, daß die Amerikaner die Herrschaft über die ostasiotische Inselgruppe bis jetzt nur auf dem Papier besitzen. Nach Ansicht ihrer erfahrensten Militärs werden sie noch zwei Jahre zu kämpfen haben, bis der Ausstand niedergeworfen ist. Euglantz aber wird, wenn es erst den Krieg gewonnen hat, neue Aufstände kaum zu befürchten haben. Vielleicht ist es auch ein wenig Neid, der die Amerikaner veranlaßt, jetzt den englischen Er- oberungsPlänen so ungnädig zuzuschaue», und Dankbarkeit zeigt sich auch in keinem Falle darin; denn England hat den vorjäh igen amerikanischen Raubkrieg doch mit seinen lebhaftesten Sympathien begleitet. Aber die Dankbarkeit ist in der Politik nun einmal ein unbikannter Begriff.
Sehr lebhaft sind natürlich die Sympathien der Holländer für die stammverwandten Boeren. Aus dem Haag wird darüber gemeldet: Sonntag traf hier ein Privattele- gramm aus Pretoria ein, welches meldete, die Boeren hätten bereit den Kampf begonnen. Durch die Transvaal-Gesandtschaft wurde dies jedoch in Abrede gestellt. Gle chwohl ist man hier überzeuge, daß die Boeren nicht mehr den nächsten englischen Ministerrath abwarten werden. In Holland gibt es auch nicht eine Zeitung, welche den Boeren zur Nachgiebigkeit rathen möchte, sondern in allen Blättern, wie auch in Telegrammen, die von Vereinen md Versammlungen nach Südafrika gesandt werden, fordert man die Boeren auf, so schnell als möglich vorzugehe«, ehe die Engländer ihre neuen Truppcnserdurgev nach Südafrika gebracht haben. Die Transvaal- Gesandtschaft erhält täglich Argebote von Freiwilligen und holländischen Offizieren, mehrere Zeitungen haben auch bereits vorgeschlager, ein Sanitätskorps für die Boeren auszurüsten, was voraussichtlich auch geschehen wird. Vielleicht werden die Engländer auch leichästlich manche Nachtheile erleiden; denn schon wird in Zeitungen empfohlen, alle Engländer zu boykoltiren und die Geschäftsverbindungen mit England abzubuchen. Sollte dies durchgeführt werden, so würde dies offenbar den Handels - Beziehungen mit Deutschland zu gute kommen. — Bezüglich die Eiöffnung der Feindseligke ten nimmt man hier mit Bestimmtheit an, daß die ersten Kämpfe bei Kornati und Kimberley stttifindm werden, da die Boeren anscheinend zuerst einen Vorstoß gegen die letztgenannte Stadt versuchen werte«. Die Berechnung englischer Blätter, daß beide Boerensteaten binnen drei Wochen höchstens 32 000 Mann unter Waffen bringen könnten, wird von bisherigen Transvaalern als ganz falsch bezeichnet. Die gesammte Streitmacht beider Staaten sei genau doppelt so stark und dieselbe werde auch sofort kampfbereit im Felde stehen.
Die neuesten Telegramme lauten:
London, 28. Eeptbr. »Mornig Leader" meldet, daß Lord Rosdal erklärt habe, er werde eine Volksversammlung einberufen, worin er zur Aufrechterhaltung deS FriedenS das Wort ergreifen werde.
London, 28. Septbr. DaS Organ ChamberlarnS, die »Birmingham Post", meldet, eine Ankündigung von großer Wichtigkeit über die Delagoa Bai sei nicht zu erwarte». In AlderShot traf der Befehl ein, der gesammte Train für ein Armeekorps solle am 8. Oktober nach Süd-Afrika abgehen. — Nach einer Meldung aus Pretoria ist dort die Spannung intensiver geworden. Die TranSvaal-Regierung begann bereits die Offiziere zu ernennen, die zur Front kommen sollen, wenn die Feindseligkeiten beginnen.
Brüssel, 28. Septbr. Heute Abend findet im Volkshause eine Protest-Versammlung gegen die Haltung Englands gegenüber Transvaal statt. Zahlreiche Redner sind eingeschrieven.
Bloemsontein, 28. Septbr. Der Raad des Oranje- Freistaates hat, einstimmig eine R solution angenommen, worin die Regierung aufgefordert wird, mit allen Mitteln für die Aufrechterhaltung des Friedens zu wirken, damit weder die Ehre noch die Unabhängigkeit Transvaals Schaden leide. Ferner beschloß der Raad, der Oranje-Freistaat solle, was auch kommen möge, die Sache Transvaals unterstützen.
Capsiadt, 28. Septbr. Hier herrscht große Besorgniß über die Haltung der Eingeborenen des Befchonana-Landes und der M mobile. Litztcre sind bewaffnet und scheinen zu einem Ktteg bereit zu sein. Artillerie ist nach der Grenze abgegangen.
Politische ««d ««politische Nachricht«».
Berlin, 27. Septbr. Die Kaiserin hat heute früh öVs Uhr die Reise nach Dirschau von der Wildparksstation aus angetreten und ist nachmittags daselbst nit bim Kaiser zusammengetroffen.
Berlin 27. Septbr. Ein französisches Blatt hatte gemeldet, daß die in Aussicht genommene Reise Kaiser Wilhelms nach England aufgegeben sei und dieser ang-bliche Verzicht mit dem »unbegrinzten Urlaub" in Verbindung stehe, welchen der Mcrine-Attaö« bei der deutschen Botschaft in London erhalten hebe, weil ihm die aus dem Arsenal von Portsmouth verschwundenen Dokumente gvgegangen feien. Demgegenüber koustatirt die »Post", doß der betriffenbe Marine-AttachS bereits seit dem 21. September seine Dienste wieder angetreten hat.
Berlin, 27. Septbr. Die »Post" erklärt gegenüber einer Mittheilung des Vorwärts, daß Freiherr von Stumm niemals für in der »Post" erschienene Artikel irgendwelches Honorar gezahlt hat und wiederholt die frühere Erklärung, daß weder Freiherr von Stumm noch irgend ein Anderer der Gesellschafter der »Post» seit Konstituiren der Gesellschaft irgendwelches Eeldopfir jür die »Post" gebracht hat.
Berlin, 27. Septbr. Nach den von den »Berliner Neuesten Nachrichten" Eingezogenen Erkundigungen liegt den neuesten Krisen Gerüchten nicht die geringste Thatsache zu Grunde. Namentlich sei von einem Gegensatz zwischen dem Fürsten Hohenlohe vnd dem Finanzminister Miguel in der Stellungnahme zur konservativen Partei keine Rede.
Berlin, 27. Septbr. Die Königin Wilhelmine von Holland tritt die Reise nach PotSdam, wie dem „Berl.Tage- blatt" aus Amsterdem gimelbet wird, am 6. Oktober in Begleitung der Königin-Mutter an. Kein Minister begleitet die Köuigin, woraus erhellt, deß die Reise keine politische Bedeutung besitzt. Trotzdem gilt es als gewiß, daß die Königin, welche die Transraalkrise sehr interessirt, die Gelegenheit benutze« wird, um einen Meinungsaustausch mit Kaiser Wilhelm zu pflegen.
Berlin, 27. Septbr. Der bekannte freikorservative Abgeordnete und Präsident der Seehardlung, Freiherr von Zedtlitz erkläit in einer Zuschrift an die „Post", daß er mit dem heutigen Tage von jeder Mitarbeit an der „Post" zu- rücktrete, nachdem er bereits unmittelbar nach Schluß deS Landtages die köthigen Schritte zur Lösung seiner Beziehungen zu dem genannten Blatte gethan.
Lsnabtück, 27. Septbr. DaS gegen den bekannten national-sozialistischen Führer von Gerlach durch den hiesigen StaatS an malt eingeleitete Verfahren wegen Aufreizung zum Klaffenhaß und Beamten-Beleidigung ist eingestellt worden.
Rom, 27. Septbr. Die englischen Offiziere, welche in Süd-Italien 20,000 Moulihirre für Süd-Afrika aufkanften, erhielten telegraphisch den Befehl dieselben Anfang Oktober abzusenden.
Rom, 27. Septbr. Die von Seiten Italiens gewünschte Rückbtlnfuvg des französischen Militär-AttachöS in Rom soll demnächst erfolgen. Sodaun soll auch die Stelle PanizzardiS in Paris neu besetzt werden.
Dolkswirthschaftliches.
Erhöhung der Lederpreife. Die Erhöhung der Lederpreife, die vor etwa sechs Wochen von der Konvention der Norddeutschen Sohlleder-Gerber durchgesetzt wurde, um eine Bester ung der Geschäftslage herbeizusühreu, hat j tzt auch bet den Oberleder-Fabrikanten Nachahmung gefunden. So haben vor einigen Tagen, wie »Schuh und Leder" mittheilt, die beiden Firmen Cornelius Heyl in WormS und die
Mainzer Lederwerke für ihre sämmtlichen Fabrikate recht erhebliche Erhöhungen ein treten lasten. Diesem Vorgehen sind sofort die größeren Oberlederfabriken gefolgt, indem sie ebenfalls ihrer Kundschaft von den Preisauffchlägen Mittheilung machten.
Aus Stadt- ««d Landkreis Harm«. ?schdr«ck unserer Lokalartikei mir mit OneSeHsngabe »Hru. ®n?»" Mattel.
8. Hauptversammlung des Landesvereins für innere Mission im «onsistorialbezirk Caffel.
Reich ist unsere Zeit an Energie der Entfaltung der Kräfte für edle und gemeinsame Zwecke. Mächtig sprudelt der Quell christlicher Liebesihätigkeit in unserem Vaterlande und gießt sein linderndes Naß in nide elende Seel n. Es war darum auch ein erfreuliches Bild, das in der 8. Hauptversammlung deS Landesvereins für innere Mission, die gestern im evangelischen Vereinshause lazte, gezeichnet wurde. Den Vorsitz führte Herr General-Superiutenkent Lohr aus Castel. Mit einem Lobgebet für Gottes reichen Segen wurde die Versammlung eröffnet. Das Jahrhundert neigt sich zu Ende und mahnt zu ernsten Rückkl cken. So warf auch der verehrliche Herr Vorsitzende zunächst einen Rückblick auf die letzte Hälfte des scheidenden Jahrhunderts. Herzirfreuend war nun der folgende Theil der Darlegungen, in w.lchem uns die warnigfache, reiche und ersprießliche Thätigkeit des Landesvereins vor die Seele geführt wurde. Fünf Kleinkinderschulen hat er gegründet, neun Gemeindepsttg-n errichtet unb eine Krippe in Castel in das Leben gerufen. Das ehemalige Hotel Bellevue in Guntershausen hat er käuflich erworben. Da die Räumlichkeiten der Jdiotenanstalt in Treyia, obgleich in letzterer Zeit erhebliche Neubavt.n errichtet sind, nicht mehr ausreichen, sollen die Mädchen aus dieser Anstalt nach Guntershausen gebracht werden, ferner soll es zu einem Erholungsheim für Schwestern und zu einem Aufenthalt für Rekonvaleszenten dienen. Auch wurde der Bau eines Diakoniffenheimes in Castel beschlossen. Freilich sind von der erforderlichen Bausumme von 90 000 M. erst 20 000 M. durch Sammlung eingegangen. Nach einer durchaus wohl- wellenden Beurrheilung der Thätigkeit bei blauen Kreuzes, bat der Herr Vorsitzende seine Amtsbrüder, dirsen Bestrebungen ihre Sympathie nicht zu versagen. Reich ist der Segen, der von dem Landesverein ausgeht, doch wie viel auch geschehen wag, es bleibt noch viel zu thu« übrig. Reicher müssen die Mittel strömen, weiter müssen sich die Herzen öffnen, damit den nothwendigsten Nusorderungen Rechnung getragen werden kann. Durchaus nothwendig ist die Gründung einer Diakcnknanstalt. Mehr und mehr müssen in größeren Dörfern und kleineren Stätten evangelische Vereinshäuser erbaut werden, die als Sammelplatz der kirchlich gesinnten Elemente dienen sollen, und Vieles ist noch zu thnn in dem Kapitel Frauenhülfe. Doch wenn Gottes Segen weiter in so reich'm Maße auf den von christlicher;Nächstenliebe getragenen Bestrebungen des Landesrerems ruht, dann werden auch d'ese Ziele, so hofft Redner zum Schluß, bald zur Verwirklichung gelargin. Es folgt nun der Vortrag des Herrn Superintendenten Wisseman« Hofgeiswar über daS Thema: »Die humanitäre Liebesthätigkttl in ihrer Beziehung zum Christenthume". Da der Vortrag in nächster Zeit auf Wunsch der Versammlung im Druck erscheinen wird, so sei es nur gestattet, auS der Fülle der bargebotenen Ideen einige wichtige Gcdanken hervorzuheben. Ein überaus herr- lichtr Garten ist es, den wir betreten, wenn wir die Werke christlicher LiebeSthätigkeit betrachten. Blume steht an Blume, eine immer schöner alS die andere, wahrlich eine hohe Freude für das Menschenherz! Die christliche Nächstenliebe, die schon den goldenen Morgen der Jugend verschönt, sie begleitet den Merschen während der Schulzeit in den pädagogischen Hülfsanstalten, sie verläßt ihn nicht, wenn im Mannes- und Frauenalter deS Schicksals wuchtige Schläge herniedersaufen, und sie steht am Sterbebette deS matten Greises, der seine Wallfahrt aus der Welt deS Glaubens in die Welt des Schauen» antritt. Doch in solch vollendeter Schöne, wie die Liebesthätigleit und jetzt entgegentritt, konnte sie uns erst erscheinen, nachdem sie durchdrungen wurde von den Ideen deS Christenthums. Freilich hat auch das Heidevthum schon Liebes Hätigkeit geübt, doch wie «nvollkommeu! Was galt dem Heiden der Sklave und waS galt ihm der Fremde, der «icht seiner Nation angehört« ? Er war für ihn ein Barbar l Freilich werden auch in unserer Zeit oft Gaben gespendet, die nicht auS dem herrlichen Brünne» christlicher Nächstenliebe quellen, darum m»ß es daS Bestrebe« sein, diese humanitären Bestrebungen von bem Geist bei Christe»thumS zu erfüllen, so wünfcht Redner zum Schluß. Diese Worte fanden leb-