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Amtliches Organ für Siaöt- unS LauSKreis Hanau.

Nr 222

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Freitag den 22. September

1899

Amtliches. eSan^Uret^ ^artatu

kekauulmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Der Landwirth Wilhelm Clauß II. in Ravolzhausen ist zum Bürgermeister dieser Gemeinde gewählt und bestätigt worden.

Hanau am 21. September 1899.

Der Königliche Landrath.

A. 4144 v. Schenck.

In Röhrig und in Kewpfenbrunn (Kreis Gelnhausen) ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

In Mülheim (Kreis Offerbach) und in Kälberau (Kreis Alzenau) ist diese Seuche erloschen.

Hanau am 20. September 1899.

Der Königliche Landrath.

V. 9550/78/88 v. Schenck.

Unter dem Rindviehbestand des Gutsbesitzers Kasimir K a l b h e n n in Bergen ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und die Gehöfissperre aufgehoben worden.

Hanau am 21. September 1899.

Der Königliche Landrath.

V. 9617 v. Schenck.

§taöUm0 ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

| Der am 18. Februar 1871 in Hanau geborene Zeichner Karl Friedrich He st ermann in London hat um Ent- lafsung aus dem Preußischen Unterthaneuverbande nachgesucht.

Hanau am 21. September 1899.

Der Magistrat.

Bode. 14695

Grnndfiücksverpachtung in Niederdorfelden.

Nach erfolgt er neuer Parz>lla,mrmessuvg soll das in der Gemarkung von Niederdorfelden gelegene Domanial- gelände von 52 ha 56 ar 41 qm, welches bisher in 17 Pachtloosen an dortige Einwohner veipochiet war, nun­mehr in den jetzigen 148 Parzellen vom 1« Ja nuar 1900 ab anderweit auf zwölf Jahre im Einzelnen öffentlich meiftbietend verpachtet werden.

Termin hierzu ist auf

Donnerstag den 28. dieses Monats, von vormittags 9 Uhr ab, in den Saal der Holhorst'schen Gastwirthschaft in Niederdorfttden anberauwt.

Aus angemessene Gebote erfolgt der Pachtzuschlag ohne Abhaltung eines weiteren Termins.

Besonders bemerkt wird, daß lediglich die Einzelverpachtung erfolgt und eine Verpachtn g an Konsortien gänzlich aus­geschlossen ist.

Hanau am 20. September 1899.

Der Königliche Domänenrath.

Bell. 14687

Dicnpniichlichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein neues Testament. Eine Peitsche. Ein kleiner Hundemaulkorb mit zwei Steuermarken von den Jahren 1897/98 und 1898/99. Ein Regenschirm; Empfang- nahme Lindenstraße 2.

Verloren: Eire silberne Damenuhr mit Goldrand, ein Theil der Kette befindet sich noch an der Uhr. Ein goldener Mauschettenknopf.

Entlaufen: Ein gelbes Huhn; dem Wiederbrirger eine Belohnung.

Vom Wasenmeister om21.d.Mts. eingefangen: Ein schwarzer Bastard m. Geschl. und eine gelbe Dogge w. Geschl.

Hanau am 22. September 1899.

Die Aussichten der Buren für den Kriegsfall.

Nach den jüngsten Nachrichten kann an dem AuSbruche deS Riügig zwischen England uud Transvaal leider kaum noch gezw(ifelt werten. Man kann wohl als sicher annehmen,

daß die Regierung der südafrikanischen Republik, als sie dir ablehnende Antwort auf die englischen Forderungen gab, sich über die Folgen dieser Altwort klar gewesen ist. Man kann ebenso als sicher annehmen, daß sie wchl schon seit Monaten gewußt hat, daß der Ausgang tus diplomatischen Fangball- spiels schließlich der Krieg sein würde.

War sich die Burevlegierung hierüber klar, so wäre es aus militärischen Gründen wohl das Richtigste gewesen, den zwecklosen Verhandlungen sobald als möglich ein Ende zu be­reiten uud ihrerseits einen Offensivkrieg zu beginnen. Sie hatte damit das Beispi l Friedrichs des Großen nachgeahmt, der im Jahre 1756, nachdem er die Gewißheit erlangt hatte, daß seine Feinde ihm den Garaus machen wollten, das Praevenire spielte, indem er unerwartet in Sachsen eirfiel. Er that es, weil seine Gegner ihre Kriezsoorbereitungen noch nicht vollendet hatten, und weil er dadurch einen Vorsprung vor ihnen gewann. Eben o ist auch England mit seinen Kriegsvorbereilungen noch lange nicht fertig und w«r es vor einigen Monaten noch weniger, sodaß ein Offensivstoß der Buren sichtlich große Aussicht auf Erfolg gehabt hätte. Statt dessen wollen die Buren offenbar warten, bis Eng­land seinerseits entweder formell den Krieg erklärt, oder fak­tisch eine Aktion unternimmt, die der Kriegserk.ärung gleich­kommt. England wird Beides nicht eher thun, als bis es die Verstärkung, die cus England selbst und aus Indien theils bereits unterwegs sind, -Heils noch ebgehen soll, iv Südafrika versammelt hat, worüber wohl noch vier bis fünf Wochen, vielleicht auch roch mehr, vergehen können. Freilich ist es bei der gespannten Situation und der gegenseitigen Er­bitterung nicht ausgeschlossen, daß die Flinten schon früher losgehen.

Die Burenregierung ist sich sicherlich klar darüber ge­wesen, daß sie militärisch dadurch in Nachtheil kommt, wenn sie nicht sosort los^chlägt, oder schon längst losgeschlagen hat. Wenn sie davon Abstand genommen hat, so mag es aus zwei Gründen geschehen sein: einmal weil sie der Hilfe ihrer Stammesgeroffen aus dem Oranje-Freistaat und den eng­lischen Besitzungen in Südafrika sicher zu sein glaubte, wo­mit sie bis an die denkbarste Grerze der Nachgiebigkeit ginge und dadurch England alle Schuld ausbüidete, zweitens, weil sie auch den europäischen Mächten gegenüber England ins Unrecht setzen wollte.

Es ist die Frage, ob diese Spekulation eine richtige war. Die Hilfeleistung des Oranje-Freistaats ist sehr wahr­scheinlich, aber nicht absolut gewiß. Was aber das holländische Element am Kap selbst betrifft, so erscheint es sehr fraglich, ob es über moralische Sympathien hinausgehen wird. Nicht, als ob es den Karburen an ausrichtiger Aniheilnohme für ihre Stammesgeroffen in Transvaal fehlte, nicht, als ob es ihnen an der Einsicht gebräche, daß durch einen englischen Sieg auch ihre Jute rissen und ihr Volksthum gefährdet werten, nicht, als ob es schließlich ihnen an persönlichem Muthe fehlte: aber es ist eben ein Anderes, ob man als LardeSkind eines Staates gegen einen anderen Staat kämpft und reben den Gefahren des Krieges auch die Rechte besitzt, die man nach Kriegsrecht und Völkerrecht selbst dem siegreichen Gegner gegenüber hat, oder ob man als Rebell behandelt werden und im Falle der Gefangennahme den Tod auf dem Sandhaufen oder am Galgen finden kann. Zweifellos aber hätten die Engländer daS Recht, die Kopburen, die englische Unterthanen sind, als Rebellen zu bestrafen, wenn sie sich am Kampfe des Transvaals gegen England Schulter an Schu'ter mit ihren Stamerger offen betheiligen.

Man setze aber selbst den Fell, daß die Kapburen sich auch über dieses Bedenken hinwegsetzen. Dann wird dieS ge­wiß für England fatal sein, denn die Engländer müssen dann im Kap eine starke Truppenmacht zurücklossen, nur nicht im Rücken angegriffen zu werden. Aber die Buren der süd­afrikanischen Republik sind dann in derselben unangenehmen Lage, wie England. Wie England die Kapburen, so haben sie die Tausende englischer Uitlonders als unzuverlässiges und gefährliches Element im eigenen Lande. Auch sie sind also in der freien Verwendung ihrer Etreilkiäste verhindert.

Ist in dieser Hinsicht die Situation eine gleiche, so ist in anderer Hinsicht England verschiedentlich im Vortheil. Einmal ist England im Stande, die Delagoa-Bai zu sperren und auch zu Lande die Burenrepubliken völlig einzuschließen, zweitens aber mögen die Buren roch jetzt und vielleicht selbst, wenn die englischen Verstärkungen angekommen sein »erde«, den Engländern an Truppenzahl überlegen sein, aber die 70000 Mann, über die sie etwa verfügen mögen, sind auch ihr Alles und über weitere Reserven verfügen sie nicht, während England, selbst wenn t« in der ersten Zeit Schlappen erleidet woran es übrigens in Kolonialkriegen gewöhnt

ist, (man denke nur an die Kämpfe gefeit die Afghanen, die Zulus, die Derwische) doch in der Lage ist, durch Truppen- nachschübe schließlich das U-bergewicht über die Buren zu er­langen. Unb man waz sich darauf verlassen, daß England diesmal nicht, wie 1881, »ach einigen an sich bedeutuugs- losen Schlappen die Flirte ins Korn werfen wird. Ene AuSsicht auf einen endgiltigen Sieg wäre für die Buren nur tu dem Falle vorhanden, daß inzroischeu in unteren Welt- oegenden Konflikte ausbreche«, an denen Englands vitale Interessen betheiligt sind und die es verhindern würden, seine militärischen Kräs.e aus Südafrika zu konzentriren. Ob ein solcher Fall eintreten kann oder nicht, wäre natürlich müßig zu untersuchen.

Wie die Dinge zur Zeit liegen, muß man «nnchmen, daß der Sieg süließlich bei England sein wird. Trotz aller Tapferkeit und Tüchtigkeit der Buren. Man mag daS einer­seits aus Sympathie für das stammverwandte Volk, an erer- stils als Abneigung gegen die englische Ländergier bedauern, aber den B»rev wird ja doch nicht dadurch geholfen, daß man Vogel Strauß-Politik treibt.

ArrS Stadt- and Landkreis Hanan. Ikchdruck unserer Lokalartikel nur mit OueLenaLtzait «Hau. Kur/ gestattet

Aus dem Gerichtssaal.

Sitzung des Schwurgerichts vom 21. Septbr.

Der Fall Senner.

(Fortsetzung.)

Frau Serner erinnert sich jetzt, daß der Stempel, der 1895 angefertigt wurde, bei dem damals stattgehabtm Umzug verloren wurde. Sie erklärt, zu Meh damals gesagt zu haben, der Müller'sche Stempel sei bei dem Umzug verlegt worden, er möge einen neuen anferlizeu. Meh erinnert sich beffm und bestätigt diese Angaben. Es folgt nun die Ver­nehmung einer ganzen Reihe von Zeugen, zumeist Pforzheimer Fabrikanten, die mit der Ar geklagten in Geschäüsbeziehunz standen, sowie früher bei ir beschäftigte Po'iseusen. Fabri­kant Heinotd aus Pforzheim hat öfters für die Angeklagte Gold legirt und zwar stets zu 14 Kaiat, das immer voll- haltig war. Im Juli 1894 hat er einen Posten Waaren, weicher der Angeklagten zurückgewüsen war, eingeschmolzeu. Die Goldseilung, die der Zeuge für sie eingeschmolzen, hatte stets mehr als 585/ioo» Theile Feingehalt. Ferner hat er ihre Waaren, wenn sie auf Reisen ging, in Verwahrung ge­habt. Diese Geschäftsbeziehungen erstrecken sich bis zu ihrem Wegzug von Pforzheim. Zwei Goldfärbereibesitzer von Pforzheim, die danach als Zeugen auftreten, bekunden, daß das Gold der Angeklagten stets vollhaltig gewesen. Fabrikant Vogel aus Pforzheim hat Budopester ginnen und dort wurde ihm von Verkäufern gesprächsweise bemerkt, von Senner seien Waaren geliefert worden, die sehr minderhaltig wären. Von dem Verkäufer Neurath wurden ihm solche Waaren auch ge- ' zeigt. Die Angeklagte erklärt hierauf, sie begreife nicht, wie dort Waaren von ihr vorgezeigt sein könnten, sie habe, als dies glscheh-n sein solle, schon jahrelang keine Waaren mehr an das betreffende Geschäft geliefert. Fabrikant Fues hier war im November 1897 in Budapest. Dort wurde ihm von einem Verkäufer gesagt, es sei ihm minderhaltige Waare von Wien geliefert norden, er begreife nicht, wie der Stempel darauf komme. Die Waare sollte aus dem Senner'sch<n Geschäft stammen und wurde retournirt. Nunmehr erfolgt die Vernehmung eines Wiener Zeugen, des Kaufmanns Max Figdor, mit dem die Angeklagte biS 1895 in Geschäftsver­bindung gestanden und bei dem sie zu Zeiten ein kleines Lager unterhielt. Ihre Bekanntschaft datirt von 1892 unb der Zeuge hat die Angeklagte bei den Wiener Grossisten und in den Geschäftskreisen eingefühtt. Er bekundet, Frau Senner habe auch für andere Länder wie Rumänien und Bulgarien Muster gelegentlich mitgebracht. In einem Ge­schäftsbriefe an den Zeugen avistrt die Angeklagte einen künftigen Besuch und mit der Post versendete Waaren und bemerkt dabei, sie habe auch noch minderhaltige Waare, die gedenke sie über Salzburg zu schmuggeln. In dem Antwort­schreiben hierauf bestätigt Figdor den Empfang deS Schreiben» und bemerkt u. A., was nicht pu»ziru»gSfähig sei, müsse sie selbst hereinbringen. Die Briefe stamme« a«S dem Jahre 1894. Ueber den letzteren Passus wird nun heute der Zeuge befragt, waS er mit dem »selbst hereinbriugen* gememt habe. Der Gefragte gibt hierauf gewundene Erklärungen, auS denen kein Sinn zu entnehmen ist. Die Angeklagte erklärt, dieS feien Muster gewesen, die gänzlich vnve, käuflich waren, was auch der Zeuge sagt. Im Jahre 1895 hörten die beider­seitigen GeschäftSvelbindungen auf. Es sollte nunmehr die

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