Einrückssg». gebühr
für Sladt- und Land» kreis Hanau 10 ^ die 4gespaltme Garmondzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswäns 30 ^.
^L Amtliches Organ für 5faöf~ unö LanSkrers Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 215
Donnerstag den 14. September
1899
Amtliches cfiartöRrets ^tanau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamt es.
Bekanntmachung.
In Sachen betreffend die Enteignung von Grundflächen für die Bahnhofserweiterung Mainkur, habe ich als Kommissar des Herrn Regier urgs-Prästdente» in Cassel Termin zur Feststellung der zu zahlenden Entschädigung an Ort und Stelle auf
Donnerstag den 5. Oktober d. Js., vormittags 91/» Uhr, anberaumt. Zu diesem Termin werden alle Betheiligten zur Wahrnehmung ihrer Rechte unter der Verwarnung geladen, daß bei ihrem Ausbleiben ohne ihr Zuthun die Entschädigung sestgestellt und wegen Auszahlung und Hinterlegung der Letzteren verfügt werden wird.
Hanau am 12. September 1899.
Der Königliche Landrath.
V. 9225 v. Schenck.
Dicilstliachlichten aus dem Kreise.
Zugelaufen: Zwei junge Hähnchen. Ein schwarzer Spitz m. Geschl.
Entlausen: Ein kurzgeschorener Pudel mit neuem Halsband und Maulkorb.
Hanau am 14. September 1899.
Tagesschau.
Kaiser Manöver.
Karlsruhe, 13. Septbr. Der Groß Herzog von Baden fuhr mit den fürstlichen Gästen heute früh 5 Uhr 10 Min. von Karlsruhe nach Thamm und von dort zu Wagen nach Markgröningen, wo die Pferde bestiegen wurden. Der Kaiser war schon frühzeitig hinausgefahren und hatte das Kommando eines Kavallerie-Korps (12 Kavallerie, Regimenter und 4 reitende Batterien) übernommen, welche mit dem 13., 14. und 15. Armeekorps die roter den Befehl des Königs von Württemberg gestellte erste Armee-Avtheilung bildete. Der Gegner war marktrt und hatte eine Stellung zwischen Korvberg und Möglingen besetzt und verschanzt und starke Reserven westlich von Kornwestheim zurückgehalten. Die eiste Armee-Abtheilung ging gegen diese Stellung in ier Front mit dem 13. und 15. Armeekorps über Ditzingen, Nippen- burg, Schwieberdingen, sowie Markgröningen vor und besetzte mit dem 14. Armeekorps, welches nördlich der Enz stand,
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über Bisstngen und Bietigdeim mit dem Kavallerie-KorpS noch weiter herumgreifend, die rechte Flanke deS GeznerS zu umfasst». Gegen 11 Uhr zeigten lauge stark feuernde Geschützlinien, welche sich auf den Höhe;- des östl chen Glems- Ufers entlang und dann schließlich vor Asperg biS nach Ludwigsbarg hinzoren, als die erste Armee-Abtheilung ihren Aufmarsch vollzogen hatte und sich nun zum allgemeinen Angriff anschickte. Als der markirte Feind zum Weichen gezwungen war, ritt das Kavallerie-Korps auS der Gegend von Pflugfelden gegen die rechte Flanke und den Rücken des geschlagenen Feindes zur Attacke vor. Gegen Mittag schloß das Manöver, dem der Großherzog von Baden theils bei der 30. und 31. Division und dem markirt n Feinde, theils beim Kavallerie-Korps gefolgt war. Der Kaiser versammelte hierauf das Osfizier-Ko' ps auf dem Ried zur Besprechung, in deren Anschluß Höchstderselbe ein Hurrah auf den König von Württemberg ausbrachte. Der König von Württemberg dankte mit warmen Worten und brächte ein Hurrah auf den Kaiser aus. Der Kaiser ritt nun an der Spitze seines Ulanen-Regiments Nr. 13 nach Ludwigsburg zurück und trat von hier direkt die Rückreise nach Potsdam an. Die übrigen Fürsten traten vom Maröoerfelde aus die Heimreise an.
Karlsruhe, 18. Septbr. Die „Karlsruher Zeitung" veröffentlicht an der Spitze ihrer heutigen Ausgabe folgendes Schreiben des Großherzogs:
„Mein lieber Hrrr Staatsminister Nokkl Ich über- gebe Ihnen hiermit ein Handschreiben S. M. des deutschen Kaisers und Königs von Preußen, das Allerhöchst- derselbe beim Schlüsse der großen Maröier der brer Armeeko ps an mich gerichtet hat. Außer den militärischen Fragen, welche in diesem Handschreiben berührt werden, spricht Seine Mast M auch seine dankbare Befriedigung über die Eint rücke aus, welche Allerb öchstderselbe während feint 8 Aufenthalts im Lande gewonnen hat. Hocherfreut über die ausgesprochenen Gejühle dankbarer Anerkennung Seiner Majestät des Kaisers wünsche ich, daß Allerhöchstdissen Aeußerung allgemein bekannt werden möze, und ersuche ich Sie, die Veröffentlichung des kaiserlichen Hondschreilens baldig zu veranlassen. Ihr ergebener (gez.) Friedrich.
Karlsruhe ten 13. September 1899.
An den Staatsminister Nokk/
Das Hardschreiben des Kaisers lautet:
„Durchlauchtigster Fürst! Freundlichst geliebter Vetter, Bruder und Oheim! Bei dem heutigen Scheiden aus Ew. königlicher Hoheit Landen ist es wir ein aufrichtiges Herzens- bedüifniß, Ew. königlich en Hoheit durch Uebersendung av- liegender Abschriften meiner Ordres an die kommandiren-
den Generale des XIV. und des zu Ew. königlichen Hoheit Armeeinspektion gehörigen XV. Armeekorps, von meiner hohen Freude Kenntniß zu geben, mit der mich der vortreffliche Zustand beider Armeekorps erfüllt hat. Das nie ermüdende Interesse u«d die hingebende Thätigkeit, welche Ew. königliche Hoheit mit Aufopferung Ihrer Kräfte allez it der Ausbildung Ihrer Truppen widmen, finden in so glänzenden Erfolgen ihren schönsten Lohn. Mir aber gereicht es zu wahrhafter Geru thrrung, mich mit Ew. königlichen Hoheit in vollster Uebereinstimmung zu wissen über die zu erstrebenden Ziele und die hohe Wichtigkeit, die der Erhaltung und Stärkung der Wehrhaftigkeit unseres deutsch m Vaterlandes gebührt. Ich verlasse heute das herrliche Baden mit den herzlichsten Segenswünschen und mit warm bewegtem Dank für ei: Aufnahme, die mir hier von Ew. königlichen Hoheit, von der Stadt Karlsruhe und von allen Kreisen der Bevölkerung zu Theil geworden ist. Es hat alles das meinem Herzen wahrhaft wohl gethan und kaun ich nur mein lebhaftes Bedauern wiederholen, daß die Kaiserin, meine Gemahlin, nicht mit mir an diesen erhabenen Eindrücken ttzeilaehmen konnte. Ew. königliche» Hoheit würde ich ganz besonders dankbar sein, wenn Sie auch allen Betheiligten in Ihrem Lande Kenntniß von diesen m-inen Gefühlen geben möchten. Ich verbleibe mit herzlicher Liebe und unv:ränderlich aufrichtiger Verehrung und Freundschaft Ew. königlichen Hoheit freundwilliger Vetter, Brurer und Neffe (gez.) Wilhelm Hex.
Karlsruhe den 13. September 1899.
Des Großherzogs von Baden Königliche Hoheit/
Das Gesetz, brtreffend den Charsreitag,
das zu so vielen parlamentarischen Kämpfen Veranlassung gegeben hat, wird jetzt in der vom Herrenhause beschlossenen Gestalt amtlich veröffentlicht. Der einzige Paragraph des Gesttzrs lautet wie folgt: Der Charsreitag hat die Geltung eines bürgerlichen allgemeinen Feiertages. In Gemeinden mit überwiegend kathclischcr Bevölkerung soll die bestehende herkömmliche Werltagsthätigkeit (auch die gewerbliche Thätigkeit — § 105a ff. der Reichsgewerbe Ordnung —) am Charfreitage nicht verboten werden; es sei denn, daß es sich um öffentlich bemerkbare oder geräuschvolle Arbeiten in der Nähe von dem Gottesdienst gewidmeten Gebäuden handelt.
Bemetkenswerthe Auslassung.
Bei der Jubelfeier der Königlichen Deckstation Badbergen bei Osnabrück hielt der Lar dwirthschastsmruister, Freiherr von Hammerstein eine sehr bemerkenswerthe Rede, aus welcher hervorging, daß der Minister ganz und gar nicht die Absicht bat, in nächster Zeit von seinem Posten zurückzntreten. Er
Fes-Mets».
Bom Verfasser des „Kosmos".
Zum 130. Geburtstage Alexander v. Humboldt's.
Geb. am 14. Sep tember 1769.
Von Dr. St. Winzer.
^Nachdruck Verbeten.]
Alexander v. Huu boldt war der größte natursorschende Reisende aller Zeiten und dimentiprechind Meister in der Ptysik der Erde^ dabei als vielseitiger Gelehrter und hochgestellter Gönner jeder Wissenschaft von Mit- und Nachwelt genannt, als Hauptvertreter deutsch,r Geistesrichtung imrevn- zehnten Jahrhundert gefeiert und ist bis zur Stunde noch ohne seines Gleichen geblieben. Wie Goethe, als Altmeister der Poesie, auf jedem Gebiete derselben heimisch und ein Meister war, so kann man Humboldt den Goethe der Naiur- wissenschöftm nennen, denn auch er war auf allen Gebieten derselben heimisch und hat darin Unvergängliches geleistet. Ein vielseitigeres naturwissenschaftliches Genie wie das Hum- boldt's hat — ohne zu prahle» — die Erde biS in die Gegenwart nicht aufzuweisen.
Die epochemachendste That dieses unvergleichlichen HeroS der Forschung war die von ihm in Begleitung etueS jungen französischen Botanikers vor 100 Jahren unternommene große Reise in die neue Welt zum Zwecke deS Studiums der Natur in alle« ihren Reiche« und der Nationalökonomie der Tropen.
Die Bekanntschaft mit dem Weltumsegler Georg Förster, mit welchem er 1790 seine erste große Reise durch Belgien und Holland «ach England und zurück über PariS mochte, weckte in Humboldt eine ernstliche Weltreifelust. Seine Studien im Bergfach und der Physik und anorgontscheu
E^emie erregten in ihm den Gedanken zu einer großartigen Erkpiysik uud turch deren weitere Verbindung mit der Him- melsknnke zu einer Weltphysik, deren spätere Frucht der „Kosmos" nar, zu welchem er ober die Inspiration auf der genannten Weltreise erhalten sollte. Am 5. Juni 1799 schiffte Humboldt sich auf der Fregatte Pizarro im Hafen von Corura ein und kehrte am 3. Aug. 1804, noch über 5 Jahre», über Bordeaux nach Paris zurück. Die Kosten des große« Unternehmens, die er auch für seinen jungen B-gleiter, Almö Bonpland, ganz aus eignen Mitteln bestritt, betrugen 30 000 bis 40 000 Thaler und verzehrte« außer den Zinsen den fünften Theil seines Kapitals. Seine rastlos energische That- traft, die uriunterbrecheve Heiterkeit jenes GemüthS während jener langen Zeit wurden nicht wenig durch eine rner'chülter- liche Gesuntheil befördert, deren er sich im Vaterland keineswegs zu erfreuen hatte. Die Tropenwelt erschien ihm dabei so recht als sei« Element, das er, in die Heiwath zurückge- kehrt, durch eine ungenöhnlich hohe Temperatur seiner Wohn und Arbeiisräume zu ersetzen suchte. Nur eine rheumatische Schwäche des rechien Armes, die ihn im Alter zwang, in gebückter Stellung auf den Knien statt auf dem Tische zu schreiben, trug er als übleS Andenken an die feuchten Blätter» lager am Orinoco davon. Gefahren gewaltsamer Art hatten die Reisenden selten zu bestehen; die schlimmste aller Unbilden erlitte« sie von den Insekten der Urwaldströme. Dramatisch,- Interesse bot deßhalb ihre Wanderung wenig. Ei« kurzer Besuch der Insel Teneriffa war von Haus auS verabredet worden und die Besteigung deS Pic am 22. Jnni 1799 ersetzte vollauf die früher einmal geplante Besteigung deS Bes«v und Aetna. Der AuSbruch des Fiebers au Bord bestimmte Humboldt, schon in Cummana i« Venezuela zu landen, ein Entschluß von den wichtigsten Folgen. Denn gerade hier ge« rieth er inmitten der beinahe unberührten Wildniß der tropischen Pfianzenschöpfnng, von deren überwältigendem Ein
drücke auf ihn entzückie Briefe Zeugniß adllgen. So wurden fast l*/i Jahre, vom 16. Juli 1799 bis 24. November 1800 der Erforschung des Landes in seinen drei Regionen, dem Küstengebiet, den Llanos und dem Aaldgebiet am Ori- uecs gemacht. Darauf ging es zu Schiffe nach der Havana, wo sich nun, wie zum Contrast, Gelegenheit zu national« ökonomischen Studien eines TropenlandeS im Kulturzustande bot. Dieser erste Aufenthalt in Kuba vom 19. Dezember 1800 biS 8. März 1801 wurde vorzeitig abgebrochen, infolge der falschen Nachricht, daß eine Expedition unter dem französischen Forscher Baudin den Weg um's Kop Horn gewählt habe, für welchen Fall Humboldt noch bei seiner Abreise aus Europa Hm Kapitän seinen eigenen Anschluß von einem südamerikauischen Hafen cu8 versprochen hatte. Seiner Zusage getreu, segelte er noch Cartma, dann an den Mogdaleucnstrom, hernach mit sehr großen 23tsinterten über Bogota durch die Cordiller'v noch Euito. Erst hier zu Anfang 1802 ersühr man, daß Baudin die östliche Richturg eingeschlagen hatte urd Humboldt beklagte, die Hunderte von Meilen durch ein Land zurückg legt zu haben, welchis er in k'g nem Jme- nsse niemals anftefuit haben würde. In Wahrheit war Vieler Irrthum ein Segen für die Wiffeuschast. Humboldt befaud^stch an dem Günstigsten Punkt, Äquator, wo die Mapnigfalttzkeit der Natmei»lrücke ihr Mexmnm erreichte, wo „dem Forscher verliehe« war, oh«e daß er feine Heimath verl etze, alle Pflanzengestalten der Erde zu sehen, und ihm das Himmelsgewölbe k.ive seiner leuchtenden Welt«» verbarg/ Humboldt sollte i« der Landschaft von Quito die Nasfische Stätte für seine Weltpfyfik fast wider Wille» finde». Kein Moment seine» ganzen Lebens hat auch Humboldt einen so populären Ruhm eirgetragen, wie die mitten in jene Periode fallende, freilich nicht vollendete, Besteigung des Chimborazo am 23. Juni 1802.