Erstes Blatt.
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Mir au»«Srtigy Momenten mit der» betreffenden
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für Stadt- und Land« kreis Hanau 10 ^ die ^gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 _^.
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für
Auswärts 30 ^.
Die einzelne
Hummer kostet 19 ^
Amtliches Organ für StaSi- unö LsnöKreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
Nr. 211___________________________
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 57.
Amtliches
SL^HM^sr-s ^mtaxx.
Versteigerung.
Mittwoch den 13. d. Mts, von nachmittags 2 Uhr ab, sollen im Polizeibureau hier (Paradeplatz 1) die vom 1. Juni 1898 bis 31. März 1899 als gesunden au Polizeisülle abgegebenen und weder von den Eigenthümern noch von den Findern reklamirten Gegenstände, als: Regen- und Sonnenschirme, Taschentücher, Messer, Portemonnaies, Gold- und Silbersachen und andere Gegenstände gegen baare Zahlung meistbietend verkauft werden.
Hanau am 8. September 1899.
Königliche Poltzeidirektion.
P. 8262 v. Schenck.
'^»tadt&reigs ^anau.
Bekarmtmachrmgeu des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die der Stadt Hanau zusteheide Gemeindejagd, bisher in zwei Abtheilungen verpachtet, ist vom 1. Februar 1900 an auf weitere 12 Jahre zu verpachten. Die Pachtbedirguvgen liegen im Ratshause, Zimmer 21, zur Einsicht aus.
Termin zur öffentlichen Ve,Pachtung wird auf Montag den 25. September d. Js., vormittags 12 Uhr, in den Magestratssitzungssaal, Neustädter Rathzaus, Zimmer Nr. 1, anberaumt.
Hanau den 25. August 1899.
Der Magistrat.
Dr. G e b e s ch u s. 13395
Bekanntmachung.
Städtisches Clcktiizitätswcrk.
Die alljährlich auszuführerde außerordentliche Revision deS gesammten Kabklnetzes wird in der Zeit
vom 1. bis iucl. 15. September er.
statifinden.
Es werden in dieser Zeit sämmtliche Kabelstrecken auf kurze Zeit nacheinander ausgeschaltet werden, was wir hiermit zur Kenntniß bringen.
Die Direktion.
I. V.: Schlageter. 13492
Dicnfiliachlichlcn aus dem Kreise.
Gefunden: Ein schwarzer Kinderschirm.
Verloren: Ein Spazierstock, braun, spanisch Rohr mit kurzem rechiwinklich gebogenen silbernen Griff. Eine Büchertasche auf dem Wege von der Ulanenkaserne nach der Stadt.
Hanau am 9. September 1899.
Politischer Wochenbericht.
Die Ruhe, die mit btm Schluß bei preußischen Landtages in die innere Politik eingetreten war, ist durch Veränderungen im preußischen Staatsministerium unterbrochen word-n. Die Minister Flhr. v. d. Recke v. d. Horst und Dr. Bsffe haben ihr Amt niedergelegt und sind durch den Regierungspräsidenten von Düsseldorf, Frhrn. v. Rheinbaben, und den Oberp'ästdenten von Westfalen, Dtudt, ersetzt. Den scheidenden Ministern widmeten viele Blätter einen warmen Nachruf, worin die großen Verdienste aufgezählt werden, die sie sich um den Staat erworben haben; der Kaiser hat diese durch eine hohe OrdenSAuszeichnung anerkannt und damit auch gezeigt, daß Frhr. o. d. Recke und Dr. Bosse sich des All rhöchsten Wohlwollen- und Vertrauens nach wie vor erfreuen.
Noch eine andere bedeutsame Kundgebung ist vom Kaiser auSgegangen. In einem Trinkspruch, den der oberste Kriegs Herr aus Anlaß der Manöver im Elsaß in Straßburg aus- brachte, hat der Kaiser mit Genugthuung die allmählich, aber deutlich erkennbar vor sich gehende innere feste Wieder-An- gliederung Elsaß Lothringens ex daS alte deutsche Mutterland hervorgehoben. Dieser Piozeß soll ja, wie auS den Worten des Kaisers hervorgeht, nicht künstlich beschleunigt «erden; ei ist nur natürlich, wenn die ältere Generation sich mit ihrem Fühlen und Denken nicht so völlig, wie es vom deutschen
Die heutige Nr
Samstag den 9. September
Standpunkt tus wünschenswerth wäre, von der Verga«gen- Heit loüreißen kann. Aber ebenso natürlich ist es, wenn daS junge Geschlecht mit dem neuen großartigen Aufschwung, welchen gerade Straßburg unter dem glorreichen Szepter der Hohenzollern angenommen hat, sich von dem frischen Geist der Anhänglichkeit an Kaiser und Reich erfüllt zeigt, wie sich dies in den jüngsten Tagen bekundet hat. Besondere Beachtung in der kaiserlichen Rede verdient ab-r auch der Appell „an die edeln Herren der Kirche", „daß sie mit ihrer ganzen Arbeit und mit Einsetzen ihrer ganzen Persönlichkeit dafür sorgen, daß die Achtung vor der Krone, das Vertrauen zu der Regierung immer fester und fester werde". Vornehmlich aber wird man es zu würdigen wissen, daß sich Kaiser Wi'- Helm an der deutschen Grenzwacht wiederum als Friedens- smsten bekannt hat und daß sein Trirkpiuch auf Elsaß- Lothringen in das wärmste Lob des Friedens und seiner Segnungen ausklang.
Auch in Frankreich dürften die kaiserlichen Worte ihren Eindruck nicht verfehlen, wenn auch dort die „Affaire" kaum Zeit für andere Gedanken läßt. Wie weit der Drcy- fuk Prozeß die Geister schon verwirrt hat, zeigt die Thatsache, daß das Kriegsgericht auf Antrag des Vertheidigers Labori darein gewilligt hat, den deutschen Obersten v. Schwartzkoppen und den italienischen Obersten Panizzar i als Zeugen zu vernehmen, und daß Labort in dieser Sache sogar Telegramme an den deutsche» Kaiser und an den Körig von Italien gerichtet hat. Von verständiger Seite war nicht anzunehmen, daß Oberst v. Schwartzkoppen die Erlaubn ß erhalten würde, nach Rennes zu gehen. Ist doch von leitender deutscher Seite mehrmals mit größter Bestimmtheit, ohne jede Ein- schräi kung versichert worden, voß Demschland mit Dreyfus nie etwas zu thun gehabt hat, daß auch Oberst von Schwartzkoppen selbst keine umfassendere und präsisere Auslage in Rennes machen kann. Wenn Frankreich diese Erklärungen nicht verstehen will, so trifft uns wahrlich nicht die Schuld. Neue Schritte zu unternehmen, die der gleichen Mißochiu^g avheiwfallen würden wie die früheren, v-rbietet die Würde Deutschlands und seiner amtlichen Organe. Frankreich wird also wohl allein über Dreyfus urtheilen müssen. Wie der Prozeß enden wird, läßt sich auch nicht annähernd bestimmen.
Dies ist ebenso ungewiß wie der Aasgang der Trans- vaalkrise. Heute wird die Lage als hoffnungslos, morgen als hoffnungsvoll grschildert. So oft eine entscheidende Wendung vevorzustehen scheint, tritt sofort wieder eine Verschleppung ein. Alarmirenden folgen jedes Mal beruhigende Meldungen. Augenblicklich überwiegt die düstere Auffassung. Den Buren beginnt endlich die Geduld zu versagen. Sie sehen ihre Regierung bis an die äußerste Grerze der Nachgiebigkeit in der Uitlandersrage gehen — in England ist man nicht zufrieden; sie hören täglich von kritischen Truppen- fenbungen nach Kopland und Natal, von Aufhetzereien der Eingeborenen im Betschuana-, Basuto- und Swaziland, von Kriegs-Vorberritungen in Rhodesia, von Beschlagnahme für Transvaal bestimmter Wessen- und Munitions Sendungen in der Delagoabai — und sie sollten nicht auch endlich an den Krieg denken? Jedenfalls wird die Entscheirung über Krieg oder Frieden balo fallen.
Ob sich auch in Oesterreich die Lage bald klären wird, ist zweifelhaft, trotzdem verschiedene Nachrichten auf einen beginnenden Wandel der Anschauungen deuten. Vor Allem haben die Auszeichnungen, welche der deutsch-fortschrittliche Obman Dr. Funke in Leitmeritz durch den Thronfolger an läßlich der noidböhmisch n Manöver erfuhr, und dann die Berufung Chlumeckys, deS deutschen Führers im Hcrrcvhause, zum Kaiser nach Jschl großes Aufsehen erregt.
Der Kaiser in Baden.
Karlsruhe, 8. Septbr. Gestern Nachmi tag trafen der König von Sachsen, der Großherzog von Hessen, Prinz Albreckt von Preußen, Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin, der Fürst von Hohenzollern und der Erb- großherzog von Baden hier ein. Der Kaiser traf heute früh um 8 Uhr 55 Min. aus der Station Frochheim hier ein, begleitet von dem Chef des Militärkabinets, von Hahnke, dem Chef deS Zivilkabinet« von Lvcinus und dem Staats minister Erafen von Bülow. Zum Empfange waren anwesend der Erbgroßherzog und die Großherzogin von Baden, Prinz Leopold von Boy rn und der Statthalter von Elsaß- Lothringen, Fürst zu Hohenlohe-Langenburg. Nach kurzer Begrüßung litten der Kaiser und der Erbgroßherzog mit ihrem Gefolge auf das Paradefelh, wohin Fürst Hohenlohe und Piivz Leopold von Bayern vorausgeritten waren. Die Großherzogin folgte in einem Bierspänuer. Das Wetter hatte sich, nachdem Regen niederging, aufgehellt. Die Kaiserparade mmer umfaßt außer dem UnterhattuugSV
1899
nah« um 9 Uhr ihren Anfang. Es fand nur einmaliger Vorbeimarsch statt, die Infanterie in R;gimentskolonneu, die Kavallerie in Eskadronsfront, die Artillerie in Batteriefront im Schritt. Der Kaiser, ter Grofherzog und die übrigen Fürstlichkeiten führten die Regimenter, deren Chef sie sind, vor. Nach Schluß der Pa-ade ritt der Kaiser, der die Uniform des 2. Badischen Grenadier Regimentes, Kaiser Wilhelm Nr. 110, trug, an die Kriegervereine heran und erfreute einzelne .Mitgiieder durch Ansprache. An der Spitze der Fahnen- und Standart««-Kompagnie ritten der Kaffer, der Großherzig und der Erbgroßherzog vom Paradefeld in die Stadt, wo sie um 12'/, Uhr auf dem festlich geschmückten Marktplatz unter dem Geläute der Glocken eintrafen. Oberbürgermeister Schnetzler, an der Spitze des Bürgers usschusfes, hielt eine Ansprache, in der er den Kaiser als den obersten Kriegsherrn des Reiches und sta k bewehrten Hüter und Wahrer des Friedens bezeichne e. Gerechtigkeit und Tugend könnten derzeit in den Kämpfen des Leders nur dann wirksam bestehen, wenn sie mit hinreichender M.cht ausgestattet seien. Redrer dankte dem Kaisir für die unermüdliche Sorge um die Wehrhaftigkeit der Nation und sprach die Hoffnung aus, daß der Kaiser in dem wachs nden Wohlstände, in dem Bildnngssiande und dem Glück eines freien und treuen Volkes einen segensreichen Lohn finden möge. Der Kaiser erwiderte etwa Folgendes: Es freue ihn, wieder Gelegenheit zu haben, den Bürgermeister begrüß n zu können. Er komme von einem schönen militärischen Bilve zurück. Was er von den Truppen dieses Landes gesehen habe, habe ihn mit hoher Befriedigung erfüllt und er könne den Großherzog und das Land nur herzlich dazu beglückwünschen. Er sei seifen fest überzeugt, daß der Theil d«s gesammten deutschen Heeres, d-r dem Lande angehöre, an seinem Theile dazu bei- tragen werde, für den Frieden zu sorgen. Ehe die Theorien des ewigen Friedens zur allgemein n Auwenduna gelangen, würde noch manches Jahrhundert vergehe«. Vorläufig sei der sicherste Schutz des Friedens das beutle Reich und seine Fürsten und das von ihnen geführte Heer. Der Kaiser dankte dem Oberbürgermeister und den Bürgern öer Stadt herzlich für den schönen Empfang. Er sei ja auch kein Fr.mdling und „bei dem nahen Vertältniß zwischen Sr. Königl. Hchnt dem Großherzog unb Meinem Hau e rechne ich mich auch zu den Ihrigen." Brausende Hochrufe folgten der R-de des Kaisers.
Der „Reichsanzeiger" zur Dreyfus- Affaire. z
Berlin, 8. Septbr. Der „Rkichsanzeiger" schreibt im amtlichen Theil: Wir sind ermächtigt, nachstehend die Erklärungen zu wiehert olen, welche binfichtlich des französische» Hauptmanns Drepfus die kaiserliche Regierung, bei aller Beobachtung der fremden teueren Angelegenheiten gegenüber gebotenen Zurückhaltung, zur Wahrung ihrer Würde und zur Erfüllung einer Pflicht der Menschlichkeit abgegeben hat. Botschafter Fürst Münster gab nach Einholung der Befehle des Kaisers im Dezember 1894 und Januar 1895 dem Minister des Aeußern, Hanotaux, dem Ministerpräsidenten Dupuy und dem Präsideuten der Republik Castmir Perier wiederholte Erklärungen dahin ab, daß die kaiserliche Botschaft in Frankreich niemals, weder direkt noch indirekt, irgend welche Beziehungen zum Hauptmann Dreyfus unterhielt. — Staatssekretär Graf v. Bülow gab am 24. Januar 1898 in der Budzetkommijsion deS Reichstages folgende Erklärung ab: Ich erkläre auf das Allerbestimmteste, daß zwischm dem gegenwärtig auf der Teufelsinsel b«findlichen französische« Ex-Kapitän Drey'us und irgend welchen deutschen Organen Beziehungen oder Verbindungen irgend welcher Art niemals bestanden haben.
Dreyfus vor dem Kriegsgericht in Rennes.
Rennes, 8. Septbr. Die Sitzung des Kriegsgerichts wird um 6'/, Uhr eröffnet. Demange beginnt sein Plaidoyer und legt zunächst Werth darauf, Berwatzrung ein- zulegen gegen das Wort eines Zeugen, der sich nicht gescheut habe, zu sagen: Wer für die Revision ein trete, d. h. wer an die Unschuld des DreyfuS glaube, der gehe gege« Armee und Vaterland vor. Weder ich, fährt Demange fort, noch Labori ständen hier, wären diese Worte wahr. An dem Tage wo ich die Folgen der politischen Leidenschaften sah, wo Alles in Gefahr stand, waS ich seit meiner Kindheit achten und lieben lernte — ich, der Franzose und Soldatensoh« — ach, da stand ich alle Qualen auS. (Bewegung.) Ich fragte mich, latt 14 Seiten,