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für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ tie 4gespaltenc Garmond- zelle oder derm Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

Amtliches Organ für HisSt- uuö Lanökreis Hanau.

10 ^

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 209

Donnerstag den 7. September

1899

Dienstnachrichlen ans dem Kreise.

Gefunden: Ein Taschentüchermusterbuch mit zwei ein­liegenden Preislisten mit der AusschriftBielefelder Leinen". Ein Stück von einem Perlmuttermanschetteuknopf mit der, AusschriftSouvenir de Nice".

Verloren: Eine kleine goldene Broche, ein Kleeblatt darstellend, mit blauem Steinchen.

Vom Wasenmeister am 6. d. Mts. eingefangen: Ein großer gelber Hund und ein brauner Rattenpinscher, beide m. Geschl.; am 7. d. Mts. ein schwarzer Schäferhund w. Geschl.

Hanau am 7. September 1899.

Mehr Urtheil.

Es ist eine seltsame Jionie der Geschichte, daß in keinem Lande unter den Arbeitern eine solche Erbitterung, ein solches Mißtrauen gegen das Bestehende gezüchtet wird, wie in Deutschland; denn in keinem Lande ist die Agitation sowenig begründet, wie bei uns. In keinem Lande hat die wirth- schaftliche Lage der Arbeiter in den letzten 25 Jahren einen so bedentenden Aufschwung genommen wie in Deutschland; in keinem Lande haben die Gebildeten, man kann sagen, ohne Unterschied der Partetstellung, ein so uneigennütziges Interesse für die Hebung der Arbeiterklasse an den Tag gelegt; in keinem Lande haben die R gtervng und die Volksvertretung so riesenhafte Werke für daS Wohl der Arbeiter geschaffen, die dem Reiche und Unternehmerthum ganz außerordentliche Opfer an Geld und eine Summe von Arbeit ausgebürdet haben; und in wenigen Ländern ist neben diesen Pfücht- leistungen so viel Freiwilliges von den Arbeitgebern für ihre Arbeiter ausgeführt worden.

Schon lange, ehe eS die erste« Anfänge der sogenannten Arbeiterpartei in Deutschland gab, haben die Arbeiter-Interessen Vorkämpfer unter den Angehörigen anderer Kkfsen und Par­teien gefunden. Die Sozialdemokratie hat es nicht über einen verunglückten, weil gänzlich unbravchbaren Entwurf einesAr- beiterschutzgesetzcs hinausgebracht; das Schutzgesetz vom Jahre 1890 ist von der Regierung vorgelegt und von den bürger­lichen Parteien angenommen worden. Die fozialdevo- kratischen Vo lsvertreter haben gegen alle Versicherungs- gesetze, überhaupt gegen alle zu Gunsten der Arbeiter er­lassenen Gesetze gestimmt, und trotzdem wurden sie immer wiedergewählt.

Was ist der Grund dieser Erscheinung? Der Mangel an Urtheil, der viele Arbeiten verhindert, die Wirksamkeit

FeNMstsn.

Londoner Modebrief.

Von Mary Wood.

(Raibwu u «beten.)

London hat Heuer eine glänzendeSeason* in Bezug auf Mode und Luxus zu verze-chnen. Die mue Richtung brächte einen frischen Luftzug in das Gebiet der Toiletten- kunst, und die smartesten Modedamen haben sich beeilt, demNew style" gerecht zu werden. Vor Allem sind es die wahrhaft genial gezeichneten Muster, welche durch ihre Eigenart auffallen und sowohl Leinen, als Tuch-, Seiden- oder Gaze, oben zu schmücken berufen sind. Japanisches Pflrvzendessin, Schlange, linien um rätselhafte Fabelthiere, tropische Blumen mit ousgesrarsten Zickzacklinien decken das ' Devant kostbarer Roben, oft nur durch die ungewohnte Form der Linien wirkend, welche in Schnürchen Pointlocebändchen, Gold, Stahl- und Schmustickerei kunstvoll ausgearbeitet wer­den. Sehr fashionable sind graue Leinenkleider mit weißen Piqueekrogen, die von einem, in gelber Pointlace ausge- führlem Dessin bebtdt sind. Dunkelblaue oder weiße breite Foulardschärpen mit weißen oder schwarzen großen Tupfen und eingeknüpften Seidenfravsen dienen statt der Gürtel zum Aufputz der Leinen-, Piquer- oder Botistkleider und werden oft seitwärts, oft rückwärts, zu einem genialen Knoten ver­knüpft, getragen. Zur großen Toilette gehört unfehlbar die lange kostbare Cräpe de Chine Echarpe, welche rückwärts durch eine große, sein ciselirte Stahlschnalle gezogen wird, die im Taillenschluß ihren Sitz hat, während die Echarpe sich über die Schultern legt und vorne leicht übereinander schlingt. Die bis zum Saum deS Kleides reichenden Enden zeigen auch lange Seidenfransen in der Farbe der Echarpe. Zu den hervorragenden Neuheiten auf dem Gebiete der Je- Wellery gehören die winzigen Damenuhren, die auS Email

ihrer vermeintlichen Vertreter sachlich und zutreffend zu wür­digen. Wäre bei den Wählern die Urtheilskrast größer, dann wäre die Sozialdemokratie ohne Frage längst boh der Bildfläche verschwunden; denn dann würde ihnen nicht ent­gangen sein, daß die Sozialdemokratie nichts weniger ist, als eine Arbeiterpartei. Die Sozialdemokratie hat ein mangeln­des Verständniß für die Arbeiter-Jnterefsen nicht bloß dadurch an den Tag gelegt, daß sie gegen alle sozialen Reformgesetze stimmte, sondern sie hat die Arbeiter geradezu schwer ge­schädigt, indem sie auf einem kleinliche» philisterhafte» Stand­punkte verharrte und sich gänzlich unfähig erwies, dem Auf­schwünge Dentschlauds zu folgen. Es ist eine Thatsache, daß die Sozialdemokratie unsere wirthschaftliche Entwicklung in keiner Weise zu fördern verstanden hat. Noch mehr: Alles, was Nützliches geschehen ist, wurde trotz der Sozialdemokratie und gegen sie ausgeführt.

So hat die Sozialdemokratie gegen die Getreidezölle ge­stimmt, auch wiederholt Agitationen zu deren Aufhebung ver- anftaltet, unbekümmert darum, daß eine verarmende Land- wnthschaft die Aufnahmefähigkeit des innern Marktes be­deutend herabsitzen und lie Abwanderung vom flachen Lande vermehren würde, die für die industriellen Arbeiter einen be­deutenden Lohndruck durch Ueberangebot zur Folge haben müßte. So hat sie ferner jede Heeres-Vermehrung bekämpft, obwohl eS leicht zu verst-hen ist, daß der für die Wohlfahrt der Arbeiter unerläßliche Friede nur solange gewährleistet ist, als Deutschland sich keine andere Macht über den Kops wachsen läßt. So hat die Sozialdemokratie unserm über­seeischen Handel jeden Schatz durch die Verstärkung unserer Kriegt flotte versagt, jede koloniale Erwerbung abgelehnt, ob­wohl wir darauf angewiesen sind, unter bem, was früher mächtig gewordene Völker übrig gelassen haben, das Beste so bald wie möglich an uns zu nehmen I

Wie weit die Urtheilslostgkeit weiter Kreise gediehen ist, hat ein sozialdemokratisches Blatt bestätigt, als der Gesetz­entwurf zum Schutze des Arbeits Verhältnissts im Reichstage berathen wurde. Es rühmte mit einem gewissen Stolz, daß es der Sozialdemokratie gelungen sei, auch solche Arbeiter- Gruppen in die Protest-Bewegung hineinzuziehen, die sonst eine selbständige Haltung einnehmen. Fürwahr ein seltsames Schauspiel l Der Entwurf bezweckt, die arbeitswilligen Ar­beiter vor dem Terrorismus der Sozialdemokratie zu schützen, und die, denen der Schutz zugedacht ist, schließen sich dem begreiflichen Protest der in ihrer Macht bedrohten Terroristen an. Das zeigt mit erschreckender Deutlichkeit, wie nothwendig es ist, der Sozicldewokratie mit mehr Urtheil entgegenzutreten.

mit Brillant-n umrandet ein kleines Zifferblatt sehen lasten und in Knopfloch des Jack-ts getragen werden. Für die Herbstsaison bereitet man Mäntel vor, welche durch viele Jahre als Toilettenstück vom Schauplatz verschwunden waren und nun berufen sind, einen längst vergessenen Ehrenplatz wieder einzunehmen. Cheviot, Serge, Kammgarn und Damen- tuch, sowie schwere Plaidstcffe liegen zur Auswahl, allen Be- dürsnifsen Rechnung tragend. Die von den Engländern stet! bevorzugten karrirten Gewebe sind Heuer mehr denn je ver­treten; besonders schwarzweiß karrirt, mit gelben und rothen Farbeudurchzug ersreut sich besonderer Beliebtheit. Die Form der Män el hat sich vollständig geändert, der ärmellose Mantel mit überfallendem Cape ist verschwunden und hat dem langen, sackartigen Paletot nur mit einer Naht im Rücken Platz gemacht; nur der hohe Stuartkragen ist als geeigneter Schutz für Wind und Wetter geblieben. Auch das bis zu den Knieen reichende Encas aus karrirtem Plaidstoff mit angewebten Fransen und abgerundeten Vordertheilen ist ein fast unentbehrliches Toilettenstück der Engländerin gewor­den, welches sie weder auf der Reise noch beim Sport ver­missen möchte. Fransen sind überharpt die hervorragende Neuheit der Sommersaison, eignen sich ihrer Schwere aber besonders für Winterkleider, wo sie als Abschluß der so be­liebten Tuniqies zu sehen sein werden. Worttz aus Paris, der in der Bondstreet seine Filiale hat, inaugurirte die Fransenmode, und nun sieht man Kleider, Kravatten, Schärpen, kurz alles, was Dameutoilette heißt, mit diesem Aufputzartikel ausgestaltet. Die Bondstreet ist daS Um und Auf der fashionablen Damenwelt, wen zur Zeit derSeason* sein Weg durch dieselbe führt, wird sie durchCarriages* aller Art versperrt finden, trotzdem sie ganz unansehnlich ist und einen Vergleich mit der angrenzenden Oxfordstreet nicht aushält. Auch die Schauläden prunken keineswegs mit verlockenden Waaren, aber in den Läden finden die Damen Alles, waS Vornehmheit und Luxus beanspruchen kann. In der Bondstreet gibt eS keine Waaren, auf denen zur An-

Dreyfus vor dem Kriegsgericht in Rennes.

Rennes, 6. Septbr. Die Sitzung des Kriegsgerichts wird um 6 Uhr 30 Minute« eröffnet. Die Oeffeutlichkeit ist ausgeschlossen. In der nichtöffentlichen Sitzung, die um 8V2 Uhr schließt, wird Cernuschi vernommen. Ge­wisse Stücke der Geheimakten werden nochmals geprüft. Sodann wird die Oeffentlichkeit hergestellt. Der Saal ist dickt gefüllt. D e m a n g e verlangt, daß die Note.oom August 1894 über die zeitweilig zum Generalstab kommandirten Offi­ziere den Akten beigefügt werde. R o g e t und der Präsi­dent äußern sich dazu, worauf der Gegenstand verlassen wird. Auf Anfrage Labori's führt Trarieux aus, er habe das Petit Bleu geprüft und Vertrauen zu der Ehren­haftigkeit Picquart's gehabt. Als er ihn empfing, sei er­wiesen, daß das Petit Bleu echt sei, die Untersuchung habe gezeigt, daß die Radiruvg Picquart nicht zugeschrieben werden konnte. L a u t h erklärt, er habe nichts dagegen einwenden können, als sein Vorgesetzter von ihm verlangt habe, die Spuren der Riffe zu beseitigen. Erst als er gesehen, welchen Gebrauch man von dem Petit Bleu machen wollte, habe er erzählt, was vorgefallen sei. General Z u r l i n d e n er­klärt, er habe als Gouverneur und Minister in den Affairen Picquart, du Paty de Clam und Esterhazy eine hervorragende Rolle gespielt. Die Treibereien du Paty te Clam's versetzten ihn in Unruhe. Er wollte sich bezüglich der Revision und der Verhaftung Picquart's ausklären. Er hielt es durchaus für nothwendig, daß Picquart sich vor dem Gerichte wegen der Fälschungskloge reinige. Zurlinden erklärt, der Justiz- minister habe ihn gedrängt, P cquart wegen der Fälschung, vor ein Militärgericht zu bringen. Er hielt die Radiruvg für unrichtig und unterrichtete seinen Nachfolger Chanoive über Alles, was Picquart betraf. Von der Radirurg war N'cht die Rede. Erst in der Aussage vor den militärischen Richtern nahm die Radiruvg eine Bedeutung an. Trarieux erklärt, die Mittheilungen Zarlinden's entkräfteten nicht seine Aussagen, und wirft Zurlinden vor, Picquart unnütz zehn Monate im Gefängniß gehalten zu haben. Sodann will Labori über die Radiruvg sprechen. Der Vorsitzende läßt dies nicht zu; man verhandle nur über Dreyfus. Labori erwidert, es handle sich um ein Dokument, von dem behauptet wird, Picquart habe damit gegen Esterhazy mauöoerirt, und welches wir für einen Beweis des Verraths Esterhazy's halten. Auf Verlangen LaboriS wird der Brief deS Juftizministers an Zurlinden betnfpnb die Voruntersuchung über den Ur­sprung des Petit Bleu verlese». Labori stellt fest, daß Zur-

loduug des Käufers der Preis erstchilrch ist, auch kein Aus­verkauf ist dort zu sehen, Qualität unb Fo^oa sind hier maßgebend, aber nie der Preis, den» die Kundinnen der Bondstreet weisen selbst gekrönte Häupter auf. Zum Schluß wollen wir noch einer prächtigen Pantomime Erwäh­nung thun, zu deren Generalprobe auch Ihre Korrespondentin geladen wurde. Dieselbe heißtBeautys Awahening", Erwacher der Schönheit" und beginnt mit einem Tanz der fünf Sinne. Der ^Geruch" wird von er er Tänzerin bar­gt stellt, die in rosenrothen Chiffovdraperien einherschwebt. Bon ihren Schulter» fällt ein karmoisinrother Sammtmantel vnd ein Kranz von rothen und rosa Blüthen schmückt das schwarze Lockevhaar. Die Gewänder des ^Gefühls" sind orangefarben mit eingestickren Herzen und Händen. Der Geschmack" erscheint in galt gelber Kleidung und trägt einen Korb mit Früchten. In himmelblauen mit Argusaugen vor- ftellenden Pfauenfedern ausgestatteten Kostümen zeigt sich das, das Gesicht verkörpernde Paar unb in hclwiropfarbener Seide mit tiefvioletten Sammimänteln uud einer goldenen Flöte in den Händen, präsentnt sich das Gehör. Von wun­derbarer Wirkung ist die Scene in der Clio, die Muse der Geschichte, in ihrer weich herabfallenden Gewandung von zartem, goldgestickten Grün die schönsten Stätte der Erde herbeiruft. Das alte Theben erscheint in langschleppender pfauenblauer Rohe, die mit schimmernde« Goldstickereien be­deckt ist, hinter ihr Rhamses II. in schneeigem Weiß. Athen, Rom, Byzanz, Florenz, Venedig, Nürnberg, Paris, Wien und zum Schluß das blaffe müde London erscheinen in charakteristischen Kostümen vor dem Beschauer. London ist von rauchgeschwärzten Gazewolke« umflattert; hinter ihm drein ein ganzer Schwärm von Dämonen, die von der Winds­braut und ihren pausbäckigen, geflügelten Begleitern offenbar zu toller Verfolgung angetrieben werden. Zum Schluß naht dieSeit", eine hagere gebückte Greist«ne«gestalt in graugrünen Gewändern, in der erhobenen Rechte die Sense bereit haltend.