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Amtliches Grgan für Staöt- unS LsnSkreis Hsnsu.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Rr. 206
Montag den 4. September
1899
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Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 56.
Amtliches t^anö&reie ^anau.
BekaMtmachMgen des Königlichen Landrathsamtes.
Ja Groß-Stemheim (Kreis Offeubach) ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
In Langenham, Cditabt und Pohl-Göns (Kreis Friedberg) ist die Seuche erloschen.
Hanau am 1. Septemb r 1899. P. 7982/V. 8917 Der Königliche Landrath.
J. D.: Graf v. Unruh, Reg.-Ass ssor.
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Dienstnachnchten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein viereckiger großer Hammer. Ein Regenschirm und ein kleiner T-sch, am Markrplctz stehen geblieben. Ein weißer Kinder stich out mit blauem Lande.
Vom Wasenmeifter am 2. d. Mts. eingesaugen: Ein weißer Foxterrier mit braunen Abzeichen, ein schwarzer Rattenpinscher mit r Schlichen Abzeichen, beide m. Geschl., und ein junger schwarzer Daäsruno w Geschl.
Hanau am 4. September 1899.
Die Krisis in Südafrika.
Ja der jütastlkauijchen Frage ist w-ed.r errmal ein sehr kritischer Augenblick scheinbar überwunden worden. Die Fordeiung des P.äsueutev Krüger, England söge auf j:dr Ausübung von Oberhoheit-R.chlen über T auivaal verzichten, tatst vor einigen T^gen m London tief verstimmt, die englisch: Pirsse floß über von kriegerischen Drobungen gegen die Euren, auch in Pretoria schien der Ruf „Zu den West n lw die Oberhand behalten zu wollen. Noch einmal hat sich die'e Flurh schnell verlarfeu. Weder der britisch: Ministec Chamderlaiv nach der greise Präsident Oom Paul haben es zu einem jä-rn Abbruch der Beziehuugen lammen lassen. Man verhandelt weiter, die biptomatneten Mittel zur Verhütung eines rurbsehbaren Blutvergießens scheinen auf beiden Seiten noch richt erschöpft.
Freilich handelt eS sich hier nur um Mittel, die entweder die brüiiche oder die Trcusvea-Regierung aufbieten will. Denn deß andere Mächte sich in bin Streit nicht einwischen werten, gilt als sicher. Man hat in d rtschen Blättern mit vor warst vollem Ton beklagt, daß Deutschland sich durch sein geheimes Kolonra -Abkommen b it England zu einer für Tronroaal schädlich n Zurückhaltrng vrrpflicht.t habe. Diese A^ffaflunz rst irrig. Die deutsche Regierung würde in der sü afrikanischen Stresifrage eine neutrale, weder von Transvaals, noch von Englands Wünschen ab- hänaige Stellung auch dann tingenemmen haben, wenn das demsch-evgiijche Abkcmwev gar nicht «xstnte.
Die Nothwendigkeit eines ruh'g abwattenben Verhaltens ergibt sich für uns nicht aus irgend welchen geheimnisvollen Zusagen von England, sondern aus der Thatsache, daß die Mächie bei Zweibundes sich dahin verständigt haben, keine diplomatische Abwehr gegen die biitische Ausdehnungs-Politik in Südasrikr zu u ternehmen. Frankreich fühlt seine Stellung auf Ma.ogitkar nicht unmittelbar bedroht und siebt überdies noch unter dem Eindruck der im Faschoia-Streit gemachten demütigenden Erfahrungen. Rußlard zieht die südof ikanischen Dinge überpaupt nicht in ben KreiS seiner politischen Berechuungeu. Die Gewißheit aber, daß die Kabinett: von Paris und St. Petersburg es ncht als ihre Aufgabe betrachte», den Briten zu Gunsten TranivaalS in ben Ar» zu fallen, schließt für Deutschland jede andere Haltung aus « s eine gegen heile ftieitenben Theile gleich ehrliche Neutralität.
Die deatiche Presie erfüllt eine Freundeipflicht, wenn sie > ben Buren die harte Wi klrchkeit ihrer Lage »hae die Echin- färberei französischer Blätter vor Augen führt und nnam« wenden die Mahnung aai’prübt, daß ein Volk, welches sich feine Urab:ängstk rt erkämpfen will, dazu »icht gerade den Zeitpunkt wählen darf, wo sein Bedrücker Ungewöhnlich stark und durch keinerlei Rücksichten gebunden ist.
Läßt uns Deutsche sein!
Ein Freund unsers Blattes schreibt uns: Vor wenigen Wochm führte wich mein Weg in ein# der schönsten Gebirgsthäler Frankreichs am Fuße bei Riesen der »lp.o, den
fineebebectien, herrlichen Montblanc, nach Chamonuix. Wer einmal in biejem Theile des alten Savoy n weilen durste, der wird sich erinnern, wie dort alle Nationen sich ein Stelldichein gegeben zu haben schünen.
Neben den Franzosen flab vor allen Dingen die Söhne Albions, welch; auf den Bergstraßen und in den Gasthäusern herrschen und in intern dem Leben und Treiben deu Stem- p l ihrer Nütiouatuät aufgenückt haben. Der Deutsche ist vorzugswrise v.rtrettn durch ten bescheidenen, aber an inniger Freude tuet die Schönheiten der Gotlesrelt von Niemand übertreffenen Touristen mit dem Bergstock in der Hand tni dem Rucksack auf dem Rücken. Und mir däucht, als wenn diese Rolle schöner ist, als das Los jener Reichen, die, vom Wagen oser von der Bah» aus einem Riesenhotel in das andere gefüllt, vom Lauch zum Diner, stets neue Toilette machend, mit vnoe.kennbarem Selbstbewußtsein auf den deutschen Fr-ßwauderer herabsehen.
Freiüch umb dies Selbstbewußtsein häufig zu einer nationalen Rücksichtslosigkeit, die einen Theil der reisendeu Eng ander nicht eben beliebt macht. Aber eine gute Seite hat dieser ratiora e Egoismus doch, er läßt den Engländer überall sein Voürland hoch halten. Und ihm ähnelt hierin der F-anrose. Dotz aller moralischen Niederlagen, welch: die „gründe nation“ zur Zeit erleidet, trotz des beschämenten Einblicke in die innern V-rhä tnijfe der Armee und ihres O fisicikorxs, würde es (einem Frau ofen in den Siun kom- !wen, sen Heer oder dessen kriegerische Tüchtigkeit und seine Le stun^en vor dem Feirde einem Fremden gegenüber Herab- zusetz-u.
Wie ganz anders ist es leider ncch heute, em Meuschen- alter r äch dev groß.» Ereiguisien der Jahre 1870 und 1871 : im deut chen Volke. Wo fnmbe Nationen, seien es selbst Polen und Dänen im eigtnen Lande, in bre ßer Weise uns be.egnev, immer und immer fi den sich Deu sche, welche auf ihre Seite treten. Und wer erinnert sich nicht jener deut chen Sozialisten, lie auf französischem Boden ihr Vaterland vrr- uvgliup'len, schließlich aber sogar von den Franzosen in handfester Weise gestraft wurden!
An die e» noch immer nicht überwundenen, aus den Ze:en des Beifalles des deutschen Re ch s ererbten nrtionalen Fehler wur e ich erinnert, als ich einen Deutschen an offener Wirurtafel im Kreise von Am r kuuern und Engländern He holten Eigerschastea b r Franzose« rühmen hörte, die stolzer als wir Deutschen, sich n emals von ei er festen Regie ung ^urie:drück n" l exe» und deren Kri gsthat n unter dem ersten Napoleon ur übertroffen seien. Er lebe meist im Auslande, und da müsse er immer Zeu-e sein der ebfädtgin Urteile über die Deutschen und ihren Kaiser.
E n Schweigen vo« meiner Seite schien mir ein m folgen ^D Elften” gegenüber unmöglich. Ich beschiärkte mich darauf, ihm zu sagen, daß N pofeon I. allerdings leider mit ; „biutfteu Soldaien^ seine Sre-e erfoLten habe, daß der : Sieb auf uni Deutsche im Auslande Gott sei Dank e n Zeicheu für nr/ere Ersta karg sei, mit bim mau das früh re gern [sie Deutschland niemals beehrt hätte, daß aber leiber Gott.S wir noch immer eine Mlnge L ute in unseren © engen hätten, die nicht wüßten, waS sie ihrem Vater lande schuldig sie»! Das würde sich freilich erst äudern, wenn wir Deutschen Deutsche würde»!
Ja Deuische müssen wir sein in unserm Glaube» an Gatt, beutst in der selbstlosen Hingebung an unser Vaterland, deutsch in S tte und Wesen, wenn anders unser rheures deutsches Reich bei werde» soll, das bleiben soll, was wir Alle hoffen und wünschen, das erste Reich der Will! Das kann aber nur sein, »tun wir vaterlantdloie ©eftunurg bekämpft, wo wir sie finden!
Tagesfcha«.
Krisger-Vereine ««d Sozialvemokratio.
Auf dem diesjährigen Abgeordnetenlage des deutschen Kri'gerbnr deS, der vor längerer Zeit iu Oiuebrück abgehaiten wurde, ist durch ben Huudei-Lorsitz'udeu die Stellung des Deurfcheu Krieger bandet zur Sozialdewakratie 'chars präz sirt wr. ben. In der , Parole* wirb jetzt der War laut bufer Aeußeruagen miedergegebeu. Es heißt darin: ^Wat schon tausendwal gesagt würbe, was Jeder weiß, der ei überhaupt wissen will, dat sei hier noch einmal gesagt: Jeder ehrkv- «ertje Soldat, der auf de» Boden unserer ergangen steht, | er mag einer politischen Parier an gehören, welche ei immer fei, ist in unserm Bande heimathiberechtigt. Aul geschloffen > find also außer einigen Bestrebungen in reichsfeivdticher nn= wesentlicherer Art alle Anhäager der Sozial»e»okratie, weil die Lehren derselbe» iw schroffsten Widerspruch mit unsern
Satzungen stehen, weil diese AlleS, was uns theuer, Kaiser und Fürsteuthum, Reich, Staat, Kirche, Faa ilie und die Ordunug der bürgerlichen Gisellschaft vernichten wollen. Naturgemäß müssen wir diesen Bestrebungen feindlich gegen« übertreten und müssen darauf bedacht sein, ein immer stärker werdendes Gegengewicht biejen Bestrebungen gegerüber zu bckren. Das ist nicht Politik getrieben, es ist oie eirfsche Pflicht e nrs jeden guten Deutschen, für ben Staat un) seine Ordnung, für Kaiser »nd Reich, für die Heilighaltuvg der deutschen Familie eingut eten geant eine Partei, welche sich allein eine revolutionäre nennt.*
Freiwillige Versicherung.
Von weittragender Bedentung könnte unter ben Neuerungen, welche durch das I valirenaersich ruugsgesetz vom 13. Juli 1899 mit beut Beginn des nächsten Zahns ge- scheffm werden sollen, die Einführung b-r freiwilligen Versicherung für Gewerbetreibende und sonstige Betrieosuvter- nehmer werden, welche nicht regelmäßig mihr als zwei ver- sicherungspflichlige Lohnarbester beschäftig-n. Für die Unfallversicherung besteht schon seit Jabren eine ähnliche Eiurichlang, indessen ist von ihr verhästmßmäßig wenig Gebrauch gemacht worden. Man wird den Grund hie:!ür nicht in tem Umstarde suchen dü fen, daß die freiwillige Uafallversichwung für Betriebsuuternehmer erst durch Statut der Beeufsge- roffenschaften festgesetzt werden muß. Gar manche Beruss- genoffesschaft bot von dieser Ermächtigung Gebrauch gemacht, unb trotzdem ist die Zahl der gegen Unfall bei ihnen versicherten Betrievsuutrruehmer sehr gering. Vielmehr dürfte der Mißerfolg dieser Einrichmug darauf zurückzuführen sein, daß gerade in den kleineren Betrieben die Unjallgesahr ben Unternehmern nicht groß genug e: scheint, um bei wegen die Beitragssätze zu entrichten. Ganz anberS steht es in dieser Beziehung mit der Invalidenversicherung. Daß der klrivere Gewerbetreib-nde vielfach mit einem gewissen Alter erwerbs- uuiähig wiib, ist in ben in Betracht kommenden Kreisen bekannt genug. Man kann deshalb hoffen, daß die Anwendung, welche her § 14 Abs. 1 Z ffrr 2 des neuen Gesetzes in der Praxis finden wirb, eine weit bebeutenbere als die der ent-prechenten Bestimmung bei der Uufallrerfichermng fein wird. ES wäre auch nur zu wüuschen, daß von der durch tas Juvalidensersicheraugsgesetz geschaffenen Neueruvg der ausgedehutene Gebrauch geuacht würbe.
England und Transvaal.
London, 1. Septbr. Der »Morriag Post" wird von ihrem Spezial Korrcspordenteu in Pretoria mitgethe-lt; ^Die Buren in Pretoria betrachte« den Krieg als unausbleiblich, i Ihre Meivurg grüudet sich ar f die letzte Rede Chaaberlaius. Wenn die Buren auch öffentlich Muth heucheln, so können sie die Thatsache doch nicht verbergen, daß sie der Zukurst mit ziemlicher B-klemruvg eutgegen^lickeu. C-cmberlarnS Rede hat rnzreife hsst ben Knegsgeist der Buren erweckt. Sämmstiche Buren — bis enf die in Johannesburg — find nun bewaffnet. Präfi'.evt Krüzer tr-fft Vorkehruußeu, um sich selbst vor allen gutüeftigen Entbehrungen z» schützen. 50 Säcke Korn, 50 Säcke Mehl nn» eine erssprecheude Menge Spezereiwearen wmben im Plisidrutsch^ftssebäude abgeliefert. Ja Privazeiprächeu macht der Präsident auS i ferner Uebergeugung, daß der AuSbmch eives Kriege« bevor- stehe, keiuen Hehl. Dirizulu, einer der Führer ter Zulus, ist von ben Buren bereits gewonnen worden, «bsahl er wahrscheinlich vicht weiß, »m was es sich bei dem Kriege zwischen den beide» weißen Stoffen handelt. Die Zulus be- ginnen bereits ihre Hassazaye» (eine Art Wurfspieße) für künftige Arbeit zu schl-ifin. Es heißt, daß Vertreter der krausvaal-Regierung die Eingeborenen systematisch gegen die Briten aafhetzen.* Dem „Daily C-rvuicle* wird aus Pretoria geweitet, daß Präsident Krüger schwerlich mit Milner in Kapstadt kouferiren werde, daß er aber eiaw Higen würde, ncch SaleSberg, innerhalb der Kreuze der Kapkakonie, zu kommen. Zaubert soll geäußert habe», zum Kriege werde es nicht kommen, aber Englav» würte »icht Alles erlangen, was (5 »olle. AuS Kapstadt v-r!outet, Mil»cr plane ben Rücktritt »es Ministeriums Schremer, das ben Waffnetransport nach Trau«-aal dorchluß, in GemäßheU seiner außerorcent- licheu Machtbesuguisse.
L o u d o n, 2. Septbr. Dre letzte» zwischen ben Regierungen EoglandS und Trausvaals gewechselten Depesche» ftnb wräffintlicht warben. Die vom 21. August betirte Depesche Transvaals »acht die von ben Baren vorgefchlagenen Zu- geftäubuiffe ausdrücklich davon abhängig, laß Eugland in Jafanft sich nicht in die Angelegenheiten Trausvaals mischt und v'cht auf feiner Suzeiäu tät beseht. Ja der Antwort vom 28. August erwiderte Chamberlain, die englische Regie-