seilaze M Nr. 203 -es Hanauer Heizer.
Hanau den 31 August 1899.
Dreyfus vor dem Kriegsgericht in Rennes.
Rennes, 30. August. Die heutige Sitzung wurde um 6 Uhr 40 Minuten eröffnet. Als erster Zeuge wurde Paul
H eyer, Direktor derEcole des Chartes, verhört. Derselbe erklärte, er habe bereits zweimal seine Ansicht über das Bor- dereau vor dem Schwurgericht und vor dem Kcffationshofe abgegeben. Er habe in dem Bordereau nicht die Schrift Esterhazys erkannt, er könne ober nicht versichern, ob dieselbe von der Hand Esterhazys ben u^e, bis er das Original in Händen gehabt. Aus dem ihm vorgelegten Original glaubt er versichern zu können, die Handschrift Esterhazys wieder zu erkennen. Zeuge unterzieht dann das System Bertillovs einer scharfen Kritik und drückt die Meinung aus, man könne sich auf die Aussagen Beetillons nicht verlassen. Hierauf wird welche in dem Begleitschreiben geweint sein müsse. Dreyfus Prof. Mo l linisr e von derselben Schule verhört. Auch er erklärt, er habe das 12 Centimeter-Geschütz zweimal im zieht dieselben Schlüsse auS der Untersuchung, wie man sie an' Kasernenhofe ge'ehen, doch sei es niemals in seiner Gegenden Hard des Bordereaus feststellen konnte und weist dabei wart abgefeuert worden. Regierungs-Kcmmiffar Carriere auf die Wichtigkeit verschiedener Vergleichs-Schriftstücke hin und macht die Mitglieder des Kriegsgerichts auf den viel besprochenen Satz aufmerksam: Ich reise ins Manöver, der auch in anderen Briefen Esterha y's vorkommt. Einer der Richter fragt den Zeugen, ob er nicht vor dem Kassationshofe gesagt habe, Esterhazy habe feine Schrift nach der Publikation des Bordereaus verändert, um den Verdacht von sich abzu-
lenken. Molliniöre erwidert, er habe das allerdings gesagt. General Mercier erhebt sich und fordert, daß der Brief eines Herrn Grenier (eines Bekannten Esterhazy's) verleben werde, in welchem erklärt werde, warum Esterha-y seine Schrift veränderte. Der Brief wird verlern. Man glaubt im Saale
zuerst, der Brief werde Estcrhazy irgendwie entlasten. Das Erstaunen ist daher allgemein, als der Brief statt dessen nur konstatirt, daß Esterhazy seine Schrift wirklich verändert hat.
Die Schrift, die früher eckig gewesen, ist rund geworden. um 6te ^pe 0Cer gttr um »zwmrrner rremer, enorrm wrro Labori sagt, daS bekräfti«t doch, wenn ich recht verstehe, d e imr ber 6alBe ober dritte Theil der Kohlensäure ausgeathmet. Aussage des Professors Moll'tzres. Wenn Esterhazy ferne Schrift »weite wichtige Ltbensvorgang, der durch den Schlaf nach 1894 veräudert hat, geschah es, weil er vorhersah, daß - - - - - - — - -
er verfolgt werden würde. GeneralMercier erwidert, erhabe feine Aussage gemacht, um in diesem Punkte die Aussage Mollöres zu bestätigen. Prof. Giry stimmt dem Urtheil der beiden Zeugen zu und erklärt, eS bestehe zwischen den Handschriften von Drryfus und Esterbozy eine gewisse Aehn- lichkeit. Eine genaue Analyse jedoch zerstöre diesen ersten Eindruck und lasse eine Men^e Verschiedenheiten erkennen. Auf eine Frage Laboris bemerkt Zeuge, daß eine Veränderung der Handschrift Esterhazys seit 1894 nicht besonders deutlich her- vortrete. Labori fragt hierauf: Hat General Mercier vorhin sagen wollen, Esterhazy hat seine Schrift so verändert, laß sie sich von der Schrift des Bordereaus entferne oder daß sie sich ihr nähere. General Mercier entgegnet, ich habe gesagt, daß sich die Schrift Esterhazys dem Bordereau genähert hat. Labori verbeugt sich gegen Mercier. Es tritt jetzt eine Pause ein. Während derselben verlautet, daß morgen zeitweilig die
Oeffentlichkeit ausgeschlossen werden soll, weil ein Theil der technischen Diskussion dies erfordere. Nach der Pause wird Picot,Mitglied des Instituts de France, verhört. Er soll über eine Unterredung aussagen, die er mit einem fremden Militär-Attachö gehabt hat. P cot erzählt, er habe im Mai die Ehre gehabt, in einem befreundeten Hause den österreichischen Militär-Attackö, Obersten Schneider zu treffen. Regierungs-Kowmisiar Carriere fährt wüthend auf: Soll das Diskretion sein ? Ich protestire im Namen der Regierung und des Staates gegen die Jndiscretion des Zeugen. Picot fährt fort: Der Attachtz einer fremden Botschaft, wie er sich also ausdrücken werde, habe es als eine Gewissenspflicht betrachtet, laut die völlige Unschuld Dreyfus zu proklamiren. Er habe weiter die Haltung der französischen Offiziere scharf gemißbilligt, welche das Wort anderer Offiziere hätte in Zweifel fetzen können. Der betreffende Militär-Attachs habe ferner gesagt, daß Esterhazy ein Hauptbetrüger fei. Von den im Bordereaui aufgezählten Dokumenten käme nur dreien wirklicher Werth zu, die Nummern 1, 3 und 7. Ihm, dem Zeugen, sei es ausgefallen, daß der Attachü mit größter Bestimmtheit immer nur von der Waffergrenze nie von der Wasserlustgrenze gesprochen habe und er habe sich gefragt, ob man in Hypothesen über dieses Wort nicht weiter gegangen sei, als möglich war. Der Attache habe wiederholt die Werthlosigkeit der Dokumente Nr. 2 und 4 betont. Mit Esterhazy habe man nichts weiter zu thun haben wollen, so habe der AttachS bemerkt, weil er ein Betrüger sei. Zu der- felbeu Zeit, als der Betrug aufgedeckt worden sei, habe Esterhazy Schritte unternommen, um sich Eintritt in das Ministerium zu verschaffen. Auf ein neues Angebot EsterhazyS habe der fremde Abnehmer mit der bekannt gewordenen Rohr- postkarte geantwortet (Petit bleu) und sich selbst gesagt; Nein, ich kann keine Verbindung mit dem Manne eingehen. (Beweg.) Zugleich habe er den Rohrpostbrief wieder zerrissen und in den Kamin geworfen. Wie dir Papierfetzen auS dem Kamin wieder herauSgekommen, daS könne er, Zeuge, nicht sagen, denn der fremde Militär-AttachS habe ihm darüber nichts mitgetheilt. General Roget bittet ums Wort. Er sagt, zu Picot gewendet: Was hält der ehrenwerthe Zeuge von einem fremden Militär-Attachö, welcher im Figaro in einem sensationellen Dementi ableugnet, ein Dokument geschrieben zu
haben und hinterher sagen muß, daß er es doch geschrieben hebe. Pcot antwortet, er habe die Unterredung wiedergegeben, wie er sie gehört hebe, einen Commentar füge er nicht hinzu. General Roget: Wenn hier Zeuge P'cot behauptet, die Urterredung hebe im Mai stattgefunden, so bemerke ich, daß im Mai die Erquete der Kriminalkammer statifand. Ich überlasse dem Kriegsgericht, daraus den getöligen Schluß zu ziehen. Es folgt die Vernehmung des Artillerie Generals D e l o y e. Damit beginnt die technische Diskussion des Bordereaus. Zeuge wiederholt seine Aussage vor dem Höchsten Gericht, wonach das Bkgleitschrerben nur von einem Artillerie- Offizier herrühren könne. Er behauptet, das 12 Centiweter- Geschütz, wovon das Begleitschreiben spricht, sei das kurze Haubitzenartige, obschon dies nicht gesagt sei und daß Dreyfus es Habe kennen können, eben o wie die Wosserluft-Bremse,
verließt jetzt ein Schreiben des Kriegsministers, welcher an- kündigt, daß er weitere Schriftstücke für die Dreyfas-Sache schicke, aber den Ausschluß der Oeffentlichkeit verlange. Der Gerichtshof beschließt, morgen eine geheime Sitzung stattfinden
zu lassen. Um 11 Uhr 50 Min. schließt die heutige Sitzung.
Vermischte Nachrichten.
Die Physiologie des Schlafes hat kürzlich Leonard Hill nach der Revue Scientifique in e nigen kurzen Sätzen
^nu nacy ver vrevue ^emipque in engen ^ ReiSstatt in allen tschechischen Orten, die er passirte,
: “ W«w™9« ^ *7 dir $ «6lferung mit dmmskmio-, B-,nst--mg beg.M
M«. Wrang biticht, I° binbl di- Z-hI d-- AthM,u,- md - „ek ^ Met Bü-g-rm-ist-r, biW 6p
! M'-wt- ,°»-'«d"«. * £'eJlt "6™^ taten D-utHs-md P-dlipm nur mit eintr tsch-chWm 8»
“‘ «'M °°° d-r «auch- M dl- B °st,,g-°d, d,-> ^ t^*^ /^ immer üblich war, daß der
Ä Bü-getmeist,- den M-Mrch-N in teilt« Mete
j rm Schlafe mel geringer als tm wachen Zustande, und zwar ~ 8 1 - - - - - ..... - - • -
um die Hälfte oder gar um Zweidrittel kleiner, endlich wird
wesentlich beeinflusst wird, ist der Blutkreislauf, und zwar drängt das Blut während des Schlafes nach den Gliedern hin, die Venen sind stark angefüllt, während in den Arterien der Blutdruck sinkt, der Puls nimmt ab, und ebenso ver-
mindert sich die Geschwindigkeit des Blutstroms in den Adern.
Die Körpertemperatur fällt während der Nacht, und zwar scheint die Wärmeerzeugung um ein Drittel oder um die Hälfte geringer zu werden. Selbstverständlich erleidet arch das Nervensystem eine mannigfache Beeinflussung. Der durch das Gehirn gehende Blutstrom ist herabgesetzt, die Empfindlichkeit gegen äußere Reize nimmt während der beiden ersten Stunden des Schlafes beständig ab, dann nimmt die Erregbarkeit bis gegen Ende des Schlafes wieder zu. Uebrigens fahren die Nerven und die speziellen Sinne fort, die ihnen überlieferten Eindrücke zu übertragen und eventuell Reflex-
bewegungen hervorzurusen.
AuSzüge aus dem Amtsblatt der Königlichen Rrgiernng zu Cassel.
Kassel und Wirtheim. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die im Grundbuche von Kaffel und Wirtheim auf dm Namen des Müllers Heinrich Jos-ph Klresp ieS (Heinrich's Sohn) zu Kaffel eingetragenen, in den Gemarkungen Kaffel und Wirtbeim belegenen Grundstücke am 18. Oktober 1899, vormittags 9 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht zu Orb versteigert werden.
tKk-branchs Muster
Nr. 119 316. Mrvu a?8 Postkarte mit Gasthaus und anderen Riklamen auf Sorser- und Rückseite. Lechleder n. Stroh in Hanau a. M., vom 7. Juli 1899 ab. — L. 6554. Kl. 54.
Nr. 119 303. Ansichtspostkarte in beliebiger Ausführung mit Fata Morgan« (LustspiegetuvgS-) Bildern. Elllir Hön- lein in Frankfurt a. M.-Bcckeuheim, Gr. Seestraße 47, vom 5. Juli 1899 ab. — H. 12 277. Kl. 54.
Nr. 119 511. Halter für Herren - Fahrräder mit einer gabelartigen, ausziehbaren Vorrichtung für Damen-Fahrräder. Otto E r d m cr u n in Hofgeismar, vom 4. Juli 1899 ab. — E. 3347. Kl. 63.
Schiffsbericht.
Der Dampfer ^Bulgar ia^ ist am 28. August wohlbehalten in New York angeksmmm.
Homburg, 28. August. Der Dampfer ^Polaria^ von der Hamburg-Amerika-Linie ist vorgestern in New-OrleanS eingetroffen.
Bremer«, 27. August. Der Dampfer des Norddeutscher Lloyd „Nürnberg* ist vorgestern in Hongkong eingetroffen.
NeW'Nvrk, 29. August. Der Dampfer „Wrrkendam* von der Niederländisch - Amerikanischen DampfschifffahrtS- Gesellschaft ist gestern hier eingetroffen.
Drahtnachrichten des „Han. Anz."
Berlin, 31. August. Der Kaiser hatte den Wunsch „ I
geäußert, daß der riedergebrannte Stadttheil von Marienburg der Leiter der radikalen Buchdruckerei Arza Stojarowic arg möglichst in der «rspiüngl'chen eigenartigen Bauart wieder- kompromittirt.
hergestellt werde. Wie von dort gemeldet wird, haben die in Betracht kommenden Hausbesitzer in Marienburg einstimmig beschlossen, dem kaiserlichen Wunsche nachzukommen.
Berlin, 31. August. Schon jetzt rüstet man in den beteiligten Kreisen für die Feier des hundertjährigen Geburts- tages Moltke's, der auf den 26. Oktober des nächsten Jahres fällt. Die Vorbereitungen sind vor Allem künstlerischer Natur. Wie das „Berl. SEagebL* hört, hat das Kuratorium der Biel-Katthorst'schen Stiftung in diesem Jahre zwei Schülern Anton von Werner's den Prris zuerkannt mit der Bedingung, für die Wände des Treppenhauses von Schloß Kreisau, dem schlesischen Stammsitze Moltke's, zwei Frerco-Gemälde anzufertigen, welche binnen Jahresfrist fertig gestellt sein sollen, um sie zur Ceutenarseier in Schloß Kreisau einzuweihen.
Hamburg, 31. August. Der alldeutsche Verband nahm nach dem • Referat des Rrichstagsakgeordneten Lehr aus Berlin eine Resolution an, wonach im Hinblick auf die letzten politischen Ereignisse die beschleunigte Durchführung des Flottengesetzes von 1898 von der Regierung verlangt wird und zwar durch Einbringung einer diesbezüglichen Vorlage an den Reichstag.
Wien, 31. August. In parlamentarischen Kreisen wird bestätigt, daß Graf Thun demnächst den Reichsrath für eine kurze Session behufs Vornahme der Delegationswahlen auf konstitutionellem Wege einberufen wird.
Wien, 31. August. Kaiser Franz Josef wurde bei seiner Fahrt durch Böhmen von Jfchl über Budweis, Prag
sprachen begrüßte. Der Kaiser selbst hielt daran fest, indem
er dem Bürgermeister deutsch und tschechisch antwortete.
Budapest, 31. August. Der »Pester Llcy'r" dementirt in einer offiziellen Jscheler Depesche die aus Anlaß der Berufung von Chlumetzky zum Kaiser in Umlauf gesetzten Gerüchte über eine Kabinetskrise.
Paris, 31. August. Im Ministerium des Innern und im Sauitäts-Bureau wird die Meldung eines auswärtigen Blattes, daß hier Pestfälle vorgekommen seien, als ganz unbegründet erklärt.
Paris, 31. August. Gestern früh wurden mehrere auf das realistische Komplott bezügliche Haussuchungen vorge- nommen. Jm Einklänge damit kündigen die Blätter neue Verhaftungen, darunter die des Chef Redakteur des Petit Journal, Judet, als bevorstehend an.
Paris, 31. August. Guerin konnte gestern Nachmittag einiges Regenwaffer anffangen. Um seine Festung herum herrscht nur geringe Bewegung. Gerüchtweise verlautet, Guerin wolle mit seiner Bande Feuer anlegen um während der Verwirrung ausbrechen zu können.
Paris, 31. August. Die Gegenüberstellung der wegen der jüngsten anarchistischen Vorgänge verhafteten wichtigen Zeugen findet am nächsten Sonntag statt.
Paris, 31. August. Das Schwurgericht hat den antisemitischen Gemeinderalh von Algier, Lyome, zu 14 Tagen Gefängniß und 1000 Fra: c3 Geldbuße wegen Rebellion gegen die Polizei vei urtheilt.
Rennes, 31. August. Seitens der Vertheidigung wird behauptet, der Anwalt Demange werde ein sich über zwei Sitzungen erstreckendes Plaidoyer halten. Labori wird dagegen nur vier Stunden sprechen.
Rennes, 31. August. Matthien Dreyfus erzählte, sein Bruder beeche nach jeder Sitzung erschöpft und hinfällig zusammen. • Die Familie glaubt, daß Dreyfus das Verdick, wie immer es ausfalle, nicht lange überleben werde. — Das Resultat von Dupary de Clam's Vernehmung wird in den nächsten Tagen hier bekannt gegeben werden.
London, 31. August. Daily Telegraph meldet aus New-York, der General Jimevez, der ^Ches der revolutionären Truppen von San Domingo fei in Santiago de Cuba verhaftet worden.
London, 31. August. In Marivekreisen wird offiziell erklärt, das Ultimatum an Transvaal werde abgesandt werden, sobald die englischen Truppen-Verstärkungen in Afrika eingetroffen seien.
Konstantinopel, 31. August. Die Protestnote der Pforte gegen das englisch-französische Uebereinkommen bezüglich deS Hinterlandes von Tripolis ist nach London abgegangen und wird der englischen Regierung nach der Rückkehr Lord SalisburyS von seinem Urlaub durch den türkischen Botschafter übergeben werden.
Belgrad, 31. August. Die Anklageakten in der Attcu- tatsaffatre sind gestern vom Untersuchungsrichter dem Präsidenten des Standgerichts übergeben worden. Unter den Anklageakten ist besonders für eine Gruppe Radikaler der Umstand belastend, daß bei dem Advokaten Ljuba Zevakovic daS Manuskript einer hochverrätherischen Broschüre gefunden wurde, die angeblich in Zürich gedruckt sein sollte, wie aber nachgewiesen ist, in Belgrad hergestellt wurde. Dadurch ist auch