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Amtliches Grgmr für Nsöt- unö LanSKreis Banau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 200

Montag den 28. August

1899

Dicustuachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Kneifer mit blauen Gläsern. Am Samstag auf dem Wochenmarkt stehen geblieben ein kleiner Korb mit Kartoffeln und einem Portemonnaie mit Geld. Ein Kneifer mit schwarzer Schnur.

Verloren: Ein goldener Damenbandring mit einem Rubin. Ein goldener Ring mit echten Steinen.

Zugelaufen: Am 27. d. Mts. ein junger graugelber langhaariger Hund m. Geschl.

Hanau am 28. August 1899.

Zur Lage in Oesterreich liegen eine Reihe von Meldungen vor, welche bezeugen, daß der Streit der Nationalitäten immer erregtere Formen an- Hmmt. Wir geben die Berichte wie folgt wieder:

Klagenfurt, 26. August. Bli den hiesigen Demon­strationen wurden 33 Verhaftungen vorgenommen, 22 Ver­haftete sind dem Landesgerichte wegen Aufruhrs eingeliefert worden. Schwer verwundet wurde ein Friseur durch einen Säbelhieb, leicht verwundet sind drei Personen, von den ge­prügelten Geistlichen liegen zwei im Spital. Gestern fanden wieder Demonstrationen vor dem Rathhaus statt, wo die Ver, hafteten internirt sind. Der Aufruhr wurde jedoch durch Militär unterdrückt.

Graz, 26. August. Eiu blutiger Konflikt zwischen einem Studenten und einem Kadetten rief heute Mittag eine große Aufregung und lärmende Straßenscenen hier hervor. Der Mediziner Lichtenegger und der Kadett, Osfiziers-Stellver- treter Schüch von Glückselden vom 5. Ulanen-Regiment ge- riethen in Streit, weil der Mediziner über den Säbel des Kadetten gestolpert war. Sie begaben sich in den Flur des nächsten Hauses auf dem Marktplatz, und dort versetzte der Kadett dem Studenten eine Ohrfeige. Dieser erwiderte mit Stockhieben, worauf der Kadett den Säbel zog und dem Studenten durch mehrere Hiebe Wunden am Kopf und an der Hand beibrachte. Eine Volksmenge drang nun in das Haus, brächte den Studenten in Sicherheit und wollte den Kadetten lynchen. Dieser flüchtete sich in die Wohnung des Hausbesitzers Julius Herzl. Bald war das Haus von Hun­derten umlagert, die lärmend die Auslieferung des Kadetten verlangte. Die Sicherheitswache besetzte das Thor und den Hof des Hauses, die Menge erklärte aber, nicht zu weichen, bis der Kadett das Haus verlasien würde. Erst nach meh­reren Stunden kam der Bruder des Kadetten mit einem Wagen, den der Kadett unter dem Schutz der Sicherheits­wache bestieg, worauf der Wagen unter dem Wuthgeschrei der Menge davonfuhr.

Reichenberg (Böhmen), 26. August. Heute Abend fanden hier größere Demonstrationen statt. Hunderte von Demonstranten durchzogen die Straßen unter Absingung nationaler Lieder. Vor dem Rathhause wurde ein Zuckerhut, den mau dem Zuge vorangelragen hatte, verbrannt. Nach Absingung der Lieder:Wacht am Rhein" undDeutsch­land, Deutschland über Alles" zerstreute sich die große Menschenmenge.

Leitmeritz, 26. August. Als der Korpskommandant Erzherzog Franz Ferdinand, der präsumtive Thronfolger, heute auf dem Marsch zu dem Reichstadter Manöver in der mit österreichischen und deutschen Fahnen reich dekorirten Stadt Leitmeritz von der Bevölkerung festlich empfangen wurde und zu dem Bürgermeister und Abgeordneten Dr. Funke seine Freude über den Empfang auslprach, antwortete Funke dem Erzherzog:Dieser Empfang ist ein Beweis der Kaisertreue und Vaterlandsliebe, die sich die deutsche Bevölke­rung Böhmens in der jetzigen schweren Bedrängnis der deut­schen Völker in ihrer tiefgehenden Bewegung und begrün­deten Verbitterung noch erhalten hat. Möge dem deutschen Volke sein Recht werden."

T a g e s schau. ______

Die Ereignisse in Frankreich beginnen in der russischen Presse

ein Gefühl der Unbehaglichkeit zu wecken. Die Pariser Straßenschläzereien vom Sonntag und das Verhalten der französischen Generalstäbler im GcrichtSsaale zu Renues er­fahren in der russischen Presse eine schonungslose Kritik. Ein in Paris «eilendes hervorragendes Mitglied deS russischen Adels, Fürst Baryatinsky, schildert in denNowosti" die Zustände in Frankreich in den schwärzesten Farbe« und er­klärt kategorisch, daßdie Lügen, Fälschungen und Verleum­dungen, welche die französischen Generalstäbler und Nationa­listen vorbringen, um einen Unschuldigen in's Unglück

zu stürzen, Frankreich Wunden beibringen, die es theuer bezahlen werde". Fürst Baryatinslys Ueberzeugung wird von dem Herausgeber desGrasydanin", dem Fürsten Meschtschersky, getheilt. Auch dieser erklärt, die von General Mercier und Genossen aufgehäuften Lügen und Fälschungen seien geeignet, den Abscheu oller ehrlichen Leute in Rußland hervorzurufen. Sogar die chauvinistischeNowoje Wremja", welche das ihr verhaßte Ministerium Waldeck-Ronsseau für die Straßenschlägereien vom Sonntag verantwortlich macht, muß zugeben, daß die Lage in Frankreich ernst zu werden beginne, daß man Alles ausbieten müsse, um die aufgeregten Gemüther zu beruhigen. Wie weit jedoch die Unzufriedenheit der russischen Blätter mit den Zuständen in Frankreich geht, erhellt aus der Thatsache, daß das franzosenfreundliche Blatt Rosflja" den militärisch-n Chauvinismus in Frankreich scharf verurtheilt und der Ansicht Ausdruck gibt, daß dieser Chau­vinismus den finanziellen Ruin Frankreichs herbeiführen könne.

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Dreyfus vor dem Kriegsgericht in Rennes.

Rennes, 26. August. Die Sitzung des Kriegsgerichts wird um 6V3 Uhr eröffnet. Bertillon nimmt seine gestrigen Darlegungen wieder auf und unterbreitet den Richtern eine Reihe von Schriftstücken und Zeichnungen. Die Ver­theidigung und der Regierungskommissar stellen sich neben die Richter, um den Ausführungen Bertillons besser folgen zu können. Dreyfus bleibt ruhig sitzen und scheint völlig theilnahmslos. Auch das Publikum und die Zeugen legen die größte Gleichgültigkeit an den Tag. Bertillon vertheilt von ihm hergestellte Schriftproben. Dreyfus, welchem Demange ein Exemplar überreicht, prüft dasselbe lange Zeit nach allen Richtungen und gibt es dem Vertheidiger mit verächtlicher Miene, leicht mit den Achseln zuckend und ohne ein Wort zu sprechen, zurück. Am Schlüsse seiner Aus­führungen erklärt Bertillon auf Ehre und Gewiffen und unter Berufung auf seinen Eid, daß das Bordereau bestimmt von dem Angeklagten herrühre. Ein längeres Zwiegespräch zwischen Labori und Bertillon entspinnt sich haupt­sächlich darüber, ob Esterhazy der Urheber des Bordereaus sein könne. Bertillon erklärt, er fand in der Handschrift Esterhazys Eigenthümlichkeiten ähnlich denen des Bordereaus, jetoch in einer geringeren Zahl als in der Handschrift Drey- sus'. Auf die Frage, ob er auf die Aussage Bertillons etwas zu erwidern habe, erklärt Dreyfus, er habe im Prozeß von 1894 Bertillon einen Elenden genannt, weil der Zeuge ihn während seiner Aussage fortwährend ange­sehen habe und als einen Schuldigen bezeichnete. Auf die Aussage Bertillons habe er nichts zu antworten. Er könne aber absolut versichern, daß er nicht der Urheber des Bor­dereaus sei. Die Sitzung wird unterbrochen. Nach Wieder­aufnahme derselben theilt der als Zeuge von dem R'gierungs- kommissar Carriöre geladene Artilleriehaupimann Valerio völlig die Ansichten Bertillons, wiederholt dieselben Punkt für Punkt und unterstützt seine Aussagen durch Demonstrationen. Valerio erklärt, die Fälschung sei hergestellt worden, um nach­träglich sagen zu können, eS handle sich um eine Intrigue. Dreyfus allein könne der Hersteller sein. Valerio be- müht sich, bei seinen Ausführungen auf wiffenschaftlichem Boden zu bleiben und erklärt, daß Esterhazy nicht der Ur­heber des Bordereaus sein könne, denn das Bordereau sei von DreyfuS sabrizirt, von dessen Schuld ein materieller Be­weis vorliege. Dreyfus wiederholt seine früher abge­gebenen Erklärungen und fügt hinzu, die Hypothese, daß er daS Bordereau durch betrügerische Nachahmung hergestellt habe, um Mittel für seine Vertheidigung herzustellen, falle in sich selbst zusammen, da er niemals versucht habe, sich dieses Systems zu bedienen. Hauptmann Freystätter sagt aus: Ich war 1894 Mitglied deS Kriegsgerichtes. Meine Ueberzeugung von der Schuld deS DreyfuS bildete sich infolge der Aussagen der Sachverständigen, derjenigen Henrys und Du Pa ys. Er wurde verstärkt durch die Lektüre der Stücke des Geheimdossiers, welche im Berathungszimmer des Kriegs­gerichtes mitgetheilt wurden. DaS geheime Aktenstück sagt Zeuge, enthielt Folgendes: 1. eine biographische Notiz, in der Dreyfus die Begehung von Verräthereien zugeschrieben wurde, 2. daS Schriftstück mit den Worten ce Canaille de D., 3. ein Schreiben, anS welchem man durch Vergleiche die Authentizität des Schriftstückes ce Canaille de D. fest- stellen konnte, bekannt als d'Avignonbrief, 4. daS Telegramm eines ausländischen AttachöS, welches klipp und klar die Schuld des DreysuS bestätigte. Das Telegramm hatte, wenn ich mich recht erinnere, folgenden Inhalt: DreyfuS ver­haftet. Emissär benachrichtigt. Unter allgemeiner Aufregung

verlangen Mercier und Maurel das Wort. Maurel er­läutert seine neulichen Worte:Ich las nur ein Stück der Geheimakten" und sagt, ich bleibe dabei, um nicht im Be- rathungssaal ein Geheimniß zu verletzen und damit mich Labori nicht zwinge, mehr zu sagen, als in meiner Absicht liegt. Ich habe nicht gesagt, es sei nur ein Stück dagewesen, sondern ich habe nur ein Stück gelesen. Dann gab ich das Aktenstück dem Gerichtsschreiber und fügte hinzu, daß ich sehr abgespannt sei. (Lärm.) Der Präsident bittet um Ruhe. Maurel (sehr erregt) macht lebhafte nervöse Be­wegungen mit der Hand. Freystätter blickt Maurel fest an. Auf eine Frage Laboris erklärt Maurel, er wolle frei und offen antworten. Er habe der Verlesung der Schrift­stücke nur unaufmerksam zugehört. Dieselbe war nicht in­te. essant. Dies ist alles, dessen ich mich erinnere. Frey­stätter, ohne ersichtliche Unruhe, erklärt, er habe nicht nur die geheimen Aktenstücke gesehen, stmderv er versichere, Maurel hatte sie in Händen. Ich bersichere, daß er zu jedem Stücke Bemerkungen machte. Maurel, sehr bleich, er­widert, er erhebe energischen Widerspruch gegen daS Wort Bemerkungen". Er sei sich seiner Pflicht zu sehr bewußt gewesen, als daß er die Richter, denen er präsidirte, hätte beeinflussen wollen. Wenn ein Vorsitzender, während er Richter sei, von ihm das behauptet hätte, was Freystätter behaupte, würde er den Vorsitzenden au feite Pflicht ermähnt haben. Ich bin zu Ende und ich werde Freystätter nicht mehr antwoiten. (Lebhafte Bewegung.) Fieystätter «klärt, er hake Maurel in dem Briefe vom 8. April ganz klar aus­einandergesetzt, waS er zu thun beabsichtige, da er erfuhr, daß es nicht in Ordnung war, die Schriftstücke im Be­rathungszimmer mitzutheilen. Maurel bestätigt diese That­sachen und fügt hinzu, Frey Rätter sprach mir von Zweifeln, welche ihm hinsichtlich der Fälschungen Henrys aufgetaucht seien. Ich antwortete nicht darauf weil ich gewohnt bin, Jedem seine eigene Meinung zu lassen. Labori ersucht das Gericht, im Gedächtniß zu behalten, daß gegen die Behaup­tung Freystätters hinsichtlich der Mittheilung der Depesche vom 2. November kein Widerspruch erhoben wurde. Unter diesen Umständen, fügt er hinzu, bitte ich den Präsidenten, da General Mercier behauptet hat, daß die Depesche im Be- rathvngszimmer nicht mitgetheilt worden ist, von Mercier Aufklärungen über die Thatsache zu verlangen, die formell dem widerspricht, was er als Zeuge behauptet hat. Mer­cier fiazt Freystätter, worum es sich in dem dem Gerichte mitgetheilten Schriftstücke über den Verrath von BourgeS ge­handelt hat. §re^ift öfter erklärt: ES handelte sich darin um ein Geschoß.Nun wohl," ruft Mercier,da haben wir Freystätter auf einer Lüge ertappt!" Mercier wieder­holt diese Erklärung, während die Zuhörer wiederum protesti ren.In Wirklichkeit" sagt Mercier,wurde das Geschoß Robin", von dem die Rede ist, von Deutschland erst im Jahre 1895 angenommen. Wir erhielten von dem Verrathe erst 1896 Keuntniß." Freystätter beharrt darauf, daß in dem Kommentare von diesem Geschoß die Rede gewesen sei. Mercier sagt:WaS die Depesche vom 2. November bitrifft, so halte ich aufrecht, daß sie dem Gerichtshöfe von 1894 nicht mitgetheilt wurde." Fr e y statt er eutgegnct, er fei sicher eine Depesche gesehen zu haben, welche lautet: Dreyfus verhaftet u. s. w." Betreffs des Geschosses habe er nur gesagt, daß in dem Kommentare eine Anklage wegen eines Verrates ausgesprochen war, der in der Militärschule zu Bourges begangen worden sei und der ein Geschoß be­traf. Mercier hält seine Ableognungen aufrecht. Labori erhebt Angesichts dieses Zwischeufalles von Neuem das Ver­langen, das B-finden du Paty de Clams amtlich festzustellen. Dieser Offizier habe,-nach General Mercier, daS Kouvert zu- recht gemacht, welches die geheimen Schriftstücke enthielt. General Mercier will daS richtig stellen und erklärt, du Pady de Clam habe daS Kouvert überbracht. Letzteres sei vom Obersten Sandherr geschlossen worden. Labori stellt fest, daß man immer das Zeugniß eines Todten anrufe. Da­mit ist der Zwischeufall geflossen. Zeichenlehrer Parafi- gaval spricht sich sodann gegen das System Bertillons aus. Die nächste Sitzung findet am Montag statt.

Ars- Stadt- und Landkreis Hanau.

Nachdruck unserer Lokalarttkel nur mit Ouelleua«s«be ,$<n. Nm." gestattet

* Regimentsbesichttgung. Auf dem Exerzierplätze ging heute Vormittag wiederum ein glänzender militärisches Schauspiel von Stätten, indem bad Infanterie-Regiment Nr. 166 Regiments besichtigung hatte. ES waren hierzu erschienen der kommandirende General v. Lindequist, Divisions­kommandeur Generalleutnant Perthes, Brigadekommandeur