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Nr. 199
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Amtliches Organ für Stsöt- unS Lanölireis Hanau
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Samstag den 26. August
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für Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ die 4gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
Jm Reklamentheil die Zeile 20 ^, für
Auswärts 30
1899
Der Werth der Milizen. ^Trotzdem reiht sich in deren militärischen Unternehmungen ein,
Ncch der Ansicht der Sozialdemokratin sollen die so-, Miß erfolg an den andern. |
gerannten Volks- oder Milizheere den stehenden Heeren mir-i Es ist fast unglaublich, daß jere große Truppenzahl feit; bestens ebenbürtig sein. Die leichten Erfolge der Amerikaner vielen Monaten kaum ein paar Meilen weit von Manila über die spärlichen Truppen schienen ansängl'ch den Soziel- aus hat vordringen, und nicht einmal die dabei gewonnenen! demokroten reckt zu geben und ubtirc chien selbst die Stellungen dauernd hat beharpten können. Wöchentlich . . . . „ _ . , ,
beut chen Beruftoffiziere, so lovge Ursache und Wirkung »nachte zwar die Nachricht von großen an erikanischen Siegen gebungen fand die Liebe und Eerehrung, welche der greise
in den unerwarteten Erscheinungen nicht scharf zu erkennen b'e Runde durch die Welt; aber in Wahrheit wurden die ^Monarch bei seinem Volke genießt, ihren Ausdruck. Deutlich waren. Seitdem darüber rolle Klarheit geschcff.n ist, findet amerikanischen Truppen von den Tagalen fast immer gc- zeigte sich wieder, wie die Person Kaiser Franz Josefs das die Niederlage der Spanier durch die undisziplimrten schlagen, immer beunruhigt, überrascht und zuletzt gezwungen, i einende Band ist, das trotz aller nationalen Wirren die Völker-
amerikanischen ELldrerschvaren ihre namrliche Erklärung. iM bis in die Mauern von Manila zurrckzuziehen und unter sckaftev Oesterreich-Ungarns miteinander verknüpft. Auch
Es gehörten thatsächl ch spanische Zustände dazu, um den den Schutz der Kriegsschiffe zu begeben. Deutschland hat an dem Festtage freudig theilgenommen. Möge
Amerikanern einen wohlfeilen Triumph zu bereiten. WaS- Es ist klar, die amerekaurschen Osfiziere stehen weit unter Kaiser Franz Jo'ef noch lange die Kraft und die Gesundheit die amerikani'chev Milizen werth sind, hat fch auf den dem Mittelmaß fachmännischer Ausbildung, die Truppen sind bewahrt bleiben, das Szepter zum Wohl und Heil seiner ------- obre militärischen Werth. Das Miiizsystem hat auf das Lande zu führen!
______________ ____o_______________d.......' Ä’1 ! “ '"'rc;! ‘j Recht trübe Bilder entrollten sich bei einem Blicke auf Mlche der' amnikonischen Kriegss'ührung ton durch das Mannschaften sihlt es nicht nur an Disziplin, an militärischer Frankreich. Hier ist die aller staatlichen Autorität Hohn filmn, durch das Terrain, durch die Unkenntniß der Sittichen Erziehung, ftnbtrn selbst an Muth. Mehrere höhere Ossi- sprechende Belagerung des Antisemiten Guörin nunmehr' der Verhältnisse und duich die unerwartete Widerstandskraft der Ziere, Regimenls-Krmmandeure! haben wegen F-igheit weg- äußere Anlaß zu blutigen Straßen-Szenen geworden. Der eingeborenen Berölkerung erwcchsen. Aber selbst wenn man gejagt werden müssm; ganze Freiwilligen Regimenter haben Pariser Pöbel Hot unter Führung anarchistischer und sozia- ......... " ~ ■ ■ “ ' " “ den Gehorsam verweigert und die E>n'ch ffung nach ber listiger Elemente der Polizei regelrechte Schlachten geliefert, Heimalh verlangt, weitste keine Lust-mehr hatten, den Kriegs-
Philippinen gezeigt. ----------, ------• -----—, - —,
Wir untersuchen keinen Avgenbl'ck die Schwierigkeiten,' Klä lichste seine Unhallbarkeit eiwiesen. Den Offizieren und ;
ihr desholb milden de Umstände bei der Beurtheilung ihrer Leistungen und gegenwärtigen Lage zugestehen will, so muß man doch sagen, deß die von dem Oberkommando und den Truppen im Allgemeinen bewiesene Unfähigkeit zur Lösung der ihnen gestellten Aufgaben alles Dagewesene tief in den Schatten stellt. Die Oberleitung verfügt über eine ansehnliche Truppenmccht, mit der sich Operationen im größer« Maßstabe wohl aussühren lasten. Die Truppen sind durchweg mit modernen Wafsin ausgerüstet und mit zahlreichen Feld- und selbst Schnellfeuergeschützen neuester
Konstruktion versehe».. Sie werden von einer starken
Flotte unterstützt, welche die Verbindungen mit dem
Mutterlande offen hält, folglich auch eine gute und aus
ftrcpazm zu tretzen. So bewährt sich das Milizsystem!
Politischer Wochenbericht.
von M'quel, gemäß, wird diese Angelegenheit damit von der Regierung keineswegs als erledigt betrachtet. Sie hält viel-
mehr unbedingt au dem wohlerwogenen und als nothwendig erkannten Kanalplane in seiner ganzen Ausdehnung fest.
In Oesterreich-Ungarn beging Kaiser Franz Joseph seinen 69. Geburtstag. In zahlreichen Kavd-
Deutschland hat an dem Festtage freudig theilgenommen. Möge Kaiser Frarz Joief noch lange die Kraft und die Gesundheit
und euch Kirchen Plünderung fehlte nicht. Das sieht fast schon wie Feuerschein der Revolution aus und erinnert au die bunt, lsten Epochen der französischen wie der Menschheits-
Geschichte überhaupt, an die Tage des Jakobinerthums und । ber Kommune. Inzwischen nimmt in Reimes der Drlyfus- Prozeß seinen For»gang. Von verschiedenen Zeugen sind Ver-
Wälrend der verflossenen Woche hat in St. Privat bie . _ _ _ „ _ .
Einweihung des den StfcBenen d-3 ersten Garderegiments suche gemacht worden, die Person fremder Militär-Attaches errichten n Drnlmals stattgesi nden. Ka i s e r W i l h e l m II. ^n die „Affaire" hineinzuziehen. Dies hat wohl zu einzelnen hielt bei dieser Gelegenheit eire tiefempfundene, ergreifende privaten Dementis Anlaß gegeben, die betreffenden Staaten Rede, in welcher er aller Derer, die bei St. Privet den Helden- eb-r nicht bewogen, von der bisher beobachteten Zurückhaltung tod erlitten, der Franzosen sowohl wie der Deutschen, gleich- irgendwie abzuweichen.
■ "" Wie sehr selbst im französischen Heere moralische Ver-
mäßig gedachte. Dieser neue Beweis der hochherzigen und , . . .
_..T1..O„„ ___________ _____ ___________________ .. edelmüthigen Gesinnung, welche unsern Kaiser auszeichnet, Witterung und Disziplinlosigkeit Platz gegriffen, davon legen
wöglichtt Alle Vorbedingungen für eine kraftvolle und begegnet allenthalben freudiger Anerkennung. Ganz besonders Vorgänge, deren Schauplatz der Sudan gewesen, beredtes planmäßige Kriegführung sind also aus amerikanischer Seite lebhaften Widerhcll aber hat dersilbe jenseits der Vogesen Zeugniß ab. Die Hauptleute Voulet und Chanoine waren vorhanden. gefunden. So schreibt der „Figaro": „Der Kwser sagte mit von der Regierung mit einer Militär-Expedition nach dem
Ma« hat hier ferner einen bedeutenden Vorsprung dem herrlichen Gedankenschwunge, der ihm eigen: „Wenn! Sudan beauftragt worden. Da jedoch Nachrichten eintrafen,
giebige Verpflegung, Besoldung und Krarknsür sorge er
durch den Umstand, daß die gegnerischen Truppen zwar j»..,«» o«^»» «», «.«««« h»^» ««««.,
zahlreich, aber doch noch halbwild und dabei nur mit Mangel- werden sie auch die Gräber unserer Gegner grüßen. Also hasten Waffen ausgestattet sind. Die Filipinos entbehren weniger als dreißig Jahre nach dem erbitterten Kampfe grüßen
hasten Waffen ausgestattet sind. Die Filipinos entbehren aller Vortheile einer mrdernen Armee, haben auch nicht in einem so wohlgeordneten und kapitalkräftigen Staatswesen, können die Franzosen, die Söhne desselben Vaterlandes, die
unsere Fahnen sich über den Gräbern neigen werden, dann | wonach sich die Leiter der Expedition unmenschlicher Behand- ' " * " ) lang der Eingeborenen und anderer Verbrechen schuldig machten,
rnd bewundern sich Sieger und Besiegte. Welche Lehre
wie es die amerikanische Union ist, einen gesicherten Stütz-
sich jetzt hartnäckig befehlen, aus diesen Worten ziehen!"
Vom preußischen Abgeordnetenhause ist sowohl der Dortmund-Rheinkaval wie der Mittelland Kanal in
so entsandte der Gouverneur von Französisch-Sud an den Oberstleutnant Klopp und den Leutnant Mcunier zur Einleitung einer kriegsgerichtlichen Untersuchung. Dieselben wurden aber von den Senegal-Schützen Voulets und Chanoines auf Befehl der letztern niedergeschossen.
Die Beziehungen zwischen Transvaal und England haben dadurch, daß neuern Nachrichten zufolge Transvaal den englischen Vorschlag einer gemeinsamen Untersuchung
punkt; sie sind vvthdürstig organisirt und nur durch die Begeisterung für ihre Freiheit zusammengehalten, sowie durch großen Muth ausgezeichnet. Die Machtmittel sind also un-j dritter Lesung abgelehnt worden. Den Erklärungen des Reichs- gleich vertheilt und in einem natürlichen Uebergewicht mit kanzlers und Ministerpräsidenten Fürsten zu Hohenlohe und vielen Chancen des Erfolges bei den Amerikanern vorhanden, des Vizepräsidenten des Staatsministerinms, Finanzministers nicht angenommen hat, noch eine weitere Verschärfung erfahrend
KEWetSM
Bilder aus Goeihc's Leben.
Von Robert Berndt.
(Nachdruck verboten.)
m. Vollen dimg.
Der Alte von Weimar.
Dies schlachte Haus am Frauenplan zu Weimar ist Deutschlands Heiligthum. So entlegen und einsam ist kein Olt im Vaterlande, daß nicht verehrende und liebende Ge- dar ken hierher flögen. Durch das bescheidene Thor zieht ununterbrochen ein Strcm von Wallfahrern: die Fürsten und die Künstler, die Frauen und die Gelehrten, der Engländer, kr Franzose, der Pole — sie alle suchen das stille Weimar auf, um dem Dichterfürsten zu huldigen; sie alle steigen die breite schöne Treppe hinan urd harren bangen Herzens im „gelben Zimmer" des Erwarteten, wie „einer übernatürlichen Erscheinung." Und wenn er dann hereintrat, noch immer ungebeugt, hoch, ein Jupiter, besten Stirn ohne Diadem von Majestät strahlte, — da sank manchem das Herz, und diesem war die Erscheinung zu gewaltig, und jener war enttäuscht, weil er den geliebten Dichter wie einen Audienz gebenden Monarchen sah. Aber wie warm ward den Besuchern allen ums Herz, wenn sie dann den Mann, der für sie die deutsche Poesie verkörperte, des Abends als gastlichen Hausherrn sahe«: wie er sich liebevoll seiner Gäste annahm, den ganzen Reichthum seines Geistes entfaltete, von den Besuchern, die dem Gealterten, in seine Stadt Cingesponnenen, das Reisen ersetzen mußten, sich über ihre Heimath, ihre Dichter und Künstler erzähle» ließ und ihre guten Worte, f;re wichtigen Mittheilungen interessirt den Andern, den
Damen zumal, wiederholre. Hier war er ein Köstg uno ein Vater zugleich, in allem aber ein Mensch, dessen Nähe auf Alle mit gewaltiger Anregung wirkte.
Und doch sahen ihn all' diese Besucher nicht in seiner freundlichsten Gestalt. ES gab noch einen andern Goethe — doch der zeigte sich nur im engsten Kreise. Der scherzte noch manchmal übermüthig mit den „lustigen Weibern von Weimar", an deren Spitze seine lebhafte Schwiegertochter stand; der schaukelte die schönen Enkel lustig auf den Knieen; der saß Abends in häuslicher Bequemlichkeit bei den Seinen und den Freunden und überließ sich der heitersten Gesprächigkeit; der umfaßte mit seinem Geiste die große und kleine Welt, die kleinen häuslichen Tagesereignisse, wie die welt- erregenden Begibenheiten; der sprang im Eifer noch immer wie ein Jüngling auf und ging lebhaft sprechend, blitzenden Auges im Zimmer hin und her; der liebte ein gut Glas Burgunder und die Anwesenheit unmuthiger Frauen.
Doch durste man ihn nicht unvorsichtig behandeln, den alten Herrn. Er hatte seine Eigenheiten. Er war ärgerlich, wenn in feiner Gegenwart ein Anderer daS Licht putzen wollte. Er liebte eS nicht, daß die Fenster offen standen. Er zog sich verstimmt zurück, wenn man von Unglück und Tod sprach. Die Echatte« all' der Theure«, die da ruhten, Schillers und Karl Augusts, Christianens und seiner Mutter, sollten nicht unnütz aufgerufen werden. Er war ein einsamer Mann, aber kein gebrochener. Nach jedem Verluste richtete sich der Gewaltige wieder straff auf, und das ganze geistige Leben von Europa suchte diesen achtzigjährigen Greis in seiner Einsamkeit aus.
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„Mehr Licht!"
So schien auch diese Krisis überwunden. Der Tod schieu's, konnte diese gewaltige Eiche nicht fällen. Beruhigt
verließ der Leibarzt Dr. Vogel den Patienten, da er sich nun von seiner heftigen Erkältung wesentlich erholt hatte. Das war am Abend des 19. März. Aber als der getreue Arzt den greisen Dichter am nächsten Morgen wiedersah, — welche Veränderung! Der Tod hatte sein Siegel auf das mächtige Antlitz gedrückt. Nie hatte ihn Goethe, wenn er auch das Leben liebte, gefürchtet; nur der Gedanke eines qualvollen Abscheidens hatte ihm Pein gemacht, und nun schien das Ende für ihn wirklich unter quälenden Schmerzen und drückender Angst kommen zu sollen. Da galt es schnell einzugreifen; und als der Abend herabsank, waren die Leiden überwunden und der Kranke beruhigt.
Aber WolfgangGGoethe ging seiner Auflösung entgegen. Er saß in sei- em bequemen großen Lehnstuhl neben dem Bette, und weil er hier zuerst die Besserung empfunden hatte, wollte er ihn nicht mehr verlassen. Langsam schwanden die Kräfte. Noch verstand er, wenn man ihn fragte; noch nahm er Theil am Leben; ja, am Morgen des 22. ging er noch einmal in sein Arbeitszimmer und er erinnerte sich, daß an diesem Tage der Frühling begonnen habe: „Wir können uns um so eher erholen." Doch dieser Frühling ging nicht mehr für ihn auf. Die Sinne begannen zu fliehen, seine Phantasie begann zu spielen. Schiller's traute Gestalt grüßte seine Seele; und als er ein Blatt Papier auf dem Boden liegen sah, fragte er, warum man Schillers Briefwechsel hier liegen laste. Dann ließ er den Diener auch den zweiten Fensterladen aufmachen, damit „mehr Licht" ins Zimmer komme.
DaS waren seine letzten Worte. Die Zunge versagte den Dienst. Noch malte sein Zeigefinger Zeichen in die Lust, aber langsam — langsam sank er aus die Decke herab. Dann drückte er sich noch einmal bequem in die Ecke des LehnstuhlS. Der Mittag des ersten Lenztages schien inS Zimmer — Goethe war nicht mehr.