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Amtliches Organ für Staöt- unS LanöKreis Hanau.

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für Sladt- und Land« kreis Hanau 10 ^ die 4gespalrene Garmond­zeile oder deren Raum, für Auswärrs 15 ^.

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für

Auswärrs 30 ^.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr 191 Donnerstag den 17. August 1899

Hierzu Amtliche Beilage" Nr. 54.

Amtliches.

(XanMrei^ ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

In Hochstadt ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und die Oitt- und Gemarkungsipene aufgehoben worden.

Hanau am 17. August 1899.

Der Königliche Landrath.

J. V.: Graf v. Unruh, Reg.-Astessor.

Tienslnachri-tcn aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Taschenmesser. Ein brauwr Kinder- strolhut mit rolher und schwarze Quaste. Ein Hundelals band mit Riemen; Empfangnahme bei dem Herrn Bürger­meister zu Oberrosenbach.

Entflogen: Eine Dohle; gegen Belohnung abzugeben Lamboystroße 6.

VomWasenmeister am 17. d. Mts. ein gefangen: Ein schwarzer Pudel mit einem Halsband und ein schwarzer Rattenpinscher, leise m. G.schl.

Hanau am 17. August 1899.

Dreysutz vor dem Kriegsgericht in Rennes.

Die Verhandlung gegen Driyus wurde gestern fortgesetzt. Ueber d-n Verlauf liegen folgende Berichte, nach dem B. L.-Ä, vor:

Rennes, 16. Augnst. Beim Begu n der heutigen Sitzurg blieb das erwartete Sympathiewort des Präsidenten für Ladori aus, dagegen li,ß Ca>r e e in seiner Erw derung auf den Vertagung» Antrag, weich:» Demange auf Grund ins Dr yfvs'jchen Briefs nolivirte, ein Wort des Bedauerns über Labons -bwesenteit fallen. Eine gewisse Bewegung rief Carnöres Ä ußerung hervor:Die Anklage ist chnehiv sctwach genug, ich sollte meinen, eine Koryphäe wie D>- mauge, weläier cHe tiefe Angelegenheiten im größten Stile bei erricht, u ürde ausreichend Dann fuhr Carl tzre fort: Wozu eigemlich die Vcrtogrng? Ist men denn sicher, tat- Labor i n ch zwei, obir sagen mir vier Sta^n wieder

hier er scheinen kann? Die Aerzte sprechen von großer Möglichkeit; aber das ist noch lange nicht Gewißheit/ Während dieser Unterbrechung kommentirt dos Publikum Carriöres Worte aufs Lebhafteste, doch bezweifelt Niemand, daß der Antrag des Regierungtkommrssars, die Verhandlung fortzusetzen, vom Kriegsgericht einstimmig angenommen werden wird. Joucust verkündet, wie erwartet, dieses Resultat, und somit wird mit dem Zeugenverhör wieder begonnen.

Die Zeugen Gu^rin nnd Lebon waren die ersten in der Reihe der gestern v rrommenen Per­sonen. Ueber ihre Vernehmung berichtet nachstehendes Telegramm:

Rennes, 16. August. Der ehemalige Justizministcr Guö in äußert sich als erster Zeuge recht mißnuthig, daß er hier ganz überflüssig sei. Was 1894 geschehen sei, dafür tröge lediglich ter Krugsminister die Veron:wortang, welchem der Ministerrath alle Vollmachten gegeben. Beim Aufruf oes nächsten Zeugen Lebon ernst ht ein anhaltendes Ge- mmmel im Saale, besonders auf oen Stehplätzen.Double boucle wird hier und dort geflüstert, das heißt:Sehr den Mann, w-lcher Dreyms die eisernen Doppelk^ammern anlegen ließ. Beim Eintiitte Lebons, welcher, seitdem er als Kolonialminister das große Wort geführt hat, stark ge­eitert ist, verneigt sich Dreyfus, welcher heute sehr blaß aus- steht. Während Lebons Aussage ze'gt Dreyfus d utlich genug seine Empfi-rdungen gegen den Chef seiner Peiniger. Lebon vermei et konsequent, Dr-yfus anzubl'cken. Er nennt sich Moralitätszeuee (Kemurmel) und versucht eine Recht­fertigung der beheffä Dr-yfus' ang ordneten Maßnahmen, indem er darauf hinweist, daß ihm von mehreren Seiten vorgestellt worden sei, daß mit großen Mitteln eine Eut fübrung des Gefangenen durchgeführt werden sollte. Lebon rek pitulirt dann die alten Madosengeschichten und zitirt die über Drey'us eingelaufenen bekannten, off-ziellen Berichte von der Teusilsinsel. Zum Schluß schlägt Lebon einen elegischen Ton an und bedauert, daß er, durch allerlei Jn- tiigren irregeführt, eine Zeit lang die Korrespondenz des Angeklagten mit seiner Familie inh birte.Ich hob", rüst Lebon,dieses Verbot auf, weil es mir zu grausam und bar­barisch erschien." (Bewegung) L-bon sagt weiter, daß ein an Dreyfus g-richteter,Weilt" unterzeichneter Brief, wrlLer zwischen den Zeilen in plumper Geheimschrift einen Flrcht- vlan entbi-lt, der Regierung in die Hände fi-l rnb ar cb

der Teufelsiusel geschickt wurde, um zu sehen, was Dreyfus sagen würde. Der Präsident fragt Dreyfus:Erinnern Sie sich jenes Briefes? Welchen Eindruck hatten Sie?" Dreyfus:Der Brief sprach von irgend einer, mir völlig fremden Familiensache eines unbekannten Absenders. Ich dachte nicht weiter daran." Regier vnzikommifsar Carriö e wün'cht zu wissen, warum Drrysus für jeden nach Paris gerichteten Brief 30 Konzepte machte. Dies habe damals mit Recht den Verdacht geheimer Verständigung durch die Wortfolge erweckt. Demange:Ich glaube, man sollte die Erinnerung an jene Härte gegenüber dem Gefangenen, bessert einziges Lab al eine Verständigung mit seinen Angehörigen war, lieber vollständig bannen. Dies wäre wenigstens im Jr,ter>sse der damaligen Autoritäten geboten/ Der Prä­sident zu Dreyfus:Haben Sie noch etwas hierüber zu bemerken?" Dr»yfus:Nein! Ich bin hier, um meine Unschuld zu beweisen, nicht um über erlittene Qualen zu klagen." (Lewegurg.) Lebon erllä t noch, er sei von Dnyfaß Schuld überzeugt gewesen und würde gegebenen Falles nicht zögern, w eder dieselben Maßregeln gegen ihn zu ergreifen.

Die Zeugin Henry.

Rennes, 16. August. Hierauf wird die Wittwe Herr y, welche in Trauerkleidung erschienen ist, vernommen. Der P-ästrevt bietet ihr ein Fauteuil an. Sie sagt mit leiser Stimme, daß ihr Gatte mit einer Frau B., welche Gelegenheit h^tte, interessante PapierschnitzU aufzulesen, in stetem Verkehr stand. Eines Abends brächte Frau B. nebst ar beten Sachen das Bordereau. Henry sagte zu seiner Frau:Das ist eine wichtig« Sache". Mehr weiß Frau Henry nicht. Von einem der Kriegsrichter über die Fälschung H n>ys befragt, antwortete die Zeugin:Mein Mann chrieb mir vor seinem Tode, er habe die Fälschung begangen, um die gefährdete Ehre der Armee zu retten." (Bewegung.) Der Präsident fragt Dreyfus, ob er etwas zu bemerken habe. Dreyfus macht eine verneinende Geberde.

Die Wittwe Henrys wurde vom Kriegsgerichte mit »u- ver kennbarer Aufmerksamkeit behandelt. Alle Richter rückten die Sessel zurecht und neigten sich vor, am k- nes ihrer Worte zu verlieren. Der Präsident hielt, bevor er die Estrade verließ, unter den Richtern eine Umfrage, ob noch jemand von ihnen Aufklärung wünschte. Dem Ausgange zuschreitend, wandle die W ttwe Henrys wenige Augenblicke ibr vie'bewundertes Gesicht von fast k afsjscher ®#ö *beit bem

^enUeibn

Goethe in seinen Beziehungen zu Hanau und der Weltcrauischen Gesellschaft.

Ein Hinweis auf die bevr rstebevde Feier am28.August von V. Hertel.

OtMuog.)

In einem späteren Bri fe, vom Oktober 1815 datirt, spricht Goeche von der Ndihw.'Ndigk-it, Hanau in den Kreis einer Besprechung zu ziehen und ersucht, da es ihm nicht vergönnt sei die Stadt noch einmal zu sehen, um eine voll- stäidigere Rachricht von Allem, was Hanau merkwürdig macht. Unter Mitbenutzung dieser Angaben erschien dann Goerh sRhein- und Mainreise". Eine Feier seines 70. Geburtstages hatten Leonharo und eh ige seiner Freunde und Amisg nessen in Heidelberg veranstaltet, wovon sie ihm Kenntniß gaben. Goethe dankte dafür in einem Schreiben, das er von Karlsbad aus am 15. September 1819 sandte unb in dem er ein Blatt mit einigen Seifen beigetegt hatte, dir Feier des 28. August dankbar zu erwidern, an den Geh. Rarh von Leonharo gerichtet, die sich auf btffen Wirk-

und die der übrigen Mitglieder der Wetter austchen Gesellschaft bezogen. In einem Schreiben sprach er zugleich, '" gegenseiiiger Austastung zu Leonha>d hinsichtlich des Ursprungs der Basalte b.faud, doch g-oßts Internste »tffen Erllä ungen aus mit der Sitte, ihn auf Alles a f- merkfam zu machen, was in diesem Kapitel vorkomme. Ob

?ni^'ter N<p!un'st, habe er doch die Ästen nie für g wessen gehalten. Goeche, der kein Freund des Um-

Umwälzungen, dennoch dem Alten und Her- nQ^ ^"^änden entschieden entgegentrat, so z. B. r - ^ Revtons, Hi lt doch in der Geologie mit einem an verwerflichen Hypot)esen und Treo-ien

' - e ^ - ^ ^ ^as Dtpichon eiint.ert, in dem er ents gegengenter Änfltht als die meisten N turfor cher das vulka- ntsche Entstehen der Basaltgebrlde bezweifelnd sagt:Arme

basaltische Süul-u, iyr tolltet dem F u:r gehören, u. d doch sah euch kein Mensch je aus dem Feuer entstchen." Dem Dch er gingen, wie in der moralischen Welt, so auch in b:r physischen, all? adlige Bildu gen, ein ruhiger Emwicklungs- g ng über All^s; entg gengef $te Ansichten berührten ihn un- angiNehm. So laut t eine Aussage LeonhardS üver diesen Punkt, der von Goethe über die geologische Frage des Ent- stihens der Basalte aus^e'oischt, diese mit umfafs nder An­gabe der Gründe seiner Austastung eingehend beleuchtet hat e. In Jena fand dann ein Wilderst en Leonhards und Goethes statt, wo dieser gerade imSchlosse" feinen der Jahreszeit angeuitss-r en Aufenthalt genommen halte. Man sprach viel ürer das Theater und besonders bildere auch das Be liner Lheater, das Leonhard eb n kennen gelernt, den Gegenstand d.r Unt rhaltung und des Vergleichs mit Weimar. Go the machte es ihm zur Pflicht das Drama in Weimar ja sehen auf der Bühne, welche zum Rat onal-Muster- Theater erhoben/ Antikes, Romantisches und Mo)erues in würdiger Darstellung vo führte. Grast, der unt r Sch ll.rs Leitung den Wallenstrin zuerst gespielt, gab die Rolle, die in Weimar mit einemMehr" von Versen ge- fp ochen wurde, welche an anderen Ort n wegfielen. In der Hauptsache sind dieselben in die späteren Ausgaben des Gallenstein mit ausgenommen worden. Merkwürdig ist aber, raß ein Monolog Butlers am Sctlaste des achten Auftritts im vierten Akte davon ausgeschlossen wurde, der das Vrr- tängnjß, welches di sen rauhen Sohn des Kriegs zur blutigen Tmt des Fe dherrnmordes treibt, noch gründlicher motivirt. Der Zu chauer fand in der Darst llurg der W^lleusteiu- tra, öne an dem Zusammen spiel nichts auSzus tzen, fand die iheatralicte Avoidnaug höchst oerdi nstlich, die Ausstattung aber weder r-ich noch glänzend. Die Beschaffung derrtchtigen Costüme war im Anfänge ziemlichen Schwierigkeiten begegnet, da zu damaliger Zeit eine genauere Kenntniß der Trachten deS dr,iß!gjährigen Krieges mnkwürdigerwcise auch an Leuten von Histo tsch'M Blrck und Wisten fehlte, wie es selbst Schiller erging, der weg'n der Wahl des richtigen Costümes in einiger Verlegenheit war. E dlich fand er in einer alten Rüstkammer zu Weimar Wams, Hut und Stiefel eines

Ichweoi'ch.n Off zlers uns für Qaeftenbergs Coyün gav ihm, bei einem Besuche, den er Goet;e in d sten Quartier in Jena abstattete, eine alterthümliche Ofenplatte einen Anhaltspunkt, auf welcher vortreffliche Figuren gebildet waren und die Jahreszahl des Abfalls Wallmsteirs vom Kaiser den im Stücke vorkommenden Zeitpunkt dieser Katastrophe bezeichnete. Run hatte man, worauf mit einiger Siche heit bauen konnte, um die weitere Herstellung der Costüme nach richtigen Grundsitzm vorzunehmen. Nach dieser Abschweifung, die allerdings ein merkwürdiges Streif­licht auf die noch sehr unentwickelten Kunstzustäude damaliger Zeit wirft was die Behandlung technischer Dinge betrifft, auf die Beziehungen Goethes zu Leonhard und den Freunden in Har au zurückzukommea, mit welchen dieser, von Hanau ent­fernt, nur noch in wistlNichaftlichem Austausch lebte, sei noch eint3 Briefes vom Fcühj chr 1823 erwähnt, wo Goethe, von schwerer Krankheit zu neuem Leben genesen, sichnach den fchätzenSwe'theu Freunden »»sieht, mit denen er früher in glücklichen Verhältnissen gestanden." Er ersucht Leon­hard mit dem Zusenden der Aashängebogen seiner Handbücher fe tzufahren,da man hierdurch in ein so bedeutendes Werk b gremer hinein kommt und das Folgeude mehr zu schätzen weiß, wenn man sich mit dem Vorhergeheuden recht be'annt gemacht hat." Goethes goldener Jubeltag seines Einzuges in Weimar, am 7. November 1825 festlich begangen mit einer Huldigung, wie sie eben nur wirkliche Liede und Ach­tung bieten kounten, wurde der Anlaß einer Feier, an der Fürst und Bürger, Freunde und Bewunderer des D.chters gleichen freudigen Antheil nahmen. Auch seitens der Hanauer Verehrer fehlte es nicht an Beweisen der Hochichätznug und Zeichen der Liebe und Goethe vergaß ihrer nicht, indem er bald nachher an Leonhard eine von wenigen Zeile» begleitete Der krürze sandte, deren AoerS die Bitdniste dkS Groß- herzozs und der Großherzogin von Weimar zeigte, während die K'hrseite deS D chterS Bild enthielt von einem Lorbeer- zweig umgeben, mit der Inschrift: Karl August und Louise, Goethen.

(Schluß folgt.)