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Amtliches t^rgan für Hiaöt- unS LanSKrels Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 186.

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Amtliches.

^<m£&rei0 ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes-

Jn Obertshausen und Jügesheim (Kreis Offenbach) ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.

Hanau am 9. August 1899.

Der Königliche Landrath.

V. 8090 I. V.: Gras v. Unruh, Reg.-Affessor.

Dienstuachrichtcn Ms dem Kreise.

Gefunden: Ein schwarzer Herremegenschirm in der Philipp Lud.-Anlage an einer Bank liegen geblieben. Zwei messingene Wagenkapseln. Am 5. d. Mts. vor dtm Hause Marktplatz 13 stehen geblieben einige Pfund rohen Kaffee, Hastrgrütze rc. Eine große Feile.

Zu geflogen: Eine Lachtaube.

Hanau am 11. August 1899.

Der Dortmund Eins Kanal.

Ein Jahrhunderte alter Plan ist mit dem Dortmund- Ens-Kanal zur Verwirklichung gekommen. Schon der große Kurfürst hatte eine so-che Wasserstraße ins Auge gesast, und später hct Friedrich ier Große, als er das Erbe von Ost- srieslaud vntral und Emden zum Freihofen machte, der Stadt Emden im Vertrage ron 1744 zugefagt, sich des gl ichen Planes anzunehmen.

Der Kanal, bissen Bau durch das Gesetz vom 9. Juli 1886 beschlossen wurde, hat eine Länge von 270 Kilometern. Seire Wasser tiefe beträgt 2.5, d'e S piegelbreite 30, die Sohlen- breite 18 Meter. Die Schleusen sind im Allgemeinen 8,6 Meter breit, 67 Meter lang und 3 Meter tief. Die Dimensionen dieses neuen Binneuschifffahrts-Weges übertltffen die aller bisherigen, nicht nur der preußischen, sondern überhaupt aller europäi chen Binnenland-Kanäle. Es ist daher für die Zwecke des Kanals eigens die neue Flotte geschossen worden. Die behelligten Industriell eise und Städte haben eine westfälische Transport-Gesellschaft gegründet, die, zunächst mit einem Kapital von zwei Millionen Mark, eine Kanalflotte von 30 großen Käh? en von je 900 Tonnen Ladefähigkeit nebst einigen Güter­und Schnelldampfern hat herstellen lassen und den Verkehr auf dem Kanal sowie einen regelmäßigen Verkehr von Emden nach Hamburg organisirt.

Die Fracht von Emden bis Dortmund einschließlich der Kanal- und Hafingebühren beträgt im Allgemeinen für Kohlen, Erze und dergl. 2,50 Mk. für die Tonne, was einen g'vßen Vorsprung gegenüber den Ei'enbahnen be­deutet ; für Getreide dagegen ist sie aus 4,50 Mk. angesetzt. Um den außerordentlichen Vortheil auszugleichen, den die Rheinhäfen Rotterdam und Amsterdam durch die Frei­heit ihrer natürlichen Wasserstraßen von Schifffahrts-Abgaben besitzen, sind die Hafen-Avgaben in Emden mit 1 Vi Pfennig für die Tonne so niedrig angesetzt, wie in keinem andern großen Seeplatz.

Die Bedeutung des Werkes liegt darin, daß dem Rhein gewissermaßen eine deutsche Mündung verschafft und den Erzeugnissen der westfäli chen Kohlen und Eisen-Industrie ein neuer Weg gebahnt wird. Der Emdener Hafen geht als natürliches vaterländisches Ausfallthor der reich ent= wieselten rheinisch westfälischen Industrie aller Voraussicht nach einer großen Zukunft entgegen. Lag die Bedeutung Emdens bisher vorwiegend in seiner alten Herings-Fischerei, sowie in dem Verkehr mit den Bade-Jnseln der Nordsee, so wird mit dem steigenden Verkehr auf dem Dortmund- Emrkanal die Stadt als hervorragender Umschlagplatz eine weit erheblichere Bedeutung gewinnen. Vor allem ist die Ausfuhr von Erzeugnissen der rheinisch-westfälischen Eisen gewerbe im großen Umfange zu erwarten. Hierzu kommt, daß die natürlichen Bedingungen für die Weiter-Entwicklung Emdens sehr günstig sind. Wenn anschließend an die Molen der Hafendämme zu beiden Seiten des Außenhafens das be­reits annähernd für landwirthschaftliche Zwecke reise Vorland eingereicht wird, so werden, wieNauticus" im Jahrbuch für Deutschlands Seeinteressen mitthcilt, Lanl flächen von etwa 800 Hektar gewonnen, die auch für Hafen-Anlagen größten Stils ausgebaut werden können.

Der eigentliche Betrieb auf dem Dortmund-Emskanal ist alsvorläufig" bereits am 17. April d. I. eröffnet worden, und die Ergebnisse berechtigen zu großen Hoffnungen. Die ersten Seedampfer mit Erzen für die westfälische Eisenin- ustrie sind Ende April b. I. in Emden eingetroffen, nuddie ersten Kanalboote haben in vier Tagen von Emden auS bett

Freitag den 11. August

Hafen von Dortmund erreicht. Seitdem hat der Verkehr be­ständig zuginommen; in der letzten Zeit liefen im Dortmunder Hafen wöchentlich 2030 Frachtschiffe ein und aus; der Gesammtbetrag stellte sich bisher aus 20,500 Tonnen. Ein noch bei weitem regerer Berühr auf dem Kanal aber läßt sich mit Sicherheit erwarten, wenn die offizielle Eröffnung stattgefand-n hat.

Tagesfcha«.

Der Botschafter Kürst von Derneburg.

Die Erhebung des heutigen Botschafte- s in Pa is Grafen Münster in den Fürstenstand ist gewiß eines der bedeutungs­vollsten Zeichen am politischen Himmel. Der durch die Ver­leihung der Fürstenwürde ausgezeichnete Bolschcfter, einer der hervorragendsten Mitglieder unserer Diplomctie, hat sich das $cri vnft erworben, in langjähriger vorsichtiger und taktvoller Amtsführung die teutsch französischen Beziehungen dauernd auf jenes ruhige Gleichmaß zu stimmen, das nach einer Er­klärung des Grafen vor Bülow auch durch die mannigfachen Wendungen und Erschütterungen des Dreyfus-Prozesses un­gestört geblieben ist. Bei der wilden Verhetzung, die im Zusammenhang mit der Dreyfussache in der französischen Presse losbrach und sich bis zu bedenklichen Kriegstreib reien gegen Deutschland steigerte, war es keine leichte Aufgabe, in j dem Augenblick die Ehre des deutschen Namens in Frank­reich fest und würdig gegen alle Verleumdungen zu wahren. Der in vielen schwierigen Lagen erprobte Botschafür hat diese Aufgabe glücklich gelöst, er hat auch durch sein klug vermit­telndes Auftreten erreicht, daß auf der Friedens-Konferenz im Haag ein ersprießliches Zusammenw rken der deutschen und der französischen Vertreter stattfand, durch welches die Ideen des Kaisers Nkolaus, soweit es die nothwendige Rücksicht­nahme auf andere Mächte zuließ, der Erfüllung näher ge­brecht worden sind. Der nunmehrige Fürst von Derneburg darf in der reuen Krone, die sein Wappen ziert, auch eine ehrenvolle Anerkennung der Ergebenheit und Treue erblicken, die Graf Münster seit den Ereignissen des Jahres 1866 dem preußischen Königshause unverbrüchlich gewidmet hat. Als Erklandmarschall des vormaligen. igreichs Hannover gab er dem Adel seiner engern Heimath ein leuchtendes Beispiel echter Vaterlandsliebe, indem er nicht zögerte, seine bedeuten­den Gaben rückhaltlos in den Dienst des Kaisers und des Reiches zu st llen.

Zur Wohnungsfrage.

Wie dieDeutsche Volksstimme", das Organ der Boden­reformer, berichtet, hielt die Reichspostverwaltung neuerdings bei ihren Unterbeamten eingehende Umfrage über die Be­schaffenheit der von jenen benutzten Wohnungen Nicht weniger als 21 Fragen werden dabei den Beamten vorgelegt. Sowohl über die Entfernung der Wohnung von der Post­anstalt, über die Beschaffenheit des Hauses, über die Zahl der Wohnräume und deren Einrichtung, als auch über Neb n- gelaffe, und die zum Hausstande gehörige Anzahl Personen, bezw. Schlafsteller und Pensionäre, sowie über den Mieth- preis soll Auskunft ertheilt werden. Am eingehendsten aber werden dir Mängel der Wohnungen erkundet. Es wird u. a. gefragt, ob Krankheiten oder Todesfälle in der Familie vor­gekommen feien; die ihre Ursache in der Beschaffenheit der Wohnung haben, ob das Wasser für den Hausbedarf gut sei und woher es gewonnen werde, ob ein Abort zur Woh­nung gehöre u. s. w. Jedenfalls hat diese Umfrage den Zweck, einer Staiistik über die Wohr ungs-Verhältnisse der Postunterbcamten zur Grundlage zu dienen und eine Woh- nungs-Reform für diese Beamtenklasse in die Wege zu leiten. Das Vorgehen spricht je-enfalls für die Fürsorge, die Staatssekretär von Podbielski seinen Beamten zu Theil wer­den läßt.

Dreyfus vor dem Kriegsgericht in Rennes.

Die Gtheimsttzung dauerte gestern fort. DaS Kriegs­gericht ist nunmehr in Kenntniß aller Schriftstücke, von denen eine große Anzahl in deutscher Sprache abgefaßt ist. Zwei der Richter lesen deutsch und ließen sich die Dokumente noch zur genauen Ur tersuchung vor legen. Paläologues Kommentar wird zweifellos die ganze morgige Sitzung in Anspruch neh­men. Die Aufgabe dieses Vertreters des Ministeriums des Aeußeren ist nicht allein darzuthun, daß die Dep sche Paniz- zardiS einen vollgültigen Beweis dafür bietet, daß der ge­nannte Attachs den Namen Dreyfus erst durch die Zeitungen erfuhr, sondern Palöologues Vortrar» dürfte auch einige vor dem Kassationshofe nur flüchtig berührte Themata genauer erörtern. Dabei handelt es sich, wie verlautet, auch um Briefe von Frauenhand. Palöologue, welcher Berlin durch mehrere längere Besuche kennen gelernt hat, wird in seinem

1899

Kommentar vielleicht auch eine Darstellung der Bedingungen geben, unter denen Fremde das Potsdamer Schloß besuchen dürfen. Paleologue weiß sehr genau, daß selbst die Erlaub­niß des Hofmarschallamts nicht immer ausreicht, um alle Räume besichtigen zu können.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depeschen-BureauHerold").

Berlin, 10. August. Der Kaiser hörte auf Schloß Wilhe!msr.öhe heute die Borträze des Chefs des Militär- Kabimts von Hahnke, des Kri-gsministers von Goßler und des Gesandten Grafen Wolfs Metternich. Letzterer hat auch gestern d-m Kaiser Vortrag gehalten.

Berlin, 10. August. Nach einer Meldung aus Essen wird Geheimrath Krupp morgen Abend 9 Uhr zu Ehren des Kaisers atf seiner Villa Hügel eine große Festlichkeit arrangiren, an welcher auch die bei der Kanal-Feier in Dortmund anwesenden Minister iheilnehmen werden. Der Kaiser wird bis einschließlich Sonntag auf der Villa Hügel verweilen.

Berlin, 10. August. Der Reichs-Anzeiger veröffentlicht die Ernennung des Ober-Regierungsraths, Freiherr« von Reiwitz zum Regierungs- Präsidenten in Stade.

Berlin, 10. August. Nach der im Reichs-Eisenbahn- amt ausgestellten Nachweisung sind auf den deutschen Eisen­bahnen ausschließlich Bayerns im Juni dirses Jahres 196 Betriebsunfälle vorgekommen, bei welchen 53 Per­sonen getödtet und 109 mrletzt wurden.

Paris, 10. August. Der Figaro weist heute in einem Artikel auf die Zusammensr tzung der deutschen Kriegs­gerichte hin, bei welchen das richt.rliche Element wesentlich vertreten sei, währ-nd es in Frankreich fehle.

Monneco, 10. August. Der amerikanische Rentier Burenot hat sich wegen großer Spielverluste ins Meer gestürzt.

Rom, 10. August. Der König entsendet eine außer­ordentliche Gesandtschaft an ben Sultan von Marokko, welche dieser in der Stadt Marrakosch em­pfangen wird.

Budapest, 10. August. Aus dem hiesigen Güterbahn­hose ver Staatsbahn steht das große Kohlenlager der un­garischen Allgemeinen Kohlen-Aktien-Gesellichaft in Fla m m e n.

Bukarest, 10. August. NachdiM die Polizei in Er­fahrung gebracht, daß die Sozialdemokraten eine neue Aktion planen und Emiffäre in alle Landcstheile entsenden, um die bauet helfe B.Völkerung zur Fortsetzung der Revol.en zu be­wegen, erhielt die Behörde den Auftrag, ans das Strengste gegen die Emiffäre vormgehen.

Die dritte Hauptsitzung des Veterinär- ärztlichen Kongresses

in Baden-Baden wurde gestern Früh gehalten. Den Prä- sidentenstuhl nahm P-ofeffor Hntyra von Budapest ein. Auf ter Tagesordnung stand:Die neuesten Anforderungen an eine wirksame Fleischbeschau." Nachdem man sich Tags zu­vor in einer dreistündigen Sektionssttzung über nachstehende, von den Berichterstattern Dr. Ede'mann, Direktor der Fleisch­beschau und Dozent in Drrsden, Kjrrrulf, städtischer Ober- veterinär in Stockholm und Postolka, städtischer Amtsthicr- arzt in Wien, eing-brachten Schlußanträge geeinigt hatte, wurden dieselben der allgemeinen Berathung ausgesetzt. I. An­forderungen in wissenschaftlicher Beziehung. 1^ Der Kongreß machte die Regierungen der offiziell vertretenen Staaten aus die Nothwendigkeit der allgemeinen En sährung der obilgatorlschen Fleischbeschau aufmerksam. 2. Als Sachverständige für dre Flkischbeichau sind ausschließlich diplomirle Thierärzte berufen. Wo solche nicht vorhanden ooer keinesfalls zu erlangen sind, können geeignete Personen als Laienfleischbeschauer mit be­schränktem Verfügungsrecht angestellt werden. Dieselben sind an größeren Schlachthöfen möglichst um.assend für ihren Be­ruf auszubilden, staatlich zu prüfen und in Juäubung ihi er Thätigkeit durch Thierärzte beständig zu kontroltren. - 3. Der Unterricht in der Fleischbeschau an den thierärztlichen Lchr- anftalien ist zu vervollkommnen und letztere im thi.rärzllichen Fachexamen thunlichst praktisch zu prüfen. Dasselbe hat im Examen zur Erlangung der Qualifikation als beamteter Thier-- arzt zu geschehen und hier ist außerdem zu sordern, daß der Kandidrt mindestens 8 Wochen in der Fleischbeschau eines größeren, unter geregelter thierärztlicher Aufsicht stehenden, öffentlichen Schlachthofes thätig gewesen ist. 4. Jede Fleisch­beschau muß sich auf sichere wissenschaftliche Grund- und Er- fahrangssätze stützen, über welche eine internationale Ver­ständigung herbeizuführen ist. (Abs. 2 ) Ebenso bedarf eine