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Amtliches Grasn für Htaöi- unö LnnSKreis Hsnsu.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 180

Freitag den 4. August

1899

Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 52.

AMMches» ^arvö&rei^ ^banau.

Belauntmachungeu des Königlichen LandrathsaMtes.

DaS Königliche Infanterie Regiment Nr. 166 beabsichtigt, am 11., 12 , 14. und 15. d. Mls. in der Flur Hütten- gesäß ein gefechtsmäßiges Schießen mit scharftn Patronen (Schußrichtung vom Mühlberg gegen den Taubenrain) abzu- halten.

Abgesperrt wird das Gelände zwischen Hüttengesäß BrudertiebacherhofSteinbruch am SchwarzhauptHatten- bergNeueberg und den Höhen w-stlich von Alrwiedermuß.

Die Absperrung dauert jedesmal von 711 Uhr vor­mittags.

Den Anordnungen der Posten ist unbedingt Folge zu leisten.

Die Ortsvorstände von Hüttengesäß, Rüdigheim und Marlökel ersuche ich, diese Bekanntmachung den Gemeinden noch besonders in ortsüblicher Weise mitzmheilen.

Hanau am 4. August 1899.

Der Königliche Landrath.

I. V.: Graf v. Unruh, Reg.-Affessor.

In dem Gehöft des Plisipp Schott VIII. in Nieder- dorfelden ist die Schwcinerotblavfseuche erloschen und die angeordnete Gehöftssperre aufgehoben worden.

Hanau am 2. August 1899.

Der Königliche Landrath.

V. 7860 I. V.: Graf v. Unruh, Reg.-Affessor.

Samoa.

Die letzten Nachrichten von den zu so großer politischer Berühmtheit gelangten schönen Cchfsir-Jnseln in der Südsee lauten nicht ungünstig. Erfieulich und für die Zukunft hoffnlich von guter Vorbelrutvrg ist namentlich die That­sache, daß zwischen dem deutschen Kommissar und seinem awerikamschcn Kollegen fortdauernd ein ungetrübtes Einver­nehmen herrscht. Dadurch wird mancherlei Wißhelligkeiten, die sich aus der abweichenden Haltung des englischen Ver­treters ergeben könnten, von vornherein die Spitze abge­brochen.

Aus englischer Seite scheint namentlich die Absicht des bisherigen semoanischen OberrichterS Chambers eines ausge- sprocheren Devtschev-Fe indes, entgegen dem Willen der

FerrMetsn.

Unsere Nahrung im Sommer.

Von Dr. med. Ebing.

(Nachdruck verboten.)

Aus dem Blute quillt alles Leben im menschlichen Orga­nismus. AuS dieser durch alle Theile des Körpers strömen­den Flüssigkeit stammt das Material zur Unterhaltung des so ungeheuer wichtigen Stoffwechsels. Besteht doch der ganze Lebensprozeß in einer unaufhörlichen Stoffaufnahme und Stoffausgabe. Je energischer dieser Stoffwechsel vor sich geht, desto gesunder und leistungsfähiger ist der Mensch.

Es ist daher von höchster Wichtigkeit, die Ausgabe und Einnahme im richtigen Verhältniß zu erhalten.

Außer der großen Aufgabe, die verbrauchten Stoffe im Organismus zu ersehen, hat das Blut noch den wichtigen Zweck, die Temperatur im menschlichen Körper auszußleichen, das heißt dieEigenwärme" auf demselben Grad und zwar 3738 Grad Celsius zu erhalten.

Wenn auch die Eigenwärme deS Menschen im Allgemeinen konstante genannt werden kann, so kommen doch kleine Abweichungen vor, doch nur geringe und von kurzer Dauer, denn daS Gleichbleiben der Blutwärme ist für den Menschen eine unerläßliche Bedingung seines Lebens. Größere Ab werchungen, oder auch geringe Unterschiede, wenn sie lange andauern, sind entweder die Ursachen oder die Folgen schwerer Krankheiten.

.^^^ sich in allen Organen, nur das Blut selbst entwickelt keine Wärme, eS ist vielmehr da, die Temperatur der Eigenwärme zu reguliren. Das Blut, dessen Temperatur der mittleren Körpertemperatur entspricht, gleicht

amerikanischen Regierung seinen Aufenthalt aus Samoa zu verlän-rrn, heimliche Unterstützung gefunden zu haben. Es galt einen V-rtreter für die Ausübung der bisher durch CsamberS wahrgerommenen oberrichterlichen Befugnisse ein- zusetzen, und die Schwürlxkett der Auswahl einer hierzu ge­eigneten Persönlich? it konnte von dem britischen Kommissar zu erneuter Verwirrung der Lage benutzt werden. An sich wäre es das Natürlichste gewesen, den Vorstand der Stadt- Verwaltung von Npia, Dr. Soif, mit einstKeiliger Aus­übung des Oberrichter-Amtes zu betrauen, allein die Kom­missare waren bereits dahin übereingekommen, das Amt des Municipal-Verwoltirs ebenso wie die samoauische Königswürde für als nicht mehr in Kraft befindlich au- zufehen.

Unter diesen Uwstärden war es für die Interessen der in Samoa lebenden Deutschen von großer Wichtigkeit, zur Vertretung des Oberrichters eine Persönlichkeit berufen zu wissen, von der sie sich eine unparteiische Handhabung der richterlichen Geschäfte versprechen konnten. In Ueberein­stimmung mit dem amerikanischen Kommissar hat sich unser Bevollmächtigter, Freiherr Sp ck von Sternburg, dafür aus­gesprochen, den Konsul der Vereinigten Staaten, Herrn Os- borne, einstweilen zum samoanischen Oberrichter zu bestellen. Herr Osborne ist eine politisch voLkommen neutrale Per­sönlichkeit, an der Entstehung der jüngsten Unruhen auf Samoa unbetheiligt und den deutschen Bewohnern der Schiffer-Inseln wohlwollend gesinnt. Die vorläufige Lösung der Oberrichter-Frage hat also aufs Neue das freundschasiliche Zusammenhalten Deutschlands und Amerikas hervortreten lassen unter voller Wahrung der Interessen unserer Reichs- Angel örtgen.

Bet diesem Anlaß arg noch bemerkt sein, daß die Mel­dungen über die während der letzten samoauischen Wirren von deutschen Landsleuten erlittenen Vermögens Verluste sich nachträglich als einigermaßen übertrieben Herausstellen. Es handelt sich im Ganzen um eine Schadensvmme von etwa dreier alluvderttavsend Ma^k, während man anfangs sich an der Vorstellung von Millionen deutschen Eigenthums erhitzte, die auf Samoa zu Grunde gegargen fein sollten. Selbst­verständlich sind auch die ti-atjächlich vorgekommenen Ver­luste für die Betroffenen hart oevug, und das Reich kann und wird sich von ler Verpflichtung zur Schadlos Haltung nicht lossagen. Anderseits aber b ancht man, wenn durch Ereignisse, die sich jeder unmittelbaren Einwirkung unserer Diplomatie entziehen, ein Schaden von wenig mehr als einer halben Million verursacht wird, noch keine Wehklagen zu erheben, als ob das deutsche Haus an allen vier Ecken an- gezündet wäre.

bei seinem Umlauf durch den Körper tue Temperatur der v r- sch'edme» Organe aus, indem er hier Wärme abgibt, dort solche aufnimmt je nach Bedarf und Zweckmäp^keit. Wärme­verlust erleidet der menschliche Körper immerfort, solanze er von Medien umgeben ist, w Ue kühler sind als er. Es liegt auf der Hand, daß dieser Verlust im Winter größer ist als im Sommer. Da nun unsere Nahrung dazu dient, vielen Wär» evrrlust zu ersetzen, so liegt eS auf der Hrn>, daß unsere Nahrung im Sommer eine andere sein muß als im Winter. Es ist damit ähnlich w e mit der Heizung des Ofens, je nach Jahreszeit oder Kältegrad: schweres Heiz- material oder leichtes also schwere Nahrungsmittel und leichte. Wollte man im Sommer di-selben schweren Nahrungs­mittel und in derselben Men^e zu sich neha en, »i- im Winter, so würden die bösen Folgen nicht ansblcibcn. Im Sommer würden die NahruugSmit el nicht verbraucht, nicht verbra»nt werden. So kann sich durch ein solches Nichtverbrennen im menschlichen OrganiSmutz statt des v .llständigen DerbrenuungS- stoffes des Harnstoffes dir Harnsäure bilden, die Ur­sache der vielverbreiteten Gicht.

Es liegt also auf der Hand, daß unsere Nshrnug im Sommer leicht verdaulicher, weniger nahrhaft sei» muß wie im Wiut-r.

Unmöglich aber ist e?, hier eine allgemeine Richtschnur angeben zu wolle». Wieviel und was der Mensch im Sommer essen und trinken soll, das ist individuell, da ist daS Hunger- und Durstgefühl die beste Richtschnur. Immer muß man behexten, daß der Mensch nicht von dem übt, was er ißt, sondern nur von dem, waS er verdaut. Ein Ueber­maß oon Nahrung, sei es in fester oder flüssiger Form, hat keinen Zweck, denn dieses Uebermaß von Nahrung entwickelt nicht mehr Kraft als daS Jadwiduum nöthig hat. Im Gegen­theil, dieser Ueberschuß an Nahrung käsn großen Schaden aurichrn, indem eS entweder alS belästigender Ballast im

I Mäzen zu lange liegen bietet o»er unheilvoll auf das Blut- I leben einwükt. DaS muß man besonders im Sommer bc- tenken, wo allüberall in der Natur der GährungS- und Fäulnißp ozeß leichter eintritt, wo die epidemischen Krankheiten läufiger auftreten alS im Winter.

Wenn schon dir meisten Menschen über ihren Bedarf hinaus iffen, so gilt daS vom Trinken in noch höherem Maße. In Sommer glauben viele Menschen, sie könnten nie gcruz trinken. Wenn sie dabei beim Wassertrinken blieben, so wäre die Sache nicht so schlimm, aber da spielt des Bier, wrmöglich recht schweres, eine große Rolle. So wird eine künstliche Steigerung der Körperwärme erzeugt, die auf die Dauer nur schädlich wirken t^n, abgesehen von der Alkobolwirtuug. Diese künstliche Steig runz der.me ist auf die Dauer »o« schwer schädigendem Einfluß auf den G.'sammtorxaniSmuS sowohl als wie auch auf die einzelnen Organe. Bei höherer Körpertemperatur verlaufen alle organischen Vorgänge zu­erst zwar ra'cher unb energischer, aber bald wer en die Leben-eigenschaften der Gewebe dadurch geschwächt oder gar za»z vernichtet.

So kann bei Krankheiten die Erzcswa m; bedeutend steigen. Fast alle Fieberkraukheiten zeigen erhöhte Eigenwärme. Der GewohnheitSbier- oder Weintrinker vergißt zauz, daß alle Nahrungsmittel schon Wass-r enthrlten, daß teispielsweise Gemüse, Osst oder Kartoffeln vwmöge ih-es WafferzehalüS im­stande sind, den V.-rlust im Organismus voll zu ersitzen. Wer eS über sich gewinnt, nach dieser Richtung hin feinen Körper zu ziehen, der wird bald fühle», wie «ohlthuend sich der verminderte Gesammtwaffergehalt deS Körpers und die im gleichen Ver­hältniß sich einschränkende Wssserabzabe geltend macht.

Der Sommer ist die Zeit der frischen Gemüse, deren Genuß oft von großem Einfluß auf den meuschlichen Organis­mus ist. So sind Spargel und Sellerie empfehlenswerth bei Gicht und Neuralgie. Der Genuß von Spinat ist

Tagesfchau.

Reorganisation der russischen höheren Lehr­anstalten.

Der russische Minister für Volksaufklärung hält es in Anerkennung der großen Bedeutung eines innigen Zusammen­hanges zwischen Professoren um Studenten für nothwendig, daß die Obrigkeit der höherer en Lehranstalten mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln die Erreichung dieses Zieles an- strebe. Zur Erreichung dieses Zweckes empfiehlt der Minister die Einrichtung praktischer Beschäftigungen unter Leitung der Professoren, wobei er die Ueberzeugung ausspricht, daß die Professoren dieser Aufgabe nachkommen; der Minister em- pfichlt ferner die Begründung litterarischer und Wissenschaft« sicher Studentenzirkel unter unmittelbarer Aufsicht und Leitung der Hochschullehrer. Ein weiteres Mittel zur Herstellung engerer Beziehungen zwischen Lehrern und Studenten erblickt der Minister in der Errichtung von Studentenkonvikten, wo­zu die Regierung größere Summen auSzuwerfen beabsichtigt, indem sie sich der Hoffnung hingibt, daß auch die Gesellschaft diese Bestrebungen fördern wird. Auf Befehl deS Kaisers sind zur Errichtung von Studentenkouvikten an den kaiser­lichen Universitäten auS Mitteln der Reichsrentei 3 262 000 Rubel einmalig und 32400 Rubel jährlich für die Einrich­tung praktischer Beschäftigungen anzuweisen.

Politische und ««politische Nachrichten.

(»Depeschen-Bureau .Herold).

Berlin, 3. August. Wie aus Kiel gemeldet wird, hörte der Kaiser heute Vormittag an Bord der Hohenzollern den Vortrag des Chefs deS Marixe-Kabinets, Freiherrn v. Seuden- Bibran. Später besichtigte her Kaiser den für die Auslaud- rei'e in der Kaiserwerst bereit liegenden großen Kreuzer Hansa und stattete sodann der Prinzessin Henriette sowie ihrem Ge­mahl, Geheimrath von Esmarch einen Besuch ab. Um 121/* Uhr kehrte der Kaiser an Bord der Hohenzollern zurück.

Berlin, 3. August. Gegenüber einer anders lautm-en Meldung erfährt die Post, daß an wohl unterrichteter Stelle von einer Aenderung deS deutsch-argentinischen Handelsvertrages nichts bekannt sei. Auch dürfte man hier wenig Neigung spüren, zu Gunsten einer weiteren Ausdehnung deS argentinischen Vieh- und Fleisch-Exportes nach Duischland irgendwelche Zugeständnisse zu machen.

Leipzig, 3. Aug«st. Der Schriftsteller Wedekind ist wegen Majestätsbeleidigung, begangen durch Gedichte im Simpllcissimur, zu sieben Monaten Gefängniß unter Anrech­nung eines Monats Untersuchungshaft vom Landgericht zu Leipzig verurtheilt worden.