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Dienstag den 1. August
1899
«»«ich»«.
SlskötKvois ^anau.
Der frühere Dierstmann Dietrich Lauer, wohnhaft Hospitalstraße Nr. 37 Altstadt hier, hat um Rückgabe der von ihm hinterlegten Kaution gebeten.
Interessenten werden aufgefördert, etwaige Ansprüche binnen 14 Tagen im Polizeisekretariat — Zimmer Nr. 12 des Kgl. Laudrathsawtes — anzumelden, widrigenfalls die Kaution zur Auszahlung gelangt.
Hanau am 29. Juli 1899.
Königliche Polizeidirektion.
J. A.: Graf Unruh.
^anö&rci^ ^banau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In Vilbtl und Dornassenheim (kreis Friedberg) ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Hanau am 31. Juli 1899.
Der Königliche Landrath.
. v. Schenck.
In je einem Gehöft zu Mittel Gründau und Kohden (Kreis Büdingen) ist die Echveiuerothlaufseuche ausgebrochen nud^ Gehöstsperre angeordnet worden. In Büdingen ist diese Seuche erloschen und die Gehöstsperre ausgehoben worden. Hanau am 29. Juli 1899.
Der Königliche Landrath.
V. 7701 v. Schenck.
In der Stallung des Steinhauers Franz Bau wann in Kahl a/M. (Kreis Alzeua») ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöstsperre augeordnet worden. Hanau am 27. Juli 1899.
Der Königliche Landrath.
V. 7624 v. Schenck.
” ' Tikiistnachlichtcil aus dem Kreise.
Gefunden: Vor einigen Tagen in der Kl. Saudstraße ein ungefähr 10 Meter langes Rollseil.
Zugelaufen: Ein schwarzer Spitzhund mit gelben Abzeichen, m. Geschl.
Hanau am 1. August 1899.
Politische und ««politische Rachrichten«
(»Depeschen-Burea« .Herold).
Berlin, 31. Juli. Wie aus Berchtesgaden gemeldet wird, ist infolge der guten Besserung im Befinden der Kaiserin die ursprünglich auf den 5. August festgesetzte Uebersiedelung der kaiserlichen Familie auf Schloß Wiltzelms- höhe nunmehr auf Donnerstag den 3. August verlegt worden. Der Kaiser wird nach der Rückkehr von seiner Norvlandreise voraussichtlich schon am 2. August auf WilhelmSMe ein treffen. — Der Prinz-Regent hat aus besonderen Wunsch der Kaiserin auf den in AuSsicht genommenen Besuch in BerchteS- gaben jetzt endgültig verzichtet.
Berlin, 31. Juli. Dem Bundesrath ist ein Entwurf von Abänderungen und Ergänzungen des amtlichen Waaren-VerzeichnisseS zum Zolltarif zuzegarrgen.
Berlin, 31. Juli. U ber die plötzliche Absage des Besuches des Kaisers in Westfalen wird dem Lskal-Anzeizer von geschätzter Seite geschrieben: Die eigentliche und einzige Ursache der Absage sei die tiefgehende Verstimmung über die Aufnahme gewesen, welche das gut gemeint6 Bielefelder Telegramm des Kaisers in einem Theil der Presse gefunden habe. Der Kaiser habe auf hoher See den Wortlaut dieser Depesche festgestellt, der lediglich die Kanalvorlage und keineswegs das Zuchthaussesetz im Auge hatte.
Berlin, 31. Juli. In Arolsen ist gestern d:r Re- gicruugs.Prästdent a. D. von Heppe im Alter von 63 Jahren gestorben. Derselbe war viS Ende vorigen Jahres Re- gierongs Präsident zu Trier.
Berlin, 31. Juli. Nach einer Meldung aus Paris soll die F r e i l a s s u n g Paty d e C l a m 3 unmittelbar bivorstehen.
Berlin, 31. J«li. Wie dem Berliner Lokal-Anzeiger aus zuverlässiger Quelle mitzetheilt wird, hat die französische Regierung bezüglich der Z-«zenschaft des Herrn Paleotogue vom Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten und des der Botschaft in Berlin zugetheilten Botschafts-sekretärS de la Roche-Vernet in dem Dreyfus- Prozeß augeordnet, daß sich letzterer unverzüglich nach Reines zu begehen hat, wo er vor dem dortigen Kriegsgericht seine Aussage depontreu soll.
Berlin, 31. Juli. Der Zwischenfall mit Guatemala ist beigelegt, nachdem die dortige Regierung sich bereit erklärt hat, d n teutschen Gläubigern gerecht zu werden. Der Kreuzer Geier ist bereits von San Josö weiter gegangen und hat einen zweiten Hasen in Guatemala angelernten.
Berlin, 31. Juli. Gestern hat hier der 40. Genossenschaftstag des allgemeinen Ve: Landes der auf Selbsthilfe beruhenden deutschen Erwerb?- und Wirthschafts- geuossenschafteu begonnen. Um Dienstag nehmen die Haupt- oerhaudlungen ihre» Anfang und steht hierzu sehr umfangreiches Moterml zur Verfügung.
Berlin, 31. Juli. Die Dieustboten-Bewegung wird nunmehr von sszialdemokratischer Se te in Angriff ge- sommen. In den nächsten Tagen wird die BertrauenS- person der sozialistischen Frauen Deutschlands eine dahingehende Versammlung einbe ufen.
Berlin, 31. Juli. Die Berliner Kistenmacher haben eine allgemeine Lohnbewegung in Aussicht genommen. Dieselben wollen die Festlegung eines einheitlichen LohntarifeS erreichen. — Die Steiubildhauer Berlins haben sich mil den streikenden Steinmetzerusolidarisch erklärt und beschlossen, keinerlei Arbeiten aus Bauten zu fe. tigen.
Kiel, 31. Juli. Die Ausreise des großen Kreuzers Hansa nach Öftesten ist auf den 15. August verschoben worden, da die Ausrüstung nicht früher beendet ist. Voraussichtlich wird der Kaiser das Schiff auf Geeklarheit prüfen.
Wien, 31. Juli. In der Nähe e6n Klagenfurt ist der Triefter Schnellzug entgleist. Eine Person wurde ge- tödtet, fünf schwer, sechs leichter verletzt.
^rab, 31. Juli. Die Meldung von der Verhaftung des Rittmeisters Grafen Starheruberg wird dem entirt.
Budapest, 31. Juli. Der Pester Lloyd bezeichnet die bevorstehende Entrevue zwischen dem Grafen Goluchowsky und dem Reichskanzler Fürsten Hoheulohe, trotzsem dieselbe keinen besonderen politischen Zweck verfolge, doch als ein Zeichen des ungeschwächten Fortbestetzeus res Dreibundes, was von der österreich-ungarischen Monarchie freudig begrüßt werde. Gleichzeitig theilt das Bialt mit, Hohenlohe und Goluchowsky hätten im Juli in Paris eine Zusammenkunft gehabt.
Prag, 31. Juli. Der von den Zuckerbäckern gegen die geplante Erhöhung der Zuckersteuer beabsichtigte Demon- strations-Umzug sowie das Meeting wurde von der Polizei verboten.
Volkswirtschaftliches.
Die Weizen Erxte der Welt. ES ist bereits möglich, sich im Allgemeinen ein Bild über die in den verschiedenen Ländern erzielten Resultate zu machen. WaS Europa betrifft, scheint eS sicher, daß der Westen, namentlich Deutschland, England, Frankreich, Belgien und Holland eine gute Ernte haben, daß der Osten, insbesondere Rumänien,
Feuilleton*
Die Launen des Blitzes.
Der berühmte Astronom Camille Flammmion veröffentlicht im Bulletin der französischen astronomischen Gesillscha t einen Aitiket, der bei der zunehmenden Blitzzefahr ein besonderes Interesse hat. Er hat darin eine Anzahl von Fällen zusammeugestellt, in denen der Blitz in der weniger gewöhnlichen Form der Kugelblitze eingeschlagen und oft die sonderbarsten Erscheinungen gezeitigt hat, ohne jedoch tödilich zu wirken. So theilte Schnaufer, ein Marseiller Profi ssor, folgenden Fall mit: Der Kugelblitz erschien im Zimmer, näherte sich einem jungen Mädchen, daS an einem Tisch saß, aber die Füße hängen ließ, ohne daß sie den Fuß boden berüh ten. Die leuchtende Kugel rollte auf dem Fußboden zu ihr bin, erhob sich in Spiralen um sie und sprang dann in die O-ffnung des Kamins in der Nähe, drang durch ein zusammengekleltes Papier, erhob sich im Schornstein und nazm seinen Ausgang über das Dach unter fu cht- barem Krache«. In Ramaines bei Ruiuerupt (Aube) war der Gastwirth Ftuot auf die Schwelle seiner Hausthür getreten und sah sich das Gewitter an, als p ötzlich ein Blitz ihn herunter und tief hinein in daS Zimmer warf. Er blieb so eine gei aume Zeit ohne Bewußtsein liegen und er hatte Mühe, während des ganzen TageS die Gegenstände im Zimmer zu unterscheiden. Aber das Sonderbarste bei der Sache — und das ist nicht das erste Bei piel dieser Art — war, daß der gute Mann vorher heftig vom Rheumatismus in den Biinen geplagt war und nur auf einen Stock gestützt gchen konnte, und nach dem Blitzschlag ging er ohne Schwierigkeit; er war durch ihn geheilt. In CourcelleS-les- Sens standen drei Frauen im Alter von 19, 22 und 44 Jahren um eine Nähmaschine, als der Blitz einschlug und die älteste tö tete. Die beiden jungen Mädchen fanden sich dagegen nachher vollkommen entkleidet wieder, ihr Schuh
zeug war ihnen von den Füßen gerissen, aber sie erhob n sich gesund und unversehrt. Schon aus früheren Zeiten werden ganz ähnliche Fälle berichtet: Der Abbö Spallauzani hat erzählt, z. B., daß am 29. August 1796 eine junge Bäuerin auf einer Wiese, von einem Gewitter überrascht, zu ihren Füßen eine Feuerkugel von der Größe zweier Fäuste sah. Auf dem Boden gleitend, kam die kleine Kugel auf ihre nackten Füße, umspielte sie, verbarg sich unter ihren Kleidern und trat dann durch den Rock wieder heraus, bis dahin immer in derselbe« Form und zerplatzte bann unter Geräusch in der Last. In dem Augenblick, wo die Kugel den Rock deS Mädchens durchdrang, breitete sich derselbe wie ein Regenschirm, den man öffnet, auS und sie fiel auf den Rücken. Zwei Zeugen des Vorfalls liefen herbei, um ihr zu helfen — ihr fehlte gar nichts. Der Arzt, der sie untersuchte, bemerkte nur auf der Haut eine Spur, die sich vom Knie rechts bis zur Mitte der Brust hinzog; das Hemd war an dieser Stelle in Stücke gerissen. Der Bl tz entkl idet seine Opfer ziemlich häusta, Beispiele daran find reichlich vorhaudeo. Morand erzählt, daß einer Frau, die als Mann gekleidet war und auf freiem Felde vom Blitz getroffen wurde, alle Kleidungsstücke und ihr Schuhzeug smtgeriffen worden wäre. Mau mußte fie in ein Tuch einwickeln, um sie nach Hause zu bringen. Sie kam dabei sehr schnell zum Bewußtsein zurück. Die Launen deS Blitzes sind mitunter wirklich sonderbar. Ein Trink r hält einen Becher in der Hand, der Blitz trifft th», reißt ihm den Becher fort und wirft ihn in einen Hof, ohne daß der Trinker verwundet wird. Eine R-itpeitsche wird einem Reiter auS der Hand geriffen und fortgeschleudert. Z vei Damen stricken ruhig. Der Blitz trifft sie und entreißt ihnen die Nadtln u. s. w. Freilich sind die schweren Fälle weit häufiger. Im Juni 1844 flüchteten sich vier Einwohner von Heils-le-Maurupt bei Vit>y-lt-IrancoiS vor einem Gewitter, tret hinter eine Pappel, der vierte unter eine Weide. Der letztere wurde gleich darauf vom Blitz getroffen. Eine klare Flamme sprang auS seinen Kleidern heraus, aber er stand noch immer unter der Weide und schien nichts zu
merken. Seine Kameraden riefen ihm zu: ^Du brenust! Aber stehst Du den« nicht, daß Du brenust?^ Er konnte nichts mehr sehen — er war eine Leiche. Ja Everdon (England) flüchteten sich, wie Dr. Butler berichtet, zehn Schnitter unter eine Hecke. Der Blitz schlägt ein, er löstet vier von ihnen und die Erschlagenen bleiben so unbeweglich, wie versteinert stehen, daß mau ihren Tos nicht sogleich bemerkte. Der Eine wurde mit einer Prise Taback, die er zwischen den Fiugeru hielt, gefunden; ein Anderer hatte einen kleinen todten Hund auf seinen Knien, hielt eine Haud auf den Kopf deS Thieres unb in der anderen hielt er ihm ein Stück Brod hin. Ein Dritter saß, die Augen offen und den Kopf nach der Gewitterseite gedreht. Das Bild der Lebenden war feftzehalte« wie in einer Momentphotographie. Dann aber wird der Blitz auch wieder nur zum Diebe. In Fravxault (Goldküste) wurden einem jungen Mau«, der vom Blitz getroffen wurde, die Riuge seiner K.tte geschmolzen und die Näzel von seinen Schuhen foitgerisseu. Am 5. Juli 1883 wurde einer Frau in Bouffon (Äoldküste) ihr Ohrring geschmolzen. Im Jahre 1894 «ur»e eine Uhr aus der Weste eines Spaziergängers g riffen und eS war nicht die geringste Spar mehr davon zu finden. Geradezu spaßhaft aber ist folgender Fall, den Flammarion von, einem eifrigen Republikaner in den Vereinigten Staaten erzählt, und auch »iese That bei Blitzes ist nicht vereinzelt, da schon öfter vom Blitz Zeichunngen auf Bäumen und Mauern entworfen worden sind: Maurice Abuer Millikan hatte die Fassade seiner Farm mit großen Lithographie«, die PorträtS von Mc Kiw- ley und von Hobart darstellten, ausstasfirt. EineS Tages sLlägt der Blitz ein und das Gebäude steht in Flammen. Als das Feuer gelöscht und der Lärm vorüber ist, begibt sich der Eigenthümer auf die Suche nach de» Verwüstungen, die der Blitz angefüftet hat. Zu-seiner große» Ueberraschung findet er die Bilder der von ihm bevorzugten Kandidaten nicht mehr: die Lithographien waren verschwunden, aber zum Ersatz hatte der Blitz eine getreue Kopie aus die gegenüberliegende Wand gezeichnet.