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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Montag den 31. Juli

1899

«Mt»ch«S.

^snöNvsis ^omu

der Berliner und Provinzial-Banken auch aus industrielle Unternehmungen erstrecke. Das Kapitalisten-Publikum,

welches bei der steigenden Konjunktur bisher den Werth Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes, seines Aktien-Besitz-s, namentlich von Industrie-Unter- In Sommerkabl (»-- Ah-Mll) ist He Schw°in-,.uch----h»"»»-"' st°»dls IWmen Ich, würd- dadurch k-m,SMgz erloschen und die Orts-und Gehöftjperre aufgehoben worden. luc Realifi.ung angeregt, ^-s G-dsrrcheil gab si^

Hanau am 28. Juli 1899.

Der Königliche Landrath.

unter Hintansetzung der Grundsatz: einer soliden Kapitals-

V. 7637

v. Schenck.

Dienstnachrichtm aus dem Kreise.

Gefunden: Ein graues Portemonnaie mit einigen Pfennigen. Zwei Herrenk: agen, ein Vorhemd und zwei Manschetten. Am 29. d. Mts. am Wochenmarkt stehen ge­blieben ein Korb (Mahne) mit 5 Töpfen, eine blauemaillirte Kanne, ein Korb für Federvieh und ein Blumenstock.

Entflogen: Eine Lachtaube.

Hanau am 31. Juli 1899.

Der Tanz um das goldene Kalb

Anlage, der Meinung hin, daß es vortheilhafter sei, Divi- denden-Papiere zu erwerben. Diese Strömung war so stark, daß nine, hauptsächlich industrielle Werthe den Emifstons- Häusern trotz der geforderten Agios so zu sagen aus den Händen gerissen wurden."

Damit ist in der That der Finger auf eine der schlimm­sten Wunden der Ge enwart gelegt. Der Tanz um das goldene Kalb, die Profitgier und Dividendensucht haben alle Klcssm der Bevölkerung ersaßt und alle Berufsstände mit fortgerissen. Unter dem Drängen der zumeist kleinen Kapitalsten, die auf der Jagd nach schnellem Gewinn ihr Geld unter allen Umständen in Dividenden-Prpirren ange- lezt wiss n wollen, schi ßen die Emissionen wie Pilze empor. Im verflsffcmn Jahre soll.n die gesammten Emissionen in Deutschland sich auf einen Kurswerth von 2% Milliarden (2697 Millionen) belaufen haben, gegen 2 Milliarden im

Der kürzlich veröffentl'chte Lericht der Aeltesten der

B«Nmr Kaufmaunschasi ist im Wrt.r. re» -pUmistisch ^^ ^ , taflbra g,^ ^,,,. £eä,üublt U g^fhie Mh-n «awn», -nb ta U°i°--qLgs. ^°" E j-d--. D°h.r ;u» di- b-»°«°--.E- geist entfaltet immer mächtiger seine Schwingen. Kaum ein ?;s!Ts^ 51mX »m'

Tag vergeht, der nicht von Neugeündungen zu melden weiß. bei Staars-Papeere, einen so arffilleniM Tics-

Trotzdem mischen sich selbst in die kaufmännische Schilderung @ t itfr x Ia ncU ar fo M

der glänzenden Konjunktur bereits leise Wainungsruse, die-^. Ä S

umso g-öß re Beachtung verdienen, da sie dem Munde von wie schon die Breslamr Handelskammer bemeeke hat, .die

gehalten, und es kann ja auch gar nicht anders sein.

Ministerialblatt" am 1. Oktober voraussichtlich zur Erledigung vier Oberlandrsgerichtsraihk-Ztellen (in Brettau, F aukfurt, Kiel und Naumburg), fünf Landgerichtsdirektor-Siellen (in Glogau, Ratibor, Alton«, Danziz und Bromberg), ferner Landrichter-Stellen bei 17 Landgerichten, sowie Amtsrichter- Stellen bei 36 Amtsgerichten; am 1. November kommen zur Erledigung eine Oberlandesg richtsraths-Stelle in Breslau und eine Amtsrichter-Stelle in Wennigsen; am 1. Dezember Amtsrichter-Stellen bei vier Amtsgerichten; endlich am 1. Januar 1900 kommen zur Erledigung 10 Oberlaudesgerichts- raths-Stelle«, 15 Landgerichten ektm-Ltellen, sowie Richter-" Stellen bei 28 Landgerichten und 68 Amtsgerichten.

Politisch« und »«politisch« Nachricht««.

(.Depeschen-Burea«^treib).;

Berlin, 30. Juli. Die Morgenblätter veröffentlichen anläßlich des ersten Todestages des Fürsten Bismarck längere Artikel. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt; Voll Wehmuth gedenken wir heute dieses Tages und erinnern uns von Neuem aller Verdienste, die sich der verblichene große Staatsmann um die Gründung und den Ausbau des deutschen Reiches erworben hat. Die deutsche Dankbarkeit dafür wird nimmer erlöschen. Die Staatskurger Zeitung regt die Errichtung einer Bismarck Gedächtnißkirche in Berlin an.

Berlin, 30. Juli. Wie heute auS Kiel gemeldet wird, bestötgt sich das Gerücht von der beschleunigten Rück­kehr der Hohenzollern nicht. Das Schaff kann vor dem 1. August nicht in Kiel eintr-ffen.

Berlin, 30. Juli. Aus London meldet die Vossische

Richtung hin feinem Zweifel unterliegen kann. i^Ätf Wr auä Apia vor, wonach die Samoaner unzufrieden mit dem

Zunächst ist in dem erwähnten Berichte von der stetigen fl %hmV^^ ^ ®« m^ sind. Die Lage sei kritisch.

Steigerung der Produktion die Rede, üb-r deren Gefahr ^X?^ d/^ Krieg könne jedm Augenblick wieder beginnen. Viele

man sich mit allerlei Beschwichtigungs-Gründen Hinweg- Ä? ^tten die Waffen behalten.

zusttzen suche. So wird die Nothwendigkeit fortdauernder - ^»SM-Verruße, z^ Berlin, 30. Juli. Wie der Post mitgetheilt wird,

Proruktions-Steigerung mit dem ebenfalls ständig wachsenden t in Lehrerkreisen, daß seiters des Unterrichts-

Konsum gerechtfertigt, obwohl, wie der Bericht meint, der miuisters eine Erläuterung zu dem sogenannten Züchtigungs-

Berechtigung dieser Ausfassurgmanche Bedenken entgegen- Amt das Warnung^ ber Sa^ welche alle Bedenken, die gerade

ständen." Es kommt, aber noch deutlicher, W« ^ ^^ ------------- ------------- -----

der Berliner Kaufmannschaft weisen auf die starke Steigerung der Effiklen-Kurse hin und lassen sich im Anschlüsse hieran also vernehmen:

Die gewaltige Anspannung von Handel und Industrie ist es, die in erster Linie für die Steigerung des Zinsfußes in Anspruch zu nehmen ist. Einen weitern Grund für die Spannung am Geldmarkt war die große Ausdehnung der Emissions-Thätigkeit von Seiten der Banken und Fftanz- Häuser, die sich neben umfargreichen Kapitals-Erböhungtn

Volkes wird wünschen, daß ihm ein tausendfältig verstärktes

von Lehrern gegen die Verfügung geäußert worden sind, zu

Echo zutheil werden möge.

beseitigen im Stande sein wird.

Wi-N, 30. Juli. Die sozialistische Parteil itung ließ gestern Abend in allen B zirken Wiens über 100 000 Flug-

Fettilletsn

Alexander Petöfi.

Eine Skizze zu seinem 50. Todestage, 31. Juli.

Von August Hagemann.

IRachdruck BwJoten.]

Die Geschichte der Weltlitteratur kennt vielleicht kein zweites Dichterleben, wie das Peiöfi's. Bis zu seinem 22. Jahre ein unbekannter Herumtreiber und Thunichtgut, tritt er im Jahre 1844 mit einem Bündchen Gedichle auf den Schauplatz, tm ihm schon fünf Jahre später durch den Tod entrissen zu wcrd-n. Und diese fünf Jahre haben genügt, um ihn nicht allein zum Abgotte seiws Voikrs zu machen, sondern ihm auch einen Weltruhm zu begründen, der sich in dem seither verflessenen halben Jahrhundert nicht algeschwächt hat und voraussichtlich noch langen Jahrhunderten trotzen wird. Worin liegt nun der Grund dafür, daß Jeder, der fich in Peiöfi's Gedichte vertieft, sofort fast unwiderstehlich in den Bann seiner Persönlichkeit gezogen wird und ihr eine tiefe und herzliche Theilnahme zuwendet, die sich über allen Wandlungen des Geschmackes erhält? Wir meinen die Hauptursache dieser Erscheinung darin zu finden, daß sich bet Petöfi Leben und Dichten vollkommen decken. Das hat er, der sonst eher Schiller nahe steht und in ihm sein Vorbild sah, mit Goethe gemeinsam, daß jedes seiner Gid'chte ein unmittelbares Eelebniß ist, und umgekehrt: daß jedes Er- lebviß ihm zum Gedichte wird. So fühlt man in seinem Werke den pochenden H rzschlag eines stürmenden, liebenden und leidenten, strebenden vnd fehlenden, aber immer hoch­gesinnten Menschen, eines ungebrochenen und ungekünstelten echten Voll- und Naturmenschen, und Menschliches und Dichterisches verwebt sich nnlöslich zu einem haltbaren Zauber.

Tages schau.

Zur Versetzung richterlich,r Beamten in den Rnhestand.

Infolge des Gesetzes, betrcff.nd die Versetzung richter­licher Beamten in den Rukesian'', kommen noch dem ^Justiz-

blätter gegen die Zuckirsteuer-Erhöhung vertheilen. Polizei nehm mehrere Verhaftungen vor.

Wien, 30. Juli. Der Abgeordnete Wolff hat deutsch-fortschrittlichen Landtazs-Aogeordneten Krzep k Duell gefordert. Anlaß dazu bot ein off ncr Brief

Die

den zum des

letzteren in der Leitmeritzer Zeitinr, worin er die Borges

SS

Doch noch Eins tritt hinzu. In Pe öfi'-> D.chlung lest lern Volk, das Ungarnvolk, so getreu, so vollständig und so kraft­voll, wie wir das kaum in einem zweiten Falle finden. Auch Caecsns war ein echter Portugiese; aber er war auch ein Kunstdichter. Auch Adam Mickiewicz war ein Urpole, aber er schloß sich zugleich an die große europäische Bewegung der Romantik au. Zwischen Petöfi und seinem Volke aber steht keine wie immer geartete Schranke; er ist, wie Scherr gesagt hat, Naturdichter, es ist durchaus nichts Gelehrtes an ihm; außer der ihm geschenkten göttlichen Gabe ist t as Leben seines Landes und Volkes der einzige Quell, der seine Dichtung speist. Dadurch aler wächst er über sich selbst hinaus, gibt er uns mehr als bin Gehalt eines einzelnen Menschenlebens, berauscht er uns m-t gehciwnißvellen Melodien, wechselnden Bildern, mannigfachen Srimmunjen; und in der WUtlrtteratur st dem Dichter, der ein ganzes lebenskräftiges Bett in ihren Ruhmessaal eingeführt hat, seine Stellung wohl für immer sicher.

Wie merkwürdig hat ihn das Cchicksol geführt! Er mußte Jahre lang vagabundiern, seinen Beruf verkennen, bis an die äußerste Grenze des Elends gera.hen, um sein Vo k und Land auf das Gründlichste kennen zu lernen, alle seine Stimmungen zu durchleben und mit ihm gewisser maßen in Eins zusammenzuwachsen. Sein Vater war ein röllig mogyaristrter Serbe, ein Metzgermeister Namens Petrovics, seine Mutter von slowaUscher Herkunft; den serbisch klingenden Vatersnamen hat Petöfi erst als Dichter gegen den vertausch», unter dem er berühmt geworden ist. Zu Kis--ös im Budapester Komitate wurde Sandor

vurchzumachen. Zu Ä^ü) war der lebhafte schöne Knabe ein guter Schüler, der sich freilich auch auf anderen Gebieten, als denen der offiziellen Lehrgegenstände, zeitig versuchte, gern schon sein Becherlein schwang, den Pegasus ritt und selbst bereits ein zärtliches Verhältniß anzuspinnen wagte. Aber zu Schemnitz that er nicht mehr gut. Eine deutsche Schauspitler-Gesellschaft, die dort einkehrte, zog ihn magisch an, das Theater wurde jetzt sür fast ein Jahrzehnt sein großes Ziel, und während er sich mit den Mimen herum- trieb, bliebin nicht die Schularbeiten allein, sondern oft auch die Schule selbst liegen. Schon war er wiederholt vergeblich auf das Dringendste an seine Pflicht gemahnt worden, als der Vater Petrovics durch die Ueberschwemmungen des Jahres 1838 in Vermögensruin gerieth; der verbitterte Mann ver­langte jetzt von dem Sohne natürlich den gewissenhaftesten Eifer, und als Alexander bei seiner Lebensweise^ verharrte, zog der Vater seine Hand von ihm ab. Die Folge war, daß der junge Petöfi aus Cckemnitz durchbrannte, sich selbst sein Brod zu verdienen beschloß und sich zunächst nach Pest durchbettelte. ,, _ , ,

Und so begannen die sechs Jahre seiner Wanderschaft, die ihn hier- und dorthin, durch ganz Ungarn warfen und durch die wie ein rother Fad-n der Gedanke geht, sich dem Theater zu widmen. Aber waS war und was trieb er nicht alles in dieser 8eitl Da finden wir ihn als gemeinen Sol­daten in Oedenburg und Agram, in ein hartes Joch ge­schmiedet, und schließlich von den Fesseln der DiSz'plin und von schwerer körperlicher Arbeit so aufgerieben, daß er aufS Krankenbett sank und alsRealinvalide" außer Dienst gestellt wurde. Dann versucht er eS und versucht es noch einmal mit dem Studium, um freilich zu entdecke«, daß er der Schule entwachsen sei und die empfindlichen Lücken seiner Bildung

Petrovics am 1. Januar 1822 geboren; seine Jugend aber verlebte er in Föle^yhäza in dem kernmagyarischen Tieflande der Theiß. 13 Jahre alt wurde er aus das Gymnasium zu Aftöd gegeben, um dann aus dem Schewnitzer Gym- ,...,. ....-,...-.... ^ .,.... .... -----~777,7;-V

nasium die 5. und 6. Klaffe, dieRhetorik" undPoesie", bände ihre abenteuerlichen Fahrten, jetzt sitzt er in leidlich be-

selbst ausfüllen müffe. Jetzt theilt er mit einer Schauspieler-

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