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Amtliches Organ für Htsöt- unö Lanökreis Hanau.
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Kr. 172 Mittwoch den 26. Juli 1899
Amtliches cSanöRret# ^artatt.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Der am 3. März 1877 zu Wolferborn, Kreis Geln- Hausen, geborene Ochsenknecht Johannes GleiS, zuletzt bei dem Domänerpächter Wilhelm Vogelweier zu Wilhelms- baderhof in Stellung, hat sich am 13. d. Mts. von dort entfernt, ohne bis jetzt zurückgekehrt zu sein.
rc. Gleis ist ungefähr 1,70 m groß, untersetzt, hat blonde Haare und keinen Bart. Bei seinem Weggänge war er mit Arbeitsarzug, blauer Jacke, grauer Hose, Zngstieseln, grauer Mütze mit Schirm bekleidet.
Nach den seinen Mitarbeitern gegenüber gemachten Aeußerungen ist es nicht ausgeschlossen, daß der rc. Gleis sich ein Leid angethan hat.
Um Anstellung von Rccherchen nach dem Verbleib des rc. Gleis, Anhaltnng im Betretungsfalle und Nachricht hierher wird ersucht.
Hanau am 31. Juli 1899.
Der Königliche Landrath.
V. 7461 v. Schenck.
In Alzcnau ist die Rothlaufseuche in der Stallung des Johann Ullrich erloschen und die Gehöftsperre aufgehoben worden.
Hanau am 25. Juli 1899.
Der Königliche Landrath.
V. 7525 v. Schenck.
In Hailer (Kreis Gelnhausen) ist die Rothlaufseuche erloschen und die Gehöftssperre aufgehoben worden.
Hanau am 22. Juli 1899.
Der Königliche Landrath.
V. 7473 v. Schenck.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Verloren: Am 12. Juni im Lamboywalde eine Korallknütte. Am 16. d. Mts. im Kaiserhof (oder in der Nähe) eine goldene Kcavattennadel mit rothem Stein rc. Am 16. d. MtS. vor der Brauerei Dörr ein zweireihiges Korallenarmband. Am 21. d. Mts. ein gelber Damenhand- schuh mit 4 Perlmutterkröpfen. Am 23. d. Mts. eine goldene Kravattenratel, ein „W" darstellend. Am 23. d. Mts. auf dem Wege von Wilhelmsbad noch Hanau ein goldenes Charnierarmband. Am 24. d. Mts. eine schwarze Ledertasche mit Inhalt auf dem Wege vom Paradeplatz nach der Grimm- straße. Am 25. d. MtS. ein Stück Sohlleder.
Feuilleton.
! Die Corsctsrage in neuer Beleuchtung.
Die corsetlose, die schreckliche Zeit hat in der Lukas Kranach Ausstellung zu Dretden der orthopädische Arzt Dr. Schanz entdeckt, und er gibt von seinen B^obachtnnze« eine sehr bemerkenrwerthe Schilderung in der „Deutschen Med. Mochenschr." Zur Zeit, so schreibt Dr. Schanz, befindet sich in Dresden eine LukaS Kranach-AuSstellung, welche in schlagender Weise illustrirt, welchen Einfluß unsere Frauen» kleidung auf den Körper ausübt, wmn sie ohne Corset auf den Schultern getragen wird. Zur Zeit dieses Malers trugen die Frauen eine Kleidung, welche sich von der heutigen Frauenkleiduug im Wesen eben dadurch unterscheidet, daß sie corsetloS ist, ur d daß sie auf den Schultern ruht. Die Röcke sind an dem Leibchen, welches in der Höhe der Magengrube endet, befestigt. Durch diese hechliezenbe Taille ist verhindert, daß die Last der Röcke auch nur zum Theil aus die Hüften verlegt wird.
Wie wirkte diese Kleidung, die. der Jdealkleidung unserer Reform so nahe kommt, auf ihre Trägerinnen ?
Wer die Redensart von der Degeneration deS weiblichen Geschlechtes durch das Coiset im Munde führt, der wird etwas überrascht sein, wenn er die Eva-, die Lukretia» Gestalten, dir Göttinnen jenes Malers steht. Es ist gerade unglaublich, welch eine krumme und verkümmerte Gesell- schajt bie Frauen jener Zeit waren! Jene Frauen hatten ausnahmslos runde Rücken und so hochgradig, wie wir sie unter unseren orchcpädischen Patienten selten sehen! Daß tn der That der runde Rücken in jener Zeit ein Gemeingut der Frauen war, geht daraus hervor, daß der
Entlaufen: Am 22. d. Mts. ein großer gelber Hund mit Maulkorb, Halsband und Steuermarke Nr. 606 pro 1899. Am 24. d. Mts. ein schwarzer Pudel m. Geschl.
Gefunden: Am 22. d. Mts. fünf Herrenkragen. Am 23. d. Mts. ein Taschenbleistist. Am 24. d. Mts. eine Ledertasche, ein Buch enthaltend. Am 25. d. Mts. ein schwarzes Portemonnaie mit Inhalt.
Liegen geblieben: Am 24. d. Mts. auf dem städtischen Meldeamt eine Jrvalideukarte.
Hanau am 26. Juli 1899.
Der Fall Arons.
In dem Disziplinar-Verfahren, welches der Kultus-Mi- nister Dr. Bosse auf Grund des Gesetzes über die Tik- ziplinar-Verhältnisse der Privat-Dozenten vom 17. Juni 1898 gegen den sozialdemokratischen Prioat-Dozenten an der Berliner Unisersität Dr. Arons einzeleitet hat, ist am verflossenen Samstag das erstircstanzliche Uriheil von der Berliner ph lc- sophischen Fakultät bereits g> fällt worden. Dasselbe lautet eben o befremdlicher- wie bedauerlicherweise dahin, daß die Fakultät dem Anträge des Staatsarwa'ts auf Aberkennung des Charakters eines Privat Dozenten nicht beitreten könne, wcil sie die Zugehörigkeit eines Privat-Dozenten zur se- zialdemokratischen Partei nicht als Grund zu seiner Enthebung ansehe.
Der „Vorwärts", der dieses Urtheil mit triumphirenden Ausrufen begleitet, wie: „Der Ansturm auf die Gciftes- Freiheit ist mißlungen", oder: „Das Odium der Unterdrückung der freien Wissenschaft muß die Regierung, besonders der schönridnerische Herr Bcsse, allein und ganz auf sich nehmen", ist in der Lage, über den Ganz der Fakultäts-Verhandlungen einige interessante Mittheilungen zu mache«. Aus diesen läßt sich zu besonderer Freude und Ginngthuung aller staats- erhaltcud gesinnten Kreise entnehmen, daß Gthcimrath Elster vom Kultus-Ministerium, der die Anklage begründete, als Kernpunkt derselben den Umstand betonte, daß Arons als thätiges Mitglied einer Partei angehöre, die den gewalsamen Umsturz der bestehcndin Staats- und Gesellschafts-Ordnung erstrebe. Das ist in der That der einzig richtige Standpunkt. Nicht auf wehr oder minder gröbliche Verfehlungen in der Form des öffentlichen Auftretens kommt eS an, sondern daS Entscheidende ist allein die offen eingestaudene und agitatorisch bethätigte Zugehörigkeit zu einer Partei, deren rcvs- lutionären Charakter nur gänzliche Unwiss nheit oder krasse Heuchelei abzuleugnen vermögen. Eine solche Zugehörigkeit ist mit der Stellung eines Privst-Dozenten, her nach der Art und Wichtigkeit seiner Berufk-Thätigkeit, wo nicht for- m>ll-rechtliS, so doch thatsächlich Staats-Bcamt-r ist, nie und nimmer vc reinbar.
Maler, welcher prächtige Männertzestatten malt, ben runde» Rücken bei der Frau überhaupt als normal ansie^t, und daß er seine Jdealgestalten mit rundem Rück n malt. Auch die Skoliose (Verkrümmung der Wirbelsäule) kann in jener Zeit nicht selten gewesen sein. Das Btl niß der Herzogin Katharina, welches sich in der Ausstellung befindet, zeigt diese stark skolistisch. Der Künstler hat nicht einmal den Versuch gemacht, durch eine günstige Stellung die Skoliose zu verdecken.
Die Frau mit dem runden Rücken ist nun nicht etwa eine spezielle Eigenthümlichkeit Kranach's; sie ist allen Malern jener Zeit gemeinsam. Man betrachte zum Beispiel das bekannte Bild Albrecht Türer'S „Adam und Eva", und man wird erstaunt sein, wie der Maler, der eine so prachtvolle Männergestalt abbildet, daneben eine so krumme Frauengestalt stellm konnte.
Recht lehrreich ist in dieser Beziehung auch das Durch- biätiern der Kostümgeschichte. Vor mir liegt die Kostümgeschichte der Kulturvölker von Jakob v. Falke. Wenn ma« da die Bilder durchsieht, welche deutsche Frauenmoden illn- ßriren, kaun man aus der Haltung der betreffenden Figuren sehen, ob sie aus der Corsetzeit oder auS der oorcorsetlicheu stammen. Die letzteren hoben ruude Rücken, erstere sind gerade aufgerichtet.
Man mscht bei der Behandlung der hier dirkutirten Fragen oftmals den Fehler, eine besonders v-rschnürte moderne Dame gegen eine altgriechische Jrcalfizur zu stellen. Wenn man die Unzweckmäßigkeit der heutigen Fra«-u- kleidung überhaupt darstillen will, ist diese Nebeneinander- sttllung ganz richtig. Aber der Einfluß des Corsets läßt sich auf diese Weise nicht Nachweisen. Das ist nur möglich, wenn man corscttragen.de und richt corseltragende Frauen nebcneinander stellt, die sonst aber nach demselben Prinzip gekleidet sind.
Wenn treuem die philosophische Fakultät der Berliner Unisersität einen abweichenden Standpunkt bekundete, so läßt sich hiersür schwerlich auch nur der leiseste Schein einer Rechtfertigung beibringen. Die Tiraden von dem Vorgehen §egm die Unabhängigkeit der Universitäten, welche auch in der Vertheidigung wieder aufgefrischt wurden, können doch auf klar denkende, logisch geschulte Männer keinerlei Eindruck machen. Was hat bern die Theilnahme an der systematischen Hetzarbeit einer Partei, deren ganzes Wesen dem Geistes- Kampfe abhcld und allein auf die Anwendung terroristischer Machtmittel gerichtet ist, mit der Freiheit der Wifsenschsft und1 ihrer Sem zu thun? Oder wo hat sich die Regierung jemals in die wissenschaftlichen Schlußfolgerungen eingemischt, welche der Physiker AronS aus dem Katheder gezogen ?
Hub ebenso ungünstig stellt sich das Verhalten der Fakultät bar, wenn man die Seche unter ethischem Gesichtspunkte betrachtet. Niemand erscheint wohl mchr verpflichtet, staatliche Gesinnung zu pflegen und die Idee des Staates hochzuhalten, als die Lehrer der ak-demisch-n Jugend, welche dereinst berufen ist, in hervorragendem Maße an der Leitung der Staats-Angelegenheiten theilzunchmen. Wenn sich unter den Universitäts-Lehrern Gleichgiltigkeit oder gar Hinneigung gegenüber einer Richtung eiubürgert, die den Staat offen bekämpft und durch die auf anarchistischen Grundoorstellurgen ruhende „Gesellschaft" zu ersetzen strebt, dann ist die erzieherische Wirksamkeit des akademischen Lehramts in ihrem Lebensnerv gclähmt und zugleich das Gesammtwohl gefährdet. Ja dem vorliegenden Aronsschen Falle wird ja hoffentlich die bereits eingelegte Berufung Wandel schaffen, aber das Unheil der Berliner philosophischen Fakultät erscheint als Symptom von weittragender Bedeutung. Wollen die deutschen Universitäten ihrer hohen geschichtlichen Missio« treu bleiben und sich auch fernerhin in dem Vertrauen und der Achtung der besten Kreise der Nation behaupten, so dürfen jedenfalls Entscheidungen, wie die vom versoffenen Samstag nicht wiederkehren.
Tagesschau.
Von der Reichsbank.
In der gestrigen Sitzung des Zentcalausschuffes der Reichsbank theilte Präsident Dr. Koch mit, ung achtet der Diskont-Erhöhung vom 19. Juni seien die Ansprüche an die Reich-bank ungcwöhnlich hoch gewesen. Die Anlage jet seitdem um 47 Millionen gestiegen und gegenwärtig 118, bezw. 150 und 153 Millionen höher als in den drei Vorjahren. Der Metalloorrath ist gegen 1898 um 3, gegen 97 um 24, ge-en 96 um 40 Million'« kleiner. Die fremden Gelder
Um die Möglichkeit eines Mitzverftänvnisses auszuschließen, will ich zum Schluß noch einmal kurz zusammeufsssen, was ich mit meinen Auiführ««zen sagen wollte; Ich will nicht alS Verth idig-r des Corsets an sich auftreten. Ich verkenne b;ffen Schädlichkeiten keinesfalls; sie sind so bekannt, daß ich nicht auf dieselben einzugehen brauchte. Ich wollte Nachweisen, daß das Corset, wenn es richtig gebraucht wird, in der heutigen Frauenkleisung ein zweckmäßiger Bestrndtheil ist; und ich wollte darauf Hinweisen, daß die Sieform der Frauenkleiduug nicht mit der Beseitigung des Corsets beginnen, sondcrn mit derselben endigen muß."
Aus Kunst und Leben.
Die Ansprache des Kaisers an die Preisrichter des Kasseler Gesangswettstreites. Ueber eine bereits in Kwze bekannt gewordene AnPrache te3 Kaisers an die Preisrichter des Kasseler Gesaoesweitstceitrs berichten die „Fliegendcn Blätter deS evanLelizchen Kirchenmusikoereins in Schlcsi n" folgendes Nähere. Der Kaiser dankte den Preisrichtern für ihre hingebungsvolle Tyätigkeit und gab seiner Genugthuung über b^ schöre Gelingen der Veranstaltung Ausdruck. Der Kaiser ersann!e die Thä'igkeit der einzelnen Vereiue an und betonte seine bisondere Freude darüber, daß man zum Wettstuzcn so viele Gedichte p-triotischen Inhalts gewählt hobt. Er müsse aber gleich,eilig sein Bedauern aus- sprechen, daß die zu Wort gekommenen Komponisten in Bezug auf die Schwierigkeiten bei Satzes zu große Anforderungen an die Säug r stellten. Eine orchestrale Behandlung der vier Stimmen sei für den Männerchorsatz nicht passend. Dir £.e= hörten schwierigen Gesänge hätten bewiesen, daß sich die Komponisten für Männerchöre in Bahnen bewegten, die für die Entwicklung dieser Kunstgattung ungünstig seien. Man habe einander an musikalischen Kunststücken überbieten wollen. Die